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PC aus der Ferne via LAN & WAN aufwecken

05.02.2019 | 08:07 Uhr |

Um aus der Ferne auf den heimischen Server zugreifen zu können, muss dieser eingeschaltet sein. Wer Strom sparen möchten, kann den Rechner jedoch auch über das Netzwerk hochfahren.

Der Netzwerkstandard Wake on LAN (oder kurz „ WOL “) ermöglicht das Starten eines ausgeschalteten PCs beim Empfang eines speziellen Datenpaketes (Magic Packet). Dabei kann der PC komplett heruntergefahren sein oder sich in einem Energiesparzustand befinden. Die Voraussetzung dafür ist, dass sowohl das Mainboard (Hauptplatine) als auch die Netzwerkkarte diesen Standard unterstützen. Das ist bei den meisten halbwegs aktuellen PCs der Fall. Der PC muss am Stromnetz hängen und über Ethernet-Adapter und Netzwerkkabel mit dem Router verbunden sein. WLAN-Adapter beherrschen die WOL-Technik nicht. Der Beitrag erklärt, wie Sie WOL erfolgreich einrichten.

Vorbereitungen und Einstellungen

Die Basis-Funktionen von Wake on LAN arbeiten unabhängig vom Betriebssystem und werden vom Bios beziehungsweise der Firmware des Computers bereitgestellt. Um das Bios/Firmware-Setup aufzurufen, schalten Sie den PC ein und drücken Tasten wie Esc, F2 oder Entf (bzw. Del) auf. Welche Taste auf Ihrem Computer dafür zuständig ist, erfahren Sie im Handbuch der Hauptplatine oder des Notebooks. Nutzer von Windows 8.1 oder 10 klicken vor der Anmeldung im Startbildschirm rechts unten auf das Symbol mit dem Ausschaltknopf. Alternativ klicken Sie nach der Anmeldung auf den Ausschaltknopf (Symbol „Ein/Aus“) im Bildschirm „Start“ (Windows 8.1) beziehungsweise im Startmenü (Windows 10). Halten Sie die Shift-Taste gedrückt, klicken Sie im Menü auf „Neu starten“ und gehen Sie im Menü auf „Problembehandlung -> Erweiterte Optionen -> UEFI-Firmwareeinstellungen“. Klicken Sie auf „Neu starten.

Die Einstellung, sofern vorhanden, finden Sie meist über ein Menü unterhalb von „Advanced“ mit Bezeichnungen wie „Power“, „Power Management“ oder „APM Configuration“. Setzen Sie „Power On By PCI Device“, „Power On By PCI-E“ „Wake Up On Lan“ oder ähnlich auf „Enabled“. Sollte es eine Option wie „ErP Ready“ geben, setzen Sie diese auf „Disabled“. Dabei handelt es sich um eine zusätzliche Stromsparfunktion, die bei einigen Hauptplatinen nicht mit Wake On LAN zusammenarbeitet. Manchmal funktioniert es aber auch, wenn „ErP Ready“ aktiviert ist – da hilft nur ausprobieren.

Wenn die Firmware eine Option wie „Restore AC Power Loss“ oder ähnlich bietet, stellen Sie „Power On“ ein. Bei einem Stromausfall schaltet sich der PC dann automatisch wieder ein. Das kann notwendig sein, weil sich einige Geräte nach einem Stromausfall nicht per Wake On LAN wieder aufwecken lassen.

Windows-Einstellungen: Der Netzwerkadapter muss ebenfalls mitspielen, damit Wake On LAN funktioniert. Drücken Sie die Tastenkombination Win-R, tippen Sie devmgmt.msc ein und bestätigen Sie mit „OK“. Im Gerätemanager erhalten Sie unter „Netzwerkadapter“ nach Doppelklick auf die Ethernet-Netzwerkkarte Einblick in deren „Eigenschaften“. Eventuell finden Sie unter „Erweitert“ einen Eintrag wie „Bei Magic Packet aufwecken“, „Aktivierung durch Magic Packet“ oder „Wake Up Capabilities“, den Sie auf „Aktiviert“ setzen. Zusätzlich gibt es bei allen jüngeren Netzwerkkarten auf der Registerkarte „Energieverwaltung“ die Option „Gerät kann den Computer aus dem Ruhezustand aktivieren“. Schalten Sie diese mit einem Häkchen scharf.

Die weitere Option „Nur Magic Packet kann Computer aus dem Ruhezustand aktivieren“ lassen Sie inaktiv, wenn der Rechner im lokalen Netzwerk auch durch den Zugriff auf Freigaben geweckt werden darf.

Sollten die genannten Einstellungen auf Ihrem PC nicht zu finden sein, ist wahrscheinlich ein Windows-Standardtreiber installiert. Wake on Lan kann trotzdem funktionieren. Probieren Sie es einfach aus. Andernfalls installieren Sie einen besseren Treiber, den Sie im Downloadbereich des Hardware-Herstellers finden.

Energiespareinstellungen: Windows 8.1 und Windows 10 verwenden eine Schnellstartfunktion. Bei Herunterfahren beendet Windows zwar alle Programme, speichert jedoch den Zustand von Kernel und Treiber. Das System benötigt dadurch weniger Zeit für den Start. Die Schnellstartfunktion kann jedoch Wake On LAN behindern und sollte daher abgeschaltet werden. Suchen Sie über das Startmenü nach Energie, klicken Sie auf „Energiesparplan auswählen“ und dann auf „Auswählen, was beim Drücken von Netzschaltern geschehen soll“. Klicken Sie auf „Einige Einstellungen sind momentan nicht verfügbar“ und entfernen Sie das Häkchen vor „Schnellstart aktivieren (empfohlen)“. Übernehmen Sie die Einstellung per Klick auf „Änderungen speichern“.
Blättern Sie eine Seite zurück und klicken Sie auf „Energiesparplaneinstellungen ändern“. Hier sollte hinter „Energiesparmodus nach:“ ein für Sie sinnvoller Wert eingestellt sein. Der Standard ist „30 Minuten.“

Eine der entscheidenden Hardware-Voraussetzungen für Wake on Lan: Die Ethernet-Netzwerkkarte muss den Empfang eines Magic Packet beherrschen.
Vergrößern Eine der entscheidenden Hardware-Voraussetzungen für Wake on Lan: Die Ethernet-Netzwerkkarte muss den Empfang eines Magic Packet beherrschen.

IP- und MAC-Adresse ermitteln

Das Magic Packet, das sich per Software an den PC senden lässt, enthält die eindeutige MAC-Adresse des Zieladapters und wird daher nur von diesem akzeptiert und von allen anderen Rechnern verworfen.

Daher brauchen Sie zum Versenden der WOL-Nachricht die MAC-Adresse des Zielrechners. Die MAC-Adresse ist eine weltweit eindeutige ID für den Netzwerkadapter. Diese ermitteln Sie am schnellsten in der Eingabeaufforderung (cmd.exe) mit dem Befehl ipconfig /all. Die MAC-Adresse erscheint als „Physische Adresse“ unter dem „Ethernet Adapter“ und hat die Form XX-XX-XX-XX-XX-XX mit den Hex-Werten 0 bis F. Hinter „IPv4-Adresse“ sehen Sie die IP-Adresse des PCs.

Wer die grafische Oberfläche bevorzugt, ruft bei Windows 10 die „Einstellungen“ auf (Tastenkombination: Win-I) und geht auf „Netzwerk und Internet“. Klicken Sie auf „Ethernet“ und dann im rechten Bereich des Fensters auf „Netzwerk“. MAC- und IP-Adresse erscheinen im unteren Bereich des Fensters unter „Eigenschaften“.

IP-Adresse festlegen: Da Sie sich beim Fernzugriff auf diese IP verlassen müssen, ist es zwingend erforderlich, dass dieser PC keine wechselnde IP (über DHCP) bezieht, sondern eine feste IP besitzt. Die lässt sich am PC selbst unter Windows in der Systemsteuerung („Netzwerkverbindungen“ > Eigenschaften > Internetprotokoll Version 4“) anfordern. Nutzer von Windows 10 gehen in den „Einstellungen“ auf „Netzwerk und Internet“, klicken auf „Adapteroptionen ändern“ und wählen im Kontextmenü des Ethernet-Adapters „Eigenschaften“. In den „Eigenschaften“ von „Internetprotokoll Version 4 (TCP/IPv4)“, legen Sie die IP-Adresse fest.

Meist ist es einfacher, eine feste IP-Adresse im DSL-Router zu konfigurieren. Bei einer Fritzbox beispielsweise gehen Sie auf „Heimnetz -> Heimnetzübersicht“ und klicken beim gewünschten PC auf „Details“. Setzen Sie ein Häkchen vor „Diesem Netzwerkgerät immer die gleiche IPv4-Adresse zuweisen.“

Rechner im lokalen Netz aufwecken

Laden Sie die Tools Wake On Lan GUI und Wake on Lan Monitor herunter. Zum Testen kopieren Sie Wake on Lan Monitor auf den PC, den Sie über das Netzwerk aufwecken wollen. Starten Sie das Tool und klicken Sie auf „Start“. Wake On Lan GUI verwenden Sie auf einem anderen PC im Netzwerk. Tragen Sie die zuvor ermittelte MAC-Adresse in der Form XX-XX-XX-XX-XX-XX ein. Verwenden Sie Bindestriche statt Doppelpunkte. Tippen Sie außerdem die IP-Adresse des Ziel-PCs ein und die Subnetzmaske, beispielsweise 192.168.178.39 und 255.255.255.255. Unter „Send Options“ wählen Sie „Internet“. In beiden Tools muss die gleiche Port-Nummer eingetragen sein, was standardmäßig der Fall ist. Klicken Sie auf „Wake Up“. Im Wake on Lan Monitor erscheint jetzt das empfangene Paket. Es besteht aus den sechs Hex-Werten „FF“, danach folgt mehrmals die MAC-Adresse.

Schicken Sie den Ziel-PC in den Standby-Modus („Energie sparen“) oder fahren Sie ihn herunter. Wenn Sie jetzt in Wake On Lan GUI auf „Wake Up“ klicken, fährt der Ziel-PC hoch.

Ein weiteres Windows-Tool heißt Wake On LAN 2 (WOL2) . Wir haben die Version 2.1 Beta 1 ausprobiert. Das Tool ist etwas komplizierter zu konfigurieren, biete dafür aber die Verwaltung von mehreren Ziel-Rechnern beziehungsweise von unterschiedlichen Konfigurationen. Klicken Sie im Tool auf „Neuer Host“. Tragen Sie den Namen des PCs ein, den Sie aufwecken wollen, außerdem die IP- und MAC-Adresse. Hinter „WOL Modus:“ belassen Sie „Standard“. Sollte das nicht funktionieren, probieren Sie „Broadcast“, „Netcast“ und „Direkt“ aus. Klicken Sie auf „OK“, um die Konfiguration zu speichern. Per Klick auf die Schaltfläche „Aufwecken“ senden Sie das Magic Packet und der Ziel-PC startet beziehungsweise er erwacht aus dem Standby.

Tipp: Für Linux gibt es ein ähnliches Tool mit dem Namen Gwakeonlan . Es ist in den Software-Repositorien der bekannten Distributionen standardmäßig enthalten.

Wake On LAN 2: Das Tool kann mehrerer Konfigurationen für unterschiedliche PCs verwalten und bietet nützliche Zusatzfunktionen.
Vergrößern Wake On LAN 2: Das Tool kann mehrerer Konfigurationen für unterschiedliche PCs verwalten und bietet nützliche Zusatzfunktionen.

Der Fernstart über das Internet

Deutlich schwieriger wird es, einen PC außerhalb des lokalen Netzwerks über das Internet aufzuwecken. Zunächst brauchen Sie eine feste Adresse, über die Sie Ihren Router von außen erreichen können. Da sich die externe WAN-IP (öffentliche IP) Ihres Routers täglich sowie bei jedem Gerätestart ändert, benötigen Sie ein Konto bei einem dynamischen DDNS-Dienst, der die wechselnde WAN-IP in eine feste URL übersetzt. Ein empfehlenswerter Gratis-Dienst dafür ist https://spdyn.de . Hier erhalten Sie bis zu fünf Domain-Namen, die sich mit einer IPv4- oder IPv6-Adresse verknüpfen lassen. Für Dlink-Kunden gibt es kostenlose Adressen auf https://www.dlinkddns.com . Besitzer einer Fritzbox können Myfritz nutzen.

Sobald Sie das DDNS-Konto haben, tragen Sie dessen Adresse in Ihrem Router als dynamische DNS-Domäne ein. Alle halbwegs jüngeren Router besitzen diese Funktion, typischerweise etwa unter „Extras“ oder „Erweitert“ und einem Unterpunkt wie „Dynamischer DNS“. Im nächsten Schritt müssen Sie in der Konfiguration des Routers einen beliebigen öffentlichen Port öffnen.
Die einschlägige Stelle im Router lautet „Portfreigaben“, „Port-Weiterleitung“ oder auch „Virtueller Server“. Am besten verwenden Sie als öffentlichen Port eine hohe fünfstellige Nummer zwischen 49152 und 65535. Als privaten Port tragen Sie Port 9 ein, auf den der öffentliche Port weitergeleitet wird. Damit dies beim gewünschten Zielrechner ankommt, tragen Sie dessen (feste) IP ein.
Bei einer Fritzbox (Fritz!OS 06.85) müssen Sie zusätzlich die Konfiguration des PCs unter „Heimnetz -> Heimnetzübersicht -> Netzwerkverbindungen“ aufrufen und ein Häkchen vor „Diesen Computer automatisch starten, sobald aus dem Internet darauf zugegriffen wird.“ setzen. Hier gibt es übrigens auch die Schaltfläche „Computer starten“ über die Sie Wake On LAN über die Oberfläche der Fritzbox testen können. Das kann übrigens auch eine Notlösung sein, wenn die genannten WOL-Tools nicht funktionieren oder gerade nicht verfügbar sind. Voraussetzung ist dann aber, das Sie den Fernzugriff auf die Fritzbox konfiguriert haben („Internet -> Freigaben -> FRITZ!Box-Dienste“).

Im Tool Wake On Lan GUI sind nun im Unterschied zum lokalen Weckruf folgende Änderungen nötig: Neben „Internet Address“ tragen Sie den Namen – nicht die IP – Ihrer DDNS-Adresse ein, etwa „mustermann.dlinkddns.com“. Beim „Remote Port Number“ setzen Sie statt Port „4343“ den im Router freigegebenen Port mit der fünfstelligen Nummer ein.

Portweiterleitung im Router: Das Prinzip ist bei allen Routern identisch, Vorgehensweise und Terminologie unterscheiden sich aber oft erheblich.
Vergrößern Portweiterleitung im Router: Das Prinzip ist bei allen Routern identisch, Vorgehensweise und Terminologie unterscheiden sich aber oft erheblich.

Wake on Lan ist Bastelarbeit

Die Broadcast-Nachricht an alle Rechner im lokalen Netz, die dann den PC mit der richtigen MAC-Adresse aufweckt, arbeitet bei geeigneter Hardware meist zuverlässig. Wake on Lan via Internet hat hingegen seine Tücken: Da mehrere Hardware-Komponenten mitspielen müssen und eine ganze Reihe von Konfigurationsschritten notwendig ist, ist die Fehlersuche nicht trivial. Im Rechner muss die Netzwerkkarte die Option anbieten, den PC aus dem Ruhezustand wecken zu können, und sein Motherboard muss die Funktion beherrschen.

Der Router muss DynDNS und Portweiterleitung anbieten; das ist in der Regel keine Hürde, jedoch „vergessen“ viele Billig-Router PCs im Netz, sobald diese einige Zeit abgeschaltet waren. Dann funktioniert das Aufwecken zwar theoretisch, aber nicht praktisch. Sollte das Aufwecken beim heruntergefahrenen PC nicht funktionieren, schicken Sie ihn nur in den Standby-Modus („Energie sparen“). Manchmal hilft es, dem PC, der in jedem Fall eine feste IP für die Portweiterleitung braucht, diese IP im Router zu reservieren (nicht am PC selbst).

Wenn das Aufwecken technisch einwandfrei funktioniert, gilt es noch einige zusätzliche Fallen zu beachten, vor allem, wenn der Rechner komplett heruntergefahren wird: Dann muss etwa in einer Multibootkonfiguration das richtige Betriebssystem automatisch starten. Ferner muss für einige Serverdienste die automatische Windows-Anmeldung eingerichtet sein, was Windows nach Win-R im Ausführen-Dialog mit dem Aufruf von „control controlpasswords2“ ermöglicht. Dort gibt es die normalerweise aktive Option „Benutzer müssen Benutzernamen und Kennwort eingeben“. Und schließlich muss sichergestellt sein, dass das benötigte Server-Programm automatisch gestartet wird.

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