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Prozesse und Garantien

Der Betrieb eines kompletten Rechenzentrums ist überaus vielschichtig und erfordert – insbesondere im Störungsfall – genau definierte Verantwortlichkeiten und Prozesse. Zudem hängt das Funktionieren von IT-Infrastrukturen sehr stark von der Qualität der Dienstleistungen ab, mit der eine IT-Umgebung überwacht, gepflegt und bei Bedarf angepasst wird. Deshalb arbeiten immer mehr Rechenzentren zur Sicherung ihrer Qualität nach den klar definierten Prozessen der IT Infrastructure Library (ITIL).

Unabhängige Prüfungen erleichtern die Wahl des geeigneten Rechenzentrums. Neben der Zertifizierung nach ISO 20000 dokumentiert auch das Datacenter Star Audit des eco, Verband der deutschen Internet-Wirtschaft e. V., die Professionalität eines Rechenzentrums. Denn hier werden neben Gebäude und Technik auch Prozesse und Personal des Anbieters bewertet.

Professionelle Rechenzentren bieten ihren Kunden Service Level Agreements (SLA) mit detaillierten Beschreibungen der garantierten Leistungen. Dies macht eine komplexe Dienstleistung nicht nur verständlich und transparent, sondern regelt auch klar die Zuständigkeiten. Betreiber von Portalen oder Software-as-a-Service, deren Leistungen vom Funktionieren der IT-Infrastruktur unmittelbar abhängt, können sich ihren Kunden gegenüber auf die Garantieleistungen des SLA beziehen – und im Streitfall auch vor Gericht einklagen.

Gesamtkosten

Durch ihre Spezialisierung können die professionellen Betreiber von Rechenzentren beachtliche Skaleneffekte erzielen. Das fängt beim Bau eines energieeffizienten Rechenzentrums an und geht über die intensivere Nutzung der Internet-Anbindung bis hin zum Großeinkauf von Hard- und Software. Überdies verteilen sich die Aufwendungen für das hochqualifizierte und -spezialisierte technische Personal bei einem Hoster auf mehrere Kunden. Und auch wenn die Dienstleister naturgemäß ihre Kosteneinsparungen nur teilweise an ihre Kunden weiterreichen, so ist in Summe die Auslagerung einer Internet-Applikation in der Regel die kostengünstigere Variante.

Vorausgesetzt, der Betreiber einer Anwendung ist willens, bei einem Vergleich auch alle mit dem Betrieb verbundenen Kosten in die Gesamtrechnung mit einzubeziehen. Mitunter verstellen jedoch Konzern- und/oder Controllingstrukturen bewusst oder unbewusst den realistischen Blick auf die Gesamtkosten. Allein die Tatsache, dass in zahlreichen Unternehmen die Stromkosten unter "Allgemeines" verbucht werden, kann hier schon zu einer verzerrten Entscheidungsgrundlage führen. Oder aber es werden die Personalkosten ausgeblendet mit der Begründung, dass der Mitarbeiter ja "ohnehin schon mal da sei".

Fazit und Ausblick

Der Eigenbetrieb von Internet-Applikationen ist nur noch interessant für Großunternehmen und Konzerne, die ohnehin schon eigene Rechenzentren und eigenes Personal unterhalten. Co-Location ist zumindest für mittelständische und kleinere Unternehmen eine Alternative. Dafür sollten sich jedoch nur die jenigen Unternehmen entscheiden, die im Gegenzug bereit sind, auf bestmögliche Verfügbarkeit zugunsten niedrigerer Kosten zu verzichten. Wer unternehmenskritische Internet-Anwendungen betreibt, die möglichst nahezu hundertprozentig verfügbar sind, der sollte sich für Managed Hosting entscheiden.


Patrick Pulvermüller (32) ist Geschäftsführer bei der Host Europe GmbH . Er verantwortet den gesamten operativen Betrieb inklusive Produktentwicklung und -management. Zuletzt war er federführend bei der Konzeption, Planung und Realisierung des "grünen" Rechenzentrums von Host Europe in Köln.

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