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Multiboot für den Raspberry Pi - so geht's

28.04.2022 | 09:49 Uhr |

Wenn Sie mehrere Systeme mit Multibootauswahl auf dem Raspberry Pi installieren und abwechselnd nutzen wollen, müssen Sie die SD-Karte entsprechend vorbereiten. Dieser Beitrag zeigt, wie das funktioniert.

Da der Systemdatenträger eines Raspberry eine leicht zugängliche SD-Karte ist, scheint Multiboot hier gar kein Thema: Sie stecken vor dem Gerätestart einfach die SD-Karte mit dem System ein, das Sie gerade benötigen. Es geht aber noch komfortabler – und ordentlicher – mit einer großen Multiboot- SD-Karte, die mit speziellen Werkzeugen bearbeitet wird.

Pinn nutzt den Browser

Elegant und wirklich einfach ist die Nutzung von Pinn, dessen Konfiguration Sie größtenteils im Browser vornehmen. Besuchen Sie dazu die Seite „ https://pinn.mjh.nz/ “. Dort wählen Sie zunächst aus, über welchen Datenträger Sie den Raspberry starten wollen. Zudem definieren Sie die Größe des Mediums. Das Angebot orientiert sich an den verbreiteten Kapazitäten im Handel. Nutzen Sie eine davon abweichende Größe, tragen Sie diese manuell ein. Der nächste Schritt führt Sie anschließend zur Auswahl des Modells des Raspberry Pi.

Danach suchen Sie bereits die gewünschten Betriebssysteme aus. Die Darstellung wirkt zunächst verwirrend, weil es offensichtlich keine Felder zum Anklicken gibt. Die sind allerdings auch nicht nötig. Sie markieren einfach die Betriebssysteme aus den verschiedenen Kategorien. Die Markierung aus einem anderen Abschnitt bleibt beim Wechsel der Kategorie erhalten. Haben Sie Ihre Wahl getroffen, klicken Sie auf „Next“ am oberen Bildschirmrand. Das ist die Zusammenfassung Ihrer Auswahl. Wenn dies notwendig erscheint, können Sie mittels der Schieberegler die Größe der einzelnen Partitionen verändern.

Pinn: Dank eines cleveren Konzepts ist die Nutzung von Pinn im Browser möglich. Zunächst muss das Speichermedium und dessen Größe definiert werden.
Vergrößern Pinn: Dank eines cleveren Konzepts ist die Nutzung von Pinn im Browser möglich. Zunächst muss das Speichermedium und dessen Größe definiert werden.

Klicken Sie nun erneut auf „Next“. Dieser bereits abschließende Dialog zeigt zwei Schaltflächen. Mit der ersten laden Sie sich das Archiv „pinn-lite.zip“ auf den Rechner, mit der zweiten eine Datei mit dem Namen „recovery-cmdline“. Ist der Download abgeschlossen, entpacken Sie das Archiv zunächst in einem beliebigen Verzeichnis. Achten Sie aber darauf, dass beim Entpacken die Ordnerstruktur des Archivs erhalten bleibt. Anschließend kopieren Sie die zweite Datei in den Ordner „pinn-lite“. Die Frage nach dem Überschreiben der bereits vorhandenen Datei bestätigen Sie.

Jetzt formatieren Sie die SD-Karte in der von Ihnen gewählten Größe mit dem Dateisystem FAT32. Dazu verwenden Sie beispielsweise Etcher oder ein anderes Werkzeug. Den Inhalt des Ordners kopieren Sie im Anschluss auf die SD-Karte.

Nun geht’s vom PC zum Raspberry: Dieser wird nun mit der neuen SD-Karte gestartet und vorzugsweise per Ethernet mit dem Internet verbunden. Im Rahmen des Startvorgangs blendet der Rechner die Pinn-Oberfläche ein. Dort wählen Sie die von Ihnen vorher definierten Betriebssysteme aus, die im Anschluss installiert werden. Nach dem Neustart des Raspberry zeigt dieser dann das Bootmenü zur Auswahl der installierten Betriebssysteme.

Berryboot: Alles direkt auf dem Pi

Berryboot: Die Schritte mit Berryboot sind nicht kompliziert. Allerdings verlagert sich die Aktion hier auf den Rechner, wo Sie die Systeme wählen und das Startmenü konfigurieren.
Vergrößern Berryboot: Die Schritte mit Berryboot sind nicht kompliziert. Allerdings verlagert sich die Aktion hier auf den Rechner, wo Sie die Systeme wählen und das Startmenü konfigurieren.

Einen anderen Ansatz nutzt Berryboot, das Sie im Internet unter www.berryterminal.com/doku.php/berryboot herunterladen können. Es verlagert die Auswahl und Einrichtung der verschiedenen Betriebssysteme direkt auf den Raspberry Pi. Sie laden sich das Archiv mit der aktuellen Version lokal auf Ihren Rechner, wo Sie es unter Beibehaltung der Ordnerstruktur entpacken. Auch diesem Fall benötigen Sie eine mit FAT32 formatierte SD-Karte. Auf diese kopieren Sie den Inhalt des heruntergeladenen Archivs. Von dieser Karte starten Sie dann Ihren Raspberry.

Nach dem Systemstart werden Sie von einem kurzen Einrichtungsdialog begrüßt. Über diesen können Sie eventuelle Darstellungsprobleme beheben und auch eine WLAN-Verbindung einrichten. Ist der Rechner bereits mit dem Internet verbunden, versucht Berryboot auf Basis von Geodaten die Zeitzone, den Ort und damit die Belegung der Tastatur automatisch einzustellen. Dies ändern Sie nach Bedarf manuell ab.

Im nächsten Schritt legen Sie fest, wo die Betriebssysteme installiert werden sollen. Sofern es nicht die aktuell verwendete SDKarte sein soll, verbinden Sie den externen Datenträger jetzt mit dem Pi und wählen diesen aus, nachdem er vom System erkannt wurde. Mit „Format“ starten Sie die Formatierung des Ziels. Dabei werden alle darauf gespeicherten Daten gelöscht. Jetzt öffnet sich der Dialog zur Auswahl eines Betriebssystems. Nachdem Sie es ausgewählt haben und mit „OK“ bestätigt haben, wird es heruntergeladen. Im Anschluss zeigt Ihnen Berryboot den Bootloader des Systems.

Mit „Add OS“ aus dem oberen Menü laden Sie im Anschluss das nächste Betriebssystem herunter. Wenn Sie die Maustaste beim Druck auf das Icon gedrückt halten, steht Ihnen die Option zur Verfügung, ein Betriebssystem zu integrieren, das sich auf einem angeschlossenen USB-Stick befindet. Sind erst einmal mehrere Systeme auf diese Weise integriert, gibt es die zusätzliche Option, eines davon als Standard zu definieren. Dieses OS wird also automatisch aufgerufen, sofern Sie im Bootloader keine andere Auswahl treffen.

Noobs gibt es auch noch

Noobs: Auch Noobs ermöglicht Raspberry-Multiboot, das Tool scheint aber nicht mehr ganz so populär.
Vergrößern Noobs: Auch Noobs ermöglicht Raspberry-Multiboot, das Tool scheint aber nicht mehr ganz so populär.

Fast etwas in Vergessenheit geraten ist Noobs (New Out of Box Software), seitdem es von der Raspberry Foundation nicht mehr prominent auf der Projektseite beworben wird. Es bietet ebenfalls eine sehr komfortable und einfache Möglichkeit, mehrere Betriebssysteme auf der SD-Karte zu installieren und wahlweise zu starten. Die aktuellste Version finden Sie stets auf Github . Die Vorgehensweise unterscheidet sich nicht von Berryboot. Sie benötigen eine mit FAT32 formatierte SD-Karte, auf die Sie die lokal entpackte Version kopieren. Mit dieser wird anschließend der Raspberry gestartet. Aus dem Startmenü wählen Sie dann die gewünschten Betriebssysteme aus. Wenn Sie sich für den Download der Lite-Version entschieden haben, bringt diese nicht die Installationsdateien für weitere Systeme mit. Diese werden also über das Internet nachgeladen. Nachdem Noobs die ausgewählten Systeme installiert und eingerichtet hat, lässt Ihnen das Programm bei jedem Systemstart die Wahl zwischen den Betriebssystemen.

Netzwerkboot als Alternative

Eine andere Möglichkeit, den Raspberry mit verschiedenen Betriebssystemen zu starten, ist das Booten über ein Netzwerk. Der Vollständigkeit halber sei dieser Weg hier erwähnt, auch wenn es sich dabei nicht um ein „echtes“ Multiboot handelt. Das Tool Pi Server ist im Raspberry-Desktop-System bereits enthalten. Damit ist es möglich, eine oder mehrere im gleichen Netz befindliche Platinen mit einem definierten Betriebssystem zu starten. Der exakte Ablauf würde indes den Rahmen dieses Beitrags sprengen, ist aber nicht sonderlich kompliziert. Sollten eine ganze Reihe von Platinen auf diese Weise im Wechsel mit anderen Systemen gebootet werden, ist es aber sinnvoller, den Desktop auf einem klassischen PC zu installieren, um von der höheren Rechenleistung zu profitieren. Generell ist der Raspberry Pi inzwischen auch in der Lage, via Netzwerk zu starten. Allerdings ist der Aufbau eines Netboot-Servers keine triviale Angelegenheit. Mit den hier vorgestellten Werkzeugen für SD-Karten funktioniert Multiboot deutlich einfacher.

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