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Smart Home: Leben im intelligenten Zuhause

05.09.2017 | 13:30 Uhr |

Das intelligente Zuhause wird bei Verbrauchern immer beliebter: aus der Ferne überprüfen, ob alle Türen und Fenster geschlossen sind, das Bügeleisen ausgeschaltet ist oder die Temperatur der Heizung einstellen. Doch nicht alle Angebote sind empfehlenswert. Lesen Sie, worauf Sie beim Kauf eines vernetzten Zuhauses achten sollten.

Wer wünscht es sich nicht: ein smartes Zuhause, das vollautomatisch mitdenkt und eigenständig intelligente Entscheidungen trifft, die einem das Leben leichter machen. Morgens begrüßt ein frisch gebrühter Kaffee in der Küche. Im Bad läuft bereits die Lieblingsmusik, während sich die Rollladen pünktlich mit dem ersten Sonnenstrahl von allein öffnen. Und ein Blick auf das Smartphone zeigt, ob man aufgrund der Wetter- oder Verkehrslage heute früher zur Arbeit aufbrechen sollte.

In allen Räumen herrscht die gewünschte Temperatur. Intelligente Thermostate steuern die Heizung und sparen zudem Energie: Sie regeln die Heizung runter, wenn tagsüber niemand zuhause ist oder jemand ein Fenster zum Lüften kippt. Abends bei der Rückkehr empfängt einen das Wohnzimmer mit stimmiger Beleuchtung und der Lieblingsmusik aus smarten Lautsprechern – immer so, wie es den individuellen Wünschen und Gewohnheiten entspricht. Lesetipp: Smart Home für wenig Geld: Die besten Lösungen für jedes Zimmer .

Funksysteme überall leicht nachrüsten

Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Splendid Research (vormals Dr. Grieger & Cie) aus dem Jahr 2016 nutzen vier von fünf Deutschen bereits Smart Home oder gehören zu einer potenziellen Nutzergruppe. Wer sich ein System zulegt, startet meist nur mit einer Anwendung, etwa einer smarten Heizungssteuerung oder einer Alarmanlage.

Am Markt angeboten werden meist funkbasierte Smart-Home-Systeme. Sie sind in der Regel günstiger als kabelgebundene Angebote und lassen sich zudem einfacher und schneller installieren, da die Nutzer lediglich die Komponenten im Zuhause anbringen müssen. Das heißt: Wände aufschlitzen, um Leitungen zu verlegen, entfällt. Stattdessen lassen sich Funkkomponenten wie Tür-, Fensterkontakte und Heizkörperthermostate mit wenigen Handgriffen selbst montieren. Auch bei einem Neubau muss es nicht das verkabelte System sein. Und das drahtlose Smart Home lässt sich auch in jeder Mietwohnung nachrüsten: Beim Umzug kommt es einfach mit.

Die Kehrseite der meisten Angebote auf dem Markt zeigt sich, wenn die Nutzer planen, ihr Smart Home zu erweitern, denn bei den meisten Systemen handelt es sich um Insellösungen, die nur mit den Komponenten eines Herstellers zusammenarbeiten. Wer also Smart-Home-Produkte von unterschiedlichen Anbietern kombinieren möchte, landet häufig in einer technologischen Sackgasse. Eine Tatsache, die sich auch in der langen Liste der Funkprotokolle widerspiegelt, die als vermeintlicher Smart- Home-Standard kursieren: ob Homematic, Homematic IP, ZigBee, Bluetooth Smart LE, DECT ULE, EnOcean, KNX, WLAN oder Z-Wave.

Die Lösung sind herstellerübergreifende Systeme, wie sie beispielsweise Smart-Home-Plattformen bieten. Diese vereinigen alle gängigen Funkprotokolle samt Systemen und Komponenten unterschiedlicher Hersteller auf sich. So erlauben sie es, die verschiedenen smarten Geräte auch miteinander interagieren zu lassen. Denn gerade das herstellerübergreifende Zusammenspiel der Komponenten macht ein Smart Home zum wirklich intelligenten Zuhause.

So sprechen die Tür- und Fensterkontakte von „Hersteller A“ zum Beispiel nicht nur mit der Heizung, wenn ein Fenster offen steht – sie alarmieren auch die Außensirene von „Hersteller B“, wenn jemand unerlaubt die Balkontür öffnet. Ein solches System ermöglicht es den Verbrauchern, übergreifende Funktionen zu nutzen.

Angesichts dieser Vorteile sind Experten sich sicher, dass die Zukunft von Smart Home den offenen Plattformen gehört. Auch für die Hersteller bieten sie Vorteile: Wer smarte Geräte entwickelt, macht dies direkt für eine etablierte Plattform und damit für einen breiten Verbraucherkreis. Inkompatible Systeme gehören der Vergangenheit an.

Konsens herrscht unter Fachleuten auch, dass intelligente Produkte immer öfter zur Norm werden: Der Branchenverband Bitkom erwartet bis 2020 rund eine Million Haushalte mit smarten Geräten. Aktuell sind dies nach Angaben des Statistik-Portals Statista bereits rund 600.000. Schon heute steuern Nutzer ihr Smart Home mit Apps. Über Smartphone oder Tablet bleiben die vernetzten Geräte dann auch von unterwegs im Blick.

In Zukunft steigt auch die Bedeutung von Wearables im intelligenten Zuhause: Über die smarte Uhr am Handgelenk erkennt das System, in welchen Räumen sich Bewohner aufhalten und steuert beispielsweise das Licht oder die Musik. Wichtige Benachrichtigungen versendet das smarte Zuhause außerdem an eine Smartwatch. Damit registrieren Nutzer wichtige Nachrichten wie beispielsweise Alarmnachrichten sofort – nicht jeder hat das Smartphone ständig im Blick. Ein weiterer Trend ist das sogenannte Geofencing. Dabei erkennt das intelligente Zuhause anhand der GPS-Daten des Smartphones, wo sich der Bewohner aufhält. Nähert er sich dem Zuhause, fährt beispielsweise die Heizung hoch und das Alarmsystem wird deaktiviert.

Sicherheit muss gegeben sein

Cyberkriminalität hat derzeit Hochkonjunktur. Deshalb entscheidet Sicherheit über Akzeptanz. Die Vorstellung, dass Hacker auf Kameras oder andere Sensoren und Aktoren in den eigenen vier Wänden zugreifen, bereitet Sorgen. Smart-Home-Lösungen und Smart-Home-Plattformen dürfen Sicherheit nicht als optionale Funktion verstehen. Sie müssen wirksame Schutzmechanismen bereitstellen, zum Beispiel die SSL-Verschlüsselung zum Schutz der Kommunikationsschnittstellen und sichere Verarbeitungsverfahren für Daten. Auch ein verantwortungsvoller Umgang mit Nutzerdaten zum Schutz der Privatsphäre gehört dazu.

Debatten rund um die Sicherheit werden in den kommenden Jahren den Diskurs um das vernetzte Heim bestimmen. Wie aktuell das Thema ist, zeigt der Vorstoß der Verbraucherschutzminister der Bundesländer. Sie fordern strengere Regeln für die Hersteller und Anbieter internetfähiger Haushaltsgeräte. Diese seien zu verpflichten, Verbraucher umfassend zu informieren und aufzuklären, welche Daten auf welchem Weg zu welchem Zweck gesammelt und wo und wie sie gespeichert, wem sie zugänglich gemacht und wann sie gelöscht würden.

Auch das zeigt: Verbraucher sollten sich genau informieren. Haben Anbieter auf solche Fragen keine Antworten, sollten Verbraucher die Finger davon lassen.

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Smart Home umschreibt einen der vermutlich am stärksten wachsenden Trends der Zukunft: Intelligente Geräte und Haus-Steuerungssysteme, die Ihnen Ihr Leben erleichtern sollen. Denkbar und vielfach bereits erhältlich sind dabei Lösungen wie Einbruchschutz oder Sets zum Stromsparen. Oder Intelligente Systeme zur Hausbelüftung oder Heizungssteuerung. Smart TVs bringen das Internet ins Wohnzimmer und Waschmaschinen lassen sich per App steuern. Über intelligente Stromzähler haben Sie mit einem Blick aufs Smartphone den aktuellen Stromverbrauch im Griff. Sie sehen, die möglichen Anwendungen sind vielfältig. In diesem Themenbereich widmen wir uns dem Thema Smart Home, erklären, wie die Technik funktioniert und wie intelligent vorhandene Lösungen am Markt wirklich sind.

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