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Grundlagen zur Nutzung und Verarbeitung von Linux-Systemabbildern

17.08.2017 | 14:50 Uhr |

Linux gibt es im Internet in vielen Varianten zumeist kostenlos in Form von ISO-Dateien zum Download. Der erste Schritt ist der Start solcher Livesysteme auf USB oder DVD. Eine Installation auf Festplatte oder USB folgt erst im zweiten Schritt.

Der Umgang mit Linux-Abbildern im ISO-Format gehört zum Alltag jedes Linux-Nutzers. Selbst wenn Sie nicht zu den Experimentierfreudigen gehören, die immer wieder mal gerne eine neue Linux-Distribution ausprobieren, kommen Sie an der Herstellung bootfähiger Linux-Datenträger nicht vorbei. Dank einschlägiger Werkzeuge ist dies ein einfacher und zuverlässiger Vorgang.

Dieser Artikel erklärt, wie Sie nach dem Download eines Linux-ISO-Images zu einem bootfähigen und lauffähigen Linux-Livesystem auf USB oder DVD kommen. Dieser Vorgang ist grundlegend und auch dann notwendig, wenn Sie ein Linux eigentlich auf die Festplatte installieren möchten. Der Artikel zeigt ferner, dass bereits solche (eigentlich unveränderbare) Livesysteme interessante Möglichkeiten und Varianten bieten. Dieser Beitrag zeigt hingegen noch nicht die reguläre Installation – diese ist Gegenstand des nachfolgenden Artikels.

Download eines ISO-Abbilds: Ubuntu wird hier von einem deutschen Uniserver bereitgestellt.
Vergrößern Download eines ISO-Abbilds: Ubuntu wird hier von einem deutschen Uniserver bereitgestellt.

Suche nach dem gewünschten ISO-Image

Wo gibt es Linux? Dazu suchen Sie einfach über Google & Co. nach dem Namen des gewünschten Systems – also etwa nach „xubuntu download“. Die einschlägige Projektwebseite, in diesem Beispiel https://xubuntu.org , wird dann an erster Stelle oder jedenfalls weit oben rangieren. Dort gibt es dann einen Eintrag „Download“, der Sie ans Ziel bringt. Meist ist noch zu entscheiden, ob es ein 32- oder 64-Bit-System sein soll. Im Linux-Umfeld steht hier meist „i386“ für 32 Bit und „amd64“ für 64 Bit, wobei „amd“ keine Einschränkung auf den Hersteller AMD bedeutet. Die schlankere 32-Bit-Architektur eignet sich besser für ältere Hardware, 64-Bit-Systeme für aktuelle Rechner mit mehr als vier GB RAM. 64 Bit ist Voraussetzung für eine Installation im Uefi-Modus (siehe den nachfolgenden Artikel).

Auch interessant: Die richtige Linux-Distribution für Einsteiger

Kleinere Linux-Distributionen haben keinen eigenen Downloadserver, sondern nutzen die Downloadplattform https://sourceforge.net . Auch Universitäten helfen oft als Spiegelserver mit, um die Downloadlasten zu verteilen. Es ist also in Ordnung, wenn Sie von einer Linux-Projektseite nach sourceforge.net oder an einen Uniserver geschickt werden. Wer sichergehen will, dass ihn seine Recherche und sein Download nicht in dunkle Ecken führen, kann auch auf der Übersichtsplattform http://distrowatch.com/ nach Linux-Distributionen suchen.

Die Kopierwerkzeuge für ISO-Abbilder

Um aus dem Internet geladene ISO-Abbilder bootfähig auf CD/DVD/USB/SD zu kopieren, gibt es einschlägige Tools. Beim Schreiben von Abbildern müssen Sie das Zielmedium sorgfältig kontrollieren, damit Sie nicht statt eines geplanten USB-Sticks als Ziel eine große USB-Festplatte überschreiben.

Linux-Abbild auf DVD-Rohling brennen: Unter Windows mit Imgburn.
Vergrößern Linux-Abbild auf DVD-Rohling brennen: Unter Windows mit Imgburn.

Unter Linux auf CD/DVD kopieren: Viele Linux-Distributionen bringen standardmäßig das Programm Brasero mit. Wo es fehlt, ist es über die Paketquellen der Repositories gegebenenfalls schnell nachinstalliert. Mit Brasero brennen Sie unter Linux am bequemsten bootfähige CDs (ISOs bis 700 MB) oder DVDs (ISOs größer als 700 MB). Ähnlich wie bei Imgburn unter Windows genügen im Brasero-Startmenü die Wahl „Abbild brennen“ und die nachfolgende Auswahl der ISO-Datei.

Unter Windows auf CD/DVD kopieren: Unter Windows empfehlen wir das Tool Imgburn (Version 2.5.8.0, Download unter http://imgburn.com ), um je nach Imagegröße bootfähige CDs (ISOs bis 700 MB) oder DVDs (ISOs größer als 700 MB) zu brennen. Natürlich beherrschen auch große Brennprogramme wie Nero diesen Job. Unter Imgburn wählen Sie nach dem Start die Option „Imagedatei auf Disc schreiben“. Der wichtigste Punkt des Folgedialogs ist links oben „Quelle“ mit dem kleinen Ordnersymbol, über das Sie dann zur ISO-Quelldatei navigieren. Bei eingelegtem Rohling wird dann die große Schaltfläche links unten aktiv, mit der Sie den Schreibvorgang auslösen.

Unter Linux und Windows „roh“ auf USB und SD-Karten kopieren: In aller Regel enthalten die ISO-Abbilder von Linux-Distributionen alle notwendigen Informationen einschließlich der Bootumgebung. Daher ist eine 1:1-Rohkopie auf USB oder auf SD-Karte völlig ausreichend. Der einschlägige Rohkopierer dd unter Linux ist das Kommandozeilentool dd mit der folgenden Syntax:

sudo dd if=[Name].iso of=/dev/sd[x]

Nach „if=“ (Inputfile) folgt der Name, gegebenenfalls der komplette Pfad der ISO-Datei, nach „of=“ (Outputfile) das Zielgerät.

Der Rohkopierer Win 32 Disk Imager macht dasselbe unter Windows (Download unter http://sourceforge.net/projects/win32diskimager ). Hier genügt es, die Quelldatei („Image File“) und das Zielgerät („Device“) anzugeben. Die Schaltfläche „Write“ startet den Kopiervorgang.

Unter Linux und Windows mit Unetbootin auf USB oder SD-Karte kopieren: Unetbootin schreibt seine eigene Bootumgebung auf das Zielmedium und eignet sich für alle Ubuntu-basierten Systeme einschließlich Linux Mint. Für Distributionen, die nicht Ubuntu-basiert sind, verwenden Sie die oben beschriebenen Rohwerkzeuge. Unetbootin ist jedoch ideal, wenn Sie ein Ubuntu-Livesystem anpassungsfähig halten wollen (siehe unten „Persistenz“).

Unetbootin gibt es für Linux, Windows und Mac-OS X (Version 6.25, Download unter http://unetbootin.sourceforge.net ). Um ein ISO-Image bootfähig auf USB-Stick zu befördern, wählen Sie im Dialog unten die Option „Abbild“ und navigieren dann mit der Schaltfläche „...“ zur gewünschten Datei. Nach Klick auf „Öffnen“ erscheint der komplette Pfadname im Eingabefeld. Danach wählen Sie neben „Typ“ die Option „USB-Laufwerk“ und neben „Laufwerk“ geben Sie die Kennung des USB-Sticks an. Mit „OK“ starten Sie den Kopiervorgang. Kontrollieren Sie die Laufwerkskennung des USB-Sticks ganz genau, denn Unetbootin wird das Medium komplett überschreiben. Unter Windows erscheint das Laufwerk mit Laufwerksbuchstaben, unter Linux mit der Gerätebezeichnung „/dev/sd[x]“. Nach „OK“ startet der Kopiervorgang.

Der Start eines Linux-Livesystems

Um einen Rechner von einer eingelegten CD/DVD zu booten, sind meistens keine Vorbereitungen erforderlich. Ob ein PC oder Notebook automatisch von einem USB-Medium bootet, ist hingegen nicht gewiss und hängt von den Bios/Uefi-Einstellungen ab. Die Reihenfolge, mit der das Bios die Datenträger abfragt, lässt sich natürlich im Bios-Setup ändern, aber das ist selten nötig: Jedes Bios/Uefi ermöglicht beim Rechnerstart per Tastendruck eine Bootauswahl, die alle Datenträger anzeigt. Dort wählen Sie dann einfach mit der Cursortaste die CD/DVD („ATAPI…“) oder das meist eindeutig benannte USB-Laufwerk (etwa „SanDisk Ultra…“). Leider können wir Ihnen nicht verbindlich sagen, welche Taste bei Ihrem Gerät diese Bootauswahl auslöst. Die Tasten Esc, F9, F10, F11, F12 sind häufige Kandidaten. Im günstigsten Fall wird die maßgebliche Taste beim Rechnerstart am Bildschirm angezeigt.

Bootauswahl beim Gerätestart durch eine Taste wie Esc, F9, F10, F11, F12.
Vergrößern Bootauswahl beim Gerätestart durch eine Taste wie Esc, F9, F10, F11, F12.

Livesysteme starten in der Regel mit einem Standardbenutzer „Live User“ (oder ähnlich einfach) ohne Anmeldung zum Desktop. Zugangskennwörter brauchen Sie nicht, es sei denn, Sie melden sich absichtlich oder versehentlich ab. In diesem Fall ist das Standardkennwort des „Live Users“ leicht zu googlen oder auf der Projektseite der Distribution zu erfahren.

Möglichkeiten und Grenzen von Livesystemen

Das Kopieren eines ISO-Abbilds auf CD/DVD/USB und Starten des Livesystems ist in vielen Fällen nur der notwendige Zwischenschritt, um dann die Distribution aus dem laufenden Livesystem auf die Festplatte zu installieren (siehe dazu den folgenden Beitrag). Livesysteme sind keine vollwertigen Betriebssysteme, denn Systemveränderungen überleben keinen Neustart: Ein Livesystem, selbst wenn es sich auf einem beschreibbaren Medium befindet, speichert Änderungen nicht dauerhaft. Das Dateisystem wird in den Arbeitsspeicher geladen und die in der Sitzung durchaus möglichen Änderungen gehen beim Herunterfahren wieder verloren. Typischerweise erkennen Sie laufende Livesysteme mit dem mount-Befehl im Terminal, der ein „loop0“-Device, ein „cloop“-Device (komprimiert), ein „squashfs“ (komprimiert) oder auch ein „aufs“-Dateisystem (Another Union File System) anzeigt. Dennoch sollten Sie den Wert von Livesystemen nicht unterschätzen:

„Nur“ ein Livesystem erkennbar durch das Read-only-Dateisystem und fehlende Benutzerkonten.
Vergrößern „Nur“ ein Livesystem erkennbar durch das Read-only-Dateisystem und fehlende Benutzerkonten.

1. Sie können sich ein Linux unverbindlich ansehen und bis ins Detail prüfen, ob es zu Ihnen passt. Livesysteme machen dabei keinerlei Eingriffe auf Datenträger und lassen bestehende Systeme völlig unberührt.

2. Ein Livesystem ist ein zuverlässiger Test für die Hardware. Wenn Sie im Livesystem keine Probleme mit Grafik, Netzwerk, Drucker und sonstiger Peripherie haben, dann trifft das auch auf das installierte System zu. Der Umkehrschluss, dass Probleme im Livesystem auch dauerhaft beim installierten System bestehen werden, ist hingegen nicht immer zutreffend: Im endgültigen System besteht ja die Möglichkeit, Hardwaretreiber nachzurüsten. Beachten Sie außerdem, dass jedes Livesystem Startparameter für Problemsituationen vorsieht, die zumindest einen Notfallstart ermöglichen.

3. Breit ausgestattete Livesysteme wie jenes von Ubuntu eignen sich hervorragend als Notfall-, Zweit- oder Mobilsystem. Sie können damit sofort produktiv arbeiten, wenn das Hauptsystem, sei es Windows, Linux oder Mac-OS, einmal streikt. Dabei haben Sie Zugriff auf alle Datenträger, können von dort Benutzerdaten kopieren oder auch Reparaturen ausführen. Linux-Livesysteme sind ferner prädestiniert für die Rolle als Surfsysteme für sicheres Onlinebanking oder riskante Webbesuche. Auch der Einsatz einer portablen Arbeitsumgebung oder eines einbruchssicheren Datenspeichers ist einschlägig: Ein Linux aus der Hosentasche kann an jedem PC genutzt werden.

Lesetipp: Der optimale Reparatur-Stick für PC-Notfälle

Anpassung und Aufwertung von Livesystemen

Ein Linux-Livesystem bleibt Livesystem. Es gibt jedoch bei Livesystemen auf beschreibbaren Medien wie USB-Sticks durchaus Optionen für funktionale Aufwertung. Die nachfolgend beschriebenen, sehr unterschiedlichen Techniken beschränken sich auf Ubuntu-Varianten inklusive Linux Mint.

Permanentspeicher: Geben Sie in Unetbootin die Größe der Persistenzdatei an.
Vergrößern Permanentspeicher: Geben Sie in Unetbootin die Größe der Persistenzdatei an.

1. Unetbootin mit „Persistenz“: Das bereits beschriebene Tool Unetbootin zeigt die Option „Platz um Dateien zwischen Neustarts zu erhalten“. Als Speichergröße tragen Sie hier beispielsweise „1000 MB“ ein. Dies ermöglicht es, im späteren Livesystem weitere Programme zu installieren, das System individuell einzurichten oder Benutzerdateien abzulegen. Systemeinstellungen und nachinstallierte Programme bleiben dann erhalten. Das ist untypisch für ein Livesystem und erweitert dessen Komfort erheblich. Einige Livesysteme wie Tails ( https://tails.boum.org ) oder Puppy Linux ( http://puppylinux.org ) bieten diese Option auch unabhängig von Unetbootin an – unter dem Namen „Persistenz“.

Beachten Sie aber, dass auch ein Livesystem mit Persistenz im Vergleich zu einem vollwertig installierten Linux limitiert bleibt. Umfangreiche Installationen, langfristige Systemupdates, unbegrenzte Mengen von Benutzerdateien setzen zwingend eine Installation voraus. Erst hier gibt es dann auch einen oder mehrere Benutzer und eine entsprechende Zugangskontrolle.

2. Angepasstes Livesystem mit Systemback: Dies ist ein völlig anderer Ansatz als bei Unetbootin. Das Livesystem bleibt typisch eingefroren und unveränderlich, jedoch können Sie es vorab minutiös nach Ihren Vorstellungen einrichten: Statt eines Livesystems von der Stange nutzen Sie hier ein Livesystem mit individuell eingerichtetem Desktop und genau der Software, die Sie brauchen. Die technisch unkomplizierte Möglichkeit mit dem Tool Systemback (aktuelle Version ist 1.8) eignet sich auch für weniger erfahrene Linux-Nutzer.

Livesystem aus einem laufenden Ubuntu/Mint erstellen.
Vergrößern Livesystem aus einem laufenden Ubuntu/Mint erstellen.
© PC-WELT

Aufwendiger als der Einsatz des komfortablen Tools ist aber zunächst die optimale Einrichtung des Systems. Sie benötigen ein normal installiertes Ubuntu oder Linux Mint. Bei den Anpassungen gibt es einige triviale, aber leicht zu übersehende Fallen:

• Richten Sie vor allen Einstellungen einen Benutzer ein („Systemeinstellungen -> Benutzer“), mit dem sich die künftigen Systembenutzer identifizieren können, und erledigen Sie dann die komplette Konfiguration ebenfalls in diesem Konto.

• Verwenden Sie keine proprietären Treiber und verzichten Sie auf die Sparoptionen der „Energieverwaltung“, wenn das Livesystem auf anderer Hardware als dem Basissystem zuverlässig laufen soll.

• Das Einrichten und Speichern von WLAN- und Freigabekennwörtern ist nur dann sinnvoll, wenn das Livesystem künftig auch im gleichen Umfeld genutzt wird.

• Machen Sie mit Ihrem Basissystem nach allen Maßnahmen mindestens einen Neustart und probieren Sie alle wesentliche Software durch: Nichts ist lästiger als ein Livesystem, das Sie später standardmäßig mit einer Fehlermeldung begrüßt, oder eine Software, die bei jedem Start nachfragt, ob es als Standardprogramm genutzt werden soll. Jede solche Bremse ist im Basissystem mühelos zu lösen, im späteren Livesystem nicht mehr. Ist alles korrekt eingerichtet, können Sie Systemback auf Ubuntu-basierten Systemen über ein externes PPA beziehen:

sudo add-apt-repository ppa:nemh/systemback
sudo apt-get update
sudo apt-get install systemback

Der Aufruf erfordert root-Rechte. Als wesentliche Voreinstellung definieren Sie bei Bedarf zunächst das „Speicherverzeichnis“ („Storage directory“) rechts oben. Standardmäßig nutzt Systemback das Home-Verzeichnis – und zwar nicht das des angemeldeten Benutzers, sondern den Hauptordner „/home“. Die einschlägige Schaltfläche lautet „Erstellung Live System“ („Live system create“).

Dieses öffnet einen gleichnamigen Unterdialog („Erstellung Live System“), wo Sie mit „Neu erstellen“ („Create new“) zunächst ein Image des laufenden Basissystems anlegen – dieses landet mit der Endung „.sblive“ standardmäßig im Verzeichnis „/home“. Ist der Vorgang abgeschlossen, erscheint das Image unter „Erstellte Live-Abbilder“ („Created Live images“). Danach stecken Sie einen USB-Stick an, sorgen mit dem Refreshknopf neben „Ziel schreiben“ („Write target“) dafür, dass der Stick hier auftaucht, und markieren dort den Datenträger. Ferner klicken Sie unter „Erstellte Live-Abbilder“ auf das Image. Sind Quelle und Zieldatenträger markiert, wird die Schaltfläche „In den Zielort schreiben“ („Write to target“) aktiviert, die Sie nunmehr auslösen.

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