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Siegeszug der Fenster: von Windows 1.0 bis 2000

Schon 1983 kündigte Microsoft ein Betriebssystem mit grafischer Oberfläche an. Dessen Veröffentlichung wurde jedoch so lange verschoben, dass schon fast niemand mehr daran glaubte. Erst Ende 1985 war es dann so weit - Windows 1.0 kam auf den Markt. Für 399 Mark gab es Win 1.0 mit Textverarbeitung (Write), Malprogramm (Paint), Kalender, Karteikarten-Datenbank (Cardfile) und Taschenrechner. Nur zum Vergleich: Eine Maus kostete damals rund 800 Mark.

Der kommerzielle Durchbruch kam für Windows aber erst mit den Versionen 3.0 (1990) und 3.1 (1992). Mit diesen Versionen führte Microsoft Konzepte ein, die in den aktuellen Windows-Versionen teilweise noch immer Bestand haben.

Die Software-Hersteller spielten mit: 1990 und 1991 portierten sie bereits massenhaft Anwendungen oder schrieben sie neu. Evergreens wie Ami Pro, Corel Draw, Pagemaker oder Lotus 1-2-3 entstanden in dieser Zeit. Als sich die Software-Branche amüsierte, dass Microsoft das vernetzte Zeitalter verschlafen würde und Novell längst ein Netzwerk-DOS anbot, legte Microsoft das Netzwerk-Update Windows für Workgroups 3.11 nach.

Ab 1993 machte man sich an den Nachfolger Windows 4.0. Der Codename lautete "Chicago" - auf den Markt kam die neue Version schließlich als Windows 95. Die offizielle Vorstellung erfolgte am 24.8.1995 mit einem Rummel, der dem neuen Album eines Popstars würdig gewesen wäre. Und in vielerlei Hinsicht (Oberfläche, Kontextmenüs, höhere Stabilität) war Windows 95 wirklich revolutionär. Die Installation war einfach wie nie und oft sogar in der Lage, ein kaputtes Windows 3.x in ein funktionierendes 95 umzuwandeln.

Parallel dazu arbeitete man bei Microsoft an einem richtigen Betriebssystem: einem Windows ohne DOS-Basis. 1993 wurde Win NT 3.1 vorgestellt (die Versionen 1, 2 und 3.0 gab es nie). Für ein Netzwerk-Betriebssystem war es preiswert - und die grafische Oberfläche war eine echte Neuerung zu einer Zeit, in der Marktführer Novell seinen Kunden noch Tastenakrobatik verordnete. Mehrere Service Packs und die neue Version 3.51 verhalfen NT zum Status eines halbwegs ernst zu nehmenden Server-Betriebssystems. Allerdings waren Administratoren inzwischen gewarnt, dass man ein NT vor dem dritten Service Pack erst gar nicht installieren sollte. Als Windows NT 1996 in der Version 4.0 die Windows-95-Oberfläche übernahm, begann für NT auch als Desktop-System eine erfolgreiche Zeit.

Während 1996 und 1997 bei Microsoft vom Zusammenführen der Linien 9x und NT die Rede war, schob man erstmal Windows 98 nach. Und nachdem Microsoft das Internet vorher verschlafen hatte, holte sich der Software-Riese mit der Zwangsverbreitung des Internet Explorers rasch den Platz 1 bei der Browser-Software.

Auch nach Windows 2000 fährt Microsoft weiterhin zweigleisig: Voraussichtlich im Spätsommer 2000 wird es den Windows-98-Nachfolger ME (Millennium Edition) geben, der äußerlich bis aufs letzte Icon Windows 2000 gleichen soll, aber technisch immer noch ein DOS-basiertes Windows 95 sein wird. Erst 2001 will Microsoft die 9x- und NT-Linie endgültig zusammenführen. Das Projekt läuft unter dem Codenamen "Whistler", 2002 soll "Blackcomb" folgen.

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