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Multiboot-Stick: Alles, was man für den Notfall braucht

07.10.2019 | 14:32 Uhr |

Ein USB-Stick mit mehreren Rettungssystemen ist in vielen Situationen das ideale Werkzeug, wenn der Rechner mitsamt Windows nicht mehr läuft. Hier lesen Sie, wie Sie einen solchen Multiboot-Stick zusammenstellen.

Man braucht nur ein paar Jahre zurückzublicken, da waren Discetten noch das Rettungsmedium der Wahl: zur Reparatur, zum Sichern von Daten, zum Einspielen von Firmware-Updates und für anderes mehr. Längst von den optischen Medien verdrängt, erleiden diese nun ein ähnliches Schicksal, da immer weniger Rechner über ein CD- und DVD-Laufwerk verfügen.

Ersatz bilden bootfähige USB-Sticks, die sich bequem transportieren lassen und die man deshalb im Idealfall immer dabei hat. Darüber hinaus verfügt jeder noch so kompakte Computer über eine passende Buchse zum Anstecken. Weil die Preise von USB-Sticks immer weiter fielen und ihre Speicherkapazität immer größer wurde, ist der Gedanke naheliegend, mehrere Rettungssysteme auf einem einzigen Bootstick zu integrieren. So braucht man nur einen Stick, der aber dennoch einen Rechner mit dem System booten kann, welches für das akute Problem das richtige ist.

Nachfolgend zeigen wir, wie Sie einen solchen Multiboot-Stick erstellen, die erforderlichen ISO-Daten auf den Datenträger schreiben und einen Bootmanager für die spätere Systemauswahl installieren. Das geht unkompliziert mit vielen Rettungssystemen. 

Siehe auch:  PC startet nicht (richtig) - So gehen Sie vor

Multiboot-USB-Stick mit Bootmanager erzeugen 

Wenn Xboot es nicht automatisch erledigt, müssen Sie beim Einfügen eines ISO-Images in das Multiboot-Projekt den Typ des Systems definieren.
Vergrößern Wenn Xboot es nicht automatisch erledigt, müssen Sie beim Einfügen eines ISO-Images in das Multiboot-Projekt den Typ des Systems definieren.

Die Verwendung mehrerer Rettungssysteme im ISO-Format erfordert den Einsatz eines Bootmanagers auf dem Stick. Dazu müssen Sie die Images auf den Stick übertragen, das Medium startfähig machen und den Manager für die Auswahl der Systeme installieren. Dieser Prozess ist mit Xboot  sehr einfach.

So geht's: Starten Sie das Programm Xboot ohne Installation. Ziehen Sie die erste ISO-Datei mit gedrückter Maustaste in das Hauptfenster von Xboot. Nun erscheint das Dialogfenster „Identify the ISO file“, indem Sie über den kleinen grauen Pfeil rechts den obersten Eintrag „Add using Grub4dos ISO Image emulation –› Add this file“ auswählen. Das USB-Tool verfügt über eine Datenbank, mit der es bekannte ISO-Systeme erkennt und automatisch die Einstellungen vornimmt. Stecken Sie nun einen USB-Stick an Ihren Rechner und starten Sie den Schreibvorgang über die Schaltfläche „Create USB“, nachdem Sie einen passenden Laufwerksbuchstaben ausgewählt und mit „OK“ bestätigt haben.

Um einen Multiboot-Stick mit der Auswahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Rettungs- und Notfallsystemen zu erzeugen, ziehen Sie die verschiedenen ISO-Dateien nacheinander auf die Xboot-Oberfläche.

Tipp: Xboot erzeugt die Bezeichnungen in der Liste des Bootmanagers für die ISO-Auswahl an Hand ihrer Dateinamen. Benennen Sie die Dateien deshalb vor dem Zusammenstellen so um, dass die Einträge später klar erkennbar sind. 

In der Xboot-Übersicht mit den zu installierenden Daten finden Sie zudem die Spalte „Category“. Bei bekannten ISOs wird durch dort automatisch ein Eintrag erstellt. Daraus erzeugt Xboot im Bootmanager ein Untermenü, das alle Tools einer Kategorie zusammenfasst. Wenn Sie dies nicht wünschen und das ISO-System auf der obersten Ebene erscheinen soll, löschen Sie die Einträge in den Category-Zellen. Die Spalte „Help Text“ nimmt die Beschreibung zu den eingefügten ISOs auf. Diese Information sehen Sie später unterhalb des Bootmenüs. Die Texte sind nicht unbedingt notwendig, jedoch hilfreich, wenn Sie den Stick für andere erstellen.

Rechner vom USB-Stick starten und dann das System auswählen

Der Multiboot-USB-Stick meldet sich nach dem Start mit einem Menü zur Auswahl aller Rettungssysteme, die Sie zuvor konfiguriert haben.
Vergrößern Der Multiboot-USB-Stick meldet sich nach dem Start mit einem Menü zur Auswahl aller Rettungssysteme, die Sie zuvor konfiguriert haben.

Nach dem Erzeugen des Multiboot-Sticks lassen Sie den USB-Stick am Rechner und starten diesen neu. Bei den meisten neueren PCs brauchen Sie nur eine bestimmte Taste zu drücken, um einen Liste mit allen zum Booten möglichen Datenträgern aufzurufen – in diesem Fall also den Stick sowie die eingebaute Festplatte mit dem installierten Windows. Welche Taste – meist eine der Funktionstasten F1 bis F12 – die Bootauswahl anzeigt, wird am Bildschirm eingeblendet. Bei älteren PCs fehlt diese temporäre Bootoption, Sie müssen dann das komplette Bios- beziehungsweise Uefi-Menü öffnen, darin bei den Bootoptionen den USB-Stick aktivieren und vor den integrierten Bootmanager oder die eingebaute HardDisc positionieren. Mit der Taste F10 speichern Sie die Änderung.

Bootet der Computer nun vom Stick, ruft er die zuvor von Ihnen mit Xboot erzeugten Rettungssysteme auf dem portablen Speicher ab und blendet diese samt Bootmenü ein. Zum Auswählen haben Sie rund fünf Sekunden, dann wechselt der Computer automatisch zur eingebauten Festplatte und beginnt mit dem Bootvorgang des installierten Betriebssystems. Mit den Pfeiltasten „auf/ab“ wählen Sie innerhalb des Zeitfensters ein System aus und bestätigen die Eingabe mit der Enter-Taste.

Die Rettungssysteme checken nach dem Start die Hardware; dabei werden auch die zur Verfügung stehenden Laufwerke und die Netzwerkkarte ermittelt. Danach erzeugen sie eine RAM-Disc und installieren sich darin selbst. Auf diese Weise arbeiten sie unabhängig von Datenträgern wie der lokalen Festplatte. Beim Start werden auch eventuelle Netzverbindungen aufgebaut, damit später Daten aus dem Internet nachgeladen und Updates ausgeführt werden können. Die Verbindungen helfen auch bei Backups, um diese auf eine Netzlaufwerk eines anderen PCs oder eine Netzwerkfestplatte zu schreiben.

USB-Sticks erstellen und testen

Das Zusammenstellen des USB-Sticks ist eine einfache Sache. Zum Testen können Sie einen Zweitrechner verwenden und dort vom Minispeicher starten. Ist kein zweiter Computer vorhanden, testen Sie im ersten Schritt mit dem in „Xboot“ integrierten Qemu. Das Tool emuliert einen PC und arbeitet mit DOS-basierenden Rettungssystemen meist problemlos.

Systeme basierend auf WindowsPE oder Linux mit Oberfläche bereiten an dieser Stelle oft Probleme. In solchen Fällen testen Sie das Medium in Kombination mit einer virtuellen Maschine. Das können Virtualbox oder Vmware Workstation Player sein. Der direkte Start vom USB-Stick ist bisher nicht möglich. Nutzen Sie in „Xboot“ den Knopf „Create ISO“ zum Schreiben eines Abbilds eines optischen Datenträgers. Binden Sie dieses als Laufwerk in die virtuelle Maschine ein und starten Sie davon. Nach kurzer Zeit sehen Sie das Auswahlmenü und rufen darüber eine der verwendeten Komponenten auf.

In der Einstellung „Massenspeicher“ von Virtualbox definieren Sie das Multiboot-ISO als Startmedium für die Emulation.
Vergrößern In der Einstellung „Massenspeicher“ von Virtualbox definieren Sie das Multiboot-ISO als Startmedium für die Emulation.

Rettungssysteme für Virenscan, sicheres Löschen und Diagnose 

Die AVG Rescue-Disc spürt Viren, Trojaner und andere digitale Schädlinge ohne den Start des eigentlichen Betriebssystems auf.
Vergrößern Die AVG Rescue-Disc spürt Viren, Trojaner und andere digitale Schädlinge ohne den Start des eigentlichen Betriebssystems auf.

Viele Notfallsysteme arbeiten mit DOS-ähnlichen Oberflächen ohne Mausunterstützung, so auch das Sicherheitspaket von AVG. Die „Rescue Disc“ scannt auf Wunsch alle Datenträger nach Viren, Trojanern und anderem Schadcode. Dazu untersucht das AVG-System den Rechner nach vorhandenen Speichermedien und bindet diese ein. Danach wählt man im Menü den Scanvorgang für die Festplatten. Werden dabei Bedrohungen gefunden, entfernt das AVG-Paket diese auf Anweisung.

Ebenfalls mit einer Textoberfläche arbeitet Darik’s Boot and Nuke . Dieses Programm hilft beim sicheren Löschen der Daten auf Ihren Festplatten – wichtig, wenn Sie einen PC verkaufen möchte. Der Vorgang stellt sicher, dass keine persönliche Daten in falsche Hände gelangen. Die Software sucht nach dem Start nach angeschlossenen Festplatten und bietet dann das sichere Löschen der Daten an. Das funktioniert nicht bei Rechnern mit Uefi-Modus, Dban unterstützt zudem keine SSD-Datenträger und Raid-Verbünde. Für diese Optionen bietet der Hersteller eine kostenpflichtige Lösung an.

Für SSD-Datenträger nutzen Sie die Funktion „Rettungswerkzeuge –› Sicher löschen“ des PC-WELT-Rettungssystems (Weiteres dazu siehe nächster Absatz).

Zum Untersuchen der Hardware und der angeschlossene Peripherie eignet sich Ultimate Boot CD . Das Paket beinhaltet verschiedene Diagnose-Tools für Bios/Uefi, Festplatte, Prozessor und Hauptspeicher. Außerdem ist die Festplattenverwaltung Parted Magic integriert.

Uefi und Bios: So lösen Sie typische Probleme

Mehr Komfort mit Oberfläche und leistungsfähigen Tools 

Viele Rettungstools findet der Anwender auf „Hiren’s Boot CD PE“, darunter die Backup- und Image-Software Acronis True Image 2018.
Vergrößern Viele Rettungstools findet der Anwender auf „Hiren’s Boot CD PE“, darunter die Backup- und Image-Software Acronis True Image 2018.

Moderne Notfallsysteme besitzen eine grafische Nutzeroberfläche. Diese basiert zwar auf Linux oder Windows PE, die Bedienung lehnt sich jedoch an Windows an. Das macht den Einstieg sehr einfach. Beispiele sind das schon genannte PC-WELT-Rettungssystem sowie Hiren’s Boot CD PE. Beide lassen sich auf einem USB-Stick installieren und per Bootmanager starten.

Das PC-Welt-System erstellt mit Clonezilla ein Backup der Festplatte in Form einer 1:1-Kopie. Gparted hilft beim Bearbeiten von Partitionen, unter anderem lassen sich die Größen der einzelnen Bereiche ändern. Über das Startmenü links oben finden Sie weitere Werkzeuge, darunter den Registry-Editor Fred sowie ein Tool zum Zurücksetzen von Windows-Passwörtern.

Ähnliche Funktionen bietet Hiren’s Boot CD PE mit einer Oberfläche auf Basis von Windows 10. Im Startmenü blenden Sie mit „All Programs“ zahlreiche Tools für unterschiedliche Hilfsprogramme für verschiedene Anwendungsbereiche ein. Mit an Bord ist die Backup-Software Acronis True Image 2018 , dank Netzwerkanbindung lassen sich die Daten auch auf andere Rechner übertragen und dort archivieren.

Mit Recuva aus dem Bereich „Hard Disc Tool/Recovery Tools“ lassen sich auf einer Festplatte gelöschte Dateien wiederherstellen. Windows entfernt die Daten nicht sofort vom Datenträger, sondern überschreibt sie nach und nach. Der Start vom Rettungssystem verhindert, dass Windows auf den Datenträger schreibt. Das erhöht die Chance, Dokumente, Fotos, Musik oder Video wieder zurückzuholen.

Beim Umstieg auf einen neuen Rechner möchten Anwender oft gekaufte Software weiterhin nutzen. Dazu sind die Seriennummern notwendig. Startet der alte PC nicht mehr, lassen sich die mit den Keyfinder-Tools im Bereich „Security“ ermitteln: Produkey und Showkey Plus lesen die Codes der installierten Software aus.

Datenträger verwalten und Daten-Backups erstellen

Regelmäßige Backups und Datensicherungen schützen vor Datenverlust, etwa durch defekte Hardware, fälschliches Überschreiben oder durch Schadsoftware wie Ransomware. In solchen Fällen spielen Sie einfach Ihre zuvor gesicherten Daten zurück. Auch vor größeren Änderungen am Betriebssystem ist ein Backup der Windows-Partition empfehlenswert. Geht bei Neuinstallationen von Software oder einem Update etwas schief, kann man den alten Zustand aus einem Image schnell zurückspielen.

Paragon Backup & Recovery lässt sich als ISO aus dem gleichnamigen Windows-Programm erstellen und dann auf einem Multiboot-Stick nutzen. Das Tool erlaubt die Sicherung und das Wiederherstellen auf Basis von Dateien und Ordnern sowie als Image einer Festplattenpartition. Das System Paragon Rescue Kit Free (Bestandteil von Paragon Festplatten Manager) kann den Bootsektor bearbeiten, Dateien und Verzeichnisse sichern sowie Partitionen retten. Auch zum Einbinden dieses Pakets erzeugen Sie zunächst das ISO-Image aus Paragon Rescue Kit Free (siehe Kasten). 

Paragon Rettungssyteme: So bereiten Sie die ISO-Dateien vor

Die kostenlosen Rettungssysteme von Paragon erlauben auch den Start von einem USB-Stick. Für ein Multiboot-Projekt müssen Sie dazu ISO-Images in den Programmen erzeugen. Bei Rescue Kit Free finden Sie die Funktion auf der Startseite, bei Paragon Backup & Recovery Free in den Einstellungen (Zahnrad-Symbol). Nach dem Start des Assistenten wählen Sie die Option „ADK“ beim „Erstellmodus“, folgen den Anweisungen des Assistenten und wählen als Ausgabemedium „ISO“. Legen Sie Ordner und Dateinamen für das zu erzeugende Image fest. Falls Sie noch kein APK-Paket installiert haben, öffnen Sie den Link zum Laden bei Microsoft, starten den Download und installieren das Paket. Die so erstellten ISO-Dateien binden Sie wie eingangs beschrieben mit Xboot in den Multiboot-Stick ein.

Die Paragon-Rettungssysteme als ISO-Dateien müssen Sie erst erzeugen; dabei hilft ein Assistent.
Vergrößern Die Paragon-Rettungssysteme als ISO-Dateien müssen Sie erst erzeugen; dabei hilft ein Assistent.

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