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Smartphone & PC perfekt im Urlaub nutzen

07.08.2019 | 08:01 Uhr |

Wenn das Smartphone im Ausland den „Tatort“ verweigert, ist das für Krimifans ärgerlich, aber meist leicht zu beheben. Unser Ratgeber erläutert, wie Sie solche Enttäuschungen, unnötige Handygebühren und Gefahren im WLAN während der Ferien vermeiden.

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erleben. Das gilt mitunter auch für all die modernen Annehmlichkeiten wie mobiles Telefonieren und Surfen, Musik- und Videostreaming sowie Fernsehen über das Internet. Denn oft genug kommt es vor, dass irgendetwas im Ausland nicht so funktioniert wie zu Hause. Oder dass das Gleiche dort erheblich höhere Kosten verursacht.

Dieser Ratgeber erläutert, wie die Nutzung von Geräten und Webdiensten im Ausland funktioniert, wo sie eventuell eingeschränkt ist und welche Extrakosten auf Sie zukommen können. Dazu geben wir Tipps für die richtigen Einstellungen, Apps und Vorbereitungen für Smartphone und Notebook.

Tipp: Mobilfunktarife ohne Datenlimit im Check

Roamingkosten für Internet und Telefonie sind in der EU passé 

Jahrelang waren Zusatzkosten bei der Benutzung des Mobiltelefons im Ausland ein regelrechtes Ärgernis, doch mittlerweile sind die Roaminggebühren in der Europäischen Union untersagt. Seit Sommer 2017 gilt nach dem „Roam like at Home“-Prinzip der inländische Mobilfunktarif auch in den übrigen EU-Ländern.

Rechnet Ihr Provider Gespräche, SMS und das Datenvolumen für mobiles Internet pro Minute, Nachricht und verbrauchtem MByte einzeln ab, fallen jenseits der Grenzen also die gleichen Kosten an wie zu Hause. Haben Sie für eine oder mehrere dieser Nutzungsarten ein Paket mit bestimmten Frei-Minuten, -SMS und -GByte gebucht, stehen diese ohne zusätzliche Kosten im EU-Ausland zur Verfügung. Das gilt sowohl für Prepaid-Karten als auch für Laufzeitverträge. Am Telefon oder im Vertrag ist dazu keinerlei Umstellung erforderlich.

Ein paar Besonderheiten gibt es dann aber doch: Ausgenommen sind Verträge mit echter Flatrate für mobiles Internet. Deutsche Telekom und Vodafone gewähren ihren Kunden im EU-Ausland 30 GByte monatliches Datenvolumen, Telefonica (O2) nur die vorgeschriebene Mindestmenge von 23 GByte. Ausgenommen sind auch Community-Flatrates, also kostenlose Telefonate ins Netz des eigenen Mobilfunkanbieters. Aufpassen sollten Sie zudem, wenn Sie irgendwann einmal individuelle Roamingoptionen dazu gebucht haben: In diesem Fall greift „Roam like at Home“ erst wieder, wenn Sie diese Sonderregelungen kündigen.

Die Roamingverordnung gilt sowohl für die derzeit 28 Mitgliedsstaaten – noch inklusive Großbritannien – sowie für Island, Liechtenstein und Norwegen. Nicht dabei sind also die Urlaubsländer Türkei und Schweiz. Zusätzliche Gebühren können deshalb schon bei der Fahrt durch die Alpen, aber auch beim zollfreien Einkauf in Andorra und sogar beim Besuch des Petersdoms im Vatikanstaat anfallen.

Kompliziert durch Reisepakete, Deutschland-Tarife und „Fair use“ 

Roaminggebühren sind in allen EU-Staaten sowie Island, Norwegen und Liechtenstein abgeschafft.
Vergrößern Roaminggebühren sind in allen EU-Staaten sowie Island, Norwegen und Liechtenstein abgeschafft.

Nicht jeder Handybesitzer braucht daheim ein Pauschalpaket für mobiles Internet. Steht im Urlaub dagegen kein PC zur Verfügung, sieht die Sache schon anders aus. Für diese Zeit kann man – zumindest bei vielen Prepaid-Anbietern – zeitlich begrenzt für einen Monat ein ganz gewöhnliches Inklusivpaket mit Kontingent fürs Telefonieren und/ oder Surfen buchen. Das gilt dann dank „Roam like at Home“ auch im EU-Ausland. Alternativ offerieren viele Provider spezielle Reise-, Länder- oder EU-Pakete. Diese bieten ebenfalls eine bestimmte Datenmenge für mobiles Internet beziehungsweise Freiminuten zum Telefonieren. Weil hier aber keine gesetzlichen Vorgaben existieren, unterscheiden sich die Pakete von Provider zu Provider bei Leistungsumfang, Preis, Ländergültigkeit und Laufzeit. Hier bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als sich bei Ihrem Provider durch den Tarifdschungel zu kämpfen. Preislich starten solche Optionen bei rund fünf Euro für 500 MByte Volumen bei einer Woche Laufzeit. Aufzupassen gilt es bei EU-Paketen insofern, als nach Aufbrauchen des Kontingents wieder Kosten anfallen können.

Darüber hinaus verpflichtet die EU die Mobilfunkanbieter nicht dazu, Roamingdienste im Ausland auch tatsächlich anzubieten. Nur wenn sie das tun, dann eben innerhalb der Europäischen Union ohne Zusatzkosten. Tatsächlich machen einige Provider von dieser Regelung Gebrauch, „DeutschlandSIM“ trägt die Einschränkung bereits im Namen. Schließlich dürfen die Provider im Zuge der „Fair-use-Policy“ Aufschläge verlangen, wenn ein Nutzer seinen Mobilfunkvertrag mehr als vier Monate vorwiegend im Ausland nutzt. Teuer wird es auch auf Kreuzfahrtschiffen, denn hier bestimmen die Schiffsgesellschaften die Preise. Bei Aida beispielsweise kostet mobiles Internet teure 39 Cent pro Nutzungsminute (23,40 Euro pro Stunde!), sofern man nicht ein Paket bucht.

Zwei abschließende Tipps: Je nach bevorzugtem Nicht-EU-Urlaubsland kann es sich lohnen, den Mobilfunkprovider dauerhaft zu wechseln, sofern der neue dort günstiger ist. Oder Sie holen sich vor Ort gleich eine ausländische SIM-Karte. Zweitens: Die Roamingverordnung gilt nur für das EU-Ausland, nicht aber für Auslandstelefonate aus Deutschland. Hier gilt seit Mai eine andere Obergrenze, nämlich gut 22 Cent pro Gesprächsminute.

Sicherheit im WLAN

Öffentliches WLAN ist potenziell unsicher. Der Datenverkehr zwischen Ihrem Endgerät (Telefon, Tablet oder Notebook) und dem Hotspot ist in aller Regel nicht verschlüsselt und kann deshalb vergleichsweise einfach abgefangen werden. Sicher macht den Datenverkehr ein VPN-Tunnel per Software oder App, wie in diesem Artikel beschrieben. Nur steht im WLAN der Sicherheitsaspekt und nicht eine fremde IP-Adresse im Vordergrund. Die meisten nicht limitierten VPN-Dienste fürs Smartphone sind kostenpflichtig, der aktuelle Opera-Browser jedoch erlaubt unter Android eine uneingeschränkte VPN-Nutzung.

Ohne virtuelles privates Netzwerk erhöhen Sie die Sicherheit, indem Sie die automatische Verbindung zu offenen WLAN-Netzwerken deaktivieren.

Geoblocking: Musik-, Video- und TV-Streaming im Ausland

Minikreuzfahrten in der Ostsee gibt es schon ab 100 Euro.
Vergrößern Minikreuzfahrten in der Ostsee gibt es schon ab 100 Euro.

Der TV-Empfang im Ausland ist vielfach eingeschränkt. Wenn Sie am Smartphone oder Notebook versuchen, den Livestream über die Webseite des Fernsehsenders aufzurufen, erscheint häufig ein Hinweis, dass das Programm im Ausland aus rechtlichen Gründen nicht gezeigt wird. Man spricht von Geoblocking, wenn Inhalte und Dienste jenseits des Heimatlandes eines Nutzer blockiert werden. Technisch realisiert wird die Sperre meist über die IP-Adresse oder den Gerätestandort.

Seit gut einem Jahr hat die Europäische Union Geoblocking zumindest teilweise verboten: nämlich für „Bezahldienste“, nicht jedoch für freie Angebote. Am einfachsten lässt sich das an einem Beispiel erläutern. Wenn Sie in Ihrem Heimatland ein kostenpflichtiges Abo für IP-TV (zum Beispiel Zattoo oder Waipu.TV), Video on Demand (Netflix, Sky, Amazon und so weiter) oder Musik (Spotify, Apple Music und Co.) abgeschlossen haben, können Sie dieses jetzt auch im EU-Ausland praktisch uneingeschränkt sehen. Ausnahmen gibt es nur bei Sport- und ähnlichen Veranstaltungen mit speziellen Ausstrahlungsrechten fürs Web. Haben Sie sich in der jeweiligen App am Smartphone, Tablet oder Notebook angemeldet, sehen und hören Sie Ihre bezahlten Inhalte per Mobilfunkverbindung oder WLAN auch im EU-Ausland.

Jenseits der EU hat jeder Mobilfunkprovider seine eigenen Auslandskonditionen.
Vergrößern Jenseits der EU hat jeder Mobilfunkprovider seine eigenen Auslandskonditionen.

Diese Pflicht zur Durchleitung besteht jedoch nur bei kostenpflichtigen Diensten, also weder für die werbefinanzierten Webstreams von IP-TV oder Musik wie Zattoo Free oder Spotify Free, noch fürs Onlinefernsehen und die Mediatheken der Sender selbst. ARD, ZDF, Pro7, Sat1 & Co. dürfen also ins Ausland streamen, sie müssen es aber nicht.

Siehe auch: Die besten Musik-Streaming-Dienste im Vergleich

Tipp: Weil sich praktisch alle Streamingdienste ohne Mindestlaufzeit monatlich wieder kündigen lassen, können Sie die Inhalte auch nur für Ihren Urlaub abonnieren und anschließend sofort wieder abbestellen. Das gilt auch für die mobile Nutzung von Magenta TV, dem IP-TV der Deutschen Telekom.

In rund zwei Jahren steht die nächste Änderung an. Dann wird es für die Radio- und Fernsehsender rechtlich einfacher, ihre Sendungen auch im EU-Ausland auszustrahlen, so dass das Angebot an Livestreams und Mediathekeninhalten ab 2021 vermutlich deutlich wachsen wird.

Telefon für den Urlaub vorbereiten

Während zu Hause in aller Regel sicheres WLAN und günstiges mobiles Internet zur Verfügung stehen, ist das in vielen Urlaubsländern anders. Deshalb müssen Sie jedoch keineswegs ganz auf den Onlinezugang und die gewohnten Dienste verzichten: Vieles funktioniert auch offline oder mit minimaler Datenübertragung. So bieten die kostenpflichtigen Dienste für Musik- und Videostreaming die Möglichkeit, Musik, Filme und Serien daheim vorab im WLAN herunterzuladen und dann ganz ohne Internet zu hören und zu sehen. Darüber hinaus lässt sich in vielen Streaming-Apps die Qualität und damit die Datenrate reduzieren.

Eine Downloadoption existiert auch bei diversen Karten- und Navigations-Apps; in Google Maps finden Sie die Option über „Einstellungen –› Offlinekarten –› Wähle Deine eigene Karte aus –› Herunterladen“. Die Navigation selbst funktioniert per Satellit, also auch ganz ohne Onlineverbindung. Verzichten sollten Sie im Urlaub zudem auf alle App-Aktualisierungen.

Zwei Tipps zum Schluss.  Erstens:  Welche Apps bei Ihnen das meiste mobile Datenvolumen verbrauchen, sehen Sie auf Android-Geräten unter „Einstellungen –› Netzwerk & Internet –› Datennutzung –› Datennutzung durch Apps“, auf dem iPhone unter „Einstellungen –› Mobiles Netz –› Mobile Daten“.

Zweitens:  Angesichts der gesamten Urlaubskosten fallen rund zehn Euro für einen Monat unbeschränkten VPN-Zugang kaum ins Gewicht. Damit nutzen Sie Ihr Smartphone, Tablet oder Notebook gefahrlos auch im potenziell unsicheren WLAN. 

Geoblocking-Sperren sind durch VPN schnell ausgehebelt 

Falls irgendein Internetdienst im Ausland nicht wie gewohnt funktioniert, hilft der virtuelle Standard Deutschland in der VPN-App oder -Software meist schnell weiter.
Vergrößern Falls irgendein Internetdienst im Ausland nicht wie gewohnt funktioniert, hilft der virtuelle Standard Deutschland in der VPN-App oder -Software meist schnell weiter.

Die meisten Geoblocking-Sperren lassen sich mittels eines virtuellen privaten Netzwerks (VPN) einfach umgehen. Dabei verbinden Sie sich mit Ihrem Notebook, Smartphone oder Tablet nicht direkt mit dem Audio-, TV- oder Videodienst, sondern über einen VPN-Tunnel. Diese Umleitung hat zur Folge, dass der Internetanbieter nicht Ihre tatsächliche IP-Adresse im Ausland sieht, sondern die des (frei wählbaren) Standorts des VPN-Services. Um Ihre ausländische, also „fremde“ IP-Adresse über einen deutschen Server umzuleiten, genügt meist ein Fingertipp oder Mausklick auf „Deutschland“ (oder „Germany“). Umgekehrt lässt sich auch hierzulande ein US-Standort wählen, wenn Sie die meist größeren internationalen Angebote der Streamingdienste sehen möchten.

Beispiele für VPN-Dienste sind Cyberghost , Express VPN , Hotspotshield VPN und Tunnelbear VPN . Sie alle stellen Tools und Apps für Windows, Android und iOS zur Verfügung, dazu kommt ein jeweils monatlich begrenztes Gratisvolumen für die Datenübertragung. Unlimitiertes VPN kostet meist zwischen zwei und zehn Euro pro Monat.

In der EU dürfen Onlineshops Käufern aus dem Ausland den Einkauf nicht mehr verwehren.
Vergrößern In der EU dürfen Onlineshops Käufern aus dem Ausland den Einkauf nicht mehr verwehren.

Und wie ist die Nutzung eines VPN-Tools rechtlich zu beurteilen? Formal dürfte man damit häufig gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingen des Inhalteanbieters verstoßen. Der könnte Ihnen also gegebenenfalls seinen Dienst sperren, de facto passiert das aber nicht.

Das ist neu bei Online-Einkäufen im EU-Ausland

Im Gegensatz zu kostenpflichtigen Abodiensten müssen Gratis-Angebote wie die Livestreams der TV-Sender zu empfangen sein.
Vergrößern Im Gegensatz zu kostenpflichtigen Abodiensten müssen Gratis-Angebote wie die Livestreams der TV-Sender zu empfangen sein.

Seit Ende 2018 ist Geoblocking EU-weit bei Interneteinkäufen untersagt. Als Verbraucher dürfen Sie beim grenzüberschreitenden Online-Shopping in den übrigen Mitgliedsstaaten nicht mehr benachteiligt werden. Sperren oder Beschränkungen beim Shopzugang sind somit ebenso verboten wie die ungewollte Weiterleitung auf landesspezifische Verkaufsseiten. Zudem müssen Händler ihre Waren überall zum gleichen Preis anbieten und dürfen auch die Zahlungs- und Lieferoptionen nicht von Staatsangehörigkeit oder Wohnsitz der Kunden abhängig machen.

Allerdings regelt die EU-Verordnung nur den Shopzugang und den Warenverkauf, eine europaweite Lieferpflicht existiert dagegen nicht. Ein Händler muss Ware also nicht selbst ins EU-Ausland verschicken, er muss allerdings die Möglichkeit anbieten, gekaufte Produkte abzuholen oder deren Versand nach Deutschland zu organisieren. 

Android und iOS: Die Roamingeinstellungen am Smartphone

Damit das mobile Internet auch im Ausland funktioniert, muss „Roaming“ auf Ihrem Mobiltelefon eingeschaltet sein. Das erledigen Sie unter Android über „Einstellungen –› Netzwerk & Internet –› Mobilfunknetz“, am iPhone über „Einstellungen –› Mobiles Netz –› Roaming“. Umgekehrt können Sie sich während eines Auslandsaufenthaltes durch Deaktivieren der Roamingfunktion sicher vor unerwünschten Gebühren schützen.

Google bringt ein neues Pixel-Smartphone auf den Markt: Google Pixel 3a und 3a XL. Die größte Neuerung ist vor allem der Preis: Je nachdem, für welches Gerät man sich entscheidet, liegt der Preis zwischen 400 und 480 Euro. Ob das neue Google Pixel 3a und 3aXL mit der deutlich teureren Konkurrenz mithalten kann und was es mit dem mysteriösen Quietschen auf sich hat, erklärt euch Dennis in diesem Video.

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