2476463

eSports: Wie man bei 14 Milionen Euro Preisgeld cool bleibt

30.12.2019 | 13:45 Uhr |

Sie ist die Frau, die das Gewinner-Mindset von Astralis und Team OG formte: Sportpsychologin Mia Stellberg erzählt uns, wie Sie cool bleiben, wenn es um Millionen Euro geht, wie sie Athleten hilft, mit Druck, Fans und Dauerjetlag umzugehen. Und warum eSports anspruchsvoller ist fürs Gehirn als Fußball.

Mia Stellberg ist so etwas wie die Geheimwaffe der großen eSports-Teams: Gerade erst hat sie mit Team OG The International und damit den höchsten Geldgewinn der Sportgeschichte von 14 Millionen Euro respektive 15,5 Mio. US-Dollar abgesahnt. Weder in Golf, Fußball oder Tennis noch im Basketball gab es je ein höheres Preisgeld. Vorher machte sie Team Astralis mental fit und führte sie zur Weltspitze in CS:GO. 

Was viele nicht wissen: Bevor Stellberg zu Astralis stieß, waren diese Platz 15 der Weltrangliste. Heute gehören Sie den zu Besten in Counter-Strike, haben alleine dieses Jahr die Intel Extreme Masters in Katowice gewonnen, das StarLadder Major in Berlin und wurden 2018 Champion der ESL Pro League. Das Mental-Training scheint sich also ausgezahlt zu haben. Astralis ist generell eine super spannende, progressive Organisation: Erst der Mega-Deal mit AUDI, Jack & Jones als Fashion-Sponsor, Logitech, Secret Lab, Turtle Beach und Omen by HP als Hardware-Partner, und jetzt ist die Astralis Group recht überraschend als erstes eSports-Team der Welt an die Börse gegangen. Und das sehr erfolgreich – ob des günstigen Einstiegspreises, konnten die Dänen bereits 30 Millionen Euro an Aktienwerten verkaufen. 

Mia Stellberg fing letztes Jahr an, mit RedBulls Team OG zu arbeiten, dieses Jahr gewannen diese den 1. Platz und 15 Millionen US-Dollar bei The International.
Vergrößern Mia Stellberg fing letztes Jahr an, mit RedBulls Team OG zu arbeiten, dieses Jahr gewannen diese den 1. Platz und 15 Millionen US-Dollar bei The International.
© ESL

Auffallend ist dabei, wie cool Astralis in der Regel ihren Stiefel runterspielt. Gerade in Grand Finals erleben wir oft ein Kräftemessen, welches recht ausgeglichen ist – rein vom Skill-Set her und vom Können unterscheiden sich die Finalteams selten stark – entscheidend ist, wer die Nerven behält und dem Gegner seinen Spielstil aufzwingt. Für die Coolness von Astralis ist eine Frau zuständig, die Sportpsychologie in den eSports gebracht hat: Mia Stellberg. Eine faszinierende Lady aus Finnland. Als sie einen Vortrag auf der Me Convention von Mercedes-Benz hält, ergreifen wir die Gelegenheit für ein Gespräch.

Vor ihrer eSports-Karriere war Mia Stellberg Chefpsychologin des Olympischen Teams im Dressurreiten für Finnland.
Vergrößern Vor ihrer eSports-Karriere war Mia Stellberg Chefpsychologin des Olympischen Teams im Dressurreiten für Finnland.
© Benjamin Kratsch

Würden Sie eSports als Hochleistungssport bezeichnen, und an welchen Parametern würden Sie das als Sportpsychologin festmachen?

Mia Stellberg: „eSports ist Hochleistungssport, insbesondere für das Gehirn. Entscheidungen müssen binnen Bruchteilen von Sekunden gefällt werden. Der Denkapparat ist mein Expertenbereich, aber diese Belastung betrifft natürlich nicht nur die Psyche, sondern auch Physis – die Belastung auf Bänder, Rückenmuskulatur, Handgelenk etc. sind sehr hoch, weil sich die Position in der gespielt wird, für das Training – welches nicht selten acht bis zehn Stunden am Tag einnimmt oder vor großen Turnieren auch mal auf 12-14 hochgeht, je nach Team. Zudem dürfen wir nicht unterschätzen, dass man im klassischen Sport – etwa im Fußball – lediglich ein Spiel pro Tag hat, welches 90 Minuten Konzentration fordert oder etwas mehr, wenn es in die Verlängerung geht. Während im eSports oft mehrere Matches auf einen Tag fallen können. Ich würde fast sogar sagen, dass die Gehirn-Kapazität, die im eSports benutzt wird, höher ist als etwa im Fußball: Weil das Spielfeld breit ist und man neun andere Feldspieler plus Torwart hat, sind die wenigsten Fußballer jede Sekunde in Aktionen verwickelt. Mal ist man am Ball, danach kann man auch mal 30 Sekunden verschnaufen und nur beobachten. Das geht im eSports nicht – du bist permanent gefragt und musst gut zwei Dutzend Parameter im Kopf durchrechnen innerhalb sehr kurzer Zeiträume – in Dota 2 ist das noch etwas extremer als in CS:GO, weil unterschiedliche Magie-Spells unterschiedliche Reichweiten haben und enorm viel Mikro-Management gefragt ist. 

Was ist die größte Belastung für die meisten Athleten? Gibt es dort allgemeine Herausforderungen oder ist das je Spieler völlig unterschiedlich?

Mia Stellberg: Allgemein gesprochen ist der Druck sehr hoch. Das Team tut viel dafür, diesen zu senken, aber der psychische Druck, gewinnen zu müssen, steigt durchaus bei prestigeträchtigen Turnieren, wo es in CS:GO um bis zu einer Million, in Dota 2 sogar bis zu 15 Millionen US-Dollar, wie gerade bei The International in Shanghai, geht. Das ist gar nicht nur monetär bedingt, sondern vor allem möchte man die Fans nicht enttäuschen, die ja meistens zu tausenden in den Rängen sitzen. Das ist übrigens auch ein interessanter Punkt, der den eSports besonders macht: Die Ränge der Zuschauer sind sehr nah dran an den Spielern, man hat also direkten Augenkontakt. Das kann richtig pushen, einen Spieler aber auch durchaus nervös machen. 

Lesetipp: Warum Fernando Alonso jetzt Spiele designt und eSports coacht

Sie haben eigentlich einen Background in klassischer Sportpsychologie, betreuen etwa das Olympiateam Finnlands. Wie kamen Sie in den eSports?

Mia Stellberg: Der CEO von Astralis rief mich an (Anm. d. Red.: Sie meint Frederik Byskov). Er meinte, ich sei ihm empfohlen wurden, und er habe gerade ein Team gekauft für vier Millionen US-Dollar. Das sei ja durchaus ein substantielles Investment, und er fragte mich, ob ich ihm helfen könne, die Jungs psychologisch und mental vorzubereiten auf ihre neuen Aufgaben. Astralis war damals Platz 15 der Weltrangliste. Ich bin durchaus stolz darauf, dass wir zusammen es letztlich an die Weltspitze geschafft und auch wirklich viel gewonnen haben.

Laut Mia Stellberg ist die Gehirn-Leistung in CS:GO und Dota 2 deutlich höher als im Fußball – es müssten zwei Dutzend Parameter im Kopf durchgerechnet werden innerhalb kürzester Zeit.
Vergrößern Laut Mia Stellberg ist die Gehirn-Leistung in CS:GO und Dota 2 deutlich höher als im Fußball – es müssten zwei Dutzend Parameter im Kopf durchgerechnet werden innerhalb kürzester Zeit.
© ESL

Unterscheidet sich eSports-Psychologie von der im klassischen Sport? Was fragen die Spieler?

Mia Stellberg: Mein Beruf besteht in erster Linie im Zuhören. Ich kann hier nicht zu sehr ins Detail gehen, weil ich natürlich einer Schweigepflicht unterliege und das sicherlich die Spieler auch nicht möchten. Aber generell gesagt ist es eine Herausforderung für junge Menschen, ein Team zu bilden, sich komplett aufeinander zu verlassen und blind zu verstehen – das ist die Basis für Erfolg. Im Fußball geht es darum zu antizipieren – ich muss die Laufwege meiner Kameraden kennen, muss einschätzen können, wie schnell sie sind, in welchem Radius sie sich bewegen. Wie weit springen sie, damit ich bei einer Flanke einen guten Kopfball setzen kann. Genauso funktioniert Gaming auf kompetitivem Level – ich muss abschätzen können, ob mein Kollege in besserer Schussposition ist, ob eine Blendgranate nötig ist oder mein Teamkamerad aus diesem und jenem Winkel eh immer einen Headshot mit der AWP zieht.

Athleten müssen lernen mit Rückständen umzugehen. Das ist eine reine mentale Angelegenheit, auf die man sich gut vorbereiten kann.“

Ein anderer Punkt und das ist sicherlich der schwierigste für fast alle Menschen ist der, dass man als Athlet lernen muss, mit einem Rückstand umzugehen. Das ist vielleicht die wichtigste Kompetenz, die ein eSports-Team haben muss. Viele Spieler verfallen in Aktionismus, vergessen ihr Training und spielen nicht mehr die Taktik ihres Teams, wenn sie zurückliegen – und das geht selten gut.

Stehen sich die Athleten manchmal selbst im Weg? Wer sehr viel Geld im Laufe seiner Karriere gewinnt, baut ja auch ein gewisses Ego auf.

Das ist völlig menschlich, da muss man einfach daran arbeiten. Die Kommunikation und Harmonie innerhalb des Teams ist spielentscheidend. Es muss es gelingen, eine Kultur zu schaffen, in der man offen miteinander redet, ohne dass sich der andere angegriffen fühlt. Dass ein Spieler Kritik an seinem Mitspieler üben kann, ohne das der das persönlich nimmt, sondern professionell für sich analysiert. Kritik zu akzeptieren, fällt den meisten Menschen schwer, und da sind Athleten natürlich nicht ausgeschlossen. Und ja klar - ganz ähnlich wie in anderen Sportarten sind die Athleten in der Regel recht jung, meist um die 20. Verdienen viel Geld, gewinnen früh große Preise und haben enorm viele Fans. Aber auch diese müssen erkennen: Ich bin nicht unfehlbar und wenn mein Teamkollege mich kritisiert, geht das nicht gegen mich als Mensch, sondern er möchte mir nur helfen, damit wir auch in Zukunft diese großen Momente zusammen erleben. Denn das ist es ja, was den Gewinn einer großen Trophäe in einem Prestige-trächtigen Turnier ausmacht, wo im Stadion 12.000 Menschen sind und Online im Live-Stream mehrere Millionen. 

Was die größten eSports-Stars eint: Sie sind sehr jung, haben enorm viele Fans und werden sehr schnell sehr reich, was durchaus Herausforderungen mit sich bringt.
Vergrößern Was die größten eSports-Stars eint: Sie sind sehr jung, haben enorm viele Fans und werden sehr schnell sehr reich, was durchaus Herausforderungen mit sich bringt.
© Benjamin Kratsch

Auch interessant: Eefje “Sjokz“ Depoortere: Die First Lady des eSports im Interview

Ist es schwierig, dieses Mindset Spielern zu vermitteln?

Mia Stellberg: Die meisten sind dankbar, weil sie auf diese Situationen vorbereitet werden möchten und es ihnen guttut, wenn sie mir alles erzählen können, was man vielleicht mit seinem Manager oder Trainerstab nicht besprechen möchte. Da geht es mitunter auch um private Dinge, weil eSports-Athleten normale Menschen sind – vielleicht hat man eine Beziehung und sieht seine Freundin kaum noch. Vielleicht hat man keine Zeit für Familienfeiern. Was ich sehr oft beobachte und worüber wir sprechen, ist die Interaktion mit Fans: Ganz ähnlich wie im Fußball oder anderen Sportarten werden im eSports aus sehr jungen Männern innerhalb kurzer Zeit Stars, und es ist nicht leicht, damit umzugehen.

Sie möchten gerne jedem Fan ein Autogramm geben, ein Selfie machen, sich auch ein bisschen unterhalten. Aber da stehen Hunderte vor Ihnen, alle winken mit Smartphones, viele schreien, weil sie gerne gesehen werden möchten. Das kann belastend sein.“

Sie müssen sich das so vorstellen: Sie möchten gerne jedem Fan ein Autogramm geben, ein Selfie machen, sich auch ein bisschen unterhalten. Aber da stehen Hunderte vor Ihnen, alle winken mit Smartphones, viele schreien, weil sie gerne gesehen werden möchten. Das kann auch mal zu viel werden für einen Menschen, und wir alle sind nicht unendlich belastungsfähig. Im eSports kommt dazu, dass die Spieler sich im Dauer-Jetlag befinden: Astralis zum Beispiel spielt rund 30 Turniere im Jahr, ein Turnier dauert im Schnitt drei bis fünf Tage und findet überall auf der Welt statt: Peking, Seoul, Singapur, Los Angeles, New York, Seattle , São Paulo und überall in Europa.

Jetlag kennen wir alle. Irgendwelche Tipps, wie man damit besser umgeht?
Was raten Sie den Pros?

Mia Stellberg:  Es ist eine große Herausforderung für den Körper, weil eSports-Athleten permanent die Zeitzonen wechseln. Es ist wichtig, den Spielern zu vermitteln, dass sie sich selbst mentale Pausen gönnen müssen – also nicht permanent CS-News am Smartphone scannen und andere Spiele schauen, sondern auch mal abschalten – gerade im Flugzeug. Das gilt natürlich für uns genauso – schalten Sie im Flugzeug ganz bewusst ab und nehmen sich Zeit für sich. Es ist ratsam leicht zu essen, im Optimalfall vor dem Flug. Ich würde eher auf Fleisch und Pasta verzichten, die häufig im Flieger gereicht werden. Unser Magen muss dann viel arbeiten, was uns nicht schlafen lässt.

Mangelnder Schlaf ist ein großes Problem im eSports, die meisten Athleten schlafen nicht mehr als 4-5 Stunden im Schnitt.“

Enorm wichtig ist Schlaf. Vor Turnieren versuche ich den Spielern, ein Winner-Mindset zu geben. Du musst an dich glauben und irgendwann das Gefühl haben „Okay, ich bin bestens vorbereitet auf das Match morgen. Ich könnte jetzt noch drei Stunden mehr trainieren, aber dann schlafe ich nur drei statt sechs Stunden und genau das kann beim Match den Unterschied machen.“ Mangelnder Schlaf ist ein großes Problem im eSports, weil die meisten Athleten im Schnitt nur vier bis fünf Stunden pro Nacht zur Ruhe kommen. Zumal wir in der Regel etwas Zeit brauchen, um unsere Tiefschlafphase einzuleiten. Wer sich nur, sagen wir, drei Stunden Tiefschlaf gönnt, der riskiert Verzögerungen in der Reaktion, Probleme beim Abspulen eintrainierter Bewegungen und Missverständnisse in der Team-Kommunikation. Wir haben das sowohl bei Astralis als auch Team OG geändert und die Trainingszeiten auf sieben Stunden pro Tag begrenzt und daran gearbeitet, dass die Spieler gut schlafen. Ich denke die Resultate sprechen für sich.

Welche mobile Grafikkarte braucht man für welches Spiel? Wenn Ihr Eure Lieblings-Spiele auch unterwegs zocken wollt, kommt Ihr um ein Gaming-Notebook nicht herum. Aber welche Grafikkarte sollte Euer Laptop haben? Das kommt natürlich darauf an, welche Spiele ihr zockt, welche Ansprüche Ihr an die Grafik habt (Stichwort: Raytracing) und ob Ihr eher Solo-Kampagnen zockt oder Euch in Multiplayer-Matches stürzt. Wir geben Euch in diesem Video einen Überblick, ob Ihr mit einer GeForce GTX 1660 auskommt, oder ob ihr lieber zu einer GeForce RTX 2060, 2070 oder sogar 2080 greifen solltet.

In Zusammenarbeit mit NVIDIA und CAPTIVA bieten wir jede Woche besondere Deals für Grafikkarten, Gaming-PCs und Spiele-Notebooks an, bei denen Ihr kräftig sparen könnt. Und das sind die aktuellen Schnäppchen-Highlights:

► Bundle aus ASUS GeForce RTX 2070 SUPER Dual Evo OC 8GB + SanDisk Ultra SSD 512 GB + "Call of Duty: Modern Warfare" für nur 529 Euro: bit.ly/35jpAXe

► 300 Euro sparen beim Gaming-PC Captiva R51-262 mit NVIDIA GeForce RTX 2070 SUPER & AMD Ryzen 7 3700X: tidd.ly/fadcaaf7

► 210 Euro sparen beim Gaming-Notebook CAPTIVA G9m 19V2 mit NVIDIA GeForce GTX 1650 & Intel Core i5-9300H: tidd.ly/b0b8f309

►► Alle Deals der Woche für Gaming-Hardware: www.pcwelt.de/2448947


► Alle Infos zu Raytracing und DLSS:
youtu.be/1oTN7TPQ5AI

PC-WELT Marktplatz

2476463