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Multimedia-Streaming mit Plex in Linux

22.05.2017 | 14:00 Uhr |

Der Film soll auf das Fernsehgerät, auf das Smartphone oder den PC. Im Netzwerk ist das problemlos möglich, und die nötige Software dafür gibt es teilweise kostenlos.

Streamingtechniken ermöglichen es, Multimedia-Dateien über das Netzwerk im ganzen Haus und auf jedem Gerät abzuspielen. Dafür reicht das WLAN aus, bei HD-Videos sollte es aber besser ein ausreichend schnelles WLAN 802.11n mit 150 oder 300 MBit/s, Powerline oder ein Kabelnetzwerk sein. Sonst ruckelt der Film und die Wiedergabe macht keine Freude.

1. So funktioniert Multimedia-Streaming

Streaming bedeutet, dass die großen Mediendateien dem Abspielgerät nicht als Ganzes vorliegen müssen, sondern in kleinen Häppchen übertragen werden. Das ist auch der Fall, wenn Sie sich über das Internet Videos bei Youtube ansehen. Internetvideos erfordern nur eine geringe Bandbreite zwischen einem und zwei MBit/s. Ein hochaufgelöstes MKV-Video kann es auf zehn bis 20 MBit/s oder mehr bringen. WLAN-Verbindungen kommen dabei oft an ihre Grenzen.

Streaming im Heimnetz: Im heimischen Netzwerk greifen Sie mit dem Abspielgerät auf den Netzwerkspeicher zu, auf dem die Video-und Audiodateien liegen. Das Abspielgerät holt sich die Mediendaten portionsweise vom Server, legt sie bei Bedarf in einem Zwischenspeicher ab, um schwankende Übertragungsraten auszugleichen, und beginnt mit der Wiedergabe. Im einfachsten Fall greifen Sie von einem PC aus auf die Samba-Netzwerkfreigabe eines anderen PCs zu und starten die gewünschte Audio-oder Videodatei in einem Mediaplayer. Das funktioniert auch mit einem Android-Gerät, indem Sie über einen Dateimanager Samba-Freigaben öffnen.

UPnP/DLNA: Smart-TVs bieten in der Regel keine Möglichkeit, auf Linux-oder Windows-Freigaben zuzugreifen. Stattdessen kommt UPnP/DLNA zum Einsatz (Universal Plug and Play/Digital Living Network Alliance). Mit geeigneter Clientsoftware lässt sich UPnP auch auf PCs, Smartphones oder Tablets nutzen. Ein UPnP-fähiges Gerät sucht im Netzwerk automatisch nach Servern, die einen entsprechenden Dienst bereitstellen, und präsentiert eine Liste der gefundenen Anbieter. In der Liste können Sie dann einen Server und die gewünschten Ordner und Dateien auswählen. Soweit vorhanden, helfen Coverbilder und Beschreibungen von Filminhalten bei der Navigation. UPnP/DLNA benötigt keine Anmeldung beim Server und hat auch standardmäßig keine Funktionen für Zugriffsrechte. Jedes Gerät darf zugreifen.

Nun versprechen die Hersteller von TV-Geräten, Smartphones und Tablets zwar eine problemlose Verbindung aller Geräte, aber der Nutzer muss sich oft mit untauglicher Software herumschlagen und sieht auf dem TV Meldungen wie „Das Dateiformat wird nicht unterstützt“. Eine der Ursachen dafür ist, das UPnP/DLNA nur wenige Formate verbindlich vorschreibt. Auch wenn ein TV-Gerät DivX, MKV oder H.264 beherrscht, heißt das noch lange nicht, dass sich diese Formate auch per UPnP wiedergeben lassen.

Die größte Aussicht auf Erfolg verspricht Serversoftware, die Audio-und Videodateien in das für ein bestimmtes Gerät passende Format konvertiert (transkodiert), etwa der Plex Media Server (-> Punkt 5).

Vor allem bei älteren Smart-TVs ist der Anschluss eines zusätzlichen Abspielgeräts meist die bessere Lösung. Das kann etwa ein preisgünstiger Mini-PC wie der Raspberry Pi 3 sein. Mit einer geeigneten Multimedia-Oberfläche ausgestattet (-> Punkt 2), lassen sich alle verbreiteten Dateiformate wiedergeben und Sie können das Gerät mit einer Fernsteuerung bequem vom Sofa aus bedienen.

Client, Server oder beides: Um möglichst viele Geräte abzudecken, empfiehlt sich eine mehrgleisige Strategie. An das TV-Gerät schließen Sie einen energiesparenden Linux-PC oder Raspberry Pi an.

Musik und Filme kommen von einer USB-Festplatte, einer Freigabe oder einem NAS im Netzwerk sowie aus dem Internet. Zur Wiedergabe verwenden Sie als Clientsoftware das Kodi-Mediacenter (-> Punkt 2). Kodi kann die Dateien auch als Server per UPnP an Smartphones, Tablet-PCs und Smart-TV-Geräte weiterreichen.

Es erfolgt jedoch keine Transkodierung, so dass die Clients die Dateien unter Umständen nicht abspielen können. Die UPnP-Funktion ist auch eher für die problemlose Weitergabe an andere Kodi-Clients gedacht, die mit den diversen Videoformaten etwas anfangen können.

Wer es eine Nummer größer möchte, verwendet einen Linux-PC, der die Dateien über Samba-Freigaben und den Plex Media Server auch per UPnP über das Netzwerk bereitstellen kann (-> Punkt 4). Das empfiehlt sich vor allem, wenn Sie mehrere große Festplatten für Ihre Audio-und Videosammlung benötigen.

Außerdem bietet ein PC mehr Leistung für die Dateikonvertierung, die der Plex Media Server in Echtzeit für UPnP-Clients durchführt. Das erhöht die Anzahl der Geräte deutlich, die den UPnP-Stream wiedergeben können. Ein Raspberry Pi 3 kommt bei der Umwandlung von HD-Video-Material schnell an seine Grenzen. SD-Videos und Audiodateien sind hingegen kein Problem.

Tipp: Hoch aufgelöste Filme in 4K / UHD auf Amazon, YouTube, Netflix und Co.

2. Kodi installieren: PC oder Raspberry Pi

Kodi konfigurieren: Um Kodi für den Betrieb in Deutschland anzupassen, ändern Sie die Optionen unter ?Appearance -> International? (?Darstellung -> Sprache & Region?).
Vergrößern Kodi konfigurieren: Um Kodi für den Betrieb in Deutschland anzupassen, ändern Sie die Optionen unter ?Appearance -> International? (?Darstellung -> Sprache & Region?).

Kodi ist eine Multimedia-Oberfläche, die sich durch ihre großen Bedienelemente vor allem für die Nutzung am TV-Gerät eignet. Kodi kann Audio-und Videodateien abspielen und Bilddateien etwa in einer Diashow anzeigen. Über Add-ons lassen sich Internetdienste wie Youtube, Mediatheken oder Radiostationen einbinden. Der eingebaute UPnP-Server sorgt für die Verteilung an andere Clients im Netzwerk.

Kodi lässt sich unter Ubuntu, Linux Mint oder Raspbian bequem über die Paketverwaltung installieren. Anleitungen zur Installation neuerer Versionen für Ubuntu und andere Distributionen finden Sie hier . Nach dem ersten Start zeigt Kodi zunächst eine englischsprachige Oberfläche. Unter „System -> Settings -> Appearance -> International“ stellen hinter „Language“ als Sprache „German“ ein und „Region“ „Deutschland“. Für die „Tastaturbelegung“ wählen Sie „German QWERTZ“. Ändern Sie auch die „Zeitzonenregion“ und „Zeitzone“, wenn das nicht automatisch geschieht.

Wenn Sie einen Raspberry Pi nicht nur als Streamingserver, sondern auch als Wiedergabegerät verwenden wollen, ist die Installation von Kodi unter Raspbian aufgrund der zu geringen Hardwareleistung nicht zu empfehlen. Greifen Sie besser zum Kodi-Abkömmling Libre Elec , das sich auf dem Raspberry Pi schnell über Noobs installieren lässt. Die Konfiguration verläuft ähnlich wie auf einem Linux-PC. Ein Assistent fragt Sie hier jedoch vorher nach der Netzwerkverbindung und dem Rechnernamen.

3. Medienbibliotheken anlegen und freigeben

Medienbibliothek erstellen: Kodi kann Dateien von unterschiedlichen Quellen in die Bibliotheken aufnehmen, etwa von lokalen Festplatten, Netzwerkfreigaben oder UPnP-Servern.
Vergrößern Medienbibliothek erstellen: Kodi kann Dateien von unterschiedlichen Quellen in die Bibliotheken aufnehmen, etwa von lokalen Festplatten, Netzwerkfreigaben oder UPnP-Servern.

Gehen Sie in Kodi auf „Videos -> Dateien“, wählen Sie „Videos hinzufügen“ und klicken Sie auf „Durchsuchen“. Bei „Bilder“ und „Musik“ läuft die Konfiguration entsprechend ab. Wählen Sie eine Quelle, beispielsweise „Root Dateisystem“ und danach das Verzeichnis, sofern sich die Dateien auf einer Festplatte im PC befinden. Über „Windows-Netzwerk (SMB)“ binden Sie Netzwerkfreigaben ein und über „UPnP Geräte“ Inhalte vom UPnP-Servern wie dem Plex Media Server (-> Punkt 4). Danach lässt sich bei lokalen Laufwerken und Ordnern auf Netzwerkfreigaben der Inhalt festlegen: Zur Wahl stehen „Filme“, „Serien“ und „Musikvideos“. Abhängig von der Auswahl, lädt Kodi Coverbilder und Beschreibungen von unterschiedliche Onlinediensten. Nach einem Klick auf „Einstellungen“ sollten Sie hinter „Bevorzugte Sprache“ den Wert auf „de“ festlegen, damit die Informationen in deutscher Sprache erscheinen. Die Onlineabfrage erfolgt erst, wenn Sie zum Abschluss im Dialog „Inhalte wechseln“ mit „Ja“ bestätigen.

Kodi als UPnP-Server: Damit Kodi anderen Geräten im Netzwerk die Medien per UPnP anbieten kann, muss unter „UPnP/DLNA“ die Option „Bibliotheken freigeben“ aktiviert sein.
Vergrößern Kodi als UPnP-Server: Damit Kodi anderen Geräten im Netzwerk die Medien per UPnP anbieten kann, muss unter „UPnP/DLNA“ die Option „Bibliotheken freigeben“ aktiviert sein.

Der wichtigste Punkt für Streamingfreigaben befindet sich unter „Optionen -> Einstellungen -> Dienste -> UPnP/DLNA“. Hier aktivieren Sie die Option „Bibliotheken freigeben“, um UPnP/DLNA-fähigen Clients im lokalen Netzwerk den Zugriff auf die Medienbibliotheken zu gewähren.

4. Plex Media Server installieren

Plex Media Server: Die Einstellungen des Servers nehmen Sie über die Weboberfläche vor. Sie sehen hier auch die gefundenen Medien, die sich im Browserfenster wiedergeben lassen.
Vergrößern Plex Media Server: Die Einstellungen des Servers nehmen Sie über die Weboberfläche vor. Sie sehen hier auch die gefundenen Medien, die sich im Browserfenster wiedergeben lassen.

Der Plex Media Server verwaltet Medienbestände, holt Informationen wie Coverbilder und Filmbeschreibungen aus dem Internet und dient als Streamingserver im Netz. Die kostenlose Software gibt es im Downloadbereich von https://plex.tv für mehrere NAS-Geräte sowie für Ubuntu, Fedora und Cent-OS jeweils als 32-und 64-Bit-Version. Eine Anleitung zum Bezug der Software für den Raspberry Pi 3 finden Sie hier . Wir beschreiben die Installation unter Ubuntu . Bei anderen Systemen läuft es ähnlich ab.

Nach dem Download öffnen Sie die heruntergeladene „deb“-Datei im Dateimanager per Doppelklick mit der Paketverwaltung Ubuntu-Software und Klick auf „Installieren“. Danach suchen Sie im Dash nach „plex“ und starten „Plex Media Manager“. Alternativ rufen Sie im Browser direkt die Adresse „ http://localhost:32400/web “ auf.

Plex zeigt zuerst ein Anmeldefenster, über das Sie sich bei https://plex.tv kostenlos registrieren und dann einloggen können. Sie können dann auf den Plex-Server beispielsweise auch über das Internet zugreifen. Die Anmeldung des Servers ist außerdem für einige Clientprogramme erforderlich (-> Punkt 5), allerdings nicht für UPnP. Wenn Sie keine Anmeldung wünschen, klicken Sie auf „Was ist das?“ und dann auf „Überspringen und eingeschränkte Funktionalität akzeptieren“. Es erscheint das Fenster „Servereinrichtung“, in dem Sie Ihrem Server einen aussagekräftigen Namen geben. Klicken Sie auf „Weiter“ und dann auf „Mediathek hinzufügen“. Klicken Sie den gewünschten Medientyp an, beispielsweise „TV Serien“. Wählen Sie eine Sprache für die Inhalte, klicken Sie auf „Weiter“ und dann auf „Nach Medienordnern durchsuchen“. Wählen Sie das Verzeichnis aus, in dem die Videodateien liegen, dann auf „Hinzufügen“ und auf „Mediathek hinzufügen“. Um weitere Verzeichnisse aufzunehmen, klicken Sie auf das „+“-Zeichen neben „Bibliotheken“ und gehen dann vor wie bei der ersten Bibliothek. Der Plex Media Server untersucht jetzt die Inhalte und ruft Informationen wie Coverbilder, Titel und Beschreibungen aus dem Internet ab. Manuell lässt sich die Suche jederzeit über „...“ rechts von „Bibliotheken“ und den Menüpunkt „Mediatheken aktualisieren“ anstoßen.

Plex Home Theater: Die Plex-Software basiert auf XBMC/Kodi und bietet ähnliche Funktionen. Nach der Anmeldung findet sie einen Plex Media Server im Netzwerk automatisch.
Vergrößern Plex Home Theater: Die Plex-Software basiert auf XBMC/Kodi und bietet ähnliche Funktionen. Nach der Anmeldung findet sie einen Plex Media Server im Netzwerk automatisch.

Zu den Einstellungen des Servers gelangen Sie über das Werkzeugsymbol. Klicken Sie rechts oben auf „Server“ und dann im Menü auf der rechten Seite auf „Mediathek“. Plex Media Server aktualisiert die Medienbibliotheken standardmäßig nicht automatisch. Um das zu ändern, setzen Sie ein Häkchen vor „Meine Mediathek automatisch aktualisieren“. Sie können auch „Meine Mediathek regelmäßig aktualisieren“ wählen und darunter ein Zeitintervall einstellen. Wenn Sie DLNA nutzen möchten, kontrollieren Sie unter „DLNA“, ob ein Häkchen bei „Enable DLNA server“ gesetzt ist. Eine weitere Konfiguration ist dafür nicht nötig.

Urteil: Filme auf kinox.to und Co. schauen, ist rechtswidrig

5. Clientsoftware für Plex verwenden

Wenn Sie den Plex Media Server installiert haben, können Sie Kodi als Abspielclient auf dem PC oder am TV-Gerät verwenden. Binden Sie den Server in eine Medienbibliothek über UPnP ein (-> Punkt 3). Für Windows gibt es den Plex Media Player unter www.plex.tv/downloads , für Linux das Plex Home Theater (basiert auf XBMC/Kodi). Dafür ist eine kostenlose Registrierung bei www.plex.tv nötig. Für die Installation unter Ubuntu oder Linux Mint verwenden Sie die folgenden vier Terminalbefehle:

sudo add-apt-repository ppa:plexapp/plexht
sudo add-apt-repository ppa:pulse-eight/libcec
sudo apt-get update
sudo apt-get install plexhometheater

Nach dem Start von Plex Home Theater begrüßt Sie ein Installationsassistent, der Sie nach der gewünschten Methode für die Audioausgabe fragt. Das Programm zeigt anschließend einen Code, den Sie auf http://plex.tv/pin nach der Anmeldung eingeben müssen.

Das Programm verbindet sich dann automatisch mit dem Plex-Server und zeigt die konfigurierten Kanäle und Bibliotheken. Die Bedienung ist ähnlich wie bei der Weboberfläche des Plex Media Servers. In den „Preferences“ stellen Sie unter „International“ die Sprache auf „Deutsch“ um und konfigurieren die Zeitzone.

Plex direkt auf dem Fernseher: Für viele TV-Geräte oder Blu-ray-Player etwa von LG, Sony oder Samsung gibt es eine Plex-App, die entweder bereits mitgeliefert wird oder sich nachinstallieren lässt. Konfiguration und Bedienung entsprechen Plex Home Theater auf dem PC.

Plex für mobile Geräte: Die Apps für mobile Geräte entsprechen ebenfalls optisch und funktional Plex Home Theater. Sie finden sie am schnellsten über die Suchfunktion von Google Play, iTunes oder im Windows Phone Store zu Preisen um die fünf US-Dollar. Beim ersten Start werden Sie aufgefordert, sich bei Plex zu registrieren und anzumelden. Wenn Sie die App nur im eigenen Netzwerk verwenden, können Sie die Anmeldung überspringen.

Eine Alternative ist die werbefinanzierte App Bubble UPnP . Starten Sie die App und tippen Sie auf „Devices“. Unter „Renderers“ belassen Sie die Voreinstellung „Local Renderer“, um ein Video auf dem Smartphone abzuspielen. Unter „Libraries“ tippen Sie Ihren DLNA-Server an.

Gehen Sie dann in der unteren Leiste auf „ Library“ und navigieren Sie zum gewünschten Ordner beziehungsweise Video. Die Wiedergabe erfolgt mit einer externen Player-App. In der Regel genügt der vorinstallierte Videoplayer. Bei Problemen können Sie auch zu einer bewährten kostenlosen App wie MX Player greifen.

Kodi ist ein sehr beliebtes, frei verfügbares Medien-Center, mit dem man bequem Filme, Musik und Bilder verwalten und abspielen kann. In Verbindung mit dem Fire TV oder Fire TV Stick von Amazon wird daraus aus jedem Fernseher eine Multimedia-Zentrale im Heimnetz. Wir zeigen Ihnen in diesem Video, wie Sie Kodi ganz einfach auf dem Fire TV und auf dem Fire TV Stick installieren können.

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