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Ein sparsames Linux für ältere Hardware

28.09.2019 | 09:09 Uhr | Hermann Apfelböck

Mit Hunderten unterschiedlich spezialisierter Distributionen lädt Linux dazu ein, für ältere Geräte passende Systeme und Rollen zu finden. Oder für benötigte Aufgaben sogar gezielt ältere Hardware einzukaufen.

„Linux auf älterer Hardware“ ist ein facettenreiches Thema: Zunächst ist ja so, dass leichtgewichtige Linux-Desktops und erst recht Serverdistributionen ohne Desktop sehr genügsam sind und daher auf älterer Hardware (fünf bis zehn Jahre) und alter Hardware (zehn bis 15 Jahre) klaglos laufen. Und dann gibt es ja auch noch Distributionen mit dem spezialisierten Fokus, richtig alte Hardware (15 bis 20 Jahre) mit wenig Speicher und moosalten CPUs wiederzubeleben. Auch 32-Bit-CPUs und CPUs ohne PAE-Erweiterung werden nach wie vor unterstützt.

Aus praxisorientierter Sicht ist aber vor allem ältere Hardware interessant, die mit dem richtigen Linux auch heute noch einen richtig guten Job macht. Neben der Hardware geht es natürlich auch um die Aufgabe, die diese Hardware erledigen soll: Geräte, die an einer Desktoprolle scheitern, können in anderer Rolle zur Starbesetzung werden.

Siehe auch : Was Altgeräte erledigen können und welches Linux sich dafür eignet

1. Platinen-PCs gegen ältere Netbooks/Notebooks

Netbook als solider Datenserver.
Vergrößern Netbook als solider Datenserver.

Beim direkten Vergleich solider älterer Hardware kehrt nach etlichen Jahren des Raspberry-Hypes inzwischen doch gesunder Pragmatismus ein: Man kann und sollte kleine Platinenrechner nicht zu beliebigen Serveraufgaben prügeln. Selbst der aktuellste Raspberry Pi 3 ist mit USB 2.0 und Fast Ethernet oder gedrosseltem Gigabit-Ethernet kein Favorit für die Rolle als Datenserver.

Netbooks und Notebooks haben bauartbedingte Vorteile: Kontrollmonitor, Tastatur, Maus sind ohne Fummelei jederzeit verfügbar. Auch die Stromversorgung für passiv angeschlossene USB-Datenträger ohne eigenen Netzadapter funktioniert zuverlässig, was bei Platinen nicht immer gegeben ist. Mit der oft gar nicht so kleinen Festplatte ab 160, 200 und bis 500 GB ist auch schon mal ein Basislaufwerk an Bord, das neben dem System die wichtigsten Daten aufnehmen kann.

Die Leistung typischer Atom-CPUs von Netbooks liegt mindestens im Bereich des jüngsten Raspberry 3, lediglich schnellste Platinen wie Odroid XU4 oder Asus Tinker Board schneiden im CPU-Benchmark etwas schneller ab. Zehn Jahre alte Notebooks sind meistens leistungsstärker als die ARM-CPUs von Platinen. Hinzu kommt auf Notebooks eine vergleichsweise üppige RAM-Ausstattung mit oft vier GB (Raspberry ein GB, Netbooks ein bis zwei GB).

Der Trend: Während der Raspberry-Hype etwas abflaut, ist der dadurch gewachsene Serverbedarf im Heimnetz ungebrochen. Die Home-Admins halten aber vermehrt Ausschau nach älteren, aber soliden Notebooks und Netbooks als Hardwarebasis für den Linux-Server.

2. Netbooks: Ideal für Nebenrollen

Gute Basis für alle Serversetups.
Vergrößern Gute Basis für alle Serversetups.

Netbooks hatten 2007 bis 2010 eine kurze Blütezeit, die durch noch handlichere Tablets ab 2010 jäh beendet wurde. Hardwaretechnisch sind die kleinen Geräte komplette PCs, die aber für den Preis von etwa 250 bis 450 Euro gezielt mit kostengünstigen, leistungsschwächeren und stromsparenden Komponenten bestückt wurden. Typisch sind stromsparende Intel- Atom-CPUs (seltener Celeron) mit bis zu 1,66 GHz, einem GB RAM (seltener zwei GB), drei USB-2.0-Ports, Fast Ethernet, WLAN (802.11n), Audiochip (Mikroeingang und Lautsprecherausgang), Kartenleser, kleines Display mit der Auflösung 1024 x 600 sowie VGA-Ausgang für einen sekundären Monitor (auch Dual-Monitor-Betrieb). Die mechanische Festplatte bietet meistens 160 bis 250 GB. Netbooks arbeiten zwar nicht lüfterlos, sind aber in Regel sehr leise – leiser als Notebooks. Der Stromverbrauch liegt auch bei Hochlast unter 20 Watt, im Leerlauf unter zehn Watt. Mit diesen Eigenschaften erreicht oder schlägt ein altes Netbook die meisten aktuellen Platinenrechner. Der Fast-Ethernet-Durchsatz (100 MBit/s) lässt sich mit der Investition in einen USB-to-Ethernet-Adapter zusätzlich verbessern. Der Delock Adapter mit schnellem USB 3.0 und schnellem Gigabit-Ethernet kommt am USB-2.0.Port eines Netbooks immerhin auf 300 MBit/s – das entspricht dem gleichermaßen gebremsten Gigabit-Netzadapter beim jüngsten Raspberry 3 B+.

Als komplette Arbeitsdesktops werden Netbooks trotzdem nicht befriedigen. Zum Surfen kann aber ein solches Gerät noch genügen, wenn am Desktop gespart, also etwa ein Lubuntu oder Bunsenlabs gewählt wird. Zudem empfiehlt sich als Webbrowser ein Leichtgewicht, das vielleicht nicht alles kann, aber dafür schnell ist. Falkon (Qupzilla) ist hier ein sehr guter Kompromiss und in allen Standard-Paketquellen verfügbar – entweder als Paket „falkon“ oder zumindest als Vorgängerpaket „qupzilla“. Noch besser eignen sich solide Kandidaten wie ein Asus EEE für kleine Serverrollen im Netzwerk. Flaschenhals für den Dienst als Dateiserver ist USB 2.0: Mit dem bereits erwähnten USB-to-Ethernet-Adapter und damit erreichbaren 300 MBit/s sind aber Heimnetzansprüche in der Regel gut erfüllt. Überhaupt keine Gegenanzeigen gibt es, wenn das Netbook Aufgaben übernimmt, die kein hohes Datenaufkommen haben: Das kann etwa ein Media-Wiki (benötigt komplettes Lamp-Paket mit Linux, Apache, My SQL und PHP, siehe www.mediawiki.org ) oder ein Doku-Wiki sein (benötigt Linux, Apache und PHP, siehe www.dokuwiki.org ), das alle wichtigen Notizen, Adressen, Bilder im Heimnetz anbietet. Das kann aber auch eine webbasierte Dokumentensuche mit dem Tool Recoll sein oder eine PDF-Bibliothek mit der Software Calibre .

Professionelles Renovieren („Refurbish“) von Netbooks scheint sich für Händler nicht zu lohnen. Gebrauchte Netbooks finden Sie praktisch nur über Ebay und private Kleinanzeigen. Die typischen Preise liegen zwischen 50 und 100 Euro. Beim Kauf eines gebrauchten Netbooks sollten Sie Atom-CPUs wie N270, N280 oder höher bevorzugen, ferner eine – allerdings seltene – RAM-Ausstattung mit zwei GB.

3. Notebooks: Refurbished oder B-Ware als Datenserver

Homeserver für 200 bis 300 Euro.
Vergrößern Homeserver für 200 bis 300 Euro.

Mit soliden älteren Notebooks können selbst leistungsstarke Platinenrechner wie Odroid XU4 oder Banana Pro kaum mithalten. Neben den allgemeinen Vorteilen des Notebooks wie Display, Tastatur, Maus, Stromversorgung für USB kann das Notebook in der Regel die schnellere CPU und mehr RAM vorweisen. Lediglich der Stromverbrauch ist beim Notebook etwas höher: Nicht allzu alte Notebooks verbrauchen bis zu 25 Watt, sehr alte bis zu 40 Watt (Platinenrechner nur circa vier bis zehn Watt).

Wer keinen Notebook-Oldie vorrätig hat, sondern ein gebrauchtes Gerät für eine Rolle als Datenserver gezielt erwerben will, sollte penibel auf die Input/Output-Komponenten achten. Ideal wäre USB 3.0 in Verbindung mit Gigabit-Ethernet. Fehlendes USB 3.0 lässt sich kaum kompensieren, langsameres Fast Ethernet (100 MBit/s) hingegen relativ leicht durch einen externen USB-to-Ethernet-Adapter mit Gigabit-Leistung. Gute gebrauchte Notebooks, die alle diese Voraussetzungen mitbringen und sich mit i3-CPU aufwärts und vier GB RAM aufwärts für Serveraufgaben ideal eignen, kosten typischerweise 150 bis 300 Euro. Solche Notebooks bieten viele Fachhändler an – zum Teil B-Ware mit leichten Mängeln, ferner Vorführgeräte sowie fachmännisch renovierte („refurbished“) Gebrauchtgeräte. Besonders zu empfehlen sind nach unserer Erfahrung die unverwüstlichen Thinkpads von Lenovo, ferner auch Pro Books oder Elitebooks von HP.

Andere HP-Serien wie Pavilion sind hingegen qualitativ allenfalls ausreichend. Dell-Notebooks werden im Server-Dauerbetrieb gerne zu heiß. Eine größere Auswahl finden Sie bei folgenden Händlern:

Wer auf die Sicherheit, die der Kauf bei einem Händler bietet, verzichten kann, wird bei Ebay und Co. noch günstigere Angebote finden.

Beachten Sie, dass der größte Schwachpunkt gebrauchter Notebooks für den Einsatz als stationärer Linux-Server keine Rolle spielt – der Akku nämlich. Wenn Netbooks oder Notebooks im Dauerbetrieb an der Steckdose hängen, können Sie den Akku komplett entfernen. Das verringert auch den Stromverbrauch, weil das Gerät dann keine Veranlassung mehr hat, den Akku nachzuladen. Das Display, das ebenfalls nur eine Nebenrolle spielt und auch mit Pixelfehlern für einen Server taugt, sollte per Funktionstasten so dunkel wie möglich eingestellt werden.

Siehe auch: Kleines ABC der Linux-Systemwartung

4. Ältere Platinenrechner, PCs und NUCs

Das Hardware Detection Tool analysiert die komplette Hardware.
Vergrößern Das Hardware Detection Tool analysiert die komplette Hardware.

Sieben Jahre nach dem ersten Raspberry Pi werden die Nachteile von Ein-Platinen-Rechnern deutlich: Sie sind nicht skalierbar und veralten rasend schnell. Wer von Anfang an mitgespielt hat und mehrfach auf leistungsstärkere Nachfolger oder Alternativplatinen umgestiegen ist, hat jetzt vermutlich die eine oder andere Platine in der Schublade, mit der sich nichts Ernsthaftes mehr anstellen lässt.

Im Vergleich zu aktuellen Platinen sind die frühen Einkerner mit 512 MB RAM, langsamen Ethernet und fehlendem WLAN bestenfalls noch Bastlermaterial. Wer nicht gerne und hobbymäßig mit Platinen experimentiert, sondern einfach eine nachhaltige Serverhardware betreiben will, fährt vermutlich mit einem älteren Netbook, Notebook oder Intel NUC besser.

Schlecht steht es auch um die Verwertbarkeit älterer PCs: Die Größe spricht ebenso gegen einen Einsatz im Wohnzimmerschrank wie die typischen Betriebsgeräusche durch alte Lüfter und Festplatten. Außerdem verbrauchen alte wie neue Tower-PCs typischerweise 50 bis 100 Watt pro Stunde (ohne Monitor) und sind damit per se keine idealen Kandidaten für den Dauerbetrieb. Wenn diese Kriterien für Sie keine Rolle spielen, stellen sich immer noch die üblichen Fragen zur Tauglichkeit von CPU, RAM und I/O-Schnittstellen.

Die für den Servereinsatz attraktiven Mini-PCs der Sorte Intel NUC oder Zotac Zbox sind bei kommerziellen Händlern noch kaum anzutreffen. Auf Ebay und privaten Kleinanzeigen müssen Sie bei dieser Geräteklasse besonders genau verifizieren, ob das angebotene Gerät ein Laufwerk und RAM-Bausteine mitbringt.

Die Themen in Tech-up Weekly #145:

► AMD und Nvidia unter Druck: GPU-Preise dürften fallen:
www.pcwelt.de/a/amd-und-nvidia-unter-druck-gpu-preise-duerften-fallen,3463857

► Aktuelles Schnäppchen: Gainward GeForce GTX 1070 mit Fortnite-Goodies für nur 269 Euro: bit.ly/2DO5TLW

► Jugendlicher ergaunert sich PS4 für 9,29 Euro:
www.pcwelt.de/a/jugendlicher-ergaunert-sich-ps4-fuer-9-29-euro,3463835

► Intel XEON W-3175X: Intels neue Super-CPU ab sofort erhältlich:
www.pcwelt.de/a/intel-xeon-w-3175x-intels-neue-super-cpu-ab-sofort-erhaeltlich,3463860

Quick-News:

► Bill Gates will Milliarden in Kernkraft investieren:
www.pcwelt.de/a/bill-gates-will-milliarden-in-kernkraft-investieren,3463817

► 5G Versteigerung: Vier Unternehmen bieten mit:
www.pcwelt.de/a/5g-versteigerung-vier-unternehmen-bieten-mit,3463807

► Steam verliert: Metro Exodus nur im Epix Games Store erhältlich:
www.pcwelt.de/a/steam-verliert-metro-exodus-nur-im-epic-games-store-erhaeltlich,3463824

► Für Galaxy S10: Samsung stellt 1 TB Speicherchip vor:
www.pcwelt.de/a/fuer-galaxy-s10-samsung-stellt-1-tb-speicherchip-vor,3463846

► Alle Gerüchte zum Galaxy S10 im Check:
www.pcwelt.de/2404513

► Belgien: EA stoppt verkauf von FIFA-Points:
www.pcwelt.de/a/belgien-ea-stoppt-verkauf-von-fifa-points,3463853

► Apples neuer Streaming Service kommt im April:
www.pcwelt.de/a/apples-neuer-streaming-service-kommt-im-april,3440392

Fail der Woche:

►Schwerer Bug: Apple schaltet Facetime-Funktion ab:
www.pcwelt.de/a/schwerer-bug-apple-schaltet-facetime-funktion-ab,3440384

► 14-Jähriger entdeckte Facetime-Bug, Apple ignorierte ihn:
www.pcwelt.de/a/14-jaehriger-entdeckte-facetime-bug-apple-ignorierte-ihn,3440401

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