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Sparen smarte Thermostate wirklich Geld? Die Antwort!

22.09.2022 | 15:17 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Mit smarten Heizkörperthermostaten spart man Geld. Falsch! Wir zeigen, wie Sie auch ohne teure smarte Thermostate die Heizkosten senken.

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg und grüner Vorzeigepolitiker, macht derzeit mit einer etwas ungewollt slaptickartigen Energiesparkampagne von sich reden.

Der Spott über die Energiespartipps des Ministerpräsidenten lässt in den sozialen Netzwerken nicht lange auf sich warten:

Während Kretschmann in seinem Video den Heizthermostat aber noch von Hand zurückdreht, sollen das in einem modernen Haushalt smarte Thermostate übernehmen. Doch kann man mit smarten Heizkörperthermostaten wie der Fritz Dect 302 , die bei der Anschaffung eine Menge Geld kosten, wirklich Geld sparen? Wir gehen der Frage nach.

Kaufberatung: Die besten smarten Heizthermostate 2022

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Das können smarte Heizthermostate

Richtig ist: Sie können smarte Thermostate so programmieren, dass diese zu bestimmten Uhrzeiten, an bestimmten Tagen oder über gewisse Zeiträume die Heizleistung am Heizkörper automatisch herunterfahren. Mitunter können sich smarte Thermostate wie der von Tado sogar daran orientieren, ob jemand zu Hause ist und die Heizung automatisch abschalten, sobald die letzten Person die Wohnung verlässt. Auch eine wetterabhängige Steuerung der Heizung ist damit möglich.

Doch smarte Thermostate sind richtig teuer in der Anschaffung: sowohl die einzelnen Thermostate als auch das zusätzlich benötigte Gateway kosten viel Geld. Bei Letzterem macht die Fritz Dect 302 eine erfreuliche Ausnahme, weil sie die Fritzbox als Gateway verwendet. Bevor Sie also eventuell Energiekosten sparen, geben Sie erst einmal richtig viel Geld zusätzlich aus. Diese Investition müssen Sie erst einmal wieder reinholen.


So sparen Sie ohne Zusatzkosten

Doch alle diese oben genannten Spareffekte erreichen Sie auch ohne smarte Thermostate. Der Denkfehler, den viele begehen: Sie unterstellen, dass man nicht auch ohne smarte Thermostate seine Heizung flexibel an die aktuellen Umstände anpassen könne. Sie können den gleichen Spareffekt aber auch erzielen (und sich die hohen Anschaffungskosten für smarte Thermostate sparen), indem Sie :

  • Erst morgens die Heizung aufdrehen. Dazu den Wecker etwas vorstellen, schnell aus dem Bett hüpfen, den Heizkörper aufdrehen und wieder zurück unter die Decke.

  • Abends bereits frühzeitig vor dem zu Bett gehen die Heizkörper zurückdrehen. Denn diese heizen ja noch etwas nach. Wenn Sie also wissen, dass Sie um 23 Uhr ins Bett gehen, dann drehen Sie den Heizkörper bereits um 22.30 ab. Zur Not stellen Sie sich einen Timer auf den Smartphone, der Sie rechtzeitig daran erinnert.

  • Wenn Sie lüften, dann drehen Sie den Thermostat an jedem Heizkörper, der sich in dem Raum mit dem offenen Fenster befindet, einfach ganz aus. Sobald Sie die Fenster wieder geschlossen haben, drehen Sie den Thermostat wieder auf. Das klingt jetzt ziemlich trivial, doch wenn man sich die Energiespartipps und die Argumente, die für den Kauf teurer smarter Thermostate angeführt werden, so durchliest, dann scheint das tatsächlich nicht selbstverständlich sein. Aber aufgepasst: Falls Sie bei eisigen Temperaturen zu lange lüften, springt der Heizkörper von selbst an, um das Einfrieren zu verhindern.

  • Sie fahren am Wochenende weg? Dann drehen Sie den Thermostat vor der Abfahrt zurück. Achten Sie aber darauf, dass Ihre Wohnung nicht zu stark auskühlt. Denn erstens soll es in der Wohnung nicht schimmeln und zweitens würde ein sehr starkes Aufheizen bei der Rückkehr viel Energie kosten. Außerdem muss bei besonders großer Kälte ein Einfrieren von Leitungen verhindert werden. Es macht also unter Umständen Sinn, wenn Sie die Heizkörper mit reduzierter Leistung durchlaufen lassen. Das können Sie aber mit einem smarten Thermostaten auch nicht ändern.

  • Falls Sie Hauseigentümer sind: Nutzen Sie die Nachtabsenkung Ihrer Heizung zum Sparen aus. Während der warmen Jahreszeit können Sie die Heizung komplett abschalten. Die Einschalttemperatur für den Heizsensor kann zudem etwas weiter abgesenkt werden. Das verhindert im Frühjahr und Herbst, dass sich die Heizung nachts oder an kühlen Tagen unnötig einschaltet, obwohl es in einem gut gedämmten Haus ohnehin noch ausreichend warm ist.

  • Vermeiden Sie kurzfristiges starkes Aufheizen: Sofern Sie nur für wenige Stunden die Heizleistung reduzieren wollen, überlegen Sie sich vorher, ob das Sinn macht und wie stark Sie die Heizleistung senken wollen. Denn das starke Aufheizen kostet viel zusätzliche Energie. Aber auch hier gilt: Mit diesem Problem sind Sie auch bei smarten Thermostaten konfrontiert.

Sonderfall: Fußbodenheizung

Sind Sie Mieter in einer Wohnung mit Fußbodenheizung, so können Sie Ihre Heizung ohnehin nicht ohne weiteres abschalten oder regeln. Zwar gibt es auch Regelsysteme für Fußbodenheizungen, doch als Mieter dürften Sie diese kaum verbauen. Wohnen Sie wiederum in einem modernen Niedrigenergiehaus, dann können Sie ebenfalls nicht einfach mal so die Einstellungen ändern. Damit würden Sie das Energiesparprinzip eines solchen Hauses durcheinanderbringen.


Günstige Thermostate reichen völlig aus

Viele der oben beschriebenen Spareffekte erreichen Sie aber auch mit einem einfach programmierbaren Thermostaten ganz ohne App, WLAN, Sprachsteuerung und Internet. Denn es gibt preiswerte Thermostate, die Sie offline und analog nur direkt von Hand einstellen, ohne dass irgendwohin Daten übertragen werden. Das reicht völlig aus, um morgens nach dem Aufstehen eine warme Wohnung vorzufinden. Solche Thermostate kosten aber deutlich weniger als smarte Thermostate. Hier einige Beispiele für solche preiswerteren, direkt programmierbaren Heizkörperthermostate:

Essentials Smart Home Heizungsthermostat Bluetooth

Honeywell Home Programmierbarer Heizkörperregler Rondostat HR20-Style

Sie brauchen also keinesfalls smarte Thermostate, um als aufmerksamer Verbraucher Geld mit der Heizung zu sparen. Was aber Sinn macht, sind Thermostate mit einer digitalen Anzeige statt der analogen Drehthermostate, wie Mimikama schreibt . Denn auf den digitalen Drehreglern können Sie die gewünschte Temperatur exakt einstellen, wohingegen die klassischen analogen Thermostate nur fünf Stufen für das grobe Einstellen haben.


Bei den Fix-Kosten sind smarte Thermostate hilflos

Die Gesamtkosten für die Heizung bestehen ja nicht nur aus dem tatsächlichen Verbrauch. Sondern auch aus unterschiedlichen Fixkosten wie Wartung, dem Ablesen oder einem festen Wohnflächenanteil. Hierauf hat Ihr Heizverhalten keinen Einfluss.


Haltbarkeit von smarten Thermostaten

Ein normaler Standardthermostat hält meist ewig. Oft wird er erst zusammen mit dem Heizkörper ausgewechselt, zum Beispiel weil dieser undicht geworden ist. Reparaturen am Thermostat sind meist sogar für Laien einfach, zum Beispiel das Gängigmachen des Ventilstifts mit einem kleinen Hammer und etwas Spülöl. Auch der Austausch der Stopfbuchse sollte jeder Bewohner noch hinbekommen.

Bei einem smarten Thermostat können Sie außer den Batterien nichts austauschen. Und wie lange die smarten Thermostaten halten, muss sich erst noch zeigen. Wir hatten in unseren Langzeittest schon zwei defekte smarte Thermostate eines renommierten Anbieters binnen kurzer Zeit.


Sondermüll

Übrigens verursachen die smarten Thermostate auch laufende Kosten: Durch die Batterien, die ab und zu erneuert werden müssen. Dadurch fällt Sondermüll an. Ebenso gehören auch defekte smarte Thermostate nicht in den Hausmüll, sondern zum Elektromüll.


Hier lohnen sich smarte Thermostate

Ein echtes Sparpotenzial dürfte es nur dann geben, wenn in einem Haushalt Menschen wohnen, denen das Energiesparen egal ist oder die generell nicht den Kopf für solche Alltagsthemen freihaben. Beispielsweise pubertierende Jugendliche: Hier dürften Eltern in der Regel vergeblich dazu auffordern, dass der Nachwuchs beim Verlassen des Zimmers den Heizkörper zurückdreht. Oder nachts den Heizkörper abschaltet. Oder den Heizkörper zurückdreht, sobald gelüftet wird - was bei Jugendlichen ja ohnehin nicht so oft vorkommt. Smarte Thermostate können hier tatsächlich Energie sparen und zudem die Nerven aller Beteiligten schonen.

Auch alten oder gesundheitlich angeschlagenen Menschen dürften smarte Thermostate bei der Bewältigung des Alltags tatsächlich helfen.

Oder bei Zweitwohnungen beziehungsweise nur selten genutzten Wohnungen kann die Möglichkeit der Fernsteuerung über einen smarten Thermostaten Sinn machen.


Smarte Thermostate bringen mehr Komfort

Während also der Geldspar-Effekt durchaus zweifelhaft ist und sehr vom persönlichen Verhalten der Bewohner abhängt, steht der Komfortgewinn außer jeden Zweifel. Wenn Sie morgens aufstehen, sind genau die Räume vorgeheizt, die Sie betreten wollen. Wenn Sie von unterwegs nach Hause kommen, können Sie zeitlich dazu passend Ihre Wohnung aufheizen lassen. Wenn Sie zwischendurch kurz lüften, sollten das die smarten Thermostate im Idealfall erkennen und sich für die Dauer des Lüftens automatisch abschalten – und nach dem Schließen der Fenster den Heizkörper wieder einschalten.


Energiespartipps, die weniger kosten als smarte Thermostate und sofort Geld sparen

Wichtig: Entlüften Sie den Heizkörper, wenn Sie merken, dass er nicht mehr richtig warm wird oder wenn Sie ein Blubbern darin hören. Der dafür nötige Schlüssel kostet nicht viel. Vor allem aber dürfen keine Möbel und andere Hindernisse vor dem Heizkörper stehen. Denken Sie außerdem daran, Zugluft und Wärmeverlust nach draußen zu vermeiden. Bessern Sie undichte Fenster und Türen aus, beispielsweise durch Dichtklebebänder und Zugluftstopper . In Dusche und Badewanne können Sie zudem mit einem neuen, wassersparenden Duschkopf Geld sparen.

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