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Softwarelizenzen und Virtualisierung

28.12.2018 | 08:19 Uhr |

Mit dem Verlagern existierender Server und Applikationen in eine virtuelle Umgebung ergeben sich häufig sowohl bei Betriebssystemen als auch bei der Anwendungssoftware zusätzliche Lizenzkosten oder zumindest geänderte Lizenzbedingungen. Hier tappen unbedarfte Virtualisierungs-Einsteiger unter Umständen in die Kosten-, zumindest aber in die Compliance-Falle.

Zwei Lizenzierungsmodelle sind in der Softwarewelt weit verbreitet: die Ermittlung der Kosten nach Anzahl der Prozessoren sowie die Koppelung der Lizenz an einen bestimmten Rechner. Beide Ansätze sind auf virtuellen Systemen oftmals obsolet. Denn in aller Regel werden im virtuellen Server mehrere Prozessoren oder Kerne genutzt. Zum anderen ist gerade ein Nutzenaspekt der Virtualisierung die Fähigkeit, VMs nach Bedarf zwischen einzelnen Servern hin und her verschieben zu können, sei es zur Lastverteilung oder um ungestört anstehenden Wartungsaufgaben nachgehen zu können.

Dessen ungeachtet kann es sein, dass sich mehrere virtuelle Maschinen einen einzigen Prozessor teilen und der Anwender trotzdem die volle Gebühr je Prozessor entrichten muss. Oder aber eine VM ist nur zu bestimmten Zeiten aktiv und läuft in der übrigen Zeit nicht. In vielen dieser Fälle zahlt der Anwender "gefühlt" zu viel. Am Markt hat sich bislang noch kein einheitliches, auf Virtualisierung abgestimmtes und für den Anwender faires Modell durchgesetzt. Die Softwarebranche versucht sich derzeit noch an unterschiedlichen Ansätzen, etwa der Abrechnung nach tatsächlicher Nutzung ("pay per use").

Wichtig für IT-Verantwortliche ist, den Skalierungseffekt im Auge zu behalten: Steigt die Anzahl virtueller Maschinen im Laufe der Zeit an, wachsen die Kosten linear, falls für jede VM die volle Lizenz bezahlt werden muss. Günstig ist es dann, wenn man zu einem Lizenzmodell findet, bei dem eine größere oder gar unbegrenzte Anzahl von Instanzen eines Systems auf einem Server laufen darf. So kann es sich beispielsweise lohnen, statt viermal einen Windows 2008 Server zu kaufen, nur einmal die Enterprise-Version zu erstehen, da diese in bis zu vier virtuellen Maschinen zugleich benutzt werden darf. Die Datacenter-Version erlaubt eine unlimitierte Anzahl Instanzen des Betriebssystems in virtuellen Umgebungen (siehe hierzu: Licht im Microsoft-Lizenzdschungel ).

Dass der Lizenz-Teufel im Detail steckt, zeigt sich gerade bei der Microsoft Windows Server 2008 R2 Datacenter Edition sehr deutlich: die Aufhebung der Limitierung gilt nur bei einer korrekten Lizenzierung. Diese setzt den Erwerb einer Lizenz je CPU-Sockel voraus. Zu beachten ist dabei die Mindestzahl von zwei CPU-Lizenzen pro Server. Ein Server mit einem Sechs-Kern Prozessor benötigt somit zwei Lizenzen für Windows Server 2008 R2 Datacenter Edition. Und - Achtung - einen zweiten Prozessor gleicher Bauart, da eine Installation nur auf einem Rechner mit mindestens zwei Sockeln erfolgen darf. Sollen solche Windows Server 2008-VMs auf einen anderen Host verschoben werden, muss auch der Zielhost über eine entsprechende Datacenter Lizenzierung verfügen.

Ein weiterer Effekt stellt sich durch die erweiterten technischen Möglichkeiten der Virtualisierungsumgebung ein: Betreibt ein Kunde bislang einen Hardware-basierender Server mit 32-Bit-Architektur und will im Zuge der Migration in die virtuelle Welt die Vorteile von 64 Bit-Architekturen nutzen, so muss er für eine neue Betriebssystemlizenz zumeist erneut in die Tasche greifen. Dies gilt beispielsweise bei Windows-Servern auch dann, wenn mehr Speicher als 4 GB RAM genutzt werden soll - dann steht der Kauf einer der Enterprise Varianten des Betriebssystems an, was die Projektkosten drastisch in die Höhe treiben kann.

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