1885436

Smartphone im Auto nutzen: Musik, Navi, HUD & mehr

13.03.2022 | 09:10 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Man muss kein neues Auto inklusive teurem Infotainmentsystem besitzen, um das Smartphone auch unterwegs nutzen zu können. Unser Ratgeber erklärt, wie Sie Ihr Telefon unterwegs einsetzen, gibt Beispiele und erläutert den rechtlichen Rahmen.

Im Idealfall braucht man während der Fahrt gar kein Smartphone: entweder weil im Fahrzeug bereits ein komplettes Infotainment- und Navigationssystem integriert ist oder weil man bewusst auf das Mobiltelefon verzichtet – früher ging das bekanntlich auch. Aber es ist eben schon praktisch und komfortabel, sich zum Ziel navigieren zu lassen, die Musik oder den Radiosender seiner Wahl zu hören sowie längere Strecken zum Telefonieren zu nutzen. Mit dem Smartphone ist das alles einfach möglich.

Dieser Ratgeber gibt einen Überblick über verschiedene Anwendungsszenarien, technische Voraussetzungen, Integrationsstufen, Apps und Zusatzgeräte. Weil Mobiltelefone auf Android-Basis viel weiter verbreitet sind als das iPhone von Apple, fokussieren wir uns auf das System von Google.

Gute Halterung sorgt für sichere Bedienung

Das A und O für die sichere Smartphonenutzung im Auto ist eine Halterung, die festen Halt und eine bequeme Handhabung des Telefons gewährleistet. Darüber hinaus muss das Mobilgerät gut erreichbar und ablesbar sein, darf das Sichtfeld des Fahrers jedoch nicht einschränken. Schließlich soll das Ganze einigermaßen aussehen, klobige Halterungen mit verschiebbaren Greifarmen sind nicht jedermanns Sache.

Magnethalterungen fürs Auto, hier in der Befestigungsvariante für die Lüftungsschlitze, sind ästhetisch schlank, im Alltag einfach zu handhaben und passen für alle Smartphones.
Vergrößern Magnethalterungen fürs Auto, hier in der Befestigungsvariante für die Lüftungsschlitze, sind ästhetisch schlank, im Alltag einfach zu handhaben und passen für alle Smartphones.

Äußerst praktisch sind Magnethalterungen. Sie erfüllen alle genannten Anforderungen und stören die Optik kaum. Drei Varianten stehen dabei zur Wahl: mit Saugnapf für die Frontscheibe, zum Aufkleben auf das Armaturenbrett oder zum Einklemmen in die Lüftungsschlitze. Als Gegenstück klebt man die mitgelieferte dünne Metallplatte auf die Rückseite des Smartphones oder befestigt sie an der Schutzhülle. Damit lässt sich das Telefon schnell und einfach mit einer Hand und ohne jegliche Fummelei per Magnet an- und abdocken. Solche Halterungen kosten zwischen zehn und 20 Euro und sind über die Stichworte Magnet, Smartphone und Halterung einfach im Internet zu finden. Von Vorteil ist auch, dass alle Familienmitglieder dieselbe Halterung mit unterschiedlichen Mobilgeräten verwenden können.

Sinnvoll und auf längeren Fahrten sogar zwingend ist die Stromversorgung. Verfügt das Auto oder Autoradio über einen USB-Anschluss, stecken Sie das Smartphone mit einem Kabel passender Länge darin an. In Fahrzeugen ohne USB-Buchse verwenden Sie dazu einen USB-Adapter für die 12-Volt-Steckdose („Zigarettenanzünder“).

Streamen per Bluetooth, steuern per Spracheingabe

Die Sprachsteuerung des Smartphones über den Google Assistant ist anfangs ungewohnt, funktioniert aber gut und eignet sich so fürs Fahren im Auto. Eingerichtet ist die Funktion im Nu.
Vergrößern Die Sprachsteuerung des Smartphones über den Google Assistant ist anfangs ungewohnt, funktioniert aber gut und eignet sich so fürs Fahren im Auto. Eingerichtet ist die Funktion im Nu.

Die meisten neueren Fahrzeuge unterstützen das Streamen via Bluetooth vom Smartphone auf die eingebauten Lautsprecher. Prinzipiell lassen sich damit alle Audiosignale übertragen: also Musik und Hörbücher vom Smartphone abspielen, tausende Sender über eine Webradio-App empfangen, die Abbiegehinweise der Navigations-App wiedergeben oder das System als Freisprecheinrichtung zum Telefonieren verwenden.

Die Einrichtung der Drahtlosübertragung am Android-Telefon („Einstellungen –› Verbundene Geräte –› Neues Gerät koppeln“) ist mittlerweile einfach und funktioniert zuverlässig; im Auto folgen Sie den individuellen Schritten des Infotainmentsystems beziehungsweise Radios. Ist das einmal eingerichtet, verbinden sich Telefon und Fahrzeug automatisch, sobald man einsteigt und das Radio startet.

Bedienen muss man dieses „Grundszenario“ per Toucheingabe am Smartphone. Das ist wahrlich nicht der Weisheit letzter Schluss, nicht zuletzt wegen der rechtlichen Aspekte, die der Kasten „Handy am Steuer“ unten ausführt. Sinnvoll sind deshalb die Spracheingabe und -steuerung über die Systeme von Apple („Siri“) und Google („Hey Google“). Auf dem Android-Telefon schalten Sie dazu Google Assistant ein, indem Sie in den Einstellungen die „Assistant- Einstellungen“ öffnen, „Voice Match“ aktivieren und den weiteren Einrichtungsschritten folgen.

Tipp: Probieren Sie die Sprachsteuerung über das Signalwort „Hey Google“ selbst dann einmal aus, wenn Sie skeptisch sind. Sie müssen die Funktion ja sonst nicht nutzen und können sie jederzeit wieder ausschalten. Beim Fahren aber ist sie durchaus nützlich. Hier erklärt Google ein paar Alltagsszenarien , die sich auch gut als Übung eignen.

Web- oder Digitalradio: Empfang, Apps & Datenverbrauch

Abgesehen von alten Autoradios lässt sich die Audioausgabe vom Smartphone in fast jedem neueren Fahrzeug über Bluetooth auf den eingebauten Lautsprechern wiedergeben.
Vergrößern Abgesehen von alten Autoradios lässt sich die Audioausgabe vom Smartphone in fast jedem neueren Fahrzeug über Bluetooth auf den eingebauten Lautsprechern wiedergeben.
© JVC

In Deutschland hören die Menschen im Schnitt täglich etwa drei Stunden Radio. Dazu stehen unterwegs drei Empfangswege zur Verfügung: analog über Antenne (UKW), digital über Antenne (DAB+) und über Mobilfunk (Web- oder Internetradio). UKW empfängt jedes Autoradio, bei DAB+ sieht es schon anders aus. Bis Dezember 2020 verlangten die Fahrzeughersteller für den Digitalempfang meist einen Aufpreis, seit gut einem Jahr gehört DAB+ in Neuwagen zur Pflichtausstattung.

Vor allem ältere Fahrzeuge mit Radios im klassischen 1-DIN- oder 2-DIN-Format lassen jedoch einfach nachrüsten, indem man das bisherige durch ein DAB-Radio (ab 100 Euro) austauscht. Digitale Zusatzempfänger sind kaum günstiger, jedoch weniger komfortabel und auch wegen der Zusatzkabel für Antenne und Stromversorgung nicht empfehlenswert. Dann kann man gleich zum Smartphone greifen und es für knapp 30 Euro mit Digitalempfang aufrüsten. Mehr zu DAB+ für Auto, PC & Handy inklusive Senderempfang, Apps und Zusatzhardware beschreibt unser Online-Ratgeber .

Webradio, also das Streamen über das Mobilfunknetz, bietet insofern eine bequeme Alternative, als man außer einer meist kostenlosen App wie zum Beispiel „Radio DE“ nichts weiter braucht: installieren und los geht’s, inklusive Bluetooth-Wiedergabe auf den Boxen im Auto. Voraussetzung zum Hören ist allerdings eine stabile mobile Internetverbindung, was hierzulande längst nicht überall Standard ist. Außerdem verursacht das Streamen erhebliches Datenvolumen: Schon eine Stunde täglich in (typischer) 128-KBit/s-Qualität summiert sich im Monat auf fast zwei GByte – abhängig vom Provider und Tarif muss man dafür jeden Monat mit ein paar Euro kalkulieren.

Die Mobil-App PCRadio (für Android und iOS) senkt die Datenmenge beim Radiohören gegenüber dem Streamen über Sender-Webseiten und Radio-Apps auf rund ein Drittel.
Vergrößern Die Mobil-App PCRadio (für Android und iOS) senkt die Datenmenge beim Radiohören gegenüber dem Streamen über Sender-Webseiten und Radio-Apps auf rund ein Drittel.

Tipp: Nur rund ein Drittel des üblichen Datenverbrauchs verursacht die Webradio-App PCRadio (für Android und iOS).

Digitalradio ohne Internet verursacht keine laufenden Kosten und bietet bundesweit und in vielen anderen europäischen Ländern stabilen Empfang.

Mehr Komfort mit Carplay, Android Auto und Alexa Auto

Die Systeme Android Auto von Google und Carplay von Apple ermöglichen die Bedienung des Smartphones über den Touchscreen des Autos beziehungsweise Autoradios.
Vergrößern Die Systeme Android Auto von Google und Carplay von Apple ermöglichen die Bedienung des Smartphones über den Touchscreen des Autos beziehungsweise Autoradios.
© Sony

Besonders sicher und komfortabel bedienen lassen sich die Funktionen des Smartphones, wenn KFZ-Radio oder -Infotainmentsystem Android Auto von Google oder Carplay von Apple unterstützen. Damit lassen sich die Telefon-Apps auf dem größeren Touchdisplay im Fahrzeug bedienen, sobald das Smartphone per USB-Kabel angeschlossen ist. Allerdings sind die Systeme bislang wenig verbreitet und wurden vorwiegend in teurere Autos und/oder gegen Aufpreis eingebaut. In neueren Fahrzeugen lassen sich die Systeme teilweise nachträglich vom Hersteller gegen Gebühr freischalten oder von einer Fachwerkstatt über Zusatzmodule aktivieren.

Mehr Infos:

Android Auto im Test: Funktionen, Apps, Auto-Hersteller, Varianten

Apple Carplay im Test: Funktionen, Apps, Anbieter, wireless Carplay

Einfach ist die Nachrüstung in älteren Fahrzeugen mit 1- oder 2-DIN-Radioschacht, indem man das vorhandene Radio gegen eines mit Carplay- beziehungsweise Android-Auto-Unterstützung austauscht. Die Preise für solche Geräte von Alpine, JVC, Kenwood, Pioneer, Sony oder Zenec starten bei gut 300 Euro.

Android Auto und Carplay unterstützen allerdings längst nicht alle Store-Apps, für die Navigation beispielsweise geben Apple und Google nur wenige Apps frei: darunter Sygic, Tomtom und Waze. 

Tipp: Android Auto lässt sich auch ohne Verbindung zum Auto (-radio) auf dem Smartphone verwenden. Diese Betriebsart zeigt – über deutlich größere Schaltflächen – nur die für unterwegs wichtigen Apps, alle anderen werden ausgeblendet ( Einrichtung und Infos ).

Nicht durchsetzen konnte sich das Mirrorlink-Verbindungsystem fürs Smartphone und Autoradio ( https://mirrorlink.com ).

Ausschließlich per Sprachsteuerung und damit ganz anders arbeitet Alexa Auto . Das Gerät für knapp 60 Euro funktioniert ähnlich wie Amazons smarte Lautsprecher zu Hause. Alexa Auto wird auf dem Armaturenbrett aufgeklebt, über die Bordsteckdose oder USB mit Strom versorgt und via Bluetooth mit den Fahrzeuglautsprechern gekoppelt. Die Datenverbindung ins Internet läuft über die Alexa-App auf dem Smartphone (Android und iOS).

Siehe auch: 

Echo Auto im Test: Alexa für Autofahrer mit Licht & Schatten

PC-WELT Marktplatz

1885436