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Resident Evil Village: Wir haben es gespielt

24.02.2021 | 12:42 Uhr |

Die erste Stunde mit Resident Evil 8 Village war schaurig schön. Brutal und ekelhaft, aber auch faszinierend in seinen Facetten. Etwa wie Capcom Sound einsetzt, um uns das Fürchten zu lehren. Beeindruckend auch, wie gut das alles aussieht. Resi Village wird so richtig schön Next-Gen. Resident Evil 8: Village – das erste Hands-On.

Draußen heult leise der Wind und ich kann das Kratzen meiner Schuhe gegen die Platten unter meinen Füßen hören. Mit dem schwachen Strahl der Taschenlampe leuchte in jede Zelle, jede Ecke, suche jeden Zentimeter ab. Nur um etwas zu finden, womit sich diese Tür öffnen lässt. Ketten klirren, ich halte ein. Die Wände schwanken, ein Wesen knurrt. Ich muss wohl die Kreatur, die hier in diesem Keller schläft, gestört haben und das Biest ist ziemlich wütend. Schaurig sieht es hier aus: Abgehackte Hände liegen auf einer Art Schneidebrett, Menschen stecken kopfüber in Säurefässern. Frisches Blut tropft aus Gefangenen, die hier in Käfigen ihr Ende gefunden haben. Doch keine Zeit, das gerade noch schlafende Vieh wacht auf, rennt wie wild gegen die schmale Bretterwand, die uns trennt und schimpft mit lautem Geknurre.

Ob es ein Hund ist? Nun, ich möchte es nicht herausfinden. Wenn schon die Bewohner dieses Schlosses so mordlustig sind, wie wird dann wohl ihr Haustier sein? Netterweise hinterließ ein ehemaliger Gefangener einen Brief, der zumindest ein bisschen Hoffnung macht. Eine Leiter soll ich finden, ein in Blut getränkter Gegenstand mir den Weg bahnen, raus aus dem Folterkeller des Dimitrescu Castle. Ist das hier etwa wie in Resident Evil 7? Nein, mittelalterlicher. Ich finde Stühle, die mit Stacheln übersäht sind. Und Stahl-Masken, in die sich Schrauben reindrehen lassen. Auf Streckbänken sind Menschen verendet. Ekelhaftes Folterwerkzeug, wie es früher die Inquisition benutzte. Nachdem ich durch eine zerbrochene Wand gekrochen bin, sehe ich eine blutige Nachricht an der Wand: "Hilf mir, Bruder.“

Diese Lykaner sind Wolfsmenschen, die uns mit riesigen Äxten durch den Schnee jagen. Überhaupt fühlen wir uns nicht selten wie ein Liliputaner, weil alle so groß sind.
Vergrößern Diese Lykaner sind Wolfsmenschen, die uns mit riesigen Äxten durch den Schnee jagen. Überhaupt fühlen wir uns nicht selten wie ein Liliputaner, weil alle so groß sind.
© Capcom

Stammt diese Nachricht vielleicht von dem ominösen Mitstreiter, der auch schon die Hinweise gab in seinem Brief? In Resident Evil kann man so einer Nachricht nicht immer trauen, zu gerne lassen uns die Entwickler ins offene Messer rennen. Ohne hier zu viel spoilern zu wollen: Gerätschaften, die dem Ausbruch dienlich sind, hat diese Person auf eher makabre Art versteckt. Doch damit lässt sich nicht das große Tor öffnen, nur die Ketten knacken, die einzelne Zellen versperren. Und da ist immer noch dieses Biest, das ich aufgeweckt habe. Es knurrt. Es faucht. Es sucht. Hoffentlich hat es keinen Hunger…

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Ziemlich eklig, aber verdammt schick: Resident Evil 8 ist so richtig Next-Gen

Resi 8 sieht auch rein grafisch atemberaubend gut aus. Achten Sie mal auf die vielen Details, wie der Schein des Kronleuchters durch den Raum tanzt und wie fein etwa die Holztreppe gearbeitet ist.
Vergrößern Resi 8 sieht auch rein grafisch atemberaubend gut aus. Achten Sie mal auf die vielen Details, wie der Schein des Kronleuchters durch den Raum tanzt und wie fein etwa die Holztreppe gearbeitet ist.
© Capcom

Wir verraten mal lieber nicht, wie wir dem Folterkeller des Grauens entflohen sind. Als nächstes befinde ich mich in einer Art Esszimmer, das seinen Ausgang als Kamin tarnt. Regelrecht wohlig überrascht werde ich von dieser prächtigen Eingangshalle. Mit seinem brennenden Feuer und Ritter-Rüstungen, die Spalier stehen, könnte man diesen Ort fast schon als einladend ansehen. Es lohnt sich, sich einen Moment Zeit zu nehmen, um die kunstvollen Insignien und Familien-Wappen an Wänden, Türen und poliertem Besteck zu betrachten. Die Bewohner scheinen ein Auge für das Schöne zu haben, aber eben auch einen Hang zur Folter. Man kommt kaum aus dem Staunen heraus, ob der Pracht, Texturschärfe und all diesen wunderschönen Lichteffekten, die die glitzernden Kronleuchter umspielen. Das Schloss wirkt bewohnt, neben den Ledersesseln lodert ein Feuer, und die Blumen in den Vasen sind frisch. Diese rosigen Schnörkel werden durch kleinere, bedrohlichere Details ausgeglichen.

Auf einem Beistelltisch steht ein Teeservice mit Lippenstift an einer der Tassen, aber bei näherer Betrachtung befleckt auch der Boden eine dicke, rote Flüssigkeit. Daneben eine Notiz, auf der in einer Reihe Namen genannt sind, untergliedert in "Kandidaten" und „Ablehnungen“. Da ich gerade erst aus ihrem Gefängnis entflohen bin, kann ich mir vorstellen, was man hier mit Kandidaten so anstellt. Auch ein Stück Kleidung eines anderen Gastes, was hier im Kamin lodert, lässt erahnen, dass die Stimmung trügt und was uns hier gleich blüht.

Resident Evil Village hat diese klassisch gruselige Komponente in düsteren Gemäuern. Aber auch viele Szenen, die wie hier etwa regelrecht glänzend und mondän ausgeleuchtet sind.
Vergrößern Resident Evil Village hat diese klassisch gruselige Komponente in düsteren Gemäuern. Aber auch viele Szenen, die wie hier etwa regelrecht glänzend und mondän ausgeleuchtet sind.
© Capcom

„Das Lichtsystem und die ganze Kolorierung sind komplett anders. Wir hatten von Anfang an dieses Konzept eines wunderschönen, aber beängstigenden Dorfes vor Augen. Es hat diese Momente, die sich regelrecht wohlig anfühlen und dann von purer Angst durchschnitten werden. Visuell können wir hier sehr viel spielen und das ist sicherlich ein großer Kontrast zu Resident Evil 7. Hier haben wir uns bei jedem Objekt, jedem Element gefragt – ist das maximal gruselig? Für Village sind wir konzeptionell breiter aufgestellt, weil diese vermeintlichen Ruhephasen den Horror-Faktor umso brachialer auf den Spieler einschlagen lassen können. Es soll sich so anfühlen, als wären Sie wirklich in dieser Welt. Wir geben Ihnen bewusst Zeit, das Schloss und seinen Prunk zu genießen, bevor wir den nächsten Schocker setzen.“

- Tomonori Takano, Art Director Resident Evil Village

Resident Evil Village versprüht ein anderes Gefühl der Unsicherheit

Resi 8 schockt, aber auf andere Art. Wir genießen etwa gerade diese Statue, da schleicht sich etwas an uns heran. Und wir entdecken ein blutiges Auge, welches in den Marmor gesteckt wurde, um eine Geheimtür zu öffnen.
Vergrößern Resi 8 schockt, aber auf andere Art. Wir genießen etwa gerade diese Statue, da schleicht sich etwas an uns heran. Und wir entdecken ein blutiges Auge, welches in den Marmor gesteckt wurde, um eine Geheimtür zu öffnen.
© Capcom

Village ist spannend, weil es mich überrascht: Wer Resi 7 gespielt hat, der würde nicht erwarten, dass uns dieses Spiel so viel Zeit gibt, seine Räume zu inspizieren und zu genießen. Das ist eine neue Herangehensweise, weil sich der Horror so stufenweise aufbaut. Ich weiß: Gleich passiert etwas, schließlich lassen sich all diese kleinen Briefe und Dokumente zu etwas Großem zusammen puzzeln. Und mich mit Schauern an den Folterkeller zurückdenken. Es gibt viele, viele Notizen im Schloss, die daran erinnern, dass wir hier weniger Gast denn Opfer sind. Tagebucheinträge aus den 1950er Jahren, die beim Lesen verzweifelter und besorgniserregender wurden. Je mehr ich über die Geliebte des Schlosses und ihre Töchter erfuhr, desto weniger wollte ich die Lady treffen. Die übrigens grotesk groß ist, satte 2.90 Meter, laut Creative Director. Sind wie hier im Land der Riesen angekommen? Während der Kerker auf ekelhafte, aber konventionelle Weise gruselig war, ist es noch beunruhigender, durch die grandiosen Räume der Burg Dimitrescu zu laufen. Die Resident-Evil-Spiele sind dafür bekannt, eine angespannte Atmosphäre aufrechtzuerhalten und ständig wirble ich herum, etwa wenn Lady Dimitrescu nach mir ruft.

Das Spiel arbeitet immer wieder mit interessanten Kameraperspektiven, bei der wir uns klein fühlen. Wie ein Kind, etwa bei dieser Frau, die aussieht wie ein Riese.
Vergrößern Das Spiel arbeitet immer wieder mit interessanten Kameraperspektiven, bei der wir uns klein fühlen. Wie ein Kind, etwa bei dieser Frau, die aussieht wie ein Riese.
© Capcom

Schön auch diese Subtilität, mit der mich das Spiel führt, ohne mir das auf die Nase zu binden: Immer wieder öffnen sich diese wunderschönen, mit goldenen Intarsien ausgeschmückten weißen Türen – ohne das ich irgendetwas tun muss. Wer dem hinterher geht, nun, der geht in sein Verderben, wie so häufig in dieser Reihe des Schauerns. Immer wieder schließen sich auch wieder Türen, ich zucke hoch. Dann höre ich Schritte, die näher kommen. Ich schaue mich um, keiner da. Die Schritte entfernen sich wieder. Neben der Musik, die sich wie seine Bewohner an uns heranschleicht, gibt’s aber auch ständig diese Wow-Momente: Etwa, als ich auf einer Empore stehe, direkt vor einem riesigen Kronleuchter, der in eine Art Ritter-Zimmer hineinleuchtet – die Treppe wird von Ritter-Figuren bewacht. Gemälde finden sich an den Wänden, auch Büsten römischer Feldherren – hm, wie kommen die denn hier hin? Erstaunlich wenig weist in diesem oberen Stockwerk daraufhin, dass hier munter gefoltert und geviertelt wird. Doch dann ist da wieder dieses Lachen von Lady Dimitrescu…

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Resident Evil 8 kann man nur dafür applaudieren, dass die Macher sich nicht in der Sonne von acht Millionen verkauften Exemplaren seines Vorgängers ausruhen, sondern immer wieder neue Ansätze finden, Horror auszuleben und uns das Fürchten zu lehren.
Vergrößern Resident Evil 8 kann man nur dafür applaudieren, dass die Macher sich nicht in der Sonne von acht Millionen verkauften Exemplaren seines Vorgängers ausruhen, sondern immer wieder neue Ansätze finden, Horror auszuleben und uns das Fürchten zu lehren.
© Capcom

Erstes Fazit: Ein anderes, ein frischeres, opulenteres Gefühl von Resident Evil

Diese erste Demo ist wirklich faszinierend, weil sie sich anders anfühlt als alles, was Resident Evil bisher war: Es ist mitunter regelrecht einladend – “beautiful but frightening“, ist die Idee dahinter. Wunderschön, aber Angst einflößend. Und genau das ist Resident Evil 8: Village. Es hat diese Folterkeller, diese makabren Szenen, die Brutalität, die „Ich-möchte-mich-gerne-übergeben“-Momente, wenn Eingeweide sich auf Tellern wiederfinden. Aber es hat auch enorm viele neue Ideen: Die Geschichte wird im Rahmen eines Märchens aus den 1950ern erzählt. Wir erleben quasi die Folklore, die man sich in diesem Dorf damals erzählte. Und finden heraus, dass alles wahr ist. Spannend ist, wie Capcom seine Geschichte langsam entwickelt – indem es in diesem atemberaubend schönen Schloss Briefe hinterlegt von Angestellten, die pure Angst zeichnen. Wir finden gar eine Art Werbeprospekt, in der Lady Dimitrescu ihren hauseigenen Wein anpreist Sanguis Virginis: Das Blut der Jungfrau soll ein besonderes Bouquet haben. Mich schaudert es, denn es erklärt die Listen, die Fässer im Keller, die Leichen. In den Trailern zeigen sich andere Facetten: Hier leben etwa viktorianische Vampire, was die Liebe fürs Blut erklärt. Die würden sogar so einen Wein kaufen. Sowie die Lykaner, merkwürdige Halb-Wolf-Menschen, die uns im Schnee verfolgen. Und Holla-die-Wald-Fee, sieht das gut aus: Aktuell kann ich nur von der PS5-Version berichten, aber dieses Resident Evil Village schickt sich an, eines der technisch beeindruckendsten Werke des Jahres zu werden.

Resident Evil Village erscheint am 07. Mai 2021 für PC, Xbox Series X, PS5 sowie die Old-Gen PS4 und Xbox One.

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