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Stream mit Steam - So spielen Sie über Ihr Netzwerk

20.03.2018 | 10:10 Uhr |

Über Steam können Sie Spiele von einem Rechner im lokalen Netzwerk auf einen anderen übertragen und dort spielen. Diese Technik klappt auch zwischen Windows- und Linux-PCs.

Steam ist eine Spieleplattform für Windows wie Linux. Über Steam können Sie Spiele erwerben, es gibt aber auch kostenlose Angebote. Nicht jeder Spieletitel ist auch für Linux verfügbar, obwohl die Anzahl in den letzten Jahren gestiegen ist. In diesem Artikel beleuchten wir die Streamingfunktion des Steam-Clients im eigenen Netzwerk. Damit ist es möglich, Spiele, die nur unter Windows laufen, auch unter Linux zu spielen – oder umgekehrt. Außerdem können Sie per Streaming ein Spiel beispielsweise über ein Notebook auf einem großen TV-Bildschirm darstellen.

Voraussetzungen für Steam und Streaming

Der Spiele- beziehungsweise Server-PC muss über ordentliche Leistung verfügen. Ein Vierkern-Prozessor, acht GB Speicher und eine leistungsfähige Grafikkarte sind die Minimalanforderung. Was Sie dann im Einzelfall tatsächlich benötigen, hängt auch vom jeweiligen Spiel ab. Neben der Berechnung der Spielgrafik in der gewünschten Auflösung hat der Server die Aufgabe, Grafik und Sound in einen H.264-komprimierten Stream umzuwandeln. Das kann die GPU der meisten Grafikkarten erledigen, was den Prozessor des PCs entlastet und für eine bessere Gesamtleistung sorgt.

Auf der Clientseite darf die Hardware hingegen um einiges bescheidener ausfallen, aber allzu langsame Altgeräte kommen auch hier nicht in Betracht: Der Client-PC muss den empfangenen Stream in Echtzeit decodieren können.

Optimal ist es, wenn es auch hier einen Grafikchip mit hardwareseitigem H.264-Decoder gibt, wobei dies auch der Hauptprozessor übernehmen kann, wenn dessen Leistung stimmt. Die Grafikauflösung kann gleich oder auch kleiner ausfallen als jene auf dem Streamingserver.

Das gewünschte Spiel muss nur auf dem Server-PC installiert sein. Er stellt die Rechenleistung zur Verfügung und überträgt das Spiel auf den Client-PC. Auf diesem muss nur der Steam-Client installiert sein, der erneute Download der Spieledateien entfällt daher.

Anforderungen an das Netzwerk: Entscheidend für ruckelfreien Spielgenuss sind Bandbreite und Latenz der Netzwerkverbindung. Während hohe Auflösungen eine hohe Netzwerkbandbreite erfordern, etwa Ethernet mit 100 MBit/s, verlangen schnelle Reaktionszeiten eine möglichst niedrige Netzwerklatenz. Die gibt es nur im kabelgebundenen Netzwerk.

Prinzipiell arbeitet In-Home-Streaming auch mit WLAN, sofern dieses nach dem Standard 802.11n oder 802.11ac eine ausreichende Bandbreite liefert. Um genügend Reserven für eine Übertragung in HD-Auflösung und 60 Bildern pro Sekunde zu haben, empfiehlt Valve mindestens eine WLAN-Verbindung mit 802.11 N.

Für das beste Ergebnis sollten Sie aber ein Fünf-GHz-WLAN oder ein Wireless-AC-Netzwerk verwenden.

Bei vielen Spieletiteln sind die Verzögerungen im WLAN trotzdem zu hoch und die Steuersignale brauchen für den Weg zurück zum Streamingserver einige Millisekunden zu lange. Selbst in einem optimalen Szenario mit kabelgebundenem Gigabit-Ethernet ergibt sich immer noch eine leichte Anzeigeverzögerung von 20 bis 30 Millisekunden. Das klingt tolerabel, aber solche Verzögerungen sind bei schnellen Ego-Shootern durchaus spürbar und können stören. Bei eher strategischen Spielen, bei welchen es nicht auf extrem schnelle Reaktionszeiten ankommt (Rollenspiele, Strategie- und Aufbauspiele) fällt leichte Beeinträchtigung nicht ins Gewicht.

Für die schnelle Übertragung müssen alle Häkchen unter „Hardwareencoding aktivieren“ gesetzt sein.
Vergrößern Für die schnelle Übertragung müssen alle Häkchen unter „Hardwareencoding aktivieren“ gesetzt sein.

Steam auf dem PC installieren

Der Steam-Hersteller Valve unterstützt neben Windows 7 bis 10 offiziell nur Ubuntu und verwandte Systeme. Die Installation ist zwar auch unter anderen Linux-Distributionen möglich, wir raten davon jedoch wegen der zu erwartenden Probleme ab. Die Steam-Software ist in den Paketquellen etwa von Ubuntu 14.04, 16.04 und Linux Mint 18 enthalten, standardmäßig allerdings nur in der 32-Bit-Version. Für die Installation auf einem 64-Bit-System führen Sie die folgenden Befehlszeilen in einem Terminalfenster aus:

sudo dpkg --add-architecture i386
sudo apt update
sudo apt install steam

Bei einem 32-Bit-System lassen Sie die erste Zeile weg. Nutzer einer neueren Ubuntu-Version ab 17.04 verwenden zur Installation diese Zeile:

sudo apt install steam-installer steam-devices

Alternativ können Sie für alle Systeme, die auf Ubuntu basieren, ein DEB-Paket über http://store.steampowered.com/about herunterladen. Es lässt sich im Dateimanager per Doppelklick auf die Datei „steam_latest. deb“ installieren. Auf der gleichen Seite finden Sie auch den Download der Setupdatei für Windows.

Zur Verbesserung der Grafikleistung sollte ein optimierter Treiber installiert sein. Bei Ubuntu suchen Sie im Dash nach „Zusätzliche Treiber“, bei Linux Mint im Menü nach der „Treiberverwaltung“. Das Konfigurationstool bietet Ihnen meist mehrere Treiber an, wenn welche für Ihre Grafikhardware verfügbar sind. Wählen Sie einen Treiber mit dem Zusatz „getestet“ oder „empfohlen“ und klicken Sie auf „Änderungen anwenden“.

Danach starten Sie Linux neu und anschließend Steam. Das Tool lädt die benötigten Dateien herunter, danach sehen Sie ein Fenster, über das Sie ein neues Steam-Konto anlegen oder sich bei einem vorhandenen Konto anmelden. Die Programmoberfläche erscheint unter Linux zunächst in englischer Sprache. Um das zu ändern, gehen Sie im Hauptmenü auf „Steam -> Settings“. Nach einem Klick auf „Interface“ stellen Sie als Sprache „Deutsch (German)“ ein, klicken auf „OK“ und bestätigen den Neustart des Programms per Klick auf „Restart Steam“.

Für die schnelle Übertragung müssen alle Häkchen unter „Hardwareencoding aktivieren“ gesetzt sein.
Vergrößern Für die schnelle Übertragung müssen alle Häkchen unter „Hardwareencoding aktivieren“ gesetzt sein.

Steam-Streaming konfigurieren und verwenden

Starten Sie Steam auf dem Windows- oder Linux-PC, der als Streamingserver dienen soll. Melden Sie sich an und gehen Sie im Menü auf „Steam - >Einstellungen -> In-Home-Streaming“. Klicken Sie auf „Erweiterte Hostoptionen“ und stellen Sie sicher, dass Häkchen vor „Hardwareencoding aktivieren“ und darunter bei den unterschiedlichen Grafikkarten (Nvidia, AMD, Intel) gesetzt sind.

Auf dem Client-PC melden Sie sich beim gleichen Steam-Konto an und gehen ebenfalls auf „Steam - > Einstellungen -> In-Home-Streaming“. Klicken Sie auf „Erweiterte Clientoptionen“. Vor „Hardwareencoding aktivieren“ muss ein Häkchen gesetzt sein. Damit aktivieren Sie die hardwarebeschleunigte H.264-Codierung, sofern das Grafikchip und Treiber unterstützen.

Der Steam-Client-PC findet den Server im lokalen Netzwerk automatisch: Er taucht dann bei „Steam - > Einstellungen -> In-Home-Streaming“ in der Geräteliste auf. Gehen Sie im Hauptfenster auf „Bibliothek“. Bei den Spielen, die der Server zur Verfügung stellt, erscheint nun die Schaltfläche „Stream“.

Nach einem Klick auf den Pfeil rechts daneben können Sie zwischen „Auf diesem Computer installieren“ oder „Stream von [Servername]“ wählen. Wenn Sie ein Spiel über „Stream“ starten, läuft es auf beiden PCs im Vollbildmodus. Für die Dauer der Spielesitzung ist der Server-PC daher für andere Tätigkeiten gesperrt. Außerdem werden alle Tasteneingaben und Mausbewegungen des Clients zurück an den Server übertragen und das Spiel kann beginnen. Die Auflösung wird automatisch angepasst.

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