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Das perfekte NAS: Tipps für den Einsatz

09.05.2019 | 08:04 Uhr | Ines Walke-Chomjakov

Ihr Netzwerkspeicher ist mehr als ein reines Datenlager im Heimnetz. Mit diesen fünf Praxistipps bereiten Sie Ihr NAS-System ganz einfach auf unterschiedliche Benutzer vor oder bauen es zum Multimedia-Server aus, der sich im Heimnetz und per Internet erreichen lässt.

Aktuelle Netzwerkspeicher sind wahre Tausendsassa. Diese Funktionsvielfalt wollen Sie im Alltag ausreizen. Mit der Inbetriebnahme der Hardware, dem Aufspielen der Firmware und dem Übertragen Ihrer Daten haben Sie schon wichtige Etappen hin zum flexiblen Datenlager im Heimnetz gemeistert. Für den täglichen Gebrauch lohnen sich weitere Konfigurationsschritte: Mit unseren Tipps halten Sie das System per Firmware-Update aktuell, legen unterschiedliche Benutzer an und machen aus Ihrem Netzwerkspeicher einen Multimedia-Server, den Sie im Heimnetz über Fernseher und Notebooks genauso wie übers Internet per Smartphone und Apps erreichen.

NAS-Firmware aktualisieren

Viele NAS-Systeme informieren Sie über Firmware-Updates oder aktualisieren sich sogar automatisch.
Vergrößern Viele NAS-Systeme informieren Sie über Firmware-Updates oder aktualisieren sich sogar automatisch.

Als ersten Konfigurationsschritt sollten Sie Ihr NAS-Betriebssystem auf den neuesten Stand bringen. Denn per Firmware-Update erhalten NAS-Systeme sowohl neue Funktionen als auch Sicherheitsaktualisierungen. Wenn Sie künftig nicht selbst daran denken wollen, die Update-Abfrage von Zeit zu Zeit zu starten, können Sie sich bei den meisten NAS-Systemen automatisch erinnern lassen. Damit erhalten Sie einen Hinweis, sobald Sie das Webinterface öffnen. Die entsprechende Einstellung finden Sie auf der Webbrowser-Bedienoberfläche unter „Systemsteuerung“ oder „Einstellungen“ und dem Menüpunkt „Aktualisierung“. Bei vielen NAS-Modellen geht es noch bequemer: Sie lassen sich so konfigurieren, dass sie Updates automatisch oder zeitgesteuert einspielen. Meist reicht es aus, die entsprechende Option zu aktivieren.

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Lokale Benutzer anlegen

So können Sie unterschiedliche Benutzerprofile anlegen.
Vergrößern So können Sie unterschiedliche Benutzerprofile anlegen.

Der Netzwerkspeicher soll üblicherweise als zentrales Datenlager für alle Benutzer des Heimnetzes dienen. Ist die Anzahl der Benutzer überschaubar, können Sie diese manuell anlegen.

Ab einer gewissen Menge an Usern erstellen Sie besser eine Liste, die sich ins NAS importieren lässt. Sollen mehrere Benutzer mit denselben Rechten ausgestattet sein, können Sie diese auch in Benutzergruppen zusammenfassen. Für das Anlegen und das Bearbeiten von Benutzern benötigen Sie grundsätzlich Admin-Rechte.

Benutzer legen Sie über die Web-Bedienoberfläche des Netzwerkspeichers abhängig vom Modell unter „Systemsteuerung“ oder „Zugangsteuerung“ an. Bei jedem NAS-Gerät ist der Admin-Benutzer vordefiniert und mit allen Lese-und Schreibrechten für alle Verzeichnisse (Shares) ausgestattet. In den meisten Fällen ist auch ein Gastbenutzer bereits vordefiniert. Im Unterschied zum Admin hat dieser nur eingeschränkten Zugang – etwa nur auf einen bestimmten freigegebenen Ordner „Public“. Das macht insofern Sinn, da nicht alle Netzwerkverzeichnisse für alle Benutzer gleichermaßen zugänglich sein sollen. Ob Ihr Gastbenutzer im öffentlichen Verzeichnis nur lesen oder auch schreiben darf, können Sie unabhängig von den Werkseinstellungen selbst bestimmen.

Um einen neuen Benutzer anzulegen, klicken Sie auf „Hinzufügen“ oder „Erstellen“. Im folgenden Fenster füllen Sie die Angaben zum Benutzer aus. Pflichtfelder sind „Name“ und meist auch eine E-Mail-Adresse für Benachrichtigungen sowie die Vergabe eines Kennworts, mit dem sich der jeweilige Benutzer Zugriff auf die freigegebenen Verzeichnisse verschafft. Empfehlenswert ist, dass der Benutzer das Kennwort nicht ändern kann. Diese Option müssen Sie meist extra aktivieren.

Bei vielen NAS-Modellen weisen Sie dem neuen Benutzer beim Anlegen bereits einen Rechtestatus zu, indem Sie ihn einer Benutzergruppe zuteilen. Ordnen Sie ihn unter „Administratoren“ ein, erhält er ausgedehnte Schreib-, Lese-sowie Verwaltungsrechte für den Netzwerkspeicher. Andere Gruppen wie „Users“ oder „Web“ sind dagegen rechtetechnisch beschränkter. In der Regel lassen sich jedem Benutzer individuelle Zugriffsrechte auf freigegebene Verzeichnisse zuteilen. So können Sie ihm Lese-und Schreibrechte für das Verzeichnis „Public“ geben, aber bei „Musik“ oder „Media“ nur Leserechte erlauben.

Meist werden Sie beim Anlegen eines Benutzerkontos gefragt, ob Sie ein „Nutzungskontingent“ festlegen wollen. Wenn Sie „Ja“ wählen, können Sie nicht nur die Speicherkapazität, sondern auch ein bestimmtes NAS-Laufwerk zuteilen. Im letzten Schritt können Sie jedem Benutzer noch die Berechtigungen für Anwendungen zuweisen. So definieren Sie, auf welche Dienste er zugreifen kann. Sind Sie sich anfangs noch nicht sicher, können Sie diese Einstellungen später vornehmen oder auch stets ändern.

NAS als Mediaserver

Bringt Ihr NAS die Media-Server-Fähigkeit nicht automatisch, gibt es in der Regel ein Zusatzpaket
Vergrößern Bringt Ihr NAS die Media-Server-Fähigkeit nicht automatisch, gibt es in der Regel ein Zusatzpaket

Eine der wichtigsten Aufgaben eines Netzwerkspeichers ist das Bereitstellen von Multimediainhalten wie Fotos, Videos, Filme und Musik für alle Geräte im Netzwerk. Die meisten NAS-Modelle sind in den Werkseinstellungen bereits aufs Heimstreaming vorbereitet: Dazu haben sie vielfach herstellereigene Serverpakete aufgespielt oder bieten diese oder bekannte Drittanbieter-Lösungen als Zusatzpakete in den jeweiligen NAS-Apps-Stores an – etwa für iTunes , Plex oder Kodi .

Damit Ihr NAS-System Medien an andere Geräte wie Smartphones, Smart-TVs oder AV-Anlagen in Ihrem Heimnetz streamen kann, müssen sie sich im Netzwerk erkennen. Aktuelle Netzwerkspeicher verstehen sich mit allen Geräten, die DLNA-fähig sind und UPnP (Digital Living Network Alliance/Universal Plug and Play) unterstützen. Es reicht aus, die Option in der NAS-Konfigurationsoberfläche zu aktivieren. Entweder finden Sie sie unter „Medienserver“ oder Sie installieren einen UPnP-Server über den App-Store des NAS-Systems nach. Damit ist die Funktion automatisch aktiv geschaltet, und Sie finden vordefinierte Freigabe-Verzeichnisse für Musik, Videos und Fotos vor, in die Sie die Inhalte ablegen, die Sie im Heimnetz bereitstellen wollen.

Haben Sie die NAS-Seite nun auf das Media-Streaming vorbereitet, überprüfen Sie in der Firmware Ihres Routers sicherheitshalber, ob er das NAS-System als Medienquelle zulässt. Dazu locken Sie sich in die Bedienoberfläche des Routers ein – bei einer Fritzbox tippen Sie fritz.box in die Adresszeile des Browsers ein und melden sich mit Ihren Zugangsdaten an. Navigieren Sie zu „Heimnetz –› Mediaserver“, aktivieren Sie bei „Medienquellen im Heimnetz“ die Option „Keine Einschränkung“, und bestätigen Sie die Eingabe mit „Übernehmen“. Gleichzeitig checken Sie, ob für Ihr NAS-System UPnP in der Fritzbox zugelassen ist. Navigieren Sie dazu im Menü zu „Heimnetz –› Netzwerk“, und suchen Sie Ihren Netzwerkspeicher. Es ist eventuell nicht nur unter der Gerätebezeichnung, sondern mit dem Zusatz „Mediaserver“ aufgeführt – etwa als „Plex-Media-Server-Synology NAS“. Klicken Sie zum Bearbeiten auf das Stiftsymbol. Wählen Sie „Selbständige Portfreigaben für dieses Gerät erlauben“ aus. Damit ermöglichen Sie dem NAS-System, sowohl über UPnP als auch über PCP (Port Control Protocol) Freigaben einzurichten.

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Medien im Heimnetz abspielen

Das NAS-System versteht sich in der Regel mit allen Geräten im Heimnetz, die DLNA verstehen.
Vergrößern Das NAS-System versteht sich in der Regel mit allen Geräten im Heimnetz, die DLNA verstehen.

Wer sich schnell einen Überblick verschaffen will, ob sich Inhalte auf jedes UPnP-AV-fähige Gerät im Heimnetz streamen lassen, greift zum VLC Media Player . Das Programm gibt es für Windows-, Linux-und Mac-OS-Rechner genauso wie als App für Tablets und Smartphones mit Android-und iOS-Betriebssystemen. Am Rechner navigieren Sie unter „Medien –› Datei öffnen“ zur entsprechenden Mediendatei oder geben unter „Medien –› Netzwerkstream öffnen“ den Netzwerkpfad ein. Am Mobilgerät gehen Sie in der geöffneten App unter iOS auf das VLC-Symbol, unter Android auf die drei horizontalen Striche und danach auf „Lokales Netzwerk“. In der folgenden Ansicht sehen Sie eine Liste aller Geräte im Heimnetz, aus der Sie Ihren Netzwerkspeicher auswählen. Daraufhin erscheinen die freigegebenen Ordner mit den Medieninhalten, aus denen Sie die gewünschte Datei auswählen und abspielen.

Mit der VLC-Player-App kann ein NAS Mediendaten streamen.
Vergrößern Mit der VLC-Player-App kann ein NAS Mediendaten streamen.

Für den Zugriff vom Fernseher aufs NAS-System muss im TV-Menü DLNA aktiviert sein. Wo Sie die Option finden, unterscheidet sich je nach TV-Modell. Am besten sehen Sie im Handbuch zum Gerät nach. Bei aktivem DLNA erreichen Sie Ihren NAS-Medienserver, wenn Sie auf Ihrer Fernbedienung auf die Taste „Quellen“, „AV“ oder „Gerät“ drücken. Sie können ihn auswählen und Inhalte aus den freigegebenen Ordnern abspielen.

Neben dem NAS-System muss auch Ihr Router aufs Streamen von Medieninhalten vorbereitet sein.
Vergrößern Neben dem NAS-System muss auch Ihr Router aufs Streamen von Medieninhalten vorbereitet sein.

Manche im Fernseher integrierte Medienplayer können nicht mit allen Formaten umgehen. Haben Sie Probleme beim Abspielen, wechseln Sie zum Plex Media Server . Der Medienplayer lässt sich bei vielen Smart-TVs als App direkt auf den Fernseher laden. Besitzer von Streamingboxen wie Apple TV (ab 160 Euro) oder einem TV-Stick wie Amazons Fire TV (rund 25 Euro) oder Googles Chromecast (etwa 40 Euro) können auch dieses Zubehör dazu verwenden, den Fernseher zum Streaming-Empfänger aufzurüsten.

Je nach verwendetem Mediaplayer installieren Sie die entsprechende App – etwa bei einem Synology-NAS „DS Video“, um Filme abzuspielen. Melden Sie sich in der App mit Ihren Zugangsdaten an.

Zugriff von außen aufs NAS

Von Haus aus ist der Netzwerkspeicher für den Einsatz innerhalb des Heimnetzes gedacht. Er lässt sich jedoch auch so einrichten, dass Sie übers Internet an Ihr NAS-Datenlager kommen. Dazu benötigen Sie eine Übersetzung der internen IP-Adresse in eine öffentliche IP sowie Portweiterleitungen im Router, die die Anfragen von außen erlauben und sie an den richtigen Empfänger im Heimnetz weiterleiten.

Viele NAS-Hersteller bieten Routinen an, um den Zugriff übers Internet einzurichten.
Vergrößern Viele NAS-Hersteller bieten Routinen an, um den Zugriff übers Internet einzurichten.

Viele NAS-Hersteller bieten eigene Dienste an, mit denen sich die nötigen Einstellungen einfacher vornehmen lassen – etwa bei Synology über Quick Connect , bei Qnap über Myqnapcloud oder bei Asustor per EZ-Connect . Die Gemeinsamkeit: Die Services nutzen die Cloud und haben einen DynDNS-Dienst integriert. So müssen Sie nicht unbedingt eine statische IP-Adresse fürs NAS vergeben, und der heimische Netzwerkspeicher lässt sich auf Wunsch mit einem einfachen Hostnamen versehen. Dank des Dienstes sind die Informationen stets mit der derzeit gültigen internen IP-Adresse verknüpft und lassen sich dem NAS-Server zuordnen. Die dafür nötigen Portfreigaben bergen stets ein gewisses Sicherheitsrisiko für den Router und damit Ihr Heimnetz. Starke Passwörter beim Zugriff auf den DynDNS-Dienst sind daher Pflicht, um die Routersicherheit zu gewährleisten.

Bevor Sie sich auf diese bequeme Weise mit Ihrem NAS-System übers Internet verbinden können, müssen Sie bei Ihrem NAS-Hersteller ein Konto anlegen. Manche Hersteller von Netzwerkfestplatten wie etwa Synology integrieren die Anmeldung bei Quick Connect bereits in die Erstinstallation des NAS-Modells. Sie können das jedoch auch jederzeit später erledigen.

Suchen Sie dazu auf Ihrer NAS-Benutzeroberfläche in den Einstellungen nach der Bezeichnung – etwa „QuickConnect“ bei Synology, „EZ-Connect“ bei Asustor oder „myQNAPcloud“ bei Qnap. Das erstellte Konto ist mit dem NAS-Modell verbunden. Hat die Registrierung geklappt, erhalten Sie eine Mail, die Sie bestätigen, um den Vorgang abzuschließen. Während der weiteren Konfiguration vergeben Sie eine NAS-Bezeichnung, die Sie sich gut merken können, und einen Hostnamen. Ist alles erledigt, lässt sich die Verbindung testen.

Kommen Sie nicht auf Anhieb übers Internet auf Ihr NAS-System, stimmt meist etwas mit den Portfreigaben nicht. Überprüfen Sie deshalb, ob sie vom Router korrekt übernommen wurden. In der Regel unterstützen die NAS-Systeme nicht alle, sondern nur bestimmte Routermodelle. Für einen Check sehen Sie bei der Fritzbox in der Browser-Bedienoberfläche unter „Internet –› Freigaben –› Portfreigaben“ nach. Gleichzeitig kann auch beim Netzwerkspeicher während der Autokonfiguration etwas schiefgegangen sein. Sie können die Einstellungen im NAS-Dashboard unter der Cloudbezeichnung des NAS-Herstellers und „DDNS“ oder in den Einstellungen unter „Manuell verbinden“ oder „Externer Zugriff“ überprüfen.

Um übers Internet auf Ihr NAS-System zu kommen, geben Sie die zuvor erstellte Webadresse ein.
Vergrößern Um übers Internet auf Ihr NAS-System zu kommen, geben Sie die zuvor erstellte Webadresse ein.

Zugriff von außen per Webbrowser: Ist nach einem erneuten Test alles erfolgreich eingerichtet, erreichen Sie Ihr heimisches Datenlager, indem Sie die Adresse für den Schnellzugriff im Browser eingeben – etwa http://QuickConnect.to/example123 – und sich mit Ihren Zugangsdaten anmelden.

Zugriff von außen über Apps: Die meisten NAS-Hersteller trennen die Apps für Android-und iOS-Geräte nach Aufgaben. Finden Sie „File“ im App-Namen, können Sie mit der Anwendung von unterwegs Dokumente auf dem NAS-System einsehen, eventuell sogar bearbeiten oder Mediendateien wie etwa Fotos vom Mobilgerät aufs Datenlager uploaden. Die Apps mit „Audio“, „Photo“ und „Video“ in der Bezeichnung konzentrieren sich auf das Genießen, Teilen und Organisieren von Musik, Fotos und Filmen. Das Stichwort „Cam“ kennzeichnet Apps, mit denen Sie Ihre am NAS eingerichtete Überwachungskameras im Auge behalten und Hinweise erhalten.

Bei jeder App melden Sie sich mit den Zugangsdaten für den Fernzugriff an. Die Verbindungen von außen auf Ihr NAS-Laufwerk sind oft merklich langsamer als innerhalb des Heimnetzes. Deshalb sollten Sie anspruchsvolle Upload-Aufgaben aufs Nötigste beschränken. Bei Verbindungen über den Mobilfunk können abhängig von Ihren Vertragsbedingungen zusätzliche Kosten entstehen.

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