2512665

Warum Updates für Ihr Smartphone so wichtig sind

20.02.2022 | 09:39 Uhr | Verena Ottmann & Andreas Hitzig

Android bekommt in regelmäßigen Abständen Updates in Form der monatlichen Sicherheits- und der großen Versionsupdates. Doch nicht jedes dieser Updates kommt auch bei jedem Smartphone an.

Android ist ein Betriebssystem, das ständig erweitert und verbessert wird. Aus diesem Grund liefert Google neben den meist jährlichen Versionsupdates – derzeit wird Android 12 noch ausgerollt – in regelmäßigen Abständen die sogenannten Sicherheitsupdates: Während die Versionsupdates neue Funktionen und grundlegende Änderungen zu Design, Bedienung, Sicherheit und anderem mitbringen, beheben die Sicherheitsupdates in erster Linie bestehende Probleme im Betriebssystem und beseitigen Sicherheitslücken. Eine Übersicht der aktuell beseitigten Sicherheitslücken inklusive des Grades der Bedrohung veröffentlicht Google monatlich in den Sicherheits-Bekanntmachungen .

Beide Updatetypen müssen jedoch vor dem Ausrollen von den Smartphone-Herstellern an deren Geräte angepasst werden. Aus diesem Grund kommt es immer wieder zu Verzögerungen bei der Verteilung, und viele, oft günstigere Modelle bekommen die Updates gar nicht.

Wie gut sind die Hersteller hinsichtlich Updates?

Samsung bietet für seine Topmodelle immerhin drei Versionsupdates und monatliche Sicherheitsupdates für vier Jahre. Ältere Geräte bekommen viertel- oder halbjährliche Updates.
Vergrößern Samsung bietet für seine Topmodelle immerhin drei Versionsupdates und monatliche Sicherheitsupdates für vier Jahre. Ältere Geräte bekommen viertel- oder halbjährliche Updates.

Es ist daher vor dem Kauf eines neuen Smartphones ratsam, sich über die Updatepolitik des gewünschten Herstellers zu informieren und dabei auch das bevorzugte Modell zu recherchieren. Beispielsweise garantiert Samsung für seine S-Reihe ab dem Galaxy S10 (Marktstart März 2019), für die Note-Reihe ab dem Galaxy Note 10 (August 2019), für alle bisherigen Galaxy Fold (Marktstart September 2019) und kommenden Foldables, für das Galaxy A71 (Januar 2020), A51 (Dezember 2019), A90 5G (September 2019) und kommende A-Modelle sowie für das Galaxy Tab S7+ (August 2020), Tab S7 (August 2020), Tab S6 (August 2019), Tab S6 Lite (Mai 2020) und kommende Tab- S-Geräte drei Versionsupdates. Mit der Vorstelung des Galaxy S22 wurde bekannt, dass Samsung hier sogar vier Jahre lang große Android-Updates und fünf Jahre lang Sicherheits-Updates bereitstellt. Eine genaue Auflistung zu den Sicherheits-Aktualisierungen finden Sie hier .

Motorola hat für seine aktuelle High-End-Serie Edge 20 angegeben, sogar nur zwei Versionsupdates und zwei Jahre lang Sicherheitsupdates alle zwei Monate zu verteilen. Eine Liste mit aktuellen Updates für weitere Motorola-Geräte finden Sie im Blog .

Nokia verspricht drei Jahre lang Versions- und monatliche Sicherheitsupdates für Geräte wie das 8.3 5G (Marktstart September 2020). Günstigere Modelle wie das 1.3 (April 2020) erhalten die Sicherheitsupdates dagegen nach zwei Jahren nur noch vierteljährlich. Hier können Sie sich die Updatefähigkeit der einzelnen Nokia-Modelle ansehen.

Oneplus hat nach der Integration in das Unternehmen Oppo seine Updatepolitik geändert und gewährt seinen High-End-Modellen wie der Oneplus-8-Reihe (erstmals April 2020 am Markt) nun drei Versionsupdates und vier Jahre Sicherheitsupdates. Das Oneplus Nord und Nord CE bleiben dagegen beim alten Updatefahrplan mit zwei Versions- und drei Jahren Sicherheitsupdates alle zwei Monate. Noch schlechter hat es das Oneplus Nord N10 und N100 getroffen: Sie erhalten nur noch ein Versionsupdate, aber immerhin drei Jahre lang Sicherheitsupdates. Alle Geräte nutzen das hauseigene Betriebssystem OxygenOS.

Zum Vergleich: Apple stellt sein aktuelles Mobilbetriebssystem iOS 15.1 für alle iPhones ab dem iPhone 6s und 6s Plus bereit (Einführung im September 2015). Huawei hat je nach Modellreihe ein monatliches oder ein vierteljährliches Aktualisierungsprogramm, schweigt sich jedoch über die Dauer aus. Erfahrungswerte zeigen jedoch etwa drei Jahre lang Sicherheits- und zwei Versionsupdates, die aber auf sich warten lassen können. So erhalten High- End-Geräte wie die P40-Serie, das Mate 30 Pro und das Mate 40 Pro monatliche Sicherheitsupdates, die älteren Phones wie das Mate 20 Pro oder die P30-Reihe bekommen ihre Sicherheitsupdates dagegen vierteljährlich . Ob der Umstieg auf das hauseigene Harmony OS eine Verbesserung hinsichtlich der Updates mitbringt, bleibt abzuwarten.

Xiaomi äußert sich da schon genauer und verspricht mindestens zwei Jahre lang monatliche und vierteljährliche Sicherheitsupdates, wobei lediglich das Mi A3 und A2 (Lite) monatlich bedacht werden .

Huawei-Phones werden aktuell mit monatlichen oder vierteljährlichen Aktualisierungen bedacht, die meist für drei Jahre durchgeführt werden. Der Umstieg auf Harmony OS könnte daran etwas ändern, allerdings schweigt sich der Hersteller derzeit noch darüber
Vergrößern Huawei-Phones werden aktuell mit monatlichen oder vierteljährlichen Aktualisierungen bedacht, die meist für drei Jahre durchgeführt werden. Der Umstieg auf Harmony OS könnte daran etwas ändern, allerdings schweigt sich der Hersteller derzeit noch darüber

Google selbst zeigt sich zumindest bei der Einführung des Pixel 6 und Pixel 6 Pro einigermaßen spendabel: Die Geräte erhalten zwar nur drei Jahre (bis Oktober 2024) lang Versions-, aber immerhin fünf Jahre lang Sicherheitsupdates (bis Oktober 2026). Das Pixel 5a 5G bekommt dagegen nur noch bis 2024 Versions- und Sicherheitsupdates, das Pixel 5 und die 4a-Versionen bis 2023 und die Pixel-4- und 3a-Geräte (auch in XL) nur noch bis 2022. Mehr Infos dazu finden Sie hier .

Hinsichtlich der Exklusivität neuer Android-Versionen hat sich bei Android 12 gezeigt, dass auch andere Hersteller für ihre Spitzenmodelle Betaversionen bereitgestellt haben. So gab es etwa für bestimmte Geräte von Asus, Oneplus, Oppo, Realme, Sharp, Tecno, TCL, Vivo, Xiaomi und ZTE bereits Entwicklerversionen von Android 12.

Wichtig: Bei allen Updatefahrplänen ist immer zu bedenken, dass die Updategarantie mit dem offiziellen Marktstart eines Modells beginnt. Wer also beispielsweise ein Vorjahresmodell kauft, hat bereits ein Jahr an zukünftigen Updates in Anspruch genommen.

Android 13: Diese Smartphones erhalten das Update

Stand der Sicherheitsupdates herausfinden

Google listet auf seiner Webseite die Updatepolitik für die hauseigenen Pixel-Geräte auf. Für die 3er-Serie (ohne a) wird Android 12 die letzte Android-Version sein, ältere Modelle werden gar nicht mehr bedacht.
Vergrößern Google listet auf seiner Webseite die Updatepolitik für die hauseigenen Pixel-Geräte auf. Für die 3er-Serie (ohne a) wird Android 12 die letzte Android-Version sein, ältere Modelle werden gar nicht mehr bedacht.

Um herauszufinden, inwieweit der Hersteller Ihres Smartphones alle sicherheitsrelevanten Aktualisierungen an Ihr Gerät weitergibt, öffnen Sie die Einstellungen und navigieren zu „Über das Telefon“. Hier finden Sie den Punkt „Android-Version“, der die aufgespielte Android-Version anzeigt, und durch einen Tipper darauf den Punkt „Android-Sicherheitsupdate“ oder ähnlich.

Das angegebene Datum sollte optimalerweise nicht älter als vier Wochen sein. Falls Sie eine ältere Version der Sicherheitspatches auf Ihrem Mobilgerät haben, versuchen Sie im ersten Schritt ein manuelles Update, indem Sie auf den Eintrag tippen und „Auf Updates prüfen“ tippen. Führen Sie dies am besten über Ihr WLAN durch da die Aktualisierungen schnell einmal über 100 MB haben können. Sie finden den passenden Eintrag in den Einstellungen meist unter „Softwareupdate“ oder unter „System / Systemupdate“. Alternativ dazu können Sie auch die Suche innerhalb der Einstellungen verwenden und nach „Update“ suchen. Wenn Sie an dieser Stelle ein neues Update angezeigt bekommen, sollten Sie es in jedem Fall installieren.

In den Einstellungen Ihres Smartphones finden Sie unter „Über das Telefon“ die aktuell aufgespielte Android- Version sowie den aktuellen Sicherheitspatch mit Datum. Letzteres sollte nicht älter als vier Wochen sein.
Vergrößern In den Einstellungen Ihres Smartphones finden Sie unter „Über das Telefon“ die aktuell aufgespielte Android- Version sowie den aktuellen Sicherheitspatch mit Datum. Letzteres sollte nicht älter als vier Wochen sein.

Aktuelles Sicherheitslevel per App überprüfen

Nicht alle Hersteller sind gleichermaßen zuverlässig, was die Weitergabe der Sicherheitsupdates betrifft. Manche implementieren nur einen Teil der Patches, was für Sie als Anwender aber nicht direkt ersichtlich ist. Aus diesem Grund haben die Sicherheitsexperten der Security Research Labs  eine App entwickelt, die das tatsächliche Sicherheitslevel Ihres Mobilgeräts ermittelt. SnoopSnitch  analysiert dazu die installierten Sicherheitsupdates und zeigt auf, falls Patches fehlen.

Die App SnoopSnitch überprüft das Sicherheitslevel Ihres Smartphones und listet fehlende Patches auf. Im Bild das Ergebnis für das HTC U12, das seit August 2019 keine Updates mehr bekommt.
Vergrößern Die App SnoopSnitch überprüft das Sicherheitslevel Ihres Smartphones und listet fehlende Patches auf. Im Bild das Ergebnis für das HTC U12, das seit August 2019 keine Updates mehr bekommt.

Nachdem Sie die App aus dem Google Play Store geladen und gestartet haben, lädt sie erst einmal die aktuelle Datenbank herunter. Für die Überprüfung des Patchlevels rufen Sie über die drei Punkte in der rechten oberen Ecke das Menü auf, wählen den Punkt „Android patch level analysis“ aus und starten den Test. Alternativ klicken Sie auf die Schaltfläche „Click here to test patch level“ auf dem Startbildschirm und dann auf „Start test“. Gerade, wenn Sie den Test zum ersten Mal ausführen, kann dies einige Minuten dauern.

Nach dem Test erhalten Sie eine nach Datum sortierte Auflistung aller installierten Patches sowie deren tatsächliche Umsetzung. Je mehr grüne Balken Sie in dieser Auflistung sehen, desto besser. Rot hingegen bedeutet, dass ein Patch fehlt. Achtung: Da es für Android 12 derzeit noch kaum Patches gibt, funktioniert das Tool noch nicht unter Android 12!

Keine Sicherheitsupdates: Sichern Sie Ihr Gerät selbst ab

Falls der Hersteller Ihres Smartphones keine Updates mehr anbietet, können Sie sich mit einer Sicherheits- App wie der von Trendmicro (Bild) oder Avira vor Schädlingen und anderen Internetgefahren schützen.
Vergrößern Falls der Hersteller Ihres Smartphones keine Updates mehr anbietet, können Sie sich mit einer Sicherheits- App wie der von Trendmicro (Bild) oder Avira vor Schädlingen und anderen Internetgefahren schützen.

Falls der Hersteller Ihres Smartphones keine Sicherheitsupdates mehr liefert, ist es dennoch nicht zwingend notwendig, ein neues zu kaufen. Zwar ist Ihr Smartphone durch die nicht mehr geschlossenen Sicherheitslücken vor allem anfälliger für Malware und Viren. Diese Gefahr lässt sich durch die Installation einer Schutz-App wie Avira Antivirus  oder Trend Micro Mobile Security & Antivirus  jedoch deutlich mindern. Beide Lösungen sind in ihrer Grundfunktionalität kostenlos, bieten aber kostenpflichtige Erweiterungen als In-App Käufe an. Diese sind aus unserer Sicht für die Grundabsicherung Ihres mobilen Gerätes nicht erforderlich.

Ein zentraler Bestandteil der beiden Sicherheitslösungen ist der integrierte Malwarescanner. Dieser untersucht nach der Installation die vorhandenen Apps sowie die Dateien, die sich auf Ihrem Mobilgerät befinden. Bei Problemen erhalten Sie direkt eine Zwischenmeldung und können die verdächtige App oder Datei sicher entfernen.

Nach der Installation wacht zusätzlich ein Echtzeitscanner, damit während Ihrer täglichen Nutzung keine verdächtigen Dateien oder Apps auf das Gerät gelangen. Diese werden direkt vor der Installation oder dem Speichern gestoppt und wieder entfernt. Die Basis für die Analysen stellt eine auf Ihrem Gerät installierte Datenbank dar. Daher kann der Virenscanner seine Aufgabe nur wirkungsvoll erfüllen, wenn Sie seine Updates zeitnah installieren.

Ein weiterer wichtiger Schutz, der allerdings nur in der Lösung von Trend Micro kostenlos angeboten wird, ist die Absicherung gegen weitere Gefahren aus dem Internet: Die Sicherheitslösung überwacht dabei die zentralen Apps, die auf das Internet Zugriff haben, also etwa Ihren Browser oder Ihren Messenger. Wenn Sie auf diesem Weg eine verdächtige Website aufrufen oder eine infizierte Datei herunterladen, greift die Trend-Micro-App ein und stoppt den Vorgang.

Erhält Ihr Smartphone also keine Sicherheitsupdates mehr, sollten Sie in jedem Fall eine Security-App zum Schutz Ihrer mobilen Endgeräte installieren. Für alle anderen Smartphones stellt eine solche Lösung in jedem Fall eine sinnvolle Erweiterung zum Schutz Ihrer Daten dar.

Alternative: Betriebssystem durch Custom-ROM ersetzen

Das CustomROM LineageOS ist für viele Smartphone- und Tabletmodelle erhältlich und versorgt Ihre Geräte mit Updates, auch wenn der Hersteller des Mobilgeräts dies nicht mehr tut.
Vergrößern Das CustomROM LineageOS ist für viele Smartphone- und Tabletmodelle erhältlich und versorgt Ihre Geräte mit Updates, auch wenn der Hersteller des Mobilgeräts dies nicht mehr tut.

Ein anderer Weg, um Ihr Smartphone oder Tablet mit aktuellen Updates zu versorgen, ist der Einsatz eines alternativen Betriebssystems in Form eines Custom-ROMs. Der bekannteste und beliebteste Anbieter dafür ist Lineage OS .

Das ROM unterstützt eine große Anzahl an Smartphone- und Tablet-Modellen. Zudem finden Sie dank einer großen Community auch viel Unterstützung bei Problemen, beispielsweise im XDA Developer Forum . Sie finden an dieser Stelle auch Unterstützung für Geräte, für die es keine offiziellen Lineage-Updates mehr gibt.

Lineage OS ist derzeit in der Version 18.1 verfügbar, die auf Android 11 basiert. In der Datenbank von Lineage OS  sehen Sie, für welche Smartphones und Tablets ein offizielles Update existiert. 

Außerdem finden Sie in der Beschreibung des jeweiligen Gerätes die aktuell verfügbare Version sowie eine Anleitung.

Lesetipp: Android-12-Funktionen für jedes Handy – so geht's

Fazit: Unbedingt vor dem Kauf informieren

Wer bei einem Smartphone Wert auf eine möglichst lange Versorgung mit Android- und Sicherheitsupdates Wert legt, der sollte sich vor dem Kauf unbedingt beim Hersteller genau informieren, wie dessen Updatepolitik aussieht.

Dabei ist auch zu beachten, dass die Hersteller für die unterschiedlichen Modellreihen unterschiedliche Updatefahrpläne haben: Topmodelle werden in der Regel regelmäßiger und länger versorgt als Geräte der Mittelklasse oder günstige Einsteiger-Phones.

Doch auch für sie gibt es Möglichkeiten, die Versäumnisse der Hersteller auszugleichen. Eine gute Lösung stellt hier das Aufspielen eines Custom-ROMs wie LineageOS dar, welches dank einer sehr umtriebigen und aktiven Community über einen langen Zeitraum hinweg Updates bekommt.

PC-WELT Marktplatz

2512665