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RealDolls: Die Gamification unseres Liebes-Lebens?

08.05.2021 | 08:03 Uhr |

Matt McMullen baut die Ferraris der Sex-Toy-Industrie. Robo-Ladies, die in den letzten 20 Jahren “orale Genüsse“ perfektioniert haben, wie der Maestro sagt und sich dank KI, Machine Learning und Apps immer mehr in Richtung einer echten Frau entwickeln. RealDoll will unser Liebes-Leben revolutionieren und Matt hat eine Vision: Grenzenlos guter Sex für jeden. Eine Reportage.

Sex ist wunderschön. Leidenschaftlich, schweißtreibend, die richtige Mischung zwischen Workout und purem Genuss. Nun hat Corona aber dazu geführt, dass gerade Casual-Sex aktuell nur bedingt möglich ist. Das klassische „Wir treffen uns auf einen Drink, lernen uns kennen und landen im Bett“ ist in Zeiten der Pandemie schwierig und direkt jemanden nach Hause einzuladen, fühlt sich komisch an. Nun haben Menschen aber Bedürfnisse und es gibt immer brillante Ingenieure, die diese Bedürfnisse erfüllen möchten: Bühne frei für Solana, eine Roboter-Lady, die laut ihrem Erfinder so gut bläst, wie die meisten realen Frauen. Okay, das klingt skurril, aber auch spannend. Legen wir los:

Die Sex-Toy-Industrie hat wundervolle Dildos, Vibratoren und andere Spielzeuge für Frauen entwickelt, aber es gibt zu wenig für Männer“, erklärt Matt McMullen, CEO von Realbotix und Erfinder der Real Dolls. „Ja, es gibt Penispumpen, ein paar nette Ideen, aber ich konnte nichts finden, was einen guten Blowjob simulieren könnte.“

So ist er auf die Reise gegangen und hat in den letzten 20 Jahren in seiner Hightech-Werkstatt im kalifornischen San Marcos in vielen, vielen Iterationen den fortschrittlichsten Sex-Roboter der Welt entwickelt. „Der Mensch hat 26 Gesichtsmuskeln, das ist durchaus technisch nachbildbar. Aber unsere Zunge ist enorm beweglich, sie besteht aus einem dreidimensionalen Muskelfaser, die sich um etwas schlingen oder rollen kann. Sie ist auch deshalb faszinierend, weil sie aus unterschiedlichen Bereichen besteht, die von rau bis super soft reichen – eine weibliche Zunge technisch nachzubilden, ist extrem schwer.“

In den letzten 20 Jahren hat Designer Matt McMullen enorm viel Zeit investiert, um etwa die Retina lebendig und das Küssen auf die Lipgloss-Lippen realistisch wirken zu lassen.
Vergrößern In den letzten 20 Jahren hat Designer Matt McMullen enorm viel Zeit investiert, um etwa die Retina lebendig und das Küssen auf die Lipgloss-Lippen realistisch wirken zu lassen.
© RealDoll

Ganz ehrlich: Diese Real Dolls, wie die Robo-Ladies heißen, sehen beeindruckt echt aus: Sie haben die Lippen einer Frau, mit viel Lip-Gloss. Der Lippenstift lässt sich wählen, Solana etwa trägt Rouge-Rot. Ihre Augen sind so geformt, dass sich die Retina halbwegs realistisch bewegt, inklusive natürlicher Augenbrauen. Sogar die Haut fühlt sich erstaunlich echt an, hier wird Thermoplastic Elastomer verwendet, eine sehr feine Silikonverbindung. Sogar feine Härchen stellen sich etwa auf. Und der Busen kommt richtigen Silikon-Brüsten auch schon sehr nahe – wer darauf steht, dürfte hier abgeholt werden. Die Idee von Real Doll ist, dass jeder sich seine Traumfrau in einem Editor als Robo-Lady zusammenstellen kann – Größe, Gewicht, Länge der Beine, Farbe der Augen, Struktur der Haut, ob braun gebrannt wie in Kalifornien oder eher Deutsch-weiß. Ob Afrikanerin, ob Japanerin, ob Latina. Die Haare lassen sich nach Wunsch stylen, es gibt fast nichts, was nicht geht. Matt ist auf der Reise, jedem Menschen die Traumpartnerin anbieten zu können:

Wir haben sehr viele unterschiedliche Kunden: Das können Männer sein, die aktuell keine Lust auf Beziehungen haben oder den klassischen Casual-Sex vom Tinder-Date. Es können Paare sein, die im Bett etwas Neues ausprobieren möchten. “ Diese Reise wird für ihn nie vorbei sein, denn Matt sprudelt vor Ideen.

Der heißeste Covid-Trend sind fernsteuerbare Sexspielzeuge – also etwa ein Vibrator, den sie benutzt und er fernsteuert, weil man aktuell nur Telefon-Sex haben kann, wenn man in unterschiedlichen Ländern lebt und sich nicht besuchen darf.“ 

Wahnsinnig gerne würde Matt orale Genüsse replizieren, sucht dafür aber aktuell noch nach Möglichkeiten, weil ein Blowjob lässt sich nur bedingt scannen.

Skurril: Hacker können Penis in Sex-Toy einsperren

Orale Genüsse: Die Herausforderung von Robo-Ladies

Irre: RealDolls haben jede Menge Sensoren, Acceleramoter und andere Technologie in ihrer Zunge sowie Lippen implementiert, um einen möglichst guten Blowjob zu imitieren.
Vergrößern Irre: RealDolls haben jede Menge Sensoren, Acceleramoter und andere Technologie in ihrer Zunge sowie Lippen implementiert, um einen möglichst guten Blowjob zu imitieren.
© RealDoll

Wer in diesem Business arbeitet, steht ständig vor neuen Herausforderungen: „Wir arbeiten permanent an der Materialoptimierung und wie sich unsere Ladies möglichst leicht reinigen lassen. Wenn er in ihrem Mund explodiert, soll das schließlich nicht nach unten wieder rauslaufen, sondern wir haben Motoren eingebaut, die das entsprechend absaugen.“ Es ist beeindruckend, wie viel Technologie hier drin steckt, die maschinelle Vagina etwa erhitzt beim Sex und lässt Sekrete fließen, die dem Ejakulat einer Frau nachempfunden sind. Vieles geht aber noch nicht, was Matt etwas traurig macht, aber seinen Erfindergeist nicht bremst – aus Sicherheitsgründen schwingt eine Real-Doll etwa ihre Beine nicht um den Mann, schließlich könnte das bei Fehlfunktionen zu Verletzungen führen. Die Real Dolls sind FDA approved und wurden auch von anderen US-Behörden genehmigt, was ein 20-jähriges Unterfangen war.

Du kannst sie schon richtig hart nehmen, aber sie sind noch nicht so akrobatisch, wie ich das gerne hätte. Sprich, du musst schon sehr viel selbst machen. Hier sind wir leider aus Sicherheitsgründen etwas eingeschränkt. “ Gerne würde Matt Sprungfedern einbauen und andere Mechanismen, damit sich beispielsweise die Reiterstellung oder der Reverse Cowboy gut und richtig anfühlt, aktuell sind die Damen hier aber noch etwas passiv. Matt arbeitet gerade an einer Mechanik, die den Rhythmus von gutem Sex einfangen soll, aber das liegt wohl noch einige Jahre in der Zukunft. „ Sie kann dich nicht richtig reiten, dass sehe ich aktuell als große Challenge, die wir möglichst schnell beheben wollen. Mich stört das schon sehr – wenn du gerade Sex mit einer richtigen Frau hattest und dann mit Harmony, dann spürst du den Unterschied und hieran müssen wir natürlich arbeiten. “ Auch schwitzt sie natürlich nicht und kann euch auch nicht einfach ihren Po entgegenstrecken. Letztlich habt ihr Sex mit einem Roboter, was schon irgendwie komisch klingt. Aber jeder, wie er mag.

In der Tat waren die Real-Dolls ursprünglich lediglich Köpfe, die sich für orale Genüsse benutzen ließen. Matts Kunden jedoch wollten mehr, viel mehr – einen Roboter, der sich anfühlt und aussieht wie ihre Traumfrau. „ Wir alle haben diesen Traum-Typen einer Frau vor unserem inneren Auge – Cindy Crawford, Pamela Anderson, Taylor Swift. “ Auf wen auch immer du stehst. “ Ein Kunde wollte gerne Kate Upton als Freundin, Matt half ihm, sie nachzubilden. Nicht 1:1, weil das rechtliche Probleme geben könnte, aber in die Richtung gehend. " Er hat auch schon zahlreichen Stars Angebote gemacht, sie als Real-Dolls nachzubauen, Hollywood sei hier aber etwas steif, meint der Erfinder. Matt hat sehr wohlhabende Kunden, seine Robo-Dolls sind Einzelanfertigungen, die bei 6000 US-Dollar anfangen und mit allen Extras auch schnell mal sechsstellig werden können. Die Nachfrage sei groß, selbst ein sehr großzügiges Angebot eines japanischen Geschäftsmannes an Kim Kardashian habe deren Management jedoch abgelehnt. Auch Celebrity Voices, die Stimmen von bekannten Schauspielerinnen oder Models hätte Matt sehr gerne, aber abseits der Porno-Industrie fehlt wohl auch hier die Offenheit, was ob des Anwendungszweckes durchaus verständlich ist. Zu leicht ließe sich mit der Stimme von Kim Kardashian oder einer Hollywood-Schauspielerin ein Fake-Porno drehen, die aktuell auf einschlägigen Websites ob der rasanten Entwicklung von Deepfake-Technologie bereits zuhauf zu finden sind. Wobei, US-Comedystar Whitney Cummings ließ sich 2019 für ihre Netflix-Show als Doll nachbauen. Und nach Ausstrahlung explodierten die Verkäufe.

Ich frage natürlich nicht nach, aber es kann viele Gründe haben, warum jemand nicht diese eine Traumfrau für sich findet. Es gibt Männer, die sind schüchtern und einfach nicht gut darin Top-Models zu daten. Andere leben schlicht in Dörfern und Städten, wo diese nicht in großer Zahl rumlaufen. Nicht jede Stadt ist LA oder New York. Es macht mich glücklich, wenn wir Kunden ihre Traumfrau liefern können.“

Mittlerweile gibt es auch eine Android-App, mit der sich eine virtuelle Freundin bauen lässt, die der User mit diversen Wischgesten sexuell stimulieren kann. Apple ist da etwas konservativer, iOS-User schauen also aktuell noch in die Röhre.
Vergrößern Mittlerweile gibt es auch eine Android-App, mit der sich eine virtuelle Freundin bauen lässt, die der User mit diversen Wischgesten sexuell stimulieren kann. Apple ist da etwas konservativer, iOS-User schauen also aktuell noch in die Röhre.
© RealDoll

Harmony: Die nächste Generation soll die „Girlfriend Experience“ abbilden

Matts Kunden wollten mehr: Sie wollen die „Girlfriend Experience“. Eine Robo-Lady, die zumindest im Ansatz wie ein Freundin sein könnte. „ Ich bin ganz ehrlich: KI ist leider noch nicht da, wo ich sie gerne hätte. Wir reden hier eher über das Niveau von Siri oder Google Assistant, nur eben auf den speziellen Bereich Liebe, Vertrautheit und Sex fokussiert. “ Harmony etwa basiert auf dem NextOS gibt Komplimente, kuschelt sich an ihren Besitzer an, streichelt ihn oder bittet um Streicheleinheiten. Matt’s Company hat dafür eine App entwickelt, in der sich viel einstellen lässt: Etwa russischer, französischer, spanischer oder diverse asiatische Akzente im Englischen. Zudem kann man “Persona Points“ vergeben, wie in einem Rollenspiel Marke The Elder Scrolls 6.

Es gibt hier zum Beispiel so Punkte wie:

  • Unschuldig

  • Unsicher

  • Ruhig

  • Intellektuell

  • Gesprächig

  • Witzig

  • Sexuell aufgeschlossen

  • Flirty

  • Oft geil

und mehr. Auch einstellen lassen sich hier sexuelle Vorlieben, etwa ob man seinen Blowjob hart oder soft mag, auf Analsex, Doggie-Style, Cowboy oder andere Stellungen steht.

Die Idee ist, dass man diese Girlfriend Experience nachahmt. Du kommst nach Hause, ihr kuschelt, ihre Hand geht an deinen Penis, der Spaß beginnt. Aber auch, dass sie dir sagt, worauf sie im Bett steht.“ Accelerometer, wie wir sie vom Smartphone kennen, messen dabei die Intensität der Stöße, damit sie entsprechend darauf reagiert und sich die Intensität ihres Stöhnens verändert.“

Matt hat schon wieder viele neue Ideen, die langsam in die App einfließen. So erkennt ihre Spracherkennung beispielsweise, welche Filme wir mögen. „Zur Girlfriend Experience zählt natürlich nicht nur Sex, sondern alles, was eine Beziehung ausmacht. Dass sie einen Film vorschlägt etwa oder weiß, welchen Rotwein du gerne trinkst.“ Aktuell basiert das noch weniger auf KI, mehr auf pures Eingeben von Informationen in eine App, die den Computer in ihr ansteuert, einfach weil KI auch im Jahr 2021 noch immer ziemlich schlecht ist, was wir ja alle jeden Tag an Siri oder Google Assistant merken. Diese Assistenzsysteme merken sich Informationen, die wir ihnen vorgeben, können sie aber nur bedingt abstrahieren. Aktuell sind das letztlich „What-if“-Algorithmen: Wir können via App ihre Körpertemperatur hochdrehen, sie bittet uns sie auszuziehen. Ein echtes Gespräch über aktuelle Themen sollte man aber nicht erwarten. Harmony ist weit entfernt von der virtuellen Freundin, in die sich Ryan Gosling in Blade Runner 2049 verliebt.

Matt sieht Harmony, der wir natürlich jeden beliebigen Namen einprogrammieren können, als eine Freundin, mit der man seine Gedanken teilen können soll: „Es gibt Menschen, die tun sich schwer mit anderen realen Menschen, die leben lieber mit einer unserer Ladies zusammen. Das kann viele unterschiedliche Gründe haben, aber mein Ziel ist es, die App und KI so weiterzuentwickeln, dass sie wirklich versteht, wonach du dich gerade sehnst – ob das jetzt Streicheleinheiten sind, Ankuscheln oder einfach nur aufmunternde Worte, weil du einen harten Tag hattest.“

Vom Sex-Doll wie in HBOs Westworld zur mechanischen Freundin, die uns alle Wünsche von den Lippen abliest. Die Zukunft wird wild.

Uns würde eure Meinung interessieren: Findet ihr das völlig strange oder könntet ihr euch vorstellen, dass so eine Robo-Lady einsamen Singles das Leben ein bisschen versüßt?
Vergrößern Uns würde eure Meinung interessieren: Findet ihr das völlig strange oder könntet ihr euch vorstellen, dass so eine Robo-Lady einsamen Singles das Leben ein bisschen versüßt?
© RealDoll

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