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Soziale Netzwerke vergessen nie

30.12.2010 | 09:42 Uhr | Benjamin Schischka

Wenn Sie ein unangenehmes Gespräch oder Treffen mit einer realen Person hinter sich haben, will es die Natur so, dass Sie einen Großteil des Geschehenen innerhalb einer Woche wieder vergessen. Passiert Ihnen das gleiche jedoch virtuell, wird das Geschehene für immer bewahrt. Aber es kommt noch schlimmer: es gibt Fälle, in denen Leute ihren Job verloren haben, verhaftet oder verklagt wurden wegen etwas, was sie irgendwann mal in einer E-Mail oder auf Facebook geschrieben haben. "Das Internet vergisst nie", sagt Tadayoshi Kohno von der Universität Washington. "Wenn Sie früher unangenehme Daten loswerden wollten, haben Sie einfach Ihre Festplatte ausgebaut und mit einem großen Vorschlaghammer die Daten ins Nirwana geschickt. Heutzutage ist der Großteil Ihrer Daten jedoch nicht mehr nur auf der Festplatte. Das Zerstören eines einzelnen Datenträgers bringt so gut wie gar nichts mehr."

Die "Selbstzerstörungssoftware" Vanish
Vergrößern Die "Selbstzerstörungssoftware" Vanish
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Die Lösung : Kohno und andere Wissenschaftler von der Universität Washington haben eine Technologie namens "Vanish" entwickelt, die Ihren im Netz freigegebenen Informationen einen Selbstzerstörungsmechanismus hinzufügt. Vanish funktioniert, indem es Ihre Texte, die Sie im Web eingeben, mit einem Verschlüsselungspasswort versieht, von dem es anschließend einzelne Teile auf verschiedene Peer-to-Peer-Netzwerke verteilt. Nach einer bestimmten Zeitspanne "vergisst" Vanish einfach nach und nach diese Einzelteile und verhindert so den Zugriff auf Ihre Texte unwiederbringlich. "Vanish funktioniert mit allen Texten im Web, wie zum Beispiel E-Mails oder Facebook-Einträgen", sagt Kohno. Zwar befindet sich Vanish noch im Status eines Forschungsprogramms, interessierte Nutzer können sich das Programm trotzdem als open-source Plugin für Firefox herunterladen.

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