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Registry, Programme, Prozesse und Explorer

07.07.2013 | 16:09 Uhr | Hermann Apfelböck

8.) Die Registry als Konfigurationszentrale

Hardware, Kernel, Treiber, Dienste, Netzwerk, GUI, Shell, Programme, Dateitypen – die Registry ist der zentrale Kleister, der alles zusammenhält. Hier steht das nebensächlichste Kontextmenü für einen Dateityp ebenso wie der Pfad zum fundamentalen Systemdienst. Immerhin lässt sich vereinfacht zusammenfassen, dass die wirklich kritischen Schlüssel praktisch allesamt unter „Hkey_Local_Machine\System“ liegen und damit in der Binärdatei „\Windows\System32\Config\System“. Fehler im wesentlich umfangreicheren Software-Zweig sind lästig, bringen aber das System nicht zum Erliegen.

Die Registrierdatenbank: Das Konzept, Systeminformatio- nen zu fundamentalen Treibern und Diensten am selben Ort unterzubringen wie Software-Marginalien, hat Vor- und Nachteile.
Vergrößern Die Registrierdatenbank: Das Konzept, Systeminformatio- nen zu fundamentalen Treibern und Diensten am selben Ort unterzubringen wie Software-Marginalien, hat Vor- und Nachteile.


Trotzdem: Das Konzept, alles und jedes bequem per API in die zentrale Registry zu kippen, hat auch Nachteile. Die Fehlersuche ist mühsam bis aussichtslos, wenn sich die Informationen auf diverse Registry-Stellen verteilen. Punktuelle Reparaturen setzen immer eine funktionierende Windows-API voraus oder den Zugriff über ein Zweitsystem.

9.) Prozesse, Programme und Threads

Ein Prozess – oder gleichbedeutend ein „Task“ – ist ein Programm, das gegenwärtig abläuft. Sein Code wird dazu in den Arbeitsspeicher geladen und von der CPU abgearbeitet. Ein Prozess wird entweder per Systemaufruf oder vom User durch den Start einer ausführbaren Datei erzeugt. Mittels eines Systemaufrufs führt ein Prozess Aufgaben aus, für er die eigentlich gar nicht genug Privilegien besitzt, etwa das Schreiben auf Festplatte.

Programme und Tasks: Die Tabelle nennt die wichtigsten Begriffe rund um die Pro- grammausführung. Diese gelten für jedes Betriebs- system.
Vergrößern Programme und Tasks: Die Tabelle nennt die wichtigsten Begriffe rund um die Pro- grammausführung. Diese gelten für jedes Betriebs- system.

Dazu teilt er dem Kernel per API mit, was er tun möchte, und gibt die Kontrolle an den Windows-Kernel ab. Der Kernel schaut in den PCB (Process Control Block) und führt die Anfrage entweder aus oder lehnt sie ab. Der ursprüngliche Prozess wird dabei so lange unterbrochen (Zustand: „Blocked“), bis die Anfrage komplett bearbeitet ist. Nach dem Systemaufruf gibt der Kernel die CPU wieder an den Prozess im Benutzer-Modus zurück und führt den Programmcode an der Stelle fort (Zustand: „Active“), an der er zuvor unterbrochen wurde.

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Wer jemals einen Festplattenschaden erlebt, kann den Vorgang mit eigenen Augen verfolgen: Solange der Kernel einen Schreibvorgang nicht abschließen kann, reagiert die Anwendung auf nichts und friert komplett ein (Blocked). Sie taut erst wieder auf, wenn der notwendige Event eintritt – sei es, dass die Festplatte noch einmal zur Reaktion überredet werden konnte oder dass eine sauber programmierte Fehlerbehandlung das Problem abfängt.

Prozesse beenden sich nach kompletter Abarbeitung entweder selbst oder werden von außen – durch den Taskmanager oder den Shutdown – terminiert. Fehler wie unerlaubte Speicherzugriffe führen ebenfalls zum zwangsweisen Ende.

10.) GUI und Shell: Der Windows-Explorer

Windows-Shell: Der Explorer ist nicht Windows und nicht einmal die alleinverantwort- liche Oberfläche. Viele Funktionen sind Shell-unabhängig.
Vergrößern Windows-Shell: Der Explorer ist nicht Windows und nicht einmal die alleinverantwort- liche Oberfläche. Viele Funktionen sind Shell-unabhängig.

Der Windows-Explorer ist nicht mit der Windows-GUI (Graphical User Interface) gleichzusetzen, auch wenn er wesentliche Komponenten der grafischen Oberfläche bereitstellt: die Taskleiste mit Start-Menü, die Ordnerfenster mit Such-, Filter- und Sortierfunktionen, die zugleich als Maus-optimierter Dateimanager arbeiten, nicht zuletzt auch einen Drag-&-Drop-fähigen Desktop, der vielen Anwendern als zentrale Dateiablage dient. Unter Windows 8 sorgt der Explorer zusätzlich für den neuen Startbildschirm und die Modern UI.

Die Dateimanager-Lieblinge der PC-WELT-User

Damit prägt der Windows-Explorer entscheidend die Optik und Bedienung, ist aber trotzdem nur eine im Prinzip austauschbare Software. Hardware, Netzwerk, Dateisystem funktionieren auch ohne ihn, und auch einige entscheidende GUI-Elemente sind, wie die Tabelle zeigt, unabhängig vom Explorer verfügbar. Das technisch mögliche Ersetzen des Explorers ist aber trotz gewisser Überfrachtung, Intransparenz und Leistungsmängeln bei simplen Datei-Aktionen kaum verbreitet: Microsoft hat die Windows-User sehr erfolgreich auf den Explorer konditioniert, und alternative grafische Shells oder gar Kommandozeilen-Shells spielen unter Windows keine nennenswerte Rolle.

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