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So klappt die Datensicherung unter Linux

01.10.2019 | 14:32 Uhr | Hermann Apfelböck

Datensicherung ist unbeliebt, aber ein notwendiges Übel jeder großen wie kleinen IT-Infrastruktur. Mit den richtigen Tools kostet aber nur die erste Einrichtung oder die Kommandorecherche Zeit. Danach läuft das Meiste automatisch ab.

Mit Linux sind Sie gegen Schadsoftware so gut wie immun, doch mit Benutzerfehlern und Havarien müssen Sie auch hier rechnen. Versehentliches Löschen, Konfigurationsfehler, misslungene Upgrades oder Festplattendefekte verursachen Datenverluste.

Dagegen hilft nur eine gesunde Redundanz: Sorgen Sie dafür, dass Sie alle wichtigen Dateien und Ordner ein zweites oder drittes Mal vorfinden.

Tipp: Linux-Zweitsysteme für Spezial-Einsatzzwecke

Systemschutz (1): Timeshift 

Das Sicherungswerkzeug Timeshift ist unter Linux Mint Standard. Es erstellt Momentaufnahmen des Dateisystems, die beim Zurückspielen einen früheren Zustand wiederherstellen. Unter Ubuntu ist es nicht Standard, aber eine empfehlenswerte Ergänzung. Timeshift liegt fast überall in den Standardpaketquellen und ist mit 

sudo apt install timeshift 

schnell nachinstalliert.

Der erste Sicherungspunkt ist ein komplettes Backup der Systemverzeichnisse. Weitere Wiederherstellungspunkte fallen dann viel kleiner aus, da Timeshift nur noch geänderte Dateien speichert. Der Rest wird per Hardlinks abgebildet. Folgesicherungen haben nur scheinbar den im Dateimanager angezeigten großen Speicherbedarf.

Die Einrichtung: Timeshift fordert beim Start immer das sudo-Kennwort, da es Zugriff auf alle Ordner benötigt. Beim ersten Start wird der „Schnappschusstyp“ abgefragt („RSYNC“). Im nächsten Schritt geht es um den „Schnappschussort“, also um den Zieldatenträger der Sicherung. Timeshift bietet alle Partitionen mit Linux-Dateisystem an (notwendig wegen der Hardlink-Technik). Besser als die Systempartition selbst ist ein unabhängiger zweiter Datenträger, der dann aber immer zur Verfügung stehen muss, wenn Sie einen automatisierten Timeshift-Plan verwenden. Im letzten Schritt definieren Sie einen Zeitplan („Schnappschussebenen“) und die Menge der gespeicherten Systempunkte. Auf einem normal genutzten Desktop sollten wöchentliche Sicherungen und drei bis fünf aufbewahrte Sicherungspunkte genügen, aber das lässt sich beliebig steigern. Getroffene Einstellungen können Sie später jederzeit ändern. Mit der Schaltfläche „Erstellen“ können Sie auch jederzeit einen Sicherungspunkt manuell auslösen.

Wiederherstellen: Die Backups bestehen aus unkomprimierten Ordnern und Dateien unter „/timeshift/snapshots“. Einzelne Dateiobjekte oder der komplette frühere Zustand lassen sich daher mit jedem Livesystem rekonstruieren, falls das primäre System nicht mehr funktioniert – im Prinzip auch ohne Timeshift. Noch bequemer geht’s aber mit Timeshift selbst: Das Tool zeigt in seiner Liste alle Sicherungspunkte. Mit „Wiederherstellen“ schreiben Sie einen markierten Punkt zurück. Die Partitionsdaten werden im Fenster „Ziellaufwerk auswählen“ noch einmal explizit abgefragt.

Systemschutz (2): Clonezilla-Images 

Klonprogramm Clonezilla: Die Menüs sind nicht hübsch, aber ganz gut erklärt.
Vergrößern Klonprogramm Clonezilla: Die Menüs sind nicht hübsch, aber ganz gut erklärt.

Mit Clonezilla erstellen Sie Abbilder von Festplatten oder klonen den Inhalt einer Festplatte direkt auf eine zweite. Das Livesystem beziehen Sie über http://clonezilla.org (260 MB). Clonezilla ist textbasiert, hat aber eine pseudo-grafische Oberfläche. Mit den Pfeiltasten navigieren Sie im Menü und bestätigen die Auswahl mit Eingabetaste. Mit der Tabulator-Taste wechseln Sie zwischen Schaltflächen wie „OK“ und „Cancel“. Soll die Sicherung auf eine USB-Festplatte erfolgen, schließen Sie diese vorher an.

Abbildsicherung: Im gebooteten Clonezilla wählen Sie für ein Imagebackup die Option „device-image“ und danach „local_dev“. Geben Sie die Festplatte an und danach das Verzeichnis, wohin Sie das Abbild speichern wollen. Wählen Sie „Beginner“ und „savedisk“ und geben Sie einen Dateinamen für das Image an. Die spätere Wiederherstellung eines Abbilds läuft entsprechend ab. Nach „Beginner“ wählen Sie „restoredisk“, danach die gewünschte Abbilddatei und dann die Zielfestplatte.

Direktkopien: Für eine Direktkopie von einer Festplatte auf eine zweite wählen Sie „device-device“, danach „Beginner“ und „disk_to_local_disk“. Bestimmen Sie dann die Festplatte, die Sie kopieren möchten. Bei der Systemfestplatte handelt es sich in der Regel um „sda“. Nach „OK“ wählen Sie die Zielfestplatte. Wenn sich nur zwei Festplatten im PC befinden, ist dies „sdb“. Bestätigen Sie diese Auswahl und auch die nächsten beiden Meldungen mit der Eingabetaste. Sie erhalten dann eine zusammenfassende Meldung über die ausgewählten Festplatten. Prüfen Sie die Angaben genau, um ja nicht Quelle und Ziel zu verwechseln. Bei startfähigen Festplatten fragt Clonezilla automatisch, ob Sie auch die Startumgebung („boot loader“) kopieren möchten. Bestätigen Sie dies mit „y“ und Eingabetaste.

Hinweis: Bei einer Direktkopie muss die Zielfestplatte mindestens die Kapazität des Quelllaufwerks besitzen. Ist das Ziellaufwerk größer, sollten Sie nachträglich die Partitionsgröße ausdehnen, um die Festplatte komplett zu nutzen. Dies erledigen Sie am besten mit Gparted in einem Livesystem (etwa Linux Mint ). Über „Größe ändern/verschieben“ lässt sich die Partition ausdehnen.

Siehe auch: Linux-Systemstart beschleunigen

Datenbackups mit Rsync 

Solche 1:1-Kopie mit Löschschalter ist nur zu empfehlen, wenn das Backupziel nie direkt bearbeitet wird (in der Abbildung eine Sicherung via SSH von Server zu Server).
Vergrößern Solche 1:1-Kopie mit Löschschalter ist nur zu empfehlen, wenn das Backupziel nie direkt bearbeitet wird (in der Abbildung eine Sicherung via SSH von Server zu Server).

Theoretisch kann Timeshift auch zur Sicherung der Home-Verzeichnisse eingesetzt werden („Einstellungen –› Benutzer“). Dies halten wir aber bei großen Datenbeständen unter „/home“ für keine gute Idee, weil es den Zeitaufwand und die Schnappschussgrößen für Timeshift erheblich aufbläht. Für Benutzerdateien sind Backups oder Synchronisierungen mit Rsync erste Wahl. Rsync sichert auf interne und externe Laufwerke, auf Freigabeordner, auf Netzwerkoder Webserver, auf denen der SSH-Server läuft. Rsync hat reichlich Schalter zu bieten, doch fasst die Option „-a“ häufig benötigte Funktionen zusammen. Damit erreichen Sie rekursives Kopieren aller Unterverzeichnisse: 

rsync -a /home/ha/ /media/ha/usb/backup 

Das Beispiel geht davon aus, dass ein USB-Laufwerk mit dem Label „usb“ unter „/media/ha“ eingehängt ist. Dies ist das Ziellaufwerk der Sicherung. Das angegebene Verzeichnis („backup“) wird automatisch erstellt, sofern es noch nicht existiert. Das erste – nach den Schalteroptionen – angegebene Verzeichnis ist der Quellordner. Beachten Sie den abschließenden Slash (/). Nur so landen alle Sicherungsdaten direkt im Zielordner „backup“.

Von weiteren Rsync-Schaltern sind mindestens drei unentbehrlich: Mit 

rsync -av --delete /home/ha/ /media/ha/usb/backup 

erzeugen Sie bei periodischer Sicherung eine Mirror-Kopie. Was unter der Quelle „/home/ha“ seit dem letzten Kopiervorgang gelöscht wurde, wird auch auf dem Ziel gelöscht. Mit falschen Pfadangaben wäre das fatal. Ein Testlauf mit „--dry-run“ 

rsync -av --delete –dry-run /home/ha/ /media/ha/usb/backup 

zeigt alle zu erwartenden Aktionen, ohne sie tatsächlich auszuführen. Schalter „-u“ spart bei periodischen Sicherungen Zeit (rsync -auv ...), weil er bereits bestehende Dateien überspringt.

Sicherung via SSH: Rsync kann von jedem Rechner im Netzwerk Daten beziehen oder dorthin kopieren, wo ein SSH-Server läuft. Die Sicherung folgt diesem Schema

rsync -av -e ssh ha@192.168.0.66:/home/ha/Bilder/ /home/ha/Bilder 

oder auch mit 

rsync -auv --delete -e ssh /var/www/ root@192.168.0.8:/var/www/ 

in die andere Richtung.

Die Themen in Tech-up Weekly #167:

►Intel räumt Verlust von Marktanteilen an AMD ein: www.pcwelt.de/news/Intel-raeumt-Verlust-von-Marktanteilen-an-AMD-ein-10664087.html

► K2-18b: Forscher entdecken Exoplanet, auf dem Leben möglich ist: www.pcwelt.de/news/K2-18b-Forscher-entdecken-Exoplanet-auf-dem-Leben-moeglich-ist-10665304.html

Quick-News:

► iPhone 11 (Pro, Max), Apple Watch Series 5, iPad 7: Highlights der Keynote (mit Video): www.pcwelt.de/news/Apple-Special-Event-2019-Der-Live-Ticker-der-Macwelt-10663279.html

► Geheime Botschaft von Apple in neuem Video: www.macwelt.de/news/Geheime-Botschaft-von-Apple-in-neuem-Video-10664901.html

► Umweltbelastung durch Rechenzentren nimmt zu: www.pcwelt.de/news/Umweltbelastung-durch-Rechenzentren-nimmt-zu-10665078.html

► Google kündigt eigene Spiele-Flatrate "Play Pass" an: www.pcwelt.de/news/Google-kuendigt-eigene-Spiele-Flatrate-Play-Pass-an-10664702.html

► Große Kartell-Untersuchung gegen Google gestartet: www.pcwelt.de/news/Grosse-Kartell-Untersuchung-gegen-Google-gestartet-10663885.html

► Paypal bietet Ratenzahlung an: www.pcwelt.de/news/Paypal-bietet-Ratenzahlung-an-10663749.html

Fail der Woche:

► Kreditkartenbetrüger merkte sich 1.300 Kartennummern - und wird erwischt: www.pcwelt.de/news/Kreditkartenbetrueger-merkte-sich-1.300-Kartennummern-10663964.html

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