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Notfalltipps der Experten: 4. Datenschutz bei Chat-Apps

25.04.2021 | 08:03 Uhr | Arne Arnold

Onlinebetrug, Virenbefall oder Raub beim Banking: Wenn ein solcher Notfall eintritt, benötigen Sie meist Hilfe von Experten. Wir haben vier Spezialisten befragt, wie Sie bei Notfällen richtig reagieren oder besser noch vorbeugen.

Im vierten Teil geht es um Datenschutz bei Chat-Apps. Denn Whatsapp wollte schon im Februar seine Datenschutzregeln ändern. Nach zahlreichen Protesten wurden die Änderungen auf Mitte Mai verschoben. Wer die anstehenden Änderungen zum Anlass nehmen möchte, seine Chat-App zu wechseln, dem können wir Threema empfehlen. Die App ist auf größtmöglichen Datenschutz getrimmt. Wir sprachen mit Roman Flepp, Pressesprecher bei Threema.

Roman Flepp, Pressesprecher bei Threema
Vergrößern Roman Flepp, Pressesprecher bei Threema

PC-WELT: Die Ankündigung von Whatsapp, mehr Daten von seinen Nutzern sammeln zu wollen, hat einige Nutzer zum Wechsel ihrer Chat-App bewegt. Konnte Threema von dieser Entwicklung seit Anfang 2021 profitieren?

Flepp: Wir freuen uns, dass das Thema Privatsphäre und Datenschutz wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. Seit Jahren spüren wir einen Zuwachs von Nutzern, die sich von den Datensammlern abwenden und sich eine datenschutzfreundliche Lösung suchen. Der Trend wird nun durch die aktuelle Kontroverse beschleunigt, und wir denken, dass es einen nachhaltigen Einfluss auf unsere Nutzerzahlen haben wird.

Seit Anfang Jahr gehen die Downloads bei Threema durch die Decke. Wir haben im letzten Monat Hunderttausende neuer Nutzer dazu gewonnen. Der Zuwachs hat sich auf hohem Niveau eingependelt, was uns besonders freut.

PC-WELT: Was spricht dafür, dass Nutzer zu Threema und nicht etwa zum aktuell beliebten Signal wechseln?

Flepp: Wir dürfen mit Stolz behaupten, dass kein anderer Messenger das gleiche hohe Maß an Sicherheit und Datensparsamkeit bietet wie Threema. Nur Threema kann zum Beispiel vollständig ohne Angabe von personenbezogenen Daten, wie einer Handynummer genutzt werden. Und nur Threema betreibt seine eigenen Server in Europa, während unsere Mitbewerber die Daten ihrer Nutzer der Amazon- und/oder Google-Cloud überlassen. Eine umfassende Gegenüberstellung gibt’s hier: https://threema.ch/de/messenger-vergleich .

PC-WELT: Anderes Thema: Wie schätzen Sie die Entschließung des „Rat der EU“ ein, in der unter dem Titel „ Sicherheit durch Verschlüsselung und Sicherheit trotz Verschlüsselung “ Wege zum Brechen der Verschlüsselung zum Beispiel in Chat-Apps gesucht werden sollen?

Flepp: Die Schweiz ist nicht Mitglied der EU. Behörden der EU oder von EU-Ländern haben hierzulande keine Rechtsbefugnis. Bei der erwähnten Resolution des EU-Ministerrats handelt es sich zudem um eine Empfehlung zuhanden der EU-Kommission und kein Gesetz. Threemas Kryptografie lässt weder einen „Generalschlüssel“ noch ein „Brechen“ der Verschlüsselung zu, denn die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wird durch die Nutzer angebracht, nicht von Threema als Dienstbetreiber. Wir können die Chats also gar nicht lesbar machen – und das ist gut so.

Hinzu kommt, dass Threema quelloffen ist. Änderungen werden entsprechend genau beäugt.

Kriminelle jedoch werden immer einen Weg finden, sich mit Komplizen vertraulich auszutauschen. Es ist naiv, wenn Behörden glauben, durch eine Schwächung der Privatsphäre aller die Sicherheit zu verbessern. Das Gegenteil ist der Fall: Bürger würden damit mutwillig Gefahren ausgesetzt, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass jede Schwachstelle innert kürzester Zeit auch von Betrügern genutzt wird. Bei absichtlich durch staatliches Handeln herbeigeführten Schwachstellen wird das nicht anders sein.

PC-WELT: Ist bislang schon mal eine staatliche Stelle auf Threema zugekommen mit der Forderung, die Verschlüsselung für einzelne Threema-Nutzer oder gar für alle preiszugeben?

Flepp: Nein.

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