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Super League Gaming CEO: eSports wird bis 2023 ein Drei-Milliarden-Dollar-Markt

27.05.2021 | 13:02 Uhr |

Ann Hand war Senior Vice President bei British Petroleum, ist es gewohnt, mit Milliarden-Umsätzen zu arbeiten und glaubt, dass wir im esports noch gar nicht erahnen, wie gigantisch der Kuchen eigentlich ist. Denn Profi-esports, so sagt sie, besteht nur aus 30.000 Athleten. Die stehen 300 Millionen Hardcore-Gamern entgegen, die sie mit ihren Amateur-Ligen für Apex Legends, Rocket League, Among Us, Valorant und 20 weiteren Games mit Super League Gaming abholen will

Ann Hand, CEO der Super League, ist es gewohnt, mit den richtig großen Zahlen zu arbeiten: „eSports ist aktuell noch ein kleiner Markt, bis 2023 sind wir bei drei Milliarden US-Dollar globalen Umsatzes und von da an dürfte es sehr viel steiler bergauf gehen. Drei Milliarden ist keine große Zahl, das haben wir bei British Petroleum an Profit verdient im Jahr.“ Hand ist sicherlich der ungewöhnlichste CEO der großen Ligen, denn sie war vorher über ein Jahrzehnt in der Öl-Branche Senior Vice President Global Brand & Marketing. Eine Top-Managerin, deren erster Job in der Gamesbranche gleich die CEO-Position war. Sie bringt eine einzigartige Expertise in die Branche ein, weil sie ihr Leben lang für Großkonzerne gearbeitet hat, die sich vor allem durch ihre aggressive globale Expansion auszeichnen.

In Chicago hat sie die Abteilung für Business Development der McDonald’s Corporation geleitet, zunächst in den USA. Dann international. Dadurch kennt sie viele unterschiedliche Märkte, auch durch ihre Stationen bei British Petroleum und Exon Mobil, die überall auf der Welt Öl fördern. „Es ist eine Branche, die sehr global denkt und enorm effizient arbeitet. Du hast eine Flotte von Tankern, wie kannst du damit am effizientesten deine Ressourcen von Punkt A nach B bringen?“ Mittlerweile lebt und arbeitet sie in Los Angeles, dem Herzen des Gamings – die größten Publisher der Welt haben hier ihren Hauptsitz, Activision Blizzard, Electronic Arts und viele der größten Studios der Welt - Riot Games ist einmal über die die Straße rüber in Santa Monica.

Super League Gaming geht in eine spannende Nische und richtet Turniere für Publisher aus, die noch keine große esports-Division haben: WGT Top Golf, Among Us oder Apex Legends. Aber auch Minecraft oder Clash of Clans.
Vergrößern Super League Gaming geht in eine spannende Nische und richtet Turniere für Publisher aus, die noch keine große esports-Division haben: WGT Top Golf, Among Us oder Apex Legends. Aber auch Minecraft oder Clash of Clans.
© Super League Gaming

Ihr Konzept für Super League Gaming: Amateur eSports für 300 Millionen Hardcore-Gamer und maximale Monetarisierung von User-generated-Content über eine Multi-Channel-Strategie, die Youtube, Instagram, TikTok, Facebook und Snapchat inkludiert. Alles hat angefangen mit 150 Minecraft-Events, mittlerweile haben sie 30 Spiele im Portfolio, darunter Rocket League, Apex Legends, WGT Top Golf, Among Us, aber auch City Champs als Amateur-Turnier für League of Legends mit zwölf Squads á fünf Spielern. Ein Konzept, welches während der Pandemie im Jahr 2020 voll aufging: Drei Millionen registrierte User, zwei Milliarden Video-Views, 2.4 Millionen Reichweite auf Social Media. „Gaming ist Socializing. Wenn wir uns unsere Daten anschauen, dann schauen Gamer viel mehr Videos, als dass sie selbst aktiv spielen und das ist ein Trend, der während 2020 explosiv gewachsen ist. Das ist durchaus analog zu klassischen Sportarten – in den USA schauen mehr Menschen NBA, als dass sie täglich Basketball spielen würden. Und sobald das wieder möglich ist, wollen wir auch wieder lokale Events anbieten, weil wir einfach merken, dass Gamer sich in ihren Städten mit anderen Fans austauschen und treffen möchten.“ Vor der Pandemie veranstaltete Hands Teams viele Events mit Sponsoren, etwa in einem Samsung-Store, in dem Ninja auf einem Galaxy Note 20 gegen Kunden des Stores spielte.

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Wir gewinnen, weil unser Fokus auf Amateur-eSports liegt“

Super League verfolgt einen anderen Ansatz als professioneller esports: Es ist sehr viel interaktiver, bei diesem Turnier spielen etwa alle auf den Rängen mit respektive beteiligen sich interaktiv via Twitch. Es ist wie eine Art interaktives Kino.
Vergrößern Super League verfolgt einen anderen Ansatz als professioneller esports: Es ist sehr viel interaktiver, bei diesem Turnier spielen etwa alle auf den Rängen mit respektive beteiligen sich interaktiv via Twitch. Es ist wie eine Art interaktives Kino.
© Super League Gaming

Hand sieht den professionellen eSports durchaus kritisch, weil die Margen nicht passten. „Es gibt eine Menge Leute, die professionelle Teams feiern und das ist toll, aber es ist ein schwieriges Geschäftsmodell.“ Das liegt vor allem an den sogenannten Franchises, die für Activision Blizzard und Riot Games zur Gelddruckmaschine avanciert sind: Bis zu 30 Millionen US-Dollar müssen die Teams bezahlen, nur um in der Liga mitspielen zu dürfen. Sie werden dann auch an den Einnahmen beteiligt, worin aber nicht der große Wert liegt. Sondern darin, dass man den Spot in ein paar Jahren gewinnbringend verkauft. „Bitte nicht falsch verstehen, ich schätze den professionellen eSports. Aber es ist nun mal auch so, dass es ein sehr privater Markt ist, der von unglaublich hohen Evaluationen lebt. Wir sind an der Börse, diesen Luxus haben wir nicht – unsere Finanzen sind transparent, wir müssen jedes Quartal unser Geld verdienen.“

„Der ganze Fokus der Presse liegt auf Profi-eSports, obwohl dieser Bereich winzig ist. Wir reden hier von 20 bis 30.000 Athleten, die mit eSports ihr Geld verdienen. Während es da draußen drei Milliarden Gamer gibt. Ich vergleiche das gerne mit Baseball: Es ist als würde man über Baseball sprechen und nur die MLB meinen, die Major League Baseball. Oder über Fußball und nur über die Premier League. Und nicht über die hunderttausenden Vereine im College-Bereich, die Uni-Teams, die Amateur-Clubs. Ja, wir hatten gerade auch einen 17-Jährigen, der einen Profi-Vertrag aus unserer Liga unterschrieben hat und das freut uns. Aber für uns geht es um die Basis. Um die hunderte Millionen von Gamern, die aus Leidenschaft spielen. Das sind natürlich nicht diese drei Milliarden, bei denen wir wirklich jeden dazu zählen, der in irgendeiner Form spielt. Aber die Hardcore-Gamer-Szene weltweit ist ungefähr 300 Millionen stark, über alle Plattformen gerechnet. Wir bieten wirklich für alles eine Liga: Minecraft, Rocket League, Rainbow Six Siege, Apex Legends, Valorant, Among Us, aber auch Mobile-Games wie Clash Royale, was bei uns super erfolgreich ist.“

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Das große Geld liegt in smarter Monetarisierung von User-generated Content

Super League Gaming hat in jeder Stadt der USA Teams etabliert, die nicht nur gegeneinander antreten, sondern vor allem auch Content produzieren, die SLG dann mundgerecht für Social Media aufbereitet.
Vergrößern Super League Gaming hat in jeder Stadt der USA Teams etabliert, die nicht nur gegeneinander antreten, sondern vor allem auch Content produzieren, die SLG dann mundgerecht für Social Media aufbereitet.
© Super League Gaming

Super League Gaming fährt ein komplett anderes Geschäftsmodell als etwa die ESL, die größte und reichweitenstärkste Liga der Welt. Während die ESL all ihre Content-Streams, alle Youtube-Videos etwa in enorm hoher Broadcast-Qualität produziert und zur Lizenz anbietet, sieht sich Super League Gaming eher als eine Art Youtube des Gamings: „Es gibt Tage, an denen schaffen wir es, 190 individuelle Pieces aus User-generated Content auf unserer Plattform auf Snapchat und Instagram auszuspielen und diese über unsere Werbepartnerschaften zu monetarisieren.“ Super League Gaming fungiert dabei als eine Art Mega-Creative-Agency, die sich Twitch-Streams und Youtube-Videos nimmt, die ihre Community bei ihnen hochlädt und schneidet diese in mundgerechte Stücke. Schließlich hat jede Plattform heutzutage sehr unterschiedliche Anforderungen – eine Instagram-Story darf nicht länger als 30 Sekunden sein, ein Insta-Video nicht länger als eine Minute und TikTok ist sehr in der Meme-Kultur verankert.

Wie kann die Managerin hier ihre Expertise aus ihrer Karriere bei etwa Fastfood-Gigant McDonalds einbringen? „Standardisierung und Prozesse sind wichtig. Bei McDonald’s geht es darum, in kürzester Zeit das zu 100 Prozent identische Produkt in jedem Land der Welt anbieten zu können – ein Burger in LA schmeckt genauso wie einer in München. Es gibt nicht viele Food-Konzerne, die das können. Und Schnelligkeit ist auch auf Social Media enorm wichtig: Die Gaming-Kultur ist kurzlebig, Trends kommen und gehen sehr schnell und gerade Memes funktionieren oft nur 24 Stunden. Du kannst hier keine tagelangen Strategie-Meetings halten, du musst direkt in die Produktion und deine Pipelines ausliefern.“

Super League Gamings CEO glaubt, dass wir mit einem erwarteten globalen Umsatz von drei Milliarden US-Dollar 2023 gerade mal am Potential des esports kratzen, der laut ihr in den nächsten Jahren eher in die Umsatzgrößen einer NBA wachsen wird.
Vergrößern Super League Gamings CEO glaubt, dass wir mit einem erwarteten globalen Umsatz von drei Milliarden US-Dollar 2023 gerade mal am Potential des esports kratzen, der laut ihr in den nächsten Jahren eher in die Umsatzgrößen einer NBA wachsen wird.
© Populous

Super League Gaming arbeitet vor allem aktuell auch an vielen kreativen Konzepten, die Spiele und ihre Communities bereichern sollen. So hat man in Partnerschaft mit dem Fußballverein Manchester City Minecraft Soccer konzipiert, eine Art Fußball-Welt in Minecraft, in der man auch wirklich Turniere austragen kann – wie FIFA, nur eben in Minecraft. „Wir haben das während der Corona-Krise gelauncht, weil wir festgestellt haben, dass Kids dieser Austausch mit ihren Freunden fehlt. Hier konnten sie sich treffen, kicken, aber auch auf den Rängen treffen zum Beispiel, um einfach nur via Headset sich zu unterhalten. Es ist ein Social-Space für die Minecraft-Community."

Zusammen mit dem Fußball-Club Manchester City hat man eine Minecraft-Fußballwelt gebaut, die als Social-Space dienen soll, in der sich die Kids treffen können, die ja aktuell ob Corona ihre Freunde mehr virtuell, als in der realen Welt sehen.
Vergrößern Zusammen mit dem Fußball-Club Manchester City hat man eine Minecraft-Fußballwelt gebaut, die als Social-Space dienen soll, in der sich die Kids treffen können, die ja aktuell ob Corona ihre Freunde mehr virtuell, als in der realen Welt sehen.
© Super League Gaming

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