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Schnell, aber selten: USB 3.2 Gen2x2 im Praxistest

11.11.2020 | 08:02 Uhr | Ines Walke-Chomjakov

Der schnellste USB-C mit USB-3.2-Spezifikation ist Gen2x2. Allerdings ist dieser USB-C-Port selten und setzt spezielle Hardware voraus. Hier finden Sie alle Details.

Die Mehrheit der externen NVMe-SSDs nutzt über Typ-C den Standard USB 3.2 Gen2. Wie gut, zeigt der Beitrag „ USB-C in der Praxis: So schnell ist USB 3.2 Gen2.

Externe SSDs gibt es auch mit Thunderbol-3-Spezifikation. Wie sich diese NVMe-SSDs in der Praxis schlagen, lesen Sie im Beitrag „ USB-C: So schnell sind externe SSDs mit Thunderbolt 3 “.

USB 3.2 Gen2x2 ist der momentan schnellste USB-C-Typ aus der 3.2-Spezifikation. Da hier zwei Adernpaare mit je zehn Gigabit pro Sekunde gekoppelt sind, lässt sich ein Übertragungstempo von theoretisch 20 Gigabit pro Sekunde erreichen. Am Rechner erkennen Sie die schnelle Schnittstelle am USB-Symbol mit der hochgestellten „20“. Das Logo verdeutlicht das besondere Superspeed-Tempo anhand zweier Plus-Zeichen. Als Schnittstelle ist ausschließlich USB-Typ-C vorgesehen.

Allein bis zur USB-Variante 3.2 Gen2x2 gibt es fünf unterschiedliche Logos, die die Tempoklassen bis 20 GBit pro Sekunde darstellen. Ab „Superspeed“ gelten sie auch für Geräte mit USB-Typ-C-Ports.
Vergrößern Allein bis zur USB-Variante 3.2 Gen2x2 gibt es fünf unterschiedliche Logos, die die Tempoklassen bis 20 GBit pro Sekunde darstellen. Ab „Superspeed“ gelten sie auch für Geräte mit USB-Typ-C-Ports.
© USB-IF

Doppelplus-Superspeed schafft der Anschluss jedoch nur, wenn besondere Hardware-Voraussetzungen erfüllt sind: So muss auf dem Mainboard zwingend der Controller-Chip Asmedia ASM3242 aufgelötet sein und vom Prozessor unterstützt werden. Das ist derzeit nur bei bestimmten Hauptplatinen- und CPU-Kombinationen der Fall – etwa bei TRX40-Boards für AMDs Ryzen Threadripper-CPUs der dritten Generation oder Z490-Boards für Intels Core-X-Prozessoren (Comet Lake).

Ist der für USB 3.2 Gen2x2 nötige Asmedia-Controller-Chip mit nur zwei PCIe-Lanes angebunden, kann der USB-C-Port das maximale Tempo nicht erreichen.
Vergrößern Ist der für USB 3.2 Gen2x2 nötige Asmedia-Controller-Chip mit nur zwei PCIe-Lanes angebunden, kann der USB-C-Port das maximale Tempo nicht erreichen.

Doch auch wenn soweit alles passt, kann der USB-C-Port nur auf die maximale Geschwindigkeit kommen, wenn er auch mit vier PCI-Express-3-Lanes (x4) verbunden ist. Dass das nicht automatisch der Fall sein muss, lässt sich anhand eines unserer Test-Systeme nachvollziehen, das von der Firma Mifcom  stammt. Dabei handelt es sich um einen High-End-PC mit der Intel-CPU Core i7-10700k (Comet Lake) und dem Asus-Board Z490 Maximus XII Extreme . Da andere Komponenten wie etwa die Grafikkarte bevorzugt mit PCIe-3-Lanes versorgt werden müssen, stehen hier für den USB-C-Port mit Gen2x2 nur zwei Lanes zur Verfügung. Die Zuteilung lässt sich im Bios weder ändern noch reicht sie aus, um das Maximaltempo des Ports von 2000 GBit pro Sekunde erreichen zu können.

USB 3.2 Gen2x2 ist nur sehr schwer nachrüstbar 

Wenn die Schnittstelle am Desktop-PC fehlt, dann greifen Sie normalerweise zu einer entsprechenden Adapterkarte zum Nachrüsten für einen freien PCIe-Steckplatz. Auch im Fall von USB 3.2 Gen2x2 scheint das im ersten Moment eine einfache Sache zu sein, immerhin hat Gigabyte bereits Ende 2019 mit der GC-USB 3.2 Gen2x2 eine passende Lösung angekündigt. Die PCIe-Adapter-Karte finden Sie auch ausführlich auf der deutschsprachigen Webseite des Unternehmens vorgestellt. Sie erreichen die Seite über  diesen Link .

Das Problem dabei: Hierzulande wird die Nachrüstkarte nicht in den Handel kommen, da sich das Unternehmen dagegen entschieden hat. 

USB 3.2 Gen2x2 nachzurüsten scheint einfach mit der PCIe-Adapter-Karte von Gigabyte. Allerdings ist sie in Deutschland nicht erhältlich, da sich der Hersteller gegen eine Markteinführung entschieden hat.
Vergrößern USB 3.2 Gen2x2 nachzurüsten scheint einfach mit der PCIe-Adapter-Karte von Gigabyte. Allerdings ist sie in Deutschland nicht erhältlich, da sich der Hersteller gegen eine Markteinführung entschieden hat.
© Gigabyte

Findigen Anwendern mit etwas Geduld empfehlen wir deshalb einen Blick auf Ebay oder in den australischen, asiatischen beziehungsweise südamerkanischen Onlinehandel. Trotz des Anschaffungspreises ab etwa 80 US-Dollar zuzüglich Einfuhrgebühren und Transportkosten kommen Sie bei diesem Umweg weit günstiger weg als die ungleich höhere Investition in einen entsprechenden High-End-PC mit der passenden Konfiguration für USB 3.2 Gen2x2.

Selten: Externe SSDs für USB 3.2 Gen2x2

Selbst wenn Sie die Hardware-Hürden genommen haben, finden Sie derzeit nur wenige externe SSDs, die die schnelle USB-C-Schnittstelle tatsächlich mitbringen. Bisher sind mit Seagate Firecuda Gaming SSD und WD_Black P50 Game Drive SSD gerade einmal zwei Modelle im Handel verfügbar. Sie sind fürs Gaming und andere datenintensive Aktivitäten wie etwa den Videoschnitt gedacht, bei denen es auf eine möglichst geringe Latenz ankommt. 

Mit USB 3.2 Gen2x2 ausgestattete externe Laufwerke wie das WD_Black P50 von Western Digital sind rar und gleichzeitig relativ teuer in der Anschaffung. Sie sollen Hochleistungsnutzer wie etwa Gamer ansprechen.
Vergrößern Mit USB 3.2 Gen2x2 ausgestattete externe Laufwerke wie das WD_Black P50 von Western Digital sind rar und gleichzeitig relativ teuer in der Anschaffung. Sie sollen Hochleistungsnutzer wie etwa Gamer ansprechen.
© Western Digital

Die Leistung lassen sich die Hersteller auch entsprechend bezahlen: So legen Sie für die Ein-Terabyte-Varianten bei Western Digital etwa 267 Euro (UVP), bei Seagate gut 250 Euro (mittlerer Straßenpreis) auf den Tisch. Damit liegen die externen Laufwerke preislich ungefähr 60 Euro über den meisten Varianten mit USB-3.2-Gen2-Anschluss. 

Gen2x2: Nicht automatisch doppelt so schnell

Die Schnittstelle USB 3.2 Gen2x2 verspricht eine rechnerische Datentransferrate von bis zu 2500 Mbyte pro Sekunde und soll das Tempo von Gen2 verdoppeln. In diese Sphären kommen die getesteten externen Laufwerke von Seagate und Western Digital in der Praxis jedoch nicht. Trotzdem zeigt unser Test, dass die externen SSDs im Benchmarktest mit Crystaldiskmark  knapp an der Marke von 2000 MByte pro Sekunde kratzen und damit das Leistungsvermögen von externen NVMe-SSDs mit USB 3.2 Gen2 um das Doppelte übertreffen. 

Das gilt jedoch nur, wenn sie tatsächlich vier PCI-Express-Lanes nutzen können. Bei zwei PCIe-Lanes sinken die Datenraten auf Werte von ungefähr 1600 MB pro Sekunde ab. Trotz der Leistungseinbußen sind das jedoch Top-Datentransferraten.
Sie bestätigen sich allerdings nicht in den Praxis-Tests: Interessanterweise spielt es hier keine große Rolle, ob die externen SSDs zwei oder vier PCIe-Lanes nutzen können. In beiden Fällen sinken die Datenraten deutlich und pendeln sich bei sequenziellen Tätigkeiten wie dem Kopieren eines DVD-Films in einem relativ engen Rahmen von gut 800 MB pro Sekunde im Lesen und um die 370 MB im Schreiben ein. Bei kleinen Dateien, die die Controller-Einheiten stark beschäftigen, wie es die Kopiervorgänge unserer 1000 MP3-Dateien darstellen, verbucht die Seagate Firecuda Gaming SSD mit fast 560 MB pro Sekunde im Lesen den Spitzenwert für sich. Gleichzeitig schneidet die WD_Black P50 im Schreiben mit rund 300 MB pro Sekunde am besten ab. Diese Datenraten sind zwar hoch, können aber auch von externen SSDs mit Gen2-USB-Schnittstelle erreicht werden. Die relativ hohe Investition in ein Gen2x2-Laufwerk schlägt sich so nicht automatisch auch in einem deutlichen Tempoplus nieder.

Im Überblick: Tempo externer NVMe-SSDs

Externe NVMe-SSD mit USB-C-Schnittstelle

USB-Spezifikation

Crystal Disk Mark: sequenzielles Lesen (MB/s)

Crystal Disk Mark: sequenzielles Schreiben (MB/s)

DVD-Film lesen (MB/s)

DVD-Film schreiben (MB/s)

1000 MP3 lesen (MB/s)

1000 MP3 schreiben (MB/s)

Adata SE760 Portable SSD 1TB

3.2 Gen 2

983.5

809.2

648,95

419,46

408,14

330,39

Adata SE800 Portable SSD 1TB

3.2 Gen 2

975.5

934.1

424,04

372,61

373,24

292,49

Crucial X8 Portable SSD 1 TB

3.2 Gen 2

972,1

958,3

671,4

404,36

447,5

336,65

Patriot PXD USB 3.2 Portable SSD 1 TB

3.2 Gen 2

984.4

898.7

598,05

418,23

371,36

324,56

Samsung Portable SSD T7 Touch 1 TB

3.2 Gen 2

912.5

918.1

400,95

441,12

349,2

306,96

Sandisk Extreme Pro Portable SSD 1TB

3.2 Gen 2

974.3

987.7

627,03

373,91

407,49

281,61

Transcend Portable SSD ESD350C 960 GB

3.2 Gen 2

974.5

940.7

706,97

424,04

446,34

302,27

Seagate Firecuda Gaming SSD 1TB (x4)

3.2 Gen 2x2

1986.9

1990.4

761,16

373,91

557,44

289,37

Seagate Firecuda Gaming SSD 1TB (x2)

3.2 Gen 2x2

1658

1607,3

824,34

376,55

407,45

247,11

Western Digital WD-Black P50 Game Drive SSD 1TB (x4)

3.2 Gen 2x2

1996.2

1955.0

816,46

384

459,89

296,7

Western Digital WD-Black P50 Game Drive SSD 1TB (x2)

3.2 Gen 2x2

1672,8

1533,4

802,65

373,59

456,22

298,77

Freecom mSSD Celeritas Thunderbolt 3 Drive 1TB

Thunderbolt 3

2880.4

1204.9

520,11

408,23

329,12

332,73

Samsung Portable SSD X5 1 TB

Thunderbolt 3

2815.6

2392.8

621,55

419,87

356,2

328,7

Die Themen in Tech-up Weekly #204:

► AMD lernt aus RTX-3000-Desaster: Richtlinien zum Start von Zen 3 und Radeon RX 6000 (00:31):
www.pcwelt.de/news/AMD-will-Nvidias-Fehler-beim-RTX-3000-Start-umgehen-10906671.html

► Gerücht: Nvidia streicht RTX 3080 20GB and RTX 3070 16GB (01:52):
www.pcwelt.de/news/Geruecht-Nvidia-hat-RTX-3080-20GB-and-RTX-3070-16GB-gestrichen-10907601.html

► Aldi-Gaming-PC für 969 Euro: Lohnt sich der Kauf? (03:34)
www.pcwelt.de/news/Aldi-Gaming-PC-fuer-969-Euro-Lohnt-sich-der-Kauf-10902016.html

► 8.000-Euro-Job: Opera sucht "Personal Browser" für 2 Wochen im Web surfen (05:38):
www.pcwelt.de/news/8.000-Euro-Job-Opera-sucht-Personal-Browser-fuer-2-Wochen-Web-surfen-10907036.html

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