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Schutzschalter für Server

11.09.2009 | 10:21 Uhr | David Wolski

Linux-Rechner lassen sich mittels "shutdown" oder "halt" auch über die Kommandozeile herunterfahren. Das ist praktisch, hat aber auch Tücken: Wenn Sie routinemäßig mehrere Terminal-Fenster mit SSH geöffnet haben, riskieren Sie, versehentlich den falschen Rechner herunterzufahren – etwa Ihren Webserver.

Linux geht davon aus, dass Administratoren und andere Benutzer mit root-Rechten wissen, was sie tun, daher gibt es keine Rückfrage. Damit ein kurzer Moment der Unachtsamkeit keine schlimmen Auswirkungen hat, können Sie Linux-Systeme mit Hilfe eines kleinen Tools vor versehentlichem Herunterfahren schützen: Molly-Guard. Jeden Befehl, der einen Shutdown zur Folge hätte, fängt Molly-Guard ab und führt ihn erst nach korrekter Eingabe des Rechnernamens aus. "Molly-Guard" ist übrigens auch der englischsprachige Begriff für die Schutzabdeckung über den großen, roten Not-Aus-Knöpfen in Serverräumen.

Bei Ubuntu ist Molly-Guard in den Standard-Repositories enthalten, Sie installieren es daher in einem Terminal-Fenster mit "sudo apt-get install molly-guard". Es funktioniert unter Ubuntu sofort und ohne jede weitere Konfiguration: Sobald Sie Befehle wie "reboot", "halt", "shutdown" oder "poweroff" eingeben, interveniert Molly-Guard und will erst den Hostnamen wissen.

Das Molly-Guard-Paket für Debian 4 (Etch) hat einige Bugs, für diese Distribution sollten Sie daher Molly-Guard in der Version 0.4.3-1 aus dem Unstable-Zweig installieren. Das erledigen Sie mit den folgenden zwei Befehlen, die Sie entweder als root oder mit sudo ausführen:

wget http://ftp.de.debian.org/debian/ pool/main/m/molly-guard/molly-guard _0.4.4-2_all.debdpkg -i molly-guard_0.4.4-2_all.deb

Für Open Suse gibt Molly-Guard nicht als fertiges Paket. Da Molly-Guard aber im Wesentlichen nur aus einem Script besteht, das auf den üblichen Programmen eines Linux-Systems basiert, können Sie es mit einem Trick auch unter Open Suse einrichten. So funktioniert’s: Laden Sie das Ubuntu-Paket herunter und entpacken Sie den Inhalt mit diesen beiden Befehlen:

tar -x molly-guard_0.4.4-2_all.debtar -xzvf data.tar.gz

Anschließend befindet sich der wichtige Paketinhalt aus der deb-Datei im aktuellen Verzeichnis. Das eigentliche Script finden Sie dort unter "usr/share/molly-guard/shutdown". Besorgen Sie sich root-Rechte und kopieren Sie das ausgepackte Unterverzeichnis "usr/share/molly-guard" ins Systemverzeichnis "/usr/share/molly-guard" von Open Suse. Anschließend erstellen Sie ebenfalls mit root-Rechten vier Symlinks für die Befehle "shutdown", "halt", "reboot" und "poweroff" im Verzeichnis "/usr/local/bin".

ln -s -T /usr/share/molly-guard/shut down /usr/local/bin/shutdown ln -s -T /usr/share/molly-guard/shut down /usr/local/bin/halt ln -s -T /usr/share/molly-guard/shut down /usr/local/bin/rebootln -s -T /usr/share/molly-guard/shut down /usr/local/bin/poweroff

Nun ist auch Open Suse mit Molly-Guard abgesichert, denn das Verzeichnis "/usr/?local/bin" wird bevorzugt behandelt und die dortigen Links werden vor den gleichnamigen echten Befehlen im Verzeichnis "/sbin" aufgerufen.

Das Ubuntu-Paket Molly-Guard 0.4.4 für den Schutz vor versehentlichem Herunterfahren können Sie unter https://launchpad.net/ubuntu/hardy/i386/molly-guard/0.3-2 herunterladen.

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