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Unbekannte Linux-Tools für alltägliche Probleme

16.05.2019 | 10:05 Uhr | Hermann Apfelböck

Kleine und clevere Linux-Programme für Desktop und Terminal gibt es Tausende. Wir halten uns hier an möglichst systemnahe Tools, die nicht jeder Nutzer auf dem Radar hat oder deren Funktionsumfang und Bedienungsoptionen unterschätzt werden.

Die Problematik, Linux-Kennern „unbekannte Tools“ vorzustellen, ist uns bewusst. Um erwartungsgemäßer Kritik auszuweichen, könnten wir uns auf abgelegene Pfade begeben und sehr eng spezialisierte Netzwerkanalysten, Dateikryptologen oder Formatkonvertierer ausgraben. Mit der Gefahr allerdings, dass die meisten Linux-Nutzer in einer solchen Sammlung kaum alltagstaugliche Funde machen. Die nachfolgenden vorgestellten Tools und Funktionen sind daher ein Kompromiss, der Nutzwert und Alltagstauglichkeit in den Vordergrund stellt. Linux-Kenner werden einige Kandidaten antreffen, die ihnen durchaus bekannt sind. Die Toolsammlung hält aber garantiert auch für Insider überraschende Funde parat. Alle Tools werden praxisnah erklärt

Cubic: Angepasstes Ubuntu live

„Cubic“ ist das Akronym für „Custom Ubuntu ISO Creator“. Eigentlich ist Cubic nur ein grafisches Front-End für die Linux-Fähigkeiten, in gemountete ISO-Images mit einer Chroot-Umgebung neue Dateien einzubauen und danach ein geändertes ISO zu schreiben. Angesichts von Cubic wird das aber kein normaler Anwender manuell machen wollen. Der Schritt-für-Schritt-Assistent ist vorbildlich übersichtlich, erweitert die Standard-Livemedien von Ubuntu & Co. mühelos um Software und Benutzerdateien und baut damit optimierte Livesysteme. Detailliertere Anpassungen sind möglich, setzen aber auch mit Cubic gute Kenntnis der Verzeichnishierarchie des Livesystems voraus.

Das Tool installieren Sie mit folgenden Terminalbefehlen:

sudo apt-add-repository ppa:cubicwizard/release
sudo apt-key adv --keyserver keyserver.ubuntu.com --recv-keys 6494C6D6997C215E
sudo apt update
sudo apt install cubic

Nach dem Start geben Sie erst ein (beliebiges) „Project Directory“ an, wo Cubic das Livesystem zusammenbauen soll. Nach „Next“ und „Select“ wählen Sie zunächst das ISO-Image des originalen Livesystems. Weitere Änderungen sind in diesem Dialog nicht nötig und nach „Next“ wird das Dateisystem des ISO-Abbilds temporär ausgepackt.

Nach weiterem „Next“ wird es spannend: In chroot-Konsole können Sie jetzt alle Anpassungen erledigen. Mitapt install […] rüsten Sie alles nach, was dem originalen Livesystem nach Ihrer Meinung fehlt. Benutzer-und Konfigurationsdateien können Sie einfach per Drag & Drop vom laufenden System in die chroot-Konsole von Cubic ziehen und dann mit der „Copy“-Schaltfläche in das Livesystem integrieren. Beachten Sie dabei, vorher mitcd in der chroot-Konsole in das gewünschte Verzeichnis zu wechseln – genau dort werden die Dateien später vorliegen. Sie können auch mitmkdir Ordner erstellen, um das Livesystem zu optimieren. Im konkreten Beispiel des von uns gewählten Lubuntu lautet das Live-Konto „lubuntu“, jedoch existiert kein Home-Ordner für dieses Konto. Wenn Sie dieses mit

mkdir /home/lubuntu

anlegen, können Sie es mit weiteren Ordner bestücken (etwa „Desktop“, „Bilder“) und diese wiederum mit Benutzerdateien sowie Konfigurationsdateien füllen („.bashrc.“ etc), aber auch mit einer kompletten Thunderbird-Konfiguration. Um Ordner und Dateien richtig anzulegen, sollten Sie die Ordnerstruktur des originalen Livesystems gut kennen oder parallel vor sich haben.

Mit „Next“ verlassen Sie die chroot-Konsole, mit weiterem „Next“ die Paketübersicht. Danach wird das angepasste System zusammengebaut. Das fertige ISO können Sie mit den üblichen Werkzeugen auf DVD brennen oder auf USB schreiben.

Trotz Beschränkung auf Ubuntu & Co. ist Cubic aktuell das wohl komfortabelste Tool, um Livesysteme individuell aufzubessern. Das im nächsten Punkt beschriebene Systemback ist im Prinzip noch flexibler, wird aber nicht mehr aktualisiert und hat technische Hürden.

Systemback: Individuelles Livesystem

(Ubuntu-)Livesysteme mit Systemback.
Vergrößern (Ubuntu-)Livesysteme mit Systemback.

Systemback kann aus einem laufenden Ubuntu oder Linux Mint ein identisches Livesystem schreiben. Das erlaubt ein sehr individuelles Livesystem mit der nötigen Software und allen Voreinstellungen für Browser, Mailprogramm, Dateimanager. Systemback wurde mit Ubuntu 16.10 eingestellt und das betreffende PPA wird nicht mehr unterstützt, kann aber in jüngerem Ubuntu/Mint wie folgt aufgenommen werden:

sudo add-apt-repository "deb http://ppa.launchpad.net/nemh/systemback/ubuntu xenial main"
sudo apt-key adv --keyserver key server.ubuntu.com --recv-keys 382 003C2C8B7B4AB813E915B14E4942973C62A1B
sudo apt update
sudo apt install systemback

Danach finden Sie das Tool im Menü. Die einschlägige Schaltfläche lautet „Erstellung Live System“ („Live system create“). Diese öffnet einen gleichnamigen Unterdialog („Erstellung Live System“), wo Sie mit „Neu erstellen“ („Create new“) zunächst das Image des laufenden Basissystems anlegen – dieses landet mit der Endung „.sblive“ standardmäßig im Verzeichnis „/home“. Ist der Vorgang abgeschlossen, erscheint das Image unter „Erstellte Live-Abbilder“ („Created Live images“). Das hier markierte Abbild konnte Systemback früher umstandslos bootfähig auf einen eingelegten USB-Datenträger schreiben („In den Zielort schreiben“ oder „Write to target“). Seit der Einstellung des Projekts verweigern solche Livesysteme aber regelmäßig den Bootvorgang („filesystem.squashfs failed: no such device“). Trotzdem erachten wir Systemback weiterhin als wertvolle Hilfe, denn das Programm kann das erstellte Image („*.sblive“) mit der Schaltfläche „In ein ISO umwandeln“ („Convert to ISO“) in das Standard-CD/DVD-Format konvertieren. Dieses ISO-Image ist dann durchaus auch auf USB bootfähig, wenn Sie es mit einem Tool wie Gnome-Disks („Laufwerksabbild wiederherstellen“) oder mit dd auf ein USB-Medium übertragen.

Multiboot-USB: Livesystem-Sammlung auf USB

Aktuell das komfortabelste, zudem plattformübergreifende Tool für Multiboot-Sticks.
Vergrößern Aktuell das komfortabelste, zudem plattformübergreifende Tool für Multiboot-Sticks.

Wer auf USB-Sticks oder USB-Festplatten eine ganze Sammlung an Livesystemen unterbringen will, hat unter die Linux die Wahl zwischen Multisystem und Multiboot-USB. Beide Tools funktionieren, aber aufgrund der einfacheren Bedienung und der funktional identischen Windows-Variante empfehlen wir Multiboot-USB (aktuelle Version 9.2.0 unter http://multibootusb.org/page_download/ verfügbar). Multiboot-USB macht sowohl Multisystem für Linux wie Yumi für Windows weitgehend überflüssig.

Aber Multiboot-USB läuft natürlich als Software auch unter jedem anderen Linux. Eventuell finden Sie es auch in den Paketquellen, also im grafischen Softwarecenter oder als Paketname „python3-multibootusb“ für die Terminalinstallation

sudo apt install python3-multibootusb

unter Debian, Ubuntu & Co.

Die Arbeitsweise des Tools ist im genannten Artikel beschrieben. Wichtig ist, bei der Angabe des USB-Mediums die Partitionsangabe „/dev/sd[xn]“ zu verwenden, nicht den Gerätenamen „/dev/sd[x]“. Neue Liveabbilder lassen sich unter Angabe der ISO-Datei mit „Install distro“ hinzufügen, bereits vorhandene mit „Uninstall distro“ auch wieder entfernen.

Relevant: Pannen & Lösungen für typische Linux-Probleme

Miniupnpc: Fritzbox-Abfragen

Das Tool Miniupnpc kann Infos vom Fritzbox-Router abfragen und somit den Gang in dessen Konfigurationsoberfläche ersparen beziehungsweise automatisieren. Eine häufig gestellte Frage ist etwa die nach der externen WAN-IP. Miniupnpc ist in den Paketquellen enthalten und in Debian & Co. mittels des Befehls

sudo apt install miniupnpc

schnell nachinstalliert. Um gezielt die externe IP zu filtern, ist dieser Befehl

upnpc -s | grep "External"

geeignet. Noch schneller ist eine Fritzbox- Abfrage mit dem meist vorinstallierten Tool wget, die allerdings sehr kompliziert ausfällt (Fritzbox 6490/7490):

wget -qO- "http://fritz.box:49000/igdupnp/control/WANIPConn1" --header "Content-Type: text/xml; charset="utf-8"" --header "SoapAction:urn:schemas-upnp-org :service:WANIPConnection:1#GetExternalIPAddress" --postdata="<? xml version='1.0' encoding='utf-8'?><s:Envelopes:encodingStyle='http://schemas.xmlsoap.org/soap/encoding/' xmlns:s='http://schemas.xmlsoap.org/soap/envelope/'><s:Body><u:GetExternalIPAddress xmlns:u='urn:schemas-upn-p-org: service:WANIPConnection:1' /></s:Body></s:Envelope>" | grep -Eo '\<[[:digit:]]{1,3}(\.[[:digit:]]{1,3}){3}\>'

Abgesehen vom abschließenden Grep-Filter funktioniert der Befehl auf jedem Betriebssystem. Einige weitere Abfragebeispiele für andere Fritzbox-Modelle finden Sie unter https://wiki.ubuntuusers.de/FritzBox/Skripte/ .

Open SSH Server: VPN ohne VPN-Server

Socks-Proxy in Firefox.
Vergrößern Socks-Proxy in Firefox.

Der nachfolgende Trick basiert auf einer kaum bekannten Fähigkeit eines allgegenwärtigen Linux-Tools: Der SSH-Server, der auf den meisten Linux-Systemen sowieso schon läuft, kann nebenher als Proxyserver dienen und allen Browsern und Programmen eine Schnittstelle über das Socks-Protokoll bieten. Der Socks-Proxy nutzt die IP des entfernten Systems für Besuche auf Webseiten und schützt den eigenen Traffic im lokalen Netz durch Verschlüsselung wie in einem VPN.

Bei Bedarf ist der SSH-Serverdienst in Debian, Ubuntu & Co. mit

sudo apt-get install openssh-server

schnell nachinstalliert. Der aufwendigere Schritt ist die Vorbereitung des Serversystems, um über das Internet erreichbar zu werden. Hier ist eine Portweiterleitung im Router zum Rechner mit dem Socks-Proxy erforderlich – mit dem Standardport 22. Ebenfalls Standard in solchen Fällen ist die Einrichtung eines dynamischen Hostnamens etwa über No-IP , Free DNS () oder ähnliche Dienste. Danach sind dann Anmeldungen über SSH aus dem Internet heraus möglich: Der Browser unterwegs geht dann über den heimischen Anschluss ins Internet.

1. Zum Aufbau der Verbindung verbinden Sie sich in einem Terminalfenster mit folgendem Befehl

ssh -ND 8080 [User]@[Hostname]

zum Server zu Hause. Das Terminalfenster bleibt anschließend für die Dauer der Verbindung geöffnet.

2. Steht die SSH-Verbindung, geht man in die Browsereinstellungen und trägt dort als „SOCKS Host“ beziehungsweise „SOCKS Proxy“ einfach „localhost“ ein und als Port „8080“. Ab jetzt gehen die Browseranfragen per SSH zunächst zum Server, der die Webseiten als Proxy abruft und verschlüsselt zurück zum Browser schickt. Das Terminalfenster muss dazu geöffnet bleiben.

Für Windows-Clients mit dem Tool Putty ist solche SSH-Verbindung ebenfalls erreichbar, aber etwas komplizierter. Nach dem Eintrag der Serveradresse unter „Session“ ist der Punkt „Connection –› SSH –› Tunnels“ einschlägig: Hier tragen Sie unter „Source Port“ eine Portnummer für den Tunnel ein, etwa die 8080. Außerdem aktiviert man die Option „Dynamic“. Danach gehen Sie auf „Add“, um einen Eintrag unter „Forwarded Ports“ zu erzeugen. Im Browser, am besten in Firefox, der seine eigene Proxykonfiguration mitbringt, ist jetzt ein Besuch der Proxyeinstellungen nötig: Unter „Einstellungen –› Netzwerk-Proxy –› Einstellungen“ aktivieren Sie die „Manuelle Proxy-Konfiguration“ und geben unter „SOCKS-Host“ den „localhost“ ein und als Port den zuvor in Putty eingerichteten Sourceport, in unserem Beispiel „8080“.

Conky: Systeminfos für Bastler

Conky-Infos für Bastler.
Vergrößern Conky-Infos für Bastler.

Conky ist ein völlig offener Monitor für Systeminformationen aller Art. Datum, Wetter, System, CPU, RAM, Festplatten, Sensoren, Akkuladestand, IP-Adresse, Uptime, Konto – Conky kann alles Mögliche in jeder Gestalt darstellen. Einige Distributionen wie Bunsenlabs oder Voyager-OS liefern Conky standardmäßig und mit diversen Infovarianten aus, auf anderen Systemen kann Conky nachinstalliert werden (Debian/Ubuntu):

sudo apt install conky-all

Gesteuert wird Conky durch die Textdatei „~/.conkyrc“, deren Gerüst Sie sich am besten von der Standarddatei abholen:

cp /etc/conky/conky.conf ~/.conkyrc

Aber keine Frage: Conky ist ein Sport. Ohne genaue Durchsicht der Webseiten http://conky.sourceforge.net/variables.html und –noch besser mit Beispielen – www.ifxgroup.net/conky.htm steigen Sie da nicht durch. Erfreulich ist aber, dass sich die Conky-Anzeige bei jedem Speichern der „~/.conkyrc“ automatisch neu lädt und somit das Ergebnis sofort zu kontrollieren ist.

Wichtige Anweisungen für das Aussehen sind „alignment“ (Ort am Desktop, etwa „middle_left“), „own_window_type“ („normal“ bedeutet normales Fenster mit Titelleiste, „desktop“ schreibt ohne Fenster einen Overlaytext), „own_window_transparent“ (Transparenz – Achtung: Lesbarkeit abhängig vom Desktophintergrund) und „update_interval“. Beim eigentlichen Text ab „conky.text =“ können Sie an beliebiger Stelle mit den Variablen „font“ und „color“ eine neue Einstellung treffen. Eine Anweisung wie

${color yellow}

gilt so lange, bis eine andere Farbanweisung folgt. Mit zahlreichen internen Variablen wie „$mem“, „$cpu“, „${address eth0}“, „$fs_size“ kann Conky nicht nur Systeminfos auslesen, sondern auch Audioplayer wie Music on Console (moc) steuern. Mit der Variable „$exec“ lässt sich theoretisch jeder Bash-Befehl einbauen:

${exec uptime}

Wo immer Conkey eine eigene Variable (hier „$uptime“) anbietet, ist diese aufgrund der geringeren Systemlast zu bevorzugen. Ein Conky-Beispiel finden Sie in der begleitenden Codesammlung unter https://paste.ubuntu.com/p/wkxFBVH6Mz/ .

Der Start eines Conky sollte stets mit Parameter „-b“ (conky -b) erfolgen, weil sich sonst Buchstaben durch die Iteration eventuell unschön überlagern. Wer die Conky-Info nicht permanent benötigt, startet sein Conky mitconky -b -i 60, wonach die Anzeige nach etwa 30 Sekunden wieder automatisch schließt.

Linux-Live: Die besten Rettungssyteme im Überblick

Plank: Das Dock und seine „Einstellungen“

Plank und der Konfigurationsdialog.
Vergrößern Plank und der Konfigurationsdialog.

Das Favoritendock Plank (gleichnamiger Paketname) ist so einfach zu bedienen, dass es seit etlichen Versionen auf sein eigenes Einstellungsicon im Dock verzichtet. Das irritiert manchen Benutzer, ist aber tatsächlich völlig entbehrlich, sofern Sie die wenigen Plank-Regeln kennen:

  • Strg-Taste und Rechtsklick auf ein beliebiges Icon im Dock bringt das Kontextmenü „Einstellungen“ zum Vorschein (Position, Symbolgröße, Optik, Ausblendverhalten).

  • Strg-Taste und normaler Linksklick ermöglicht den Start einer weiteren Instanz des geklickten Programms – wichtig etwa für Terminal oder Dateimanager.

  • Gestartete Programme werden im Dock angezeigt und nach Rechtsklick und „Im Dock behalten“ dauerhaft angeheftet.

  • Nicht mehr benötigte Starter ziehen Sie mit der Maus einfach auf den Desktop.

Das Dock trägt sich nicht automatisch als Autostart ein, das müssen Sie daher unter „Startprogramme“ mit dem Programmnamen „plank“ manuell erledigen.

Freefilesync: Klickfreundliches Sicherungstool

Freefilesync bei der Arbeit.
Vergrößern Freefilesync bei der Arbeit.

Freefilesync ist ein grafisches Sync-und Backupwerkzeug für PC-Anwender, die sich mit Terminaltools wie rsync, tar unter Linux (oder robocopy, xcopy unter Windows) nicht anfreunden können. Zur Installation unter Linux genügt es, das „tar.gz“-Archiv von https://www.freefilesync.org/download.php herunterzuladen, an geeigneter Stelle auszupacken und das enthaltene Tool „FreeFileSync“ zu starten. Einige Distributionen bieten das Programm aber auch im jeweiligen Softwarecenter. Die Linux-Version ist in der Bedienung identisch mit der Windows-und Mac-Variante. Das Tool analysiert mit „Vergleichen“ zwei vorher angegebene Ordner.

Für den Vergleich gibt es mehreren Optionen, jedoch reicht meistens das einfachste Kriterium „Dateigröße und -datum“. Danach zeigt Freefilesync die Unterschiede in zwei Fenstern nebeneinander an.

Bevor Sie die eigentliche Aktion mit „Synchronisieren“ und „Start“ auslösen, können Sie noch manuell eingreifen und einzelne Dateien durch Entfernen des Häkchens ausschließen.

Nach der Kontrolle kann das Werkzeug mit „Synchronisieren“ zur Tat schreiten. Dabei lassen sich mit der Zahnradschaltfläche daneben noch drei verschiedenen Methoden einstellen („Zwei Wege“, „Spiegeln“, „Aktualisieren“). Achtung: Der Modus „Spiegeln“ macht eine 1:1-Kopie, löscht also auch, wenn der Zielordner überzählige Dateiobjekte enthält.

Scrot: Screenshots nach Wartezeit

Vielleicht brauchen diesen Trick ja nur Fachredakteure, aber das Verfahren ist in jedem Fall einen Tipp wert. Bildschirmaktionen wie etwa das Navigieren in Menüs lassen sich nicht mit dem Aufruf oder Hotkey eines Screenshotprogramms fotografieren, weil das „Motiv“ dabei den Fokus verliert und verschwindet. Ein Sonderfall ist ferner der Anmeldebildschirm, wo Hotkeys für Screenshots noch nicht funktionieren. Aber Sie können das Foto im laufenden System mit folgendem Befehl anfordern:

gnome-screenshot -d 30

Das Tool „Bildschirmfoto“ bietet dies auch in seiner Oberfläche neben „verzögert aufnehmen“ an. Dann haben Sie 30 Sekunden Zeit, um etwa den Bildschirm zu sperren und damit zum Anmeldebildschirm zu kommen (nicht „Abmelden“, denn dabei werden alle Programme geschlossen). Wenn das verwendete Screenshotprogramm keine Wartezeit beherrscht, gibt es immer noch das kleine Terminaltool scrot, das solche Delayfunktion beherrscht (scrot -d 30) und das Bild im aktuellen Verzeichnis ablegt.

Tilda und Guake: Terminal per Knopfdruck

Kleines Tool mit vielen Optionen.
Vergrößern Kleines Tool mit vielen Optionen.

Bei der Arbeit auf dem Linux-Desktop sollte immer ein Terminalfenster zur Hand sein. Nützliche Terminalergänzungen für grafische Desktops sind daher die Tools „Guake“ und „Tilda“. Diese Drop-Down-Terminals haben kein skalierbares Fenster und keine Titelleiste, sondern blenden sich in fester, aber beliebig einstellbarer Größe nach Hotkey F1 (Tilda) oder F12 (Guake) ein und aus. Das Ausblenden kann automatisch bei Fokusverlust (Klick außerhalb) eingestellt werden und sogar so, dass eine Mausposition außerhalb des Terminalfensters genügt (ohne Klick).Die Einstellungen bieten Transparenz, Einblendanimation, Farbanpassung, Shell-Tabs, Suchleiste und vieles mehr. Im Fenster läuft die Bash – alle Bash-Einstellungen werden also übernommen. Die Unterschiede zwischen Tilda und Guake sind marginal und letztlich Geschmackssache. Tilda und Guake sind über die gleichnamigen Paketnamen schnell installiert, etwa mit

sudo apt install tilda

Xkill: Fensterkiller optimal nutzen

Xkill ist praktisch auf jedem Desktop vorinstalliert. Es beendet grafische Programme, wenn deren Fenster nicht mehr reagieren, ohne dass Sie Programmname, Fenstername oder die PID kennen müssen. Beim Aufruf von xkill verwandelt sich der Mauszeiger in ein Kreuz, mit dem Sie das störrische Programm mit linker Maustaste anklicken und beenden. Mit der rechten Maustaste beenden Sie xkill ohne Aktion, falls sich diese inzwischen als überflüssig erwies.

Mit dem lästigen manuellen Aufrufxkill, also ohne globale Tastenkombination, ist xkill allerdings kaum die Hälfte wert. Einige Distributionen verwenden den Hotkey Strg-Alt-Esc, meistens ist kein globaler Hotkey eingestellt. Das sollten Sie unter „Systemeinstellungen –› Tastatur –› Tastaturkürzel“ (je nach Distributionen auch anders, aber ähnlich lautend), indem Sie xkill unter „Eigene Tastaturkürzel“ eintragen und dem Programm durch Drücken der Tastenkombination Strg-Alt-Esc, Strg-Alt-K oder wie gewünscht zuweisen.

Siehe auch: Kleines ABC der Linux-Systemwartung

Xprop: Fensterinfo optimal nutzen

Für xprop gilt Ähnliches wie für xkill. Meistens vorinstalliert, mangelt ihm aber die optimale Systemintegration und es benötigt den manuellen Aufruf im Terminal.

Das häufigste Motiv, xprop zu verwenden, ist die Frage nach dem Programmnamen eines Fensters. Also etwa die Frage: Wie lautet der Name des Dateimanagers, den ich gerade benutze? Nach dem Start von xprop verwandelt sich der Mauszeiger in ein Kreuz, mit dem Sie auf das gewünschte Fenster klicken. Im Terminal erscheint dann der zugehörige Programmname. Wer xprop oft benötigt, sollte sich unbedingt eine handliche Tastenkombination zurechtlegen.

Da für die Infoausgabe ein Terminalfenster benötigt wird, ist der Befehl für den xprop-Hotkey etwas komplizierter als bei xkill. Folgende Variante funktioniert auf Systemen mit Gnome-Terminal:

gnome-terminal -e 'sh -c "xprop;sleep 10"'

Die Anzeigedauer der xprop-Information, im Beispiel zehn Sekunden, ist beliebig einstellbar.

Xdotool: Universale Desktopsteuerung

Desktopzaubereien mit dem xdotool.
Vergrößern Desktopzaubereien mit dem xdotool.

Das Kommandozeilenprogramm xdotool ist auf den meisten Desktopdistributionen vorinstalliert oder bei Bedarf mit gleichnamigem Paketnamen aus den Standard-Paketquellen schnell nachgerüstet. xdotool kann Mausbewegungen oder Tastatureingaben per Terminalbefehl oder Scripts ausführen. Ein einfacher Befehl simuliert etwa mit

xdotool key super+d

den Hotkey Windows-D, um den Desktop anzuzeigen. Folgende Befehlsfolge

xdotool mousemove 1 1;xdotool click 1;xdotool type Aktualisierung

würde das Menü anklicken (falls links oben) und dort nach „Aktualisierung“ suchen.

Das Werkzeug kann aber noch viel mehr. Folgender Script-Vierzeiler kann das nur exemplarisch andeuten:

TMP=$(xdotool selectwindow) xdotool windowunmap $TMP read -p "Mit Eingabetaste weiter..." key
xdotool windowmap $TMP

Durch den Befehl „selectwindow“ verwandelt sich der Mauszeiger und beim Klick auf ein Fenster wird das Fenster-Handle ermittelt und in die Variable „$TMP“ geschrieben. Mit diesem Handle kann xdotool nun alle beliebigen Fensteraktionen ausführen. In diesem Beispiel wird das Fenster inklusive Anzeige in der Fensterliste unsichtbar gemacht („windowunmap“). Dies kann später durch die Eingabetaste im Terminalfenster wieder rückgängig gemacht werden. Statt der „read“-Zeile geht es natürlich auch ohne Terminal und eleganter mit

zenity --info --text=""

Das nächste Beispiel

TMP=$(xdotool selectwindow) xdotool windowkill $TMP

zeigt, dass xdotool mit ganz geringem Script-Aufwand populärere Tools wie xkill oder xprop ersetzen kann.

Nitroshare: Datenaustausch im lokalen Netz

Datenaustausch mit Nitroshare.
Vergrößern Datenaustausch mit Nitroshare.

Nitroshare ist eine ganz simple Ad-hoc-Alternative zum Samba-oder SSH-Datenaustausch, der eine entsprechende Konfiguration voraussetzt. Nitroshare arbeitet im lokalen Netzwerk umstandslos unter Linux, Windows und Mac-OS X als Sender und Empfänger. In Debian/Ubuntu ist es über die offiziellen Paketquellen mit

sudo apt install nitroshare

schnell installiert.

Anleitungen und Installer für Windows, Mac-OS X und weitere Linux-Distributionen liefert die Seite https://nitroshare.net/ . Nach dem Aufruf des Programms mitnitroshare zeigt es sich als Symbol im Infobereich jedes Betriebssystems. Ein Rechtsklick auf das Symbol ruft die Funktionen „Send Files“ und „Send Folder“ auf. Dort erfolgt zunächst die Auswahl der Daten, anschließend die Auswahl des Empfängers. Nitroshare sieht hier nur Rechner, wo Nitroshare ebenfalls aktuell läuft. Das gewünschte Zielverzeichnis für die gesendeten Daten kann auf jedem Rechner individuell eingestellt werden („Einstellungen –› Allgemein“ oder „Settings –› General“).

Onionshare: Abhörsichere Uploads

Der Datenaustausch zweier Personen und Rechner via Internet erfolgt in der Regel über eine Zwischenstation (HTTP, FTP, SSH, Webdav, Cloud). Die Kombination des Austauschtools Onionshare (Installationshinweise für Ubuntu, Fedora, Windows, Mac-OS X) mit dem TOR-Browser erlaubt hingegen eine verschlüsselte Direktverbindung. Das bekannte, anonymisierende Surfsystem Tails hat Onionshare neben dem TOR-Browser konsequenterweise standardmäßig an Bord.

Die Bedienung von Onionshare ist einfach: Sie fügen unter „Share Files“ die Dateien ein, die Sie weitergeben wollen. Onionshare etabliert nun einen temporären Webserver auf Ihrem Sender-PC mit einer ebenso temporären URL „ http://[...].onion/[...] “ aus dem Darknet. Diese URL teilen Sie dann auf einem anderen Weg (Mail, Telefon) dem Empfänger mit. Dieser muss wiederum den TOR-Browser (oder Tails) benutzen, um die Adresse zu erreichen.

Mit dem Schließen von Onionshare auf dem Sender-PC wird die Verbindung wieder getrennt und die temporäre Darknet-URL verfällt. Wie immer im Umfeld von „onion“, Darknet, TOR und Tails darf man daran zweifeln, dass typische Nutzer von Onionshare den Austausch von Kochrezepten pflegen. Technisch hat Onionshare aber hier seinen Platz verdient, da es aktuell zu den abhörsichersten Transfermethoden zählt.

Bleachbit: Automatisiertes Löschen

Unter Linux hat Bleachbit manches thematisch ähnliche Tool wie etwa den Ubuntu-Cleaner durch seinen Funktionsumfang klar distanziert. Unter Debian, Ubuntu und Linux Mint ist es in den Standard-Paketquellen und auch im grafischen Paketmanager verfügbar. Das Programm erklärt die einzelnen Löschoptionen, zeigt den zu erwartenden Speichergewinn und warnt vor eventuell riskanten Optionen. Die meisten Löschaktionen finden im Home-Verzeichnis statt (Browser, Mail, Office), jedoch kann Bleachbit auch in der Paketverwaltung löschen, wenn es mit dem Menülink „BleachBit (as root)“ oder mitsudo bleachbit im Terminal gestartet wird.

Bleachbit kann aber mehr als angeklickte Optionen abarbeiten. Alle Detailfunktionen sind auch als Terminalkommando abrufbar. Der Befehlbleachbit -l (oderbleachbit -?-list-cleaners) zeigt alle Löschmodule an –insgesamt 168. Jedes einzelne Modul kann mittels des Kommandos

bleachbit -c system.cache

gestartet werden. Bei Löschzielen mit diversen Unterabteilungen (system, apt, firefox, chromium) funktioniert auch diese Variante:

bleachbit -c firefox.*

Damit können Sie bewährte Löschvorgänge durch ein Bash-Script automatisieren oder sogar als regelmäßigen Cronjob anlegen. Beachten Sie dabei aber, dass bestimmte Löschmodule nur mit root-Recht funktionieren.

Angry Search: Die schnellere Dateisuche

Relative Pfade.
Vergrößern Relative Pfade.

Die Dateisuche in Linux-Dateimanagern ist relativ langsam, der find-Befehl im Terminal zwar mindestens doppelt so schnell, aber verbunden mit allen Nachteilen der mühsamen Eingabe und Weiterverarbeitung der Ergebnisse. Hier kann das Python-Script Angry Search aushelfen. Angry Search ist ein reines Dateiwerkzeug, das nach Pfaden und Namen sucht, nicht nach Dateiinhalten. Das Tool ist unter Linux überall lauffähig, da ein Python-Interpreter zum Linux-Standard gehört. Unter https://github.com/DoTheEvo/ANGRYsearch/releases findet sich der Download als „zip“-oder „tar.gz“-Archiv, das Sie nach dem Download an beliebiger Stelle entpacken. Im Terminal gehen Sie dann zum entpackten Ordner, schalten das Install-Script mit

chmod +x install.sh

ausführbar und starten es:

sudo sh install.sh

Danach ist Angry Search im Menü oder im Terminal über den Befehlangrysearch erreichbar. Eventuell benötigen Sie zusätzlich die Pakete „xdg-utils“ und „python3-pyqt5“.

Den Index erstellen Sie mit der Schaltfläche „update“. Der Index ist statisch, muss also von Zeit zu Zeit erneuert werden. Standardmäßig gilt eine einfache UND-Syntax, wobei Angry Search praktisch ohne Verzögerung auf Tippeingaben reagiert. Eine OR-Suche erreichen Sie mit der Taste F8. Die angezeigten Suchergebnisse können Sie einfach per Doppelklick mit dem zugeordneten Standardprogramm laden oder nach Rechtsklick mit der Option „Open Path“ in das Verzeichnis der Datei gehen.

Docfetcher: Portable Textarchive

Infoseite beim ersten Aufruf oder bei fehlendem Index.
Vergrößern Infoseite beim ersten Aufruf oder bei fehlendem Index.

Alle wichtigen Texte (und Bilder) jederzeit auf einem USB-Datenträger zur Hand zu haben, ist ein Komfortversprechen. Die technische Lösung dafür kann unterschiedlich ausfallen: So sind etwa Mediawiki oder Dokuwiki portabel zu realisieren, jedoch ist der Aufbau einer solchen Sammlung ein Prozess von Monaten und der Einsatz unter Linux und Windows erfordert separate Lösungen. Ein simples Mini-Wiki wie Tiddly ist zwar technisch einfach und plattformübergreifend, muss aber auch erst mit einem gewöhnungsbedürftigen Editor produziert werden.

Ein pragmatischer Ansatz, bestehende Text-und Bildhalden auf USB ganz einfach durchsuchbar zu machen, ist das Java-Programm Docfetcher, das unter Linux, Windows und Mac-OS X funktioniert. Die portable Variante gibt es unter http://docfetcher.sourceforge.net/de/download.html als „docfetcher-1.1.22-portable.zip“. Unter Linux startet das Script „DocFetcher-GTK3.sh“ die Textsuche, für Windows gibt es eine EXE-Datei zum Start und für Mac-OS X die „Docfetcher.app“.

Ein portabler Index auf USB verlangt ein Dateisystem, das jedes benötige Betriebssystem versteht – etwa NTFS. Außerdem gibt es eine entscheidende Indexeinstellung für relative Dateipfade. Nach einem Rechtsklick auf den „Suchbereich“ rechts unten und der Auswahl von „Index erstellen aus –› Ordner“ aktivieren Sie im nächsten Dialog „Relative Pfade speichern, wenn möglich (zwecks Portabilität)“. Mit dieser Option speichert der Docfetcher-Index nicht die absoluten Pfade, mit welchen das jeweils andere Betriebssystem nichts anfangen kann (Laufwerksbuchstaben von Windows, Mountverzeichnis bei Linux). Die relativen Pfade funktionieren hingegen unter allen Systemen, und sie funktionieren auch, wenn man sich auf einem anderen Linux-System in einem anderen Konto anmeldet (auch dies ist bei absoluten Pfaden ein Problem).

Als Quelldaten (mit der oben genannten „Ordner“-Option festzulegen) für den Index sind beliebige Dateihalden diverser Textformate und Bilder geeignet. Die exzellente Suchsyntax eignet sich sowohl zur einfachen Dateisuche „*münchen*.jpg“ als auch für genaue Textsuche:

lubuntu AND xubuntu AND budgie "server synchronisieren"~10

Das erste Beispiel wird Dokumente liefern, die alle drei Suchbegriffe enthalten, beim zweiten dürfen die beiden Suchwörter höchstens zehn Wörter entfernt stehen.

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