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So reparieren Sie defekte Geräte selbst!

22.08.2019 | 08:01 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Wenn Drucker, Mobiltelefon, Notebook oder sonst ein Haushaltsgerät nicht mehr funktionieren, ist die Reparatur durch den Kundendienst meist teuer. Doch viele Defekte lassen sich selbst beheben. Das Internet und wir unterstützen Sie dabei.

Mancher spricht schon vom „Gerätezoo“ und meint damit die Vielzahl der elektrischen Geräte, die das Leben zu Hause und unterwegs erleichtern sollen. Aber alle diese Helfer können eben auch kaputtgehen. Mobile Geräte wie Smartphones und Notebooks trifft es dabei besonders häufig, beim Handy ist der Display der mit Abstand häufigste Schaden. Eine Unaufmerksamkeit, das Telefon fällt herunter – und schon ist der Bildschirm hin.

Defekte Geräte, Fehlerursachen und die richtige Reparaturidee

Unabhängig von der Art des Schadens oder Defekts lässt sich vieles auch deshalb vergleichsweise einfach selbst beheben, weil das Internet unzählige Hilfen bereithält. Das gilt sogar dann, wenn man sich zuvor noch nie mit dem jeweiligen Problem befasst hat – so etwa hat der Autor dieses Ratgebers kürzlich erstmals ein Telefondisplay ersetzt. Sie müssen also keineswegs vorher wissen, wie Sie das betreffende Gerät auseinanderbauen, Komponenten austauschen oder den Defekt beheben. Das finden Sie in aller Regel mit einer ganz gewöhnlichen Internetsuche heraus. Google listet dazu die passenden Anleitungen, Foren, Videotutorials, Erfahrungsberichte oder Produktrezensionen auf. Nehmen Sie sich bitte gerade an dieser Stelle etwas Zeit, um den vermuteten Grund des Defektes sicher einzugrenzen. Letztlich braucht man nämlich die „richtige Idee“, mindestens aber eine konkrete Vermutung für die Fehlerursache.

Wenn man das Abheben eines Smartphone-Displays mithilfe einer Spielkarte einmal im Youtube-Video gesehen hat, klappt das höchstwahrscheinlich auch beim eigenen Telefon.
Vergrößern Wenn man das Abheben eines Smartphone-Displays mithilfe einer Spielkarte einmal im Youtube-Video gesehen hat, klappt das höchstwahrscheinlich auch beim eigenen Telefon.

Im nächsten Schritt geht es darum, das passende Ersatzteil zu finden sowie Aufwand und Schwierigkeit der Instandsetzung abzuschätzen. Gerade hierbei sind die vielen erklärenden Anleitungen im Web und die Vorführung der Do-it-Yourself-Videos auf Youtube hilfreich. Unabdingbar ist dafür häufig, die genaue Modell- und Teilebezeichnung zu kennen. Diese finden Sie entweder in der Bedienungsanleitung, auf dem Typenschild direkt am Gerät oder auf der Rechnung.

Tipp: So prüfen Sie, ob Ihre HDD defekt ist

Lohnt sich die Profi-Reparatur oder versuche ich es selbst?

Haben Sie die richtige Diagnose getroffen, schließen sich mehrere Fragen an: Kann ich die Reparatur selbst ausführen? Was kostet das Ersatzteil? Wieviel verlangt der Profi? Und lohnt die Reparatur überhaupt? Beantworten lassen sich die Fragen stets nur für den konkreten Fall, wie unsere Beispiele aus der Praxis zeigen.

Beginnen wir bei der IT. Das Display des Notebooks ist kaputt, der mobile Rechner lässt sich gar nicht mehr nutzen. Durch Anschließen an einen PC-Monitor oder Fernseher ist schnell überprüft, ob das Notebook noch funktioniert und wirklich nur der Bildschirm streikt. 200 Euro für die Reparatur durch einen Fachbetrieb lohnen bei einem älteren Computer kaum, das Ersatzdisplay kostet gerade einmal rund ein Drittel und ist ohne viel Knowhow schon in einer guten halben Stunde eingebaut! Alle Details dazu erläutert unser Online-Workshop .

Ein weiteres Beispiel: Nach mehreren Zehntausend Druckseiten ist die Belichtungseinheit des Laserdruckers verschlissen und muss ersetzt werden. Die kostet im Online-Shop des Herstellers knapp 180 Euro und damit praktisch so viel wie der gleiche Drucker aktuell neu. Doch exakt dasselbe Teil gibt es auch viel günstiger (Siehe Kasten "Ersatzteile günstig online bestellen").

Am Smartphone kann so gut wie alles kaputt gehen 

Selbst gewechselt: Weniger als 30 Euro kostete dieses Smartphone-Display im Onlineshop.
Vergrößern Selbst gewechselt: Weniger als 30 Euro kostete dieses Smartphone-Display im Onlineshop.

Kommen wir zum gesprungenen Smartphone-Display, konkret dem eines hochwertigen Google Pixel . „Handy-Kliniken“ verlangen für die Reparatur ebenso wie Googles offizieller Reparaturservice knapp 200 Euro. Allerdings ohne Garantie, dass es dabei auch bleibt, schließlich ist vorab ja tatsächlich nicht sofort klar, ob das Gerät nicht doch noch anderweitig beschädigt ist. Diese Summe stellt bei einem zwei Jahre alten Mobiltelefon schon eine Investition dar, die gut überlegt sein will. Der Autor wagte deshalb den Selbstversuch, bestellte ein absolut hochwertiges Ersatzdisplay in Asien für knapp 30 Euro und tauschte das Display anschließend mithilfe einer Online-Beschreibung und mehrerer Youtube-Clips erfolgreich aus.

Und selbst wenn dieser Versuch fehlgeschlagen wäre, wäre ja abgesehen vom günstigen Display kein weiterer Schaden entstanden, weil das Telefon zuvor praktisch wertlos war.

Manche Dienstleister und Geschäfte bieten Reparaturen zum Festpreis.
Vergrößern Manche Dienstleister und Geschäfte bieten Reparaturen zum Festpreis.

Die zweithäufigsten Schäden bei Smartphones sind solche durch Wasser: Meist fallen die Geräte in die Toilette beziehungsweise in das Waschbecken oder man stößt ein Getränk um. Ist das passiert, schalten Sie das Gerät umgehend aus, trocknen es oberflächlich und warten zumindest (!) zwei Tage, bis Sie es wieder einschalten. Hitze, Fön und Mikrowelle sind tabu. Unterstützen lässt sich das Trocknen durch Reis oder Silicagel und durch vorsichtiges Absaugen der Flüssigkeit mithilfe eines Staubsaugers. Ein weiterer Trick: In einem sogenanntem Vakuum-Exsikkator, der zur Standardausstattung fast jeder Apotheke gehört, verdampft das Wasser durch Unterdruck schnell auch aus dem Geräteinnern. Fragen Sie im Falle eines Falles einfach einmal in Ihrer Apotheke nach! 

Gerne reißt im Alltag häufiger der Stecker des Kopfhörerkabels ab, ein Stück steckt dann in der 3,5-mm-Audiobuchse des Smartphones. Solche Reste lassen sich mit einer kleinen gebogenen Spitzzange herausfummeln.

Siehe auch: Kein Bild – ist mein Monitor defekt?

Wenn andere Haushaltsgeräte nicht mehr funktionieren 

Für den Tausch dieses Aquastop-Ventils muss man nicht einmal die Spülmaschine hervorziehen.
Vergrößern Für den Tausch dieses Aquastop-Ventils muss man nicht einmal die Spülmaschine hervorziehen.

Bei Haushaltsgeräten jenseits von PC, Telefon und IT gilt im Prinzip das zuvor Gesagte: Nehmen Sie sich zunächst Zeit für die Fehler- und Ersatzteilsuche, schätzen Sie Reparaturaufwand und -schwierigkeit realistisch ein und entscheiden dann, ob Sie sich die Reparatur zutrauen. Bei Elektrogeräten gilt allerdings, dass viele Arbeiten am elektrischen 230-Volt-Teil nur von Fachleuten durchgeführt werden dürfen (Siehe Kasten "Lassen Sie  stets Vorsicht walten"). Ist die Wasch- oder Spülmaschine beziehungsweise der Trockner defekt, kommt das Transportproblem hinzu. Realistisch muss dann ein Techniker zu Ihnen nach Hause kommen.

Doch längst nicht jeder Kundendienst arbeitet so, wie man es erwartet. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest kam bei Waschmaschinen zu einem ernüchternden Ergebnis : Nur der Testsieger arbeitete „befriedigend“, zwei Dienste waren sogar „mangelhaft“. Für den Test waren alle Geräte mit zwei einfach zu behebenden Fehlern präpariert, für deren Beseitigung die Kundendienste bis zu 550 Euro verlangten.

Da fragt man sich natürlich wieder: Kann ich das nicht selbst? Doch, lautet die Antwort in vielen Fällen. Auch dazu ein Beispiel: An der Spülmaschine des Autors riss zunehmend die untere Türdichtung ein. Es war so nur eine Frage der Zeit, bis Wasser aus der Maschine getreten wäre. Die Ersatzteilsuche führte schnell zur passenden Dichtung für weniger als 30 Euro, bei Amazon zudem mit 4,9 von fünf Sternen außerordentlich gut bewertet. Mehr als 300 Fragen von anderen Kunden machten aber gleichzeitig klar, dass sich der Einbau „mühsam“ gestaltet und etwa drei Stunden in Anspruch nimmt – und genauso war es dann. Hier waren also die Kundenrezensionen und -fragen hilfreich.

Grafikkarte backen: So reparieren Sie defekte Hardware-Platinen

Fazit: Geld und Ärger gespart, außerdem lernt man immer dazu 

Das alles sind Beispiele – bei Ihnen zu Hause verweigern sicher andere Geräte ihren Dienst. Doch nun wissen Sie, wie Sie im Internet konkrete Hilfe und Unterstützung finden – auch wenn Sie sich wie der Autor mit den jeweiligen Problemen nie zuvor beschäftigt hatten. Neben der Geldersparnis vermittelt einem eine gelungene Reparatur zudem das gute Gefühl, etwas dazugelernt und „geleistet“ zu haben.

Zum Schluss zwei weiterführende Hinweise: Unser Ratgeber zur Gerätehaltbarkeit  bewahrt Sie vor bevorstehenden Schäden und  hier  veranschaulichen wir die Reparatur eines Fernsehers.

Die Themen in Tech-Up Weekly #162:

► Fortnite spielend zum Millionär werden - so einfach geht’s
www.pcwelt.de/news/Fortnite-WM-16-Jaehriger-gewinnt-3-Millionen-US-Dollar-10637111.html

►IG Metall kämpft für bessere Arbeitsbedingungen für Youtuber
www.pcwelt.de/news/IG-Metall-kaempft-fuer-bessere-Arbeitsbedingungen-fuer-Youtuber-10637329.html

Quick-News:

► Windows 10: Reset per "Cloud Download" bald möglich: www.pcwelt.de/news/Windows-10-Reset-per-Cloud-Download-bald-moeglich-10637945.html

► Diablo 1 ist jetzt im Browser spielbar: www.pcwelt.de/news/Diablo-1-ist-jetzt-im-Browser-spielbar-10639381.html

► Nvidia Shield TV hat Android-Pie-Update erhalten: www.pcwelt.de/news/Nvidia-Shield-TV-erhaelt-Android-Pie-Update-10639366.html

► Fitness-Tracker: 10.000 Schritte sind ein Marketing-Gag: www.pcwelt.de/news/Fitness-Tracker-10.000-Schritte-sind-ein-Marketing-Gag-10638065.html

► Sicherheitslücken in SSD-Tools von Western Digital und Sandisk: www.pcwelt.de/news/Sicherheitsluecken-in-SSD-Tools-von-Western-Digital-und-Sandisk-10639508.html

► US-Gesetzentwurf will Auto-Play für Videos verbieten: www.pcwelt.de/news/US-Gesetzentwurf-will-Auto-Play-fuer-Videos-verbieten-10639085.html

Kommentar der Woche:

► FAQ-up #4: www.youtube.com/watch?v=V78GLeZ8Eus

Fail der Woche:

►Microsoft-Spot(t): Mac Book empfiehlt Surface Laptop: www.pcwelt.de/news/Microsoft-Spot-t-Mac-Book-empfiehlt-Surface-Laptop-10639406.html

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