2973

So übertakten Sie Ihren Prozessor – und behalten dabei einen kühlen Kopf

17.08.2017 | 13:09 Uhr |

Wer der PC-CPU Beine macht, kann etwas mehr Leistung erwarten. Aber Vorsicht: Zu viel ist ungesund. Wir erklären, worauf es beim Overclocking ankommt und wie Sie ohne Überhitzung ein paar mehr Megahertz aus Ihrem Computer herauskitzeln können.

Windows bootet langsam, Spiele ruckeln und Photoshop kommt auch nicht mehr hinterher? Dann wird es Zeit, einen Gang zuzulegen. Overclocking (zu Deutsch: Übertakten) lautet das Zauberwort. Mit ein paar Hilfsmitteln und etwas Geduld können Sie so unter Umständen Ihren Computer auf die Überholspur bringen. Aber wie geht das und was bedeutet Übertakten überhaupt?

Nun, im Grunde heißt es nur, dass Sie den Prozessor stärker belasten. Die CPU arbeitet also schneller, als es vom Hersteller gedacht ist. So bekommen Sie mehr Rechenleistung, ohne in neue Hardware investieren zu müssen. Allerdings kann auch eine schnellere Festplatte – wie etwa eine SSD – den Bootvorgang beschleunigen. Und Spieler profitieren oftmals von einer moderneren Grafikkarte, um in anspruchsvoller und rasanter 3D-Action das eine oder andere Bild pro Sekunde mehr herauszukitzeln.

Wer seinen Rechner ohnehin nur für Büro und das Web benötigt, braucht sich die Arbeit des Overclockings gar nicht erst zu machen. Die Auswirkungen wären kaum bis überhaupt nicht spürbar.

Eine übertaktete CPU ist eher geeignet für herausfordernde Desktop-Anwendungen wie eben beispielsweise Adobe Photoshop oder Videobearbeitungsprogramme wie Sonys Catalyst. Diese Art von Software setzt bei zahlreichen Arbeiten auf starke Rechenkerne und profitiert daher eher von einem übertakteten Prozessor.

Den CPU-Turbo einlegen – aber richtig!

Hersteller Intel beispielsweise bestückt seine Core-i7-Reihe mit Prozessoren, die besonders gut zu übertakten sind. Zu erkennen sind diese an dem „K“ im Namen. Diese Modelle haben einen sogenannten offenen Multiplikator. Die Taktfrequenz kann so gezielt verändert werden. Allerdings muss für ein Overclocking auch das passende Mainboard, auf dem der Prozessor sitzt, mitspielen. Ob Ihr Motherboard dazu taugt oder ob unter Umständen ein Update des BIOS bzw. UEFI erfolgen muss, können Sie dem Mainboard-Handbuch entnehmen.

CPU-Test: Die besten Desktop-Prozessoren im großen Vergleich

Haben Sie im BIOS die richtigen Einstellungen vorgenommen, können Sie ein Plus an Rechenleistung erwarten. Allerdings bedeutet mehr Power auch mehr Hitze. Aber keine Sorge: Eine teure Wasser- oder gar Heliumkühlung ist für ein schrittweises und behutsames Übertakten nicht notwendig.

Dennoch sollte man sich vorsichtig an das Abenteuer Overclocking heranwagen. Wenn man es übertreibt, raucht im schlimmsten Falle im wahrsten Sinne des Wortes der Computer ab.

Die Chip-Hersteller planen aber von Anfang an eine geringere Taktrate für ihre Prozessoren ein. Der Kern wird also nicht gleich zu schmelzen beginnen, nur weil Sie ihn zu etwas mehr Leistung antreiben. Die CPU Intel Core i7 7700K etwa rechnet ab Werk mit einer Frequenz von 4,2 GHz. Übertaktet man den Chip, läuft er auch noch bis 4,8 GHz stabil. Ein Gewinn von immerhin 600 Megahertz. Allerdings ist kein Rechenkern wie der andere. Selbst baugleiche CPUs derselben Modellreihe können in den Overclocking-Ergebnissen variieren.

Manuelles Übertakten von Prozessoren: So funktioniert es

Das Tool CPU-Z verschafft einen Überblick zu allen Informationen rund um den Prozessor.
Vergrößern Das Tool CPU-Z verschafft einen Überblick zu allen Informationen rund um den Prozessor.

Ihr Rechner ist schon etwas älter, aber Sie wollen ihm trotzdem Beine machen? Kein Problem. Mit nur ein paar kleinen Einstellungen kann man aus fast jedem Prozessor noch ein wenig mehr Leistung herausholen. Zunächst ist aber ein wenig Vorbereitung nötig: Laden Sie sich die kostenlosen Windows-Programme HWinfo64 , Prime95 und CPU-Z herunter.

HWinfo65 verschafft einen schnellen Überblick über alle Hardware-Komponenten.
Vergrößern HWinfo65 verschafft einen schnellen Überblick über alle Hardware-Komponenten.

Ersteres verrät Ihnen die Prozessortemperatur. Die Überwachung der Hitzeentwicklung ist später essenziell wichtig. Prime95 hingegen ist ein einfaches Tool zur Berechnung von Primzahlen. Der Clou daran: Die Software berechnet die Matheaufgaben mit einem besonders gezielt optimierten Code für den Prozessor. Die CPU wird dabei deutlich höher gefordert als bei Alltagsaufgaben – ein idealer Stresstest für frisch übertaktete Kerne.

Prime95 ist ein Stresstest, der Ihre CPU ins Schwitzen bringt.
Vergrößern Prime95 ist ein Stresstest, der Ihre CPU ins Schwitzen bringt.

Zu guter Letzt installieren Sie sich CPU-Z. Dieses Programm zeigt Ihnen sämtliche Informationen Ihres Prozessors, an die wichtig sind. Darunter sind Angaben wie etwa sekundengenaue Spannung, Taktfrequenz uvm. Alles installiert? Dann geht’s ans Eingemachte: Begeben Sie sich ins BIOS bzw. UEFI Ihres Mainboards (meistens, indem Sie während des Boot-Vorgangs die Tasten „ENTF“ oder „F12“ drücken). Hier drehen Sie nun an drei verschiedenen Optionen. Für eine Übertaktung müssen sowohl der Multiplikator für die Taktrate des Prozessors, die Kernspannung des Prozessors sowie die sogenannte Load Line Calibration (kurz LLC) verändert und aufeinander abgestimmt werden. Letztere sorgt übrigens dafür, dass die Spannung des Prozessors auch unter Last derjenigen entspricht, die die CPU im normalen Desktop-Betrieb einnimmt. In der Regel stellt das BIOS all diese Dinge automatisch ein – für ein Overclocking müssen diese Werte manuell aufeinander abgestimmt werden.

Die Turbo-Funktion

Die Taktfrequenz einer CPU setzt sich aus dem Front Side Bus (einer wichtigen Schnittstelle am Prozessor, die den Takt aller angesprochenen Komponenten vorgibt, kurz FSB) und dem Multiplikator zusammen. Ein Rechenkern mit 4 GHz beispielsweise arbeitet also mit einem FSB mit 400 MHz, den der Multiplikator zehnmal multipliziert. Um ihren Kunden umständliches Gefummel an Hardware und BIOS zu ersparen, liefern die Hersteller manche ihrer Prozessoren mit Turbo-Funktion aus. Bei der Turbo Boost Technology moderner Prozessoren handelt es sich um eine Art dynamische Übertaktungsfunktion: Sie reizt den Prozessor zur voreingestellten Leistung, sobald das Betriebssystem die höchstmögliche Power verlangt. Der i7 7700K beispielsweise dreht dann automatisch auf vorkonfigurierte 4,5 GHz auf.

Erweiterter Durchblick

Sie sehen diese Punkte nicht? Dann müssen Sie ggf. die Ansicht im UEFI bzw. BIOS in einen Experten-Modus setzen, um so die Profi-Einstellungen finden. Jedes Mainboard hat sein eigenes BIOS und daher kann ein weiterer Blick in das Handbuch Ihnen verraten, wo Sie die oben genannten Einstellungen genau finden.

Den Turbo-Modus sollten Sie zum Übertakten abschalten.
Vergrößern Den Turbo-Modus sollten Sie zum Übertakten abschalten.

Stellen Sie zunächst den Prozessor-Booster bzw. den Turbo aus. Da wir die CPU ab jetzt selber zu höhere Leistung antreiben, brauchen wir diese Hilfe im BIOS nicht mehr. Stellen Sie als Nächstes die Load Line Calibration auf einen mittleren Wert, z. B. 4.

So passen Sie die Kernspannung an.
Vergrößern So passen Sie die Kernspannung an.

Passen Sie anschließend die Spannung des Prozessors an und setzen Sie sie auf den für Ihr Modell empfohlenen Wert. Bei modernen Prozessoren wie beispielsweise dem Intel-Konkurrenten AMD Ryzen 5 1600 sind das 1.35 Volt.

Als letztes benötigen wir den richtigen Multiplikator. Diesen stellen Sie unter der Taktfrequenz oder „CPU Frequency“ in 100-Megahertz-Schritten ein. Um beim Beispiel des Ryzen 5 1600 zu bleiben wäre das hier ein Multiplikator von 36 – also 3,6 GHz. Dies entspricht der maximalen Taktfrequenz im Turbo-Modus des Prozessors. Notieren Sie sich aber zunächst die Standard-Werte, um bei einer eventuellen Instabilität alles wieder rückgängig machen zu können. Speichern Sie die Änderungen im UEFI bzw. BIOS ab und starten Sie den Rechner neu.

Notebook-Kauf: Die beste CPU und GPU für jede Preisklasse

Langsam an den perfekten Wert Herantasten

Sobald Windows hochgefahren ist, starten Sie die Programme Prime95, HWinfo64 und CPU-Z. Nun sollte der erste Stresstest beginnen. Klicken Sie dafür im Begrüßungsfenster von Prime95 auf „Just stress test“ und klicken Sie links auf „Custom“. Tragen Sie unter „Torture settings“ bei den Punkten Min FFT size sowie Max FFT size den Wert 1344 ein. Auf diese Weise wird der Prozessor voll belastet. Nach einem Klick auf „Ok“ beginnt die Zerreißprobe für die übertaktete CPU.

Behalten Sie spätestens jetzt die Temperatur im Programm HWinfo64 im Auge: Starten Sie das Tool, klicken Sie dann auf „Sensors only“ und scrollen Sie nach unten. Der heißeste Kern sollte nicht über 82 Grad warm werden. Brechen Sie Prime95 ab, wenn es zu hitzig wird.

Sollte die Primzahlen-Berechnung für eine halbe Stunde stabil laufen, der Rechner nicht abstürzen und auch sonst keine Probleme auftauchen, können Sie erneut den Computer ins BIOS booten und den Prozess von vorne beginnen. Erhöhen Sie die Werte schrittweise, bis Sie das Optimum an Leistung herausgeholt haben.

Die Taktrate entnehmen Sie während des Prime-Stresstests dem Programm CPU-Z.  Detaillierte Overclocking-Anleitungen zu diversen Mainboard-CPU-Kombinationen finden Sie unter overclocking.guide .

Übrigens: Die perfekte Kombination aus Spannung, LLC und Multiplikator muss jeder für sein System selbst herausfinden. Tasten Sie sich behutsam vor, um so durch gezieltes Overclocking Ihrem Computer Beine zu machen.

► Ryzen 5 1400 bei Amazon: amzn.to/2qUsLmY
► Ryzen 5 1600 bei Amazon: amzn.to/2ryQCcu
Wir haben unsere CPU-Rangliste um zwei neue Prozessor-Modelle ergänzt und haben einen neuen Preis-Leistungs-Sieger gekürt. Der AMD Ryzen 5 1600 bietet für einen Preis von rund 220 Euro derzeit die attraktivste Kombination aus Preis und Leistung: 6 Kerne und 12 Threads bekommt man sonst nirgendwo so günstig. Außerdem neu im Test: der Ryzen 5 1400, der Vierkerner für günstige 170 Euro.

--------

►Die besten CPUs (2017) im Video:
youtu.be/4tTsiZQmaaA

►Der große CPU-Vergleichstest auf pcwelt.de:
www.pcwelt.de/2270899

►AMD Ryzen 5 1400 im Einzeltest:
www.pcwelt.de/2273039

►AMD Ryzen 5 1600 im Einzeltest:
www.pcwelt.de/2273033


0 Kommentare zu diesem Artikel

PC-WELT Marktplatz

2973