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Die besten Terminalplayer für die SSH-Fernsteuerung

15.03.2019 | 15:11 Uhr | Hermann Apfelböck

Heutzutage herrscht kein Mangel an Optionen, um Rechner mit Musiksammlungen fernzusteuern. Die hier vorgestellte Möglichkeit hat zwei Vorzüge: Sie ist softwaretechnisch simpel und hardwaretechnisch anspruchslos.

Wenn ein Raspberry oder ein anderer Linux-Rechner über angeschlossene Lautsprecher oder über eine Stereoanlage Musik wiedergeben soll, ist zur Auswahl der Musik und Steuerung der Lautstärke keine Weboberfläche erforderlich. Dann genügt für die Bedienung über das Netzwerk das bewährte SSH-Protokoll, für das es für jedes Betriebssystem passende Clientsoftware gibt – unter Linux und Mac-OS standardmäßig, unter Windows via Putty oder auch „Bash on Ubuntu“, unter Android über Apps wie Termius. Terminal und SSH auf der einen Seite, Hobby und Musikspaß auf der anderen – das scheint auf den ersten Blick nicht recht kompatibel. Tatsächlich kommt es aber wesentlich auf den richtigen Terminalplayer an. Die interessantesten haben wir uns genauer angesehen.

Einzige Voraussetzung: Der SSH-Server

Der SSH-Server muss auf der Abspielstation installiert und aktiv sein. Das ist auf allen Linux-Distributionen unmittelbar nach der Einrichtung (am Beispiel Debian/Raspbian/Ubuntu) mit

sudo apt install openssh-server

automatisch der Fall (auf Standardport 22). Auf einigen Platinensystemen wie etwa Raspbian ist der SSH-Server zwar bereits vorhanden, aber noch nicht aktiv. Im besagten Beispiel können Sie das mit dem raspi-config unter dem Punkt „5 Interfacing Options“ nachholen. Dies heißt aber in diesem und allen ähnlichen Fällen, dass Sie den Platinenrechner zumindest für die Ersteinrichtung mit Monitor und Tastatur bedienen müssen. Nach dieser Ersteinrichtung können der Rechner und der darauf installierte Audioplayer dann komplett über das SSH-Terminal gesteuert werden.

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Eine Auswahl von Terminalplayern

Die nachfolgend genannten Audioplayer für das Terminal eignen sich im Prinzip auch auf Desktopsystemen, wenn der Benutzer statt den üblichen Kandidaten (Banshee, Rhythmbox, VLC) eine puristische, aber effiziente Bedienung bevorzugt. Wo es nur um Titelauswahl, Lautstärke und Abspielen geht, sind die folgenden Player nach Gewöhnung an die wenigen wesentlichen Tastenkommandos schnörkelloser zu bedienen als jede grafische Alternative. Notwendig sind solche Terminalplayer auf Headless-Servern ohne grafische Oberfläche.

1. Cplay: Dieser absolute Minimalist startet mit einer ganz einfachen Verzeichnisnavigation. Markierte Titel können mit Eingabetaste abgespielt oder mit Taste „a“ in die Playliste übernommen werden. Taste „Tab“ schaltet zwischen Navigationsmodus und Playliste hin und her. Den kompletten Funktionsumfang zeigt nach Taste „h“ (Help) eine Hilfeseite, die nur aus wenigen Zeilen besteht.

Dieser reduzierte Umfang kann Puristen entgegenkommen, jedoch setzt Cplay das veraltete Open Sound System voraus (OSS) und hat auf heutigem Pulseaudio oft Probleme mit der Lautstärkeregelung (Tasten „+“ und „-“).

2. Mp3blaster: Der Audio-Dinosaurier hat ähnliche Limitierungen wie Cplay und spielt nur MP3- und OGG-Format. Sein menüartiges Angebot der wichtigsten Tastenbefehle hatte ihn zum Platzhirsch unter den Terminalplayern befördert, heute muss er aber als veraltet gelten.

3. Cmus: „C Music“ ist der vermutlich funktionsreichste Terminalplayer. Er beherrscht wie MOC (siehe unten) neben MP3, OGG, WAV, AAC auch das wichtige verlustfreie Flac-Format. Eine einfache Verzeichnisnavigation ist nach Taste „5“ möglich, während die Tasten „1“ bis „4“ weitere Ansichten wie die Playlist („3“) oder eine sortierte Musikbibliothek anbieten. Selbige Bibliothek lässt sich über den Befehl „add [Pfad]“ einrichten und erweitern.

In den Befehlsmodus für „add“ und diverse weitere Kommandos führt ein eingegebener Doppelpunkt, der dann unten einen Eingabeprompt öffnet. Wir verzichten an dieser Stelle auf nähere Beschreibung der zahlreichen Funktionen, denn schon hier dürfte sich abzeichnen, dass Cmus für die Aufgabe einer einfachen Remotesteuerung zu kompliziert ist. Der Player eignet sich eher für Puristen, die am Desktop ein Terminaltool für die Musikverwaltung bevorzugen und dafür auch die Einarbeitung in die eigenwilligen, allerdings auch umprogrammierbaren Tastencodes von Cmus in Kauf nehmen.

Für die Bibliothek von Cmus gilt im Übrigen dasselbe wie bei allen grafischen Alternativen von Banshee über VLC bis Kodi & Co: Die Ordnung und damit der Nutzwert dieser Metastruktur hängt wesentlich von der Konsistenz der Audiotags ab.

4. MOC/mocp: Der Player spielt neben MP3 und OGG-Vorbis auch den audiophilen Flac-Codec, ist problemlos und konfliktfrei über mehrere SSH-Anmeldungen zu bedienen, nutzt intuitive Hotkeys und eine Navigation, die sich am weitverbreiteten Midnight Commander orientiert.

MOC – Music on Console: Der Player eignet sich bestens für die Fernbedienung im Netzwerk, weil er Server und Client von vornherein trennt und damit den Zugriff von verschiedenen Geräten vorsieht.
Vergrößern MOC – Music on Console: Der Player eignet sich bestens für die Fernbedienung im Netzwerk, weil er Server und Client von vornherein trennt und damit den Zugriff von verschiedenen Geräten vorsieht.

MOC – „Music on Console“

Unser favorisierter Terminalplayer ist überall in den Standardpaketquellen zu finden und in Debian/Raspbian/Ubuntu & Co mit

sudo apt install moc

schnell installiert. Das Startkommando lautet nicht „moc“, sondern „mocp“. Nach dem Start zeigt sich ein zweigeteiltes Fenster mit der Ordnernavigation links und der – zunächst leeren – Playliste rechts.

Die Navigation erfolgt wie im Midnight Commander mit Cursortasten sowie „Pos1“, „Ende“ und „Bild“-Tasten. Eingabetaste spielt den Song sofort, „p“ pausiert die Wiedergabe, „s“ beendet diese. Mit „q“ verlassen Sie das Player-Front-End, aber nicht den MOC-Server und dessen Wiedergabe. Vollständiges Beenden erfordert den Hotkey „Q“. Für die Lautstärkesteuerung dienen die Tasten „>“ und „<“ und um eine Playliste zu erstellen, drücken Sie beim gewünschten Titel „a“. Die Tab-Taste wechselt vom Navigationsfenster zur Playliste, die Sie mit „l“ (kleines „L“) auch ausblenden können. Diese wenigen, intuitiven Hotkeys genügen bereits für die wichtigsten Aktionen. Mit Taste „h“ („Help“) können Sie sich die zahlreichen weiteren Kommandos anzeigen lassen.

Durch Startparameter, die man sich am Musikserver als Alias einrichten kann oder aus der Bash-History holt, lässt sich die Bedienung noch effizienter gestalten. So startet Parameter „-m [Pfad]“ die Software sofort im bevorzugten Hauptordner der Musiksammlung:

mocp -m /media/musik/

Die Standardoptik ist das Blau des Midnight Commander, das sich aber wie bei diesem durch alternative Themes ändern lässt. Diese befinden sich unter „/usr/share/moc/themes/“ und können mit „-T“ nach Wunsch abgerufen werden:

mocp -T black_theme -m /media/musik/

Ungeachtet mancher schickerer Themen – die besten Farbkontraste bieten das Standardthema („example_theme“) und das „black_theme“.

MOC fokussiert sich auf reine Wiedergabefunktionen und verzichtet auf den Aufwand einer Medienbibliothek. Sie werden feststellen, dass die Software beim Einlesen eines Verzeichnisses die internen Audiotags einliest und sich dadurch die Anzeige der Titel ändert (zunächst Dateinamen, dann die ermittelten Infos). Dies beschränkt sich aber auf einen dynamischen Verzeichnisservice – ohne Anspruch auf eine dauerhafte Metastruktur auf Tagbasis.

Zu den ganz großen Vorzügen von MOC gehört, dass er ohne Konfigurationsaufwand standardmäßig von mehreren SSH-Clients gesteuert werden kann: Wenn Sie mit einem weiteren Gerät via SSH den Player starten, erhalten Sie konfliktfrei genau den Zustand von Navigationsfenster und Playliste wie auf dem anderen SSH-Client.

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