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Super-Vectoring: Die neue DSL-Technik im Überblick

25.07.2019 | 09:01 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Das ist wirklich erstaunlich: Noch kein Jahr im Einsatz, erreicht die neue DSL-Technik bereits über die Hälfte aller deutschen Haushalte. Wir nennen die Provider, Tarife, Kosten sowie Hardwareanforderungen und erklären, worauf es sonst noch ankommt.

Super-Vectoring heißt die neue DSL-Technik für schnelles Internet mit 250 MBit/s, die zwar noch nicht einmal ein Jahr im Einsatz ist, mittlerweile aber schon rund 22 Millionen Haushalte erreicht. Bevor wir Preise, Anbieter, Verfügbarkeit, Vertragslaufzeiten und Hardware im Detail erläutern, geben wir zunächst Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Welche Vorteile bietet Super-Vectoring? Mit 250 MBit/s im Download mehr Bandbreite als DSL, VDSL und das bisherige Vectoring (16, 25, 50 oder 100 MBit/s). Der Upload ist mit 40 MBit/s schneller als bei vergleichbaren Kabelanschlüssen.

Was kosten die Anschlüsse? Neukunden zahlen in den ersten beiden Jahren monatlich zwischen 35 und 40 Euro. Die Internetund Festnetz-Flatrate ist somit fünf bis zehn Euro teurer als ein laufender Vertrag mit langsamerem DSL.

Ist ein Providerwechsel erforderlich? Wer schon jetzt Kunde bei einem der großen DSL-Anbieter ist, muss nicht wechseln, da sie alle schnelles Super-Vectoring anbieten.

Wo ist Super-Vectoring verfügbar? In über der Hälfte aller deutschen Haushalte steht das superschnelle Internet über DSL bereits zur Verfügung. Ihre Wohnadresse prüfen Sie über einen Verfügbarkeitscheck.

Ist neue Hardware erforderlich? In der Regel ja! Wer keinen ganz aktuellen Router besitzt, benötigt meist ein neues Gerät zum Kauf oder zur Miete.

Gibt es auch Nachteile? Der Preis: Sofern man nach zwei Jahren nicht erneut den Provider wechselt, zahlt man gegenüber VDSL 25 oder 50 einen monatlichen Aufpreis von fünf bis zehn Euro. 

Interessant: So schnell surft Deutschland: Internet-Speed im Vergleich

Superschnelles Internet bisher nur über Glasfaser und TV-Kabel 

Die meisten Verteilerkästen gehören der Deutschen Telekom.
Vergrößern Die meisten Verteilerkästen gehören der Deutschen Telekom.

Wer Internet mit einer höheren Bandbreite als 100 MBit/s haben wollte, war bis zum vergangenen Herbst auf das TV-Kabel oder Glasfaser angewiesen. Doch beide Anschlussarten haben Nachteile. 

Glasfaserleitungen, auch als FTTH oder FTTB (Fiber to the Home / Building) bezeichnet, sind anders als das Telefon- und TVKabelnetz in den meisten Kommunen noch nicht verlegt. Weil die Investitionen in den Aufbau erheblich sind, ist die Zahl der Glasfaserhaushalte gering.

Kabelanschlüsse sind mit bis zu 500 oder gar 1000 MBit/s extrem schnell und häufig vergleichsweise günstig. Allerdings kann man den Versorger hier nicht frei wählen, denn die haben jeweils ein Versorgungsmonopol. Das gilt für alle Gebäudearten sowie für Mieter und Eigentümer. Deshalb sind auch Aussagen wie „Vodafone versorgt alle Bundesländer außer Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Hessen und Nordrhein- Westfalen“ so nicht korrekt. Denn ein Haus kann auch in München oder Hamburg an einen anderen Provider angeschlossen sein, eine Wahl- oder Wechselmöglichkeit hat man dort nicht. Wer sich also für Kabel entscheidet, war zumindest bisher auf den einen Anbieter angewiesen. Ob sich das künftig durch die geplante gemeinsame Kabelnutzung von O2/Telefonica und Vodafone ändert, ist wegen der kartellrechtlichen Genehmigung noch offen.

Zudem ist die Auswahl an Kabelroutern viel kleiner als bei DSL, die Upload-Raten sind geringer (typisch bei einem 200-MBit-Anschluss sind 12 MBit/s), und es teilen sich alle an einem Netzwerksegment angeschlossenen Haushalte die Gesamtleitung. Abhängig vom Ausbaustand kann deshalb vor allem in den Abendstunden die tatsächliche Geschwindigkeit deutlich sinken.

Super-Vectoring sorgt mit neuer Technik für schnelleren Download

Abhängig von der Entfernung zum nächsten Verteilerkasten stehen zu Hause nicht die vollen 250 MBit/s, sondern nur eine etwas reduzierte Bandbreite zur Verfügung.
Vergrößern Abhängig von der Entfernung zum nächsten Verteilerkasten stehen zu Hause nicht die vollen 250 MBit/s, sondern nur eine etwas reduzierte Bandbreite zur Verfügung.

Das Problem des „shared medium“ besteht bei DSL-Anschlüssen nicht in dieser Form. Hier hängt der Durchsatz vor allem von der Leitungslänge ab. Während das bisherige Vectoring dank einer speziellen Entstörtechnik bereits 100 MBit/s möglich machte, geht das sogenannte Super-Vectoring nun darüber hinaus. Das nutzbare Frequenzspektrum wird dazu von 17 auf 35 MHz erhöht (DSL-Profil 35b), was in einem Umkreis von wenigen hundert Metern um die Verteilerkästen bis zu 300 MBit/s im Download möglich macht. Vermarktet werden die Anschlüsse allerdings nur mit 250 MBit/s im Down- und 40 MBit/s im Upload. Da jedoch die DSL-Bandbreite von der Leitungslänge abhängt, fällt die Bandbreite mit zunehmender Entfernung vom Verteilerkasten ab. Alle Provider bieten deshalb einen hausnummerngenauen Verfügbarkeitscheck im Web (siehe dazu die Tabelle), der folglich unter Umständen eine reduzierte Bandbreite nennt.

In den vergangenen Jahren hat insbesondere die Deutsche Telekom viele zusätzliche Verteilerkästen aufgestellt, sie ans Glasfasernetz angeschlossen und mit neuer Technik ausgerüstet. Da dieser letzte Schritt nur den Austausch eines Steckmoduls erfordert, geht die Umstellung so rasch von statten. Ende des Jahres will der Ex-Monopolist bereits rund 28 Millionen Haushalten seine 250-MBit-Anschlüsse anbieten, das sind mehr als zwei Drittel aller Wohnungen.

Siehe auch: Die neuen WLAN-Standards: So schnell wird Ihr Netz

Router und Heimnetz auf Speed

Damit beim Super-Vectoring die volle Bandbreite genutzt werden kann, muss auch die übrige heimische Infrastruktur passen. Angefangen beim Router, unterstützen bisher nur wenige Geräte den schnellen Standard, darunter die Fritzbox-Modelle 7590, 7530 und 6890 LTE. Alternativ stellen die Provider geeignete Hardware zur Verfügung. Bei O2/Telefonica ist die „Homebox 2“ kostenlos, bei Vodafone die Fritzbox 7530 nur in den ersten beiden Jahren. Unverständlich ist, das s 1&1 zum schnellen Anschluss zwar ein kostenloses DSL-Modem anbietet, dieses aber nur Vectoring bis 100 MBit/s unterstützt und zudem keinen Gigabit-LAN-Anschluss besitzt. Alle Provider bieten darüber hinaus geeignete WLAN-Router für eine Monatsgebühr zwischen drei und sieben Euro zur Miete.

Auch das übrige Heimnetzwerk sollte auf 250 MBit/s ausgelegt sein, es sollte nicht durch einen 100-MBit-Switch ausgebremst werden. Powerline-Adapter sollten formal 1000 oder 1200 MBit/s über die Steckdose übertragen und Buchsen für Gigabit-LAN besitzen. Bei WLAN sorgen 11ac-Geräte mit zwei Antennen für den nötigen Durchsatz. 

Die Anbieter von Super-Vectoring im Vergleich

Mancher Provider warnt zwar davor, einen „fremden“ Router zu verwenden. Einrichtung und Verbindung sind mit den persönlichen Zugangsdaten aber kein Problem.
Vergrößern Mancher Provider warnt zwar davor, einen „fremden“ Router zu verwenden. Einrichtung und Verbindung sind mit den persönlichen Zugangsdaten aber kein Problem.

Überregional offerieren die großen Provider beziehungsweise Reseller 1&1, Deutsche Telekom, O2/Telefonica und Vodafone Super-Vectoring. Die Geschwindigkeiten für Down- und Upload sind bei allen identisch. Das gleiche gilt für die tatsächliche Bandbreite, selbst wenn sich die sogenannten Produktinformationsblättern der Provider hier unterscheiden. Schließlich kommt es bei einer bestimmten Wohnadresse nur auf die Leitung zum Verteilerkasten an. Ob man diese nun bei 1&1 oder bei Vodafone mietet, ist hingegen egal.

Die Preise dagegen differieren durchaus: 1&1 sowie O2 sind mit monatlich knapp 45 Euro am günstigsten, die Telekom mit zehn Euro mehr am teuersten. Wer sich für 24 Monate bindet, kann über Rabatte und Gutschriften während der ersten beiden Jahre die Kosten auf unter 40 Euro drücken. Tagesaktuelle Konditionen zeigt der PC-WELT Tarifrechner unter https://tarife.pcwelt.de/dsl.php .

Unterschiede bestehen darüber hinaus beim Leistungsumfang: Telekom und O2 inkludieren eine Telefon-Flatrate in alle deutschen Mobilfunknetze, die fehlt bei 1&1 sowie Vodafone. Auch die Bereitstellung der Router unterscheidet sich abhängig vom Anbieter: Vodafone stellt den Basis-Router gratis bereit, die Telekom und O2 berechnen knapp fünf beziehungsweise sechs Euro Gerätemiete pro Monat. Und 1&1 bietet zwar ein kostenloses Modem, das aber überträgt nur 100 MBit/s, reizt Super-Vectoring also nicht aus, wie das Unternehmen auf Nachfrage bestätigt.

Verwenden muss man keines der Geräte, denn die Provider müssen ihren Kunden deren Zugangsdaten mitteilen, mit denen sich jeder geeignete Router verwenden lässt. Details zu den Routeranforderungen lesen Sie im Kasten.

Tipp: Wer sich zwei Jahre an einen Provider bindet, spart pro Monat bis zu 15 Euro. Über 24 Monate addiert sich das auf rund 350 Euro. Wer dagegen einen Umzug ins Auge fasst, wählt besser einen Kontrakt ohne Mindestlaufzeit von 1&1 oder Vodafone.

Provider und Tarife mit Super-Vectoring (250 Mbit/s)
Vergrößern Provider und Tarife mit Super-Vectoring (250 Mbit/s)

Für wen lohnt sich das superschnelle Internet überhaupt?

DSL-Verfügbarkeit geprüft, Kabelanschluss bekommen.
Vergrößern DSL-Verfügbarkeit geprüft, Kabelanschluss bekommen.

250 MBit/s benötigen bei Weitem nicht allen privaten Haushalte, selbst vier parallele 4K-Videostreams erfordern maximal 100 MBit/s. Andererseits merkt man die höhere Geschwindigkeit im Alltag dann eben doch: Jeweils ein GByte Updates am Microsoft-Patchday dauern für fünf Familien-PCs bei VDSL 25 eine knappe halbe Stunde, bei Super-Vectoring weniger als drei Minuten.

Spürbar ist der Unterschied ebenfalls im Upload: Für die Synchronisation von 100 Smartphone-Bildern > fünf MByte in die Cloud muss man im WLAN bei VDSL 25 fast 15 Minuten warten, beim 40-MBit-Upload keine zwei. Und noch ein Beispiel: Wer statt Dropbox, Google Drive & Co. seine Daten lieber in einer privaten Cloud zu Hause auf der Netzwerkfestplatte speichert, profitiert beim Fernzugriff ebenfalls vom schnelleren Upload. Für diesen „Luxus“ bezahlt man gegenüber VDSL 25/50 oder Vectoring mit 100 MBit/s einen monatlichen Mehrpreis zwischen fünf und zehn Euro. 

So wechseln Sie den Provider richtig

Unseren langjährigen Erfahrungen nach funktioniert der Wechsel des Festnetz- und Internetanschlusses weitgehend reibungslos. Deutlich schlechter zeigt sich die Lage nach einer repräsentativen Umfrage des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, wo es in etwa jedem fünften Fall Probleme gab. Deshalb hier die wichtigsten Punkte für den problemlosen Providerwechsel.

Rechtzeitig kündigen: Wann läuft der bestehende Vertrag aus? Die Kündigungsfrist beträgt bei den üblichen 2-Jahres-Verträgen meist drei Monate.

Tarife vergleichen: Nutzen Sie einen Tarifrechner wie den der PC-WELT . Wenn Sie eine DSL-Leitung bevorzugen, deaktivieren Sie in den erweiterten Einstellungen als Anschlussart „Kabel“.

Verfügbarkeit prüfen: Erst die Eingabe Ihrer Wohnadresse im Tarifvergleich oder im Verfügbarkeitscheck des Providers zeigt, welche Bandbreite Ihnen wirklich zur Verfügung steht.

Leistungen und Kosten vergleichen: Die inkludierte Doppel-Flatrate für Internet und Telefonate ins deutsche Festnetz ist Standard. Die Kosten für weitere Leistungen wie Gespräche in die Mobilfunknetze und ins Ausland oder die Bereitstellung eines Routers unterscheiden sich zum Teil erheblich.

Provider online wechseln: Am einfachsten wechseln Sie den Provider, indem Sie den neuen Anbieter mit der Kündigung Ihres bisherigen beauftragen. Vergessen Sie dabei nicht die Rufnummernportierung, damit Sie die bisherige Telefonnummer behalten. Wenn Sie alle Eingaben in Ruhe im Internet machen, kann Ihnen niemand unerwünschte Zusatzoptionen unterjubeln.

Vorsicht bei „Umberatung“: Einen DSL-Anschluss bekommen Sie kaum bei dem Provider, der bei Ihnen auch das TV-Kabelnetz betreibt. Das würde den Provider mehr kosten – er wird deshalb immer versuchen, Sie „umzuberaten“.

Die Themen in Tech-up Weekly #152:

► Geforce GTX 1650: Mehr Gaming-Power für kleines Geld:
www.pcwelt.de/news/Geforce-GTX-1650-Mehr-Gaming-Power-fuer-kleines-Geld-10580716.html

► Grüne fordern: 100 Euro pro Tag, wenn Internet ausfällt:
www.pcwelt.de/news/Gruene-fordern-100-Euro-pro-Tag-wenn-Internet-ausfaellt-10581551.html

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Quick-News:

► Fortnite: Entwickler beklagen schlechte Arbeitsbedingungen:
www.pcwelt.de/news/Fortnite-Entwickler-beklagen-schlechte-Arbeitsbedingungen-10581187.html

► Web-Schnitzeljagd eröffnet: 1-Mio-Dollar-Schatz gesucht:
www.pcwelt.de/produkte/Web-Schnitzeljagd-eroeffnet-1-Mio-Dollar-Schatz-gesucht-10578956.html

► Microsoft begräbt Windows 10 Sets:
www.pcwelt.de/news/Microsoft-begraebt-Windows-10-Sets-10579861.html

► Telekom baut letzte gelbe Telefonzelle in Deutschland ab:
www.pcwelt.de/news/Telekom-baut-letzte-Telefonzelle-in-Deutschland-ab-10580088.html

► Microsoft ist über eine Billion US-Dollar wert:
www.pcwelt.de/news/Microsoft-ist-ueber-eine-Billion-US-Dollar-wert-10581583.html

► OnePlus 7 Serie wird am 14. Mai enthüllt:
www.pcwelt.de/news/OnePlus-7-Serie-wird-am-14.-Mai-enthuellt-10581154.html

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Fail der Woche:

► WiFi Finder: Android-App leakt 2 Mio. WLAN-Passwörter:
www.pcwelt.de/produkte/WiFi-Finder-Android-App-leakt-2-Mio.-WLAN-Passwoerter-10580497.html

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