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Wir zeigen Ihnen wie Sie den Systemstart beschleunigen

25.11.2013 | 11:04 Uhr |

Schaltet der Nutzer den Rechner an, will er in der Regel etwas erledigen. Obwohl die Bootzeit im Verhältnis zu sonstigen Wartezeiten (Netzwerk, Backup, Wartung, Programmstarts) nebensächlich erscheint, kann es nie schnell genug gehen.

Die Startzeit eines Betriebssystems ist ein Dauerthema: Selbst Anwender, die ihr System nur einmal am Tag starten, begrüßen die schnellstmögliche Verfügbarkeit von Desktop und Software. Mit den folgenden Maßnahmen können Sie die Startzeit verkürzen oder zumindest bremsende Eingaben vermeiden.

Vereinfachte Startvarianten

Mit folgenden Lösungen startet das System zwar nicht technisch schneller, es ist aber schneller benutzbar:

Luks-System ohne Systemanmeldung: Wenn ein Desktopsystem mit Datenträgerverschlüsselung installiert wurde, muss das Systemlaufwerk bei jedem Bootvorgang durch das Luks-Kennwort aufgesperrt werden. Dieser Zugangsschutz genügt vollauf, sodass die reguläre Systemanmeldung entfallen kann. Sie können daher eine automatische Anmeldung einrichten – etwa in Ubuntu unter „Systemeinstellungen –› Details –› Benutzer“, in Linux Mint unter „Anmeldefenster“.

Um hierdurch wirklich Zeit zu gewinnen, müssen Sie zusätzlich unter „Passwörter und Verschlüsselung“ (seahorse) nach Rechtsklick auf „Anmeldung“ und „Passwort ändern“ ein leeres Passwort definieren. Andernfalls würde der Schlüsselbund, der im Normalfall durch die Benutzeranmeldung geöffnet wird, jedes Mal nach dem Kennwort fragen.

Offenes System ohne Systemanmeldung: Ein privater PC zu Hause kann eventuell ebenfalls ohne Anmeldung zum Desktop durchstarten. Die Einrichtung erfolgt genauso wie oben bei Luks beschrieben. Auch hier muss das Schlüsselbund-Kennwort „leer“ sein, um ohne jede Abfrage loslegen zu können.

Starten zum Desktop und dann sperren: Eine sicherere Variante als die zuletzt beschriebene startet zwar mit automatischer Anmeldung (siehe oben), sperrt aber nach wenigen Sekunden den Desktop. Dies erledigt ein Befehl wie die beiden folgenden

sh -c "sleep 6; xdg-screensaver lock"
sh -c "sleep 6; cinnamonscreensaver-command --lock"

im Systemtool „Startprogramme“. Der erste Befehl würde sich für Ubuntu eignen, der zweite für Linux Mint mit Cinnamon. Unter Linux Mint kann „Startprogramme“ die Wartezeit übrigens selbst festlegen. Der Sleep-Befehl ist dort nicht notwendig.

Auch diese Variante benötigt wieder einen Schlüsselbund mit leerem Kennwort. Der Vorteil zur regulären Anmeldung ist klar: Der Desktop ist bereits vollständig geladen, sobald Sie die Bildschirmsperre aufheben.

Bootloader-Wartezeit in Ubuntu und Mint

In Multiboot-Umgebungen wartet der Grub-Bootloader standardmäßig zehn Sekunden auf eine manuelle Auswahl des gewünschten Systems, bis er das erste, oberste Defaultsystem automatisch wählt. Vor allem dann, wenn man überwiegend dieses System nutzt, ist es sinnvoll, den Eintrag

GRUB_TIMEOUT=10

in der Datei „/etc/default/grub“ etwa auf „3“ (Sekunden) zu verkürzen und danach mit

sudo update-grub

die Bootumgebung neu zu initialisieren. Damit startet das Standardsystem bereits nach drei Sekunden.

Aber: Stopp! In Ubuntu 18.04 und folglich auch in Linux Mint 19 hat sich ein Bug eingeschlichen: Grub ignoriert derzeit den Timeout-Eintrag der Konfigurationsdatei. Beim Release Point 18.04.1 von Ubuntu kann man sich mittlerweile behelfen, indem man das Script „/etc/grub.d/30_os-prober“ mit root-Recht editiert und hier die Zeile

set timeout=

anpasst. Auch hier muss danach sudo update-grub folgen. Für Linux Mint 19 sehen wir vor der anstehenden Aktualisierung auf 19.1 keine Lösung.

Auch interessant So klappt der Multiboot mit Windows & Linux

Bootbremsen erkennen

Nichts ist ärgerlicher als unerklärliche und permanente Bremsen beim Systemstart: Die Festplatte zeigt keine Aktivität, der Bootvorgang ist unterbrochen, wartet 20, 30 Sekunden, vielleicht mehr, und setzt erst dann fort.

Um die Ursache herauszufinden, sollten Sie einen gesprächigen Bootvorgang erzwingen. Dauerhaft ist dies über die Datei „/etc/default/grub“ möglich, indem Sie die Zeile mit dem Eintrag „quiet splash“ mit einem führenden Kommentarzeichen „#“ deaktivieren. Dieser Eingriff in die Grub-Konfigurationsdatei funktioniert ungeachtet des oben gemeldeten Bugs bei der Timeout-Anweisung.

Eine einmalige Ad-hoc-Analyse erreichen Sie beim Systemstart, indem Sie „Erweiterte Optionen…“ wählen und darunter den Eintrag mit dem Hinweis „recovery mode“. Ebenfalls erhellend kann die Abfrage der Kernelmeldungen mit dmesg -T sein. Beim vorangehenden Systemstart sollten Sie sich die exakte Uhrzeit mit Sekundenangabe notieren, wann der Boothänger auftritt. Dmesg mit Schalter „-T“ zeigt nämlich die exakte Zeit aller Systemereignisse, die Sie dann genau zuordnen können.

Systemdienste abschalten: Unter Ubuntu und Mint mit dem Tool systemctl.
Vergrößern Systemdienste abschalten: Unter Ubuntu und Mint mit dem Tool systemctl.

Autostarts abschalten

Desktops wie Gnome oder Cinnamon laden zahlreiche Programme bei der Desktopanmeldung. Das Abschalten solcher Module spart Speicher und beschleunigt den Start. Die Vorgehensweise ist im vorangehenden Artikel für Cinnamon beschrieben und gilt analog auch für andere Desktops.

Rechner in Standby-Bereitschaft

Tirvial? Wer sein System jederzeit schnellstmöglich bedienen will, fährt es einfach nicht mehr herunter! Wir messen bei einem Notebook in Standby-Bereitschaft ganze 0,7 Watt Stromverbrauch. Das wären kaum zwei Euro zusätzliche Stromkosten im Jahr, sofern Sie das Gerät überhaupt nicht mehr abschalten. Und das Aufwachen aus dem Standby ist bekanntlich in zwei, drei Sekunden geschehen.

Übrigens: In Ubuntu mit Gnome ist der Weg zum Standby-Betrieb reichlich versteckt: Sie müssen im Sitzungsmenü die Taste Alt drücken, damit sich der Shut-down-Knopf zum Bereitschafts-Control verwandelt.

Standby statt Shut-down: Die Stromkosten sind minimal und kein Argument gegen den Standby-Zustand.
Vergrößern Standby statt Shut-down: Die Stromkosten sind minimal und kein Argument gegen den Standby-Zustand.

Systemdienste abschalten

Jedes Linux lädt zahlreiche Systemdienste, die nicht jeder Anwender tatsächlich benötigt. Allerdings ist das Abschalten von Systemdiensten unter jedem Betriebssystem eine Wissenschaft für sich – mit unkalkulierbaren Folgen, wenn der Benutzer nicht kompetent ist. Einblick in die aktiven Dienste auf einem System mit systemd-Daemon (Ubuntu, Mint) erhalten Sie mit Terminalwerkzeugen:

systemctl -a

Diese Übersicht zeigt – unter anderem – die aktiven und inaktiven Dienste an. Dass Systemdienste in der Regel keine große Boot-Bremse darstellen, können Sie auf Ubuntu und Mint mit dem Befehl

systemd-analyze blame

kontrollieren, der die Ladezeiten absteigend (längste bis kürzeste) auflistet. Trotzdem können Sie Dienste auch abschalten. Dazu verwenden Sie wieder das für den systemd-Daemon einschlägige Tool systemctl:

sudo systemctl stop avahi-daemon.service
sudo systemctl disable avahidaemon.service

Diese Befehle stoppen den angegebenen Dienst und deaktivieren ihn dauerhaft. Mit den Parametern „enable“ und „start“ ist er im Bedarfsfall wieder zu aktivieren.

Mögliche entbehrliche Dienste sind etwa Apport und Whoopsie (Fehlerberichte), Cups und Saned (falls Sie weder drucken noch scannen), Bluetooth und Rfkill (ohne Bluetooth und WLAN).

Lesetipp Linux-Grundlagen: Tipps zur besten Konfiguration

Preload-Beschleunigung

Das Tool Preload beschleunigt nicht den Bootvorgang, aber die Programmstarts oder Autostarts (unter „Startprogramme“), die Sie häufig oder regelmäßig nach jeder Anmeldung verwenden. Der einfache Dienst protokolliert die Programmvorlieben und lädt dann die Favoriten vorab in den Arbeitsspeicher. Der eigentliche Programmstart verläuft dadurch deutlich schneller. Preload ist in den Paketquellen verfügbar und etwa in Ubuntu mit

sudo apt install preload

schnell nachinstalliert. Theoretisch können Sie in die Konfiguration des einfachen Tools manuell eingreifen („/etc/preload.conf“), dies ist jedoch weder erforderlich noch inhaltlich ergiebig.

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