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Sabayon: Leistungsstark mit Linux arbeiten

26.09.2017 | 13:30 Uhr |

Die Linux-Distribution Sabayon macht Desktopanwendern das schwer verdauliche Gentoo Linux in einer leicht aufgeschäumten Mischung schmackhaft. Sabayon bietet viele Vorteile des flexiblen Gentoo ohne dessen steile Lernkurve.

Vor einigen Jahren stand Gentoo weit oben im Menü fortgeschrittener Linux-Gourmets – als perfekt anpassbares Linux-System, das für jeden Computer frisch zubereitet werden kann. Gentoo zeichnet sich wie Arch durch ein eigenes Paketformat aus, das mit dem Gentoo-Paketmanager Portage an die „Ports“ von Free BSD erinnert. Dies sind Quellcodepakete, die eine vergleichsweise einfache, wenn auch oft zeitaufwendige Kompilierung von Programmen nach Bedarf aus einem Repository mit mehr als 10.000 Quellpaketen erlaubt.

Die Installation eines Pakets kommt damit einer Neukompilierung gleich; optimiert für den Prozessor des Rechners, was theoretisch Leistungsvorteile bringen kann. Dies ist natürlich eher für Fortgeschrittene interessant, die sich um jedes Detail und die Konfiguration selbst kümmern.

Es gibt auch genügend Binärpakete für verbreitete Plattformen. Der weitgehend manuelle Installationsprozess eines puren Gentoo-Systems stellt aber keine kleine Hürde da. Geduld und Fachkenntnisse sind gefragt, um ein stabiles und komplettes System zusammenzustellen. Gentoo ist ein Rolling Release, das sich über den Paketmanager auf dem neusten Stand halten lässt. Um die Entwicklung kümmert sich die Gentoo Foundation.

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Für den Desktop geschaffen

Heute ist Gentoo nicht mehr die erste Empfehlung von Linux-Chefköchen, sondern Arch Linux. Trotzdem hat Gentoo weiterhin Kultcharakter und viele Fans wie der Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman schwören darauf. Gentoo ist noch kein Fall für Geschichtsbücher.

Einige IT-Systeme in der Finanzindustrie, etwa Nasdaq, arbeiten mit Gentoo auf meist hochspezialisierten Servern. Google hat diese Distribution 2010 als Unterbau für das erfolgreiche Chrome-OS gewählt. Zudem ist Gentoo auch die Grundlage vieler Linux-Livesysteme wie System Rescue CD oder der LinuxWelt Rettungs-DVD .

Rigo: Der grafische Paketmanager, hier unter KDE, installiert Software und aktualisiert das System. Das erste große Systemupdate verlangt viel Geduld.
Vergrößern Rigo: Der grafische Paketmanager, hier unter KDE, installiert Software und aktualisiert das System. Das erste große Systemupdate verlangt viel Geduld.

Als Desktopsystem hat Gentoo keine nennenswerte Verbreitung gefunden, was auch am manuellen Installationsweg liegt. Das offizielle Gentoo liefert keinen Installer aus – und hier kommt Sabayon Linux ins Spiel: Anstatt Dokumentationen zu wälzen und die Innereien eines Linux-Systems bis ins Detail kennenzulernen, kann Sabayon Linux ein Gentoo-basiertes System vergleichsweise einfach mit Installer einrichten. Die Distribution trat 2004 unter dem Namen „RR4“ und der Motivation an, Gentoo als komfortabel installierbares Livesystem auszuliefern. 2006 erfolgte die Umbenennung zu Sabayon, was vom italienischen Dessert „Zabaglione“ abgeleitet ist. Finanziert wird Sabayon vom Interneturgestein NL-Net und der Softwarefirma Netcraft, denen Sabayon als Basis für eigene Entwicklungen dient.

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Paketmanager und Softwareauswahl

Die Desktopvariante von Sabayon gibt es aktuell als Livesystem mit den Oberflächen Gnome, KDE Plasma 5, Mate, XFCE und Fluxbox. Zudem gibt es noch eine minimale Serverausgabe ohne grafischen Desktop. Das Installationsprogramm ist von Fedora übernommen und damit identisch zu jenem von Red Hat Enterprise Linux und Co. Es ist mit seinem umständlichen Partitionierer und den nicht-linearen Konfigurationsschritten nicht unbedingt der komfortabelste Setup-assistent, aber technisch einwandfrei. Der Installer ist der Zielgruppe durchaus angemessen, die bei fortgeschrittenen Anwendern liegt, denen pures Gentoo zu kompliziert ist.

Sabayon nutzt eigene Repositories mit Binärpaketen und verlangt so nicht zwingend eine Neukompilierung aller Pakete bei deren Installation. Zwar bleibt die Kompatibilität zu Gentoo erhalten, aber Sabayon kann auf vorkompilierte Pakete aus einem eigenen Pool zurückgreifen. Die Distribution arbeitet deshalb mit zwei verschiedenen Paketmanagern: Portage stammt von Gentoo und lädt Quellcodepakete herunter, die dann auf dem Zielsystem kompiliert werden. Entropy ist das Paketsystem von Sabayon, das mit vorkompilierten Paketen arbeitet und auch für Systemaktualisierungen verantwortlich ist. In der Kommandozeile dient das Tool equo zum Paketmanagement.

Das Installationsprogramm hat Sabayon von Fedora übernommen. Es ist wegen des gewöhnungsbedürftigen Partitionierers nicht der einfachste Installer.
Vergrößern Das Installationsprogramm hat Sabayon von Fedora übernommen. Es ist wegen des gewöhnungsbedürftigen Partitionierers nicht der einfachste Installer.

Natürlich gibt es in Sabayon auch eine grafische Paketverwaltung: „rigo“ heißt das Programm für den Desktop, das Pakete sucht, installiert und das System auf den neuesten Stand bringt. Die Softwareversionen suchen stets eine Balance zwischen Stabilität und Aktualität. Anders als im vergleichbaren Arch Linux bekommen in Gentoo-Systemen wie Sabayon ältere, besser getestete Programme den Vortritt. Der Stand ist laut Entwickler mit dem von Debian „Sid“, also dem Unstable-Zweig von Debian zu vergleichen. Eine Besonderheit ist die große verfügbare Softwareauswahl von Sabayon. In den Repositories finden sich auch proprietäre Programme und Treiber, so beispielsweise Nvidia-Treiber, die Spieleplattform Steam und alle gängigen Codecs zum Abspielen von Audio-und Videodateien.

Chrome-OS: Auch hier ist Gentoo drin

Klein, leicht und günstig: Mit diesen drei Eigenschaften sind Chromebooks von diversen Herstellern mit Google Chrome-OS zu einem Überraschungserfolg geworden. Und das, obwohl die Softwareausstattung alles andere als üppig ist und Apps für den Webbrowser Chrome im Mittelpunkt stehen.

Obwohl dies inzwischen auch mit Android möglich wäre, pflegt Google Chrome-OS als separate Plattform mit tieferen Linux-Wurzeln. Das Ziel war, so viel wie möglich auf bestehende Open-Source-Softwarekomponenten aufzubauen und wenig neu zu erfinden. Die ersten Versionen von Chrome-OS entstanden während einer kurzen Partnerschaft mit Canonical mit Ubuntu als Basis, ab Februar 2010 diente dann Gentoo als Quelle. Als Grund gab ein Google-Entwickler die Notwendigkeit an, Chrome-OS für viele Hardwareplattformen kompilieren zu müssen. Diese Voraussetzung erfüllte Gentoo besser als Ubuntu.

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