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Open 365 in der Cloud, die Google Docs Alternative

09.12.2016 | 11:00 Uhr |

Software wandert immer stärker in die Cloud. Statt ein Programm lokal zu installieren, wird es als Onlinedienst angeboten. Google und Microsoft haben es mit ihren Office-Anwendungen vorgemacht, Open 365 ist die Open-Source-Alternative.

In der Vergangenheit hat es immer mal wieder Versuche gegeben, die Funktionen von Open/Libre Office online darzustellen. Das scheiterte bislang immer entweder an mangelnder Stabilität der Lösung oder an einer unzureichenden Funktionstiefe. Open 365 soll das ändern: Open 365 ist ohne Zweifel eine vielversprechende Alternative zu Google Docs, zeigt aber im derzeitigen Betastadium noch einige Mängel.

Office-Komponenten plus Speicherplatz

Open 365 besteht aus den drei Komponenten Writer, Calc und Impress, die alle online nutzbar sind. Ebenfalls enthalten sind eine onlinefähige Version von Gimp sowie ein Mailclient. Die Programme sind über eine zentrale Oberfläche zugänglich, die auch die Aufgabe der Dateiverwaltung übernimmt. Für die Registrierung ist lediglich die übliche Kombination aus E-Mail-Adresse und Passwort notwendig. Zu einem Benutzerkonto gehören derzeit kostenlose 20 GB Speicher auf dem Server, die auch für eine größere Sammlung an Dokumenten genügen sollten.

Neben den Programmen haben die Entwickler auch Clients für die Datensynchronisation fertiggestellt, die bislang für alle Debian-basierten Linux-Systeme (Debian, Ubuntu, Mint u. a.) sowie für Windows und Mac-OS X zur Verfügung stehen. Die Synchronisation basiert auf der bekannten Dropbox-Alternative Seafile. Damit lassen sich dann auch lokale Ordner und Dateien mit dem Server abgleichen. So kann stets an der aktuellen Version gearbeitet werden. Der Hub ist die zentrale Anlaufstelle, um Dokumente manuell hochzuladen und zwischengespeicherten Versionen zu wechseln. Integriert wurde auch ein Bildbetrachter, so dass keine weitere Software notwendig ist, um sich einen Eindruck von einer gespeicherten Grafikdatei zu verschaffen. Zu den Einschränkungen, mit denen der Nutzer in der Betaphase noch leben muss, gehört die Tatsache, dass Open 365 derzeit eine nur eine englische oder spanische Oberfläche anbietet. Wer Erfahrung mit Libre Office oder Open Office mitbringt, wird sich aber sofort zurechtfinden.

Zwischen den verschiedenen Anwendungen kann der Nutzer jederzeit mit einem Klick auf den kleinen Schalter am oberen Bildschirmrand wechseln. Dieser führt zurück zur Startseite (Hub), um dort Dateien zu verwalten oder eine Komponente aus dem Office-Paket zu laden.

Das Hub von Open 365: Das Hub dient als Zentrum und als Dateiverwaltung des Online-Office.
Vergrößern Das Hub von Open 365: Das Hub dient als Zentrum und als Dateiverwaltung des Online-Office.

Textverarbeitung Writer online

Nach dem Log-in dauert es naturgemäß einige Sekunden, bis eine Software vollständig geladen ist. Daran ändert auch eine schnelle Internetverbindung nichts. Um seine Qualitäten zu beweisen, haben wir den Writer mit Dokumenten aus dem Redaktionsalltag gefüttert.

Die bestehenden Formatierungen und Formatvorlagen wurden allesamt problemlos übernommen. Anschließend kann wie gewohnt weitergearbeitet werden. Sind Grafiken in das Dokument eingebunden, werden diese ebenfalls fehlerfrei dargestellt. Mit aktivierter Datensynchronisation kann der Nutzer nahtlos mit einer lokalen Kopie weiterarbeiten. Dies ist für das Finish der Dokumente auch notwendig, da die Rechtschreibprüfung trotz Wechsel der Sprache keine Fehler moniert. Tipp-und Reaktionsgeschwindigkeit sind gut. Bei einer etwas instabilen Internetverbindung verliert die App aber gelegentlich die Verbindung.

Zähes Impress mit perfektem Powerpoint-Import

Wie bei anderen Komponenten von Open 365 steht über den Templatemanager aus dem Menü „File“ eine Vielzahl von Vorlagen zur Verfügung. Wird eine bereits existierende Datei hochgeladen, werden die darin verwendeten Stilmittel verwendet. Impress ist indes eine Komponente, die derzeit bei der Reaktionszeit rasch an die Grenzen kommt, wenn Folien viele Grafiken enthalten. Das Blättern zwischen Seiten oder Positionieren von Elementen wird dann rasch zäh. Die Rechtschreibprüfung funktioniert auch hier nicht. Ein finaler Korrekturlauf vor der Fertigstellung muss also ebenfalls an einer lokalen Kopie durchgeführt werden. Präsentationen des aktuellen Powerpoint-Formats werden fehlerlos eingelesen und bearbeitet.

Calc mit allen Standardfunktionen

Wie die beiden anderen Komponenten stammt auch die Tabellenkalkulation aus der 5er-Version des Office-Pakets und ist damit aktuell. Probleme bereiten lediglich Dateien, die sich auf externe Dateien beziehen und entsprechende Verknüpfungen enthalten. Diese gehen beim Upload notwendigerweise verloren. Ansonsten versteht das Online-Calc alle gewohnten Funktionen und Formeln. Gelegentlich kommt es zu kleineren Unschönheiten bei der Bedienung: Wird eine Datei geschlossen, landet der Nutzer nicht wie eigentlich zu erwarten im Hub, sondern auf der Übersichtsseite des Office-Pakets. Von dort aus erschließt es sich nicht intuitiv, unter welchem Verzeichnis die eigenen Dokumente gespeichert sind.

Libre Office: Der Writer von Open 365 kommt mit existierenden Dateien problemlos zurecht.
Vergrößern Libre Office: Der Writer von Open 365 kommt mit existierenden Dateien problemlos zurecht.

Gimp und E-Mails mit Kontact

Mit Gimp haben sich die Entwickler für ein Schwergewicht in Sachen Grafikbearbeitung entschieden. Im Hub hat der Nutzer die Wahl, ein Bild nur mit dem Betrachter anzusehen oder mit Gimp zu öffnen. Angeboten wurde bei Redaktionsschluss mit Version 2.9.2 eine aktuelle Version mit vorinstallierten Filtern und Effekten. Wer sich mit der Software auskennt, kann also somit von jedem Punkt mit Internetanschluss seine Fotos bearbeiten. Die Arbeitsgeschwindigkeit ist auch beim Einsatz von mehreren Ebenen ansprechend.

Um das Angebot des Pakets zu komplettieren, wurde mit Kontact eine aus der KDE-Ecke bekannte Groupwarelösung eingebunden. Kontact verwalten Adressen, kümmert sich um Termine und bietet einen integrierten Mailclient. Um die E-Mails von einem eigenen Server oder Drittanbieter abrufen zu können, sollte der Mailaccount per IMAP laufen. Ist das der Fall, kann unter Open 365 beispielsweise auch auf Google Mail oder andere Freemailer zugegriffen werden. Über das Menü „Settings“ lässt sich danach im Abschnitt „Mail“ eine neue Identität mitsamt den Zugangsdaten für den Server anlegen. Der integrierte Kalender erleichtert die Koordination von Terminen und Besprechungen zwischen mehreren Teilnehmern. Die eingesetzte Version ist zwar nicht brandaktuell, erfüllt aber ihren Zweck.

Open 365 für den eigenen Server

Wer fremden Servern misstraut oder Freunden und Bekannten ein Online-Office auf dem eigenen Server anbieten möchte, kann auf Github alle notwendigen Komponenten herunterladen ( https://github.com/Open365/Open 365/ ). Die Installation ist auch für weniger erfahrene Anwender möglich, die sich nicht scheuen, auf der Konsole des Servers zu arbeiten. Es ist dabei lediglich zu beachten, dass Open 365 nur auf Systemen läuft, auf denen Selinux deaktiviert wurde.

Die Einrichtung von Open 365 ist auf der Github-Seite des Projekts ausführlich beschrieben.

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