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Mit VM-Schutzschild anonym im Web unterwegs

08.08.2019 | 14:15 Uhr |

Wer im Internet surft, hinterlässt seinen technischen Fingerabdruck und ist normalerweise nicht anonym. Immerhin lassen sich die eigenen Surfspuren soweit verwischen, dass es schwerer ist, ein Bewegungsprofil anzulegen oder Ihre Identität zu ermitteln.

Angefangen vom Typ Ihres Browsers, dem Betriebssystem und Ihrer Bildschirmauflösung über den Aufruf einzelner Webseiten bis hin zum Download einer Software – praktisch alles, was Sie online machen wird protokolliert. Welche Auswirkungen das in der Praxis haben kann, erleben Nutzer, die im Web einkaufen: Werbebanner, die Produkte anpreisen, über die man sich anderenorts informiert hat. Re-Targeting nennen das Marketing-Profis. Auch Dynamic Pricing ist ein gängiges Verfahren: Dabei wechselt der angezeigte Produktpreis nicht nur in Abhängigkeit der Nachfrage und Tageszeit. Wenn Sie die Seite häufiger besuchen und über Ihre IP-Adresse identifiziert werden, kommt Ihnen der Händler (vielleicht) beim Preis entgegen.

Die Auswertung Ihrer IP-Adresse ist nur eines von mehreren Kennzeichen, über das Sie nachverfolgbar sind. Mails werden über Kaskaden von Servern versendet, bis sie den Empfänger erreichen. Jeder, der unterwegs eine E-Mail abfängt, kann deren Inhalt lesen, sofern sie nicht verschlüsselt wurde. Das gilt für Instant Messenger streng genommen genauso. Ohne Gegenmaßnahmen ist es mit der Privatsphäre im Internet nicht gut bestellt. Wie Sie Schnüfflern ein Schnippchen schlagen, zeigen wir Ihnen in diesem Beitrag.

Die nachfolgend vorgestellten Maßnahmen erhöhen die Sicherheit Ihrer Privatsphäre und können Ihre Identität verschleiern. Absoluten Schutz kann aber kein Dienst bieten. Das gilt insbesondere auch für das Abfangen oder Auslesen persönlicher Daten durch Mitlauschen. Und auch das Thema unsicherer Zugangsdaten wird durch die Dienste nicht gelöst: Wer ein schwaches Passwort beim Home-Banking oder bei Paypal verwendet, muss trotzdem damit rechnen, dass sein Zugang geknackt wird.

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Den Internet-Datenverkehr mit einem VPN verschlüsseln

Ein probates Mittel, um halbwegs unerkannt im Internet unterwegs zu sein, führt über einen VPN-Tunnel (Virtual Private Network). Hierbei werden die Datenpakete nicht direkt von Ihrer virtuellen Maschine an den Zielserver gesendet, sondern über einen VPN-Server geleitet. Der Vorteil ist, dass in den Logdateien der besuchten Server nicht Ihre IP-Adresse, sondern die des VPN-Servers gespeichert wird. Darüber hinaus werden die über einen VPN-Tunnel gesendeten Daten auch verschlüsselt, was es Dritten erschwert, sie abzuhören. Um mit Tarnkappe ins Internet zu gehen, müssen Sie in der VM lediglich die vom Anbieter zur Verfügung gestellte Software installieren. Empfehlenswert sind unter anderem die VPN-Services von Hidemyass , Cyberghost und Vyprvpn .

Kommerzielle VPN-Anbieter ermöglichen in aller Regel aber nicht nur die Verschleierung der IP-Adresse, sondern auch das Umgehen von Geo-IP-Sperren. Solche Maßnahmen sollen verhindern, dass Anwender aus bestimmten Ländern Dienste – in erster Linie Streaming-Services – nutzen, die in ihren Ländern entweder gar nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Gehen Sie jedoch mit Ihrer IP-Adresse, die Sie als Nutzer aus Deutschland ausweist, über einen VPN-Server mit US-amerikanischer IP-Adresse online, gelten Sie für den Zielserver als Amerikaner.

Größter Nachteil: Die Nutzung eines guten VPN-Services kostet Geld. Zudem müssen Sie sich darauf verlassen, dass der Service Ihr Vertrauen nicht missbraucht und eventuell doch Daten weitergibt.

Tor-Tarnkappe beim Surfen

Geht es um die Online-Anonymität beim Surfen, stellt das Tor-Netzwerk nach wie vor die erste Wahl dar.
Vergrößern Geht es um die Online-Anonymität beim Surfen, stellt das Tor-Netzwerk nach wie vor die erste Wahl dar.

Wird die IP-Adresse des Computers regelmäßig gewechselt und verschleiert, schlagen Sie nicht nur der Werbeindustrie ein Schnippchen. Statt eines Besuchers, der zehn Seiten aufruft, erscheinen Sie in den Logdateien des Servers als zehn Besucher, die jeweils eine Seite aufgerufen haben. Das Tor-Netzwerk (The Onion Router) verschleiert die tatsächliche IP-Adresse durch zwischengeschaltete Proxy-Server. Die Pakete nehmen also nicht mehr den kürzesten Weg von Ihnen zum Ziel-Server, sondern gehen über Zwischenstationen ans Ziel. Der erste Tor-Knoten, mit dem Sie verbunden werden, kennt Ihre aktuelle IP-Adresse, der zweite und dritte nicht mehr – und erst recht nicht der Ziel-Server. Das Netz ist so aufgebaut, dass jede Zwischenstation immer nur die IP-Adresse seines Vorgängers kennt. Das erschwert die Rückverfolgung zum Absender eines Pakets.

Das Prinzip hat auch Nachteile: Je nach Auslastung wird die Surfgeschwindigkeit deutlich langsamer. Schon eine überlastete Zwischenstation kann bremsen. Und wie bei allen Netzwerken gilt auch hier, dass es nur so sicher sein kann, solange es nicht kompromittiert wird. Gelingt es Überwachungsstellen, einen Tor-Knoten zu überwachen, ist es nicht nur theoretisch möglich, einen Nutzer wieder zu de-anonymisieren. Im Zweifel sorgen die Nutzer selbst dafür, weil etwa Toolbars und Erweiterungen im Browser eingerichtet sind, die ihn identifizierbar machen. Beachten Sie ferner, dass die meisten Zwischenknoten im Tor-Netz durch Freiwillige bereitgestellt werden. Eine Kontrolle dieser Personen findet nicht statt. 

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IP-Adresse mit Jondo verschleiern

Der Jondo-Browser basiert auf dem Tor-Prinzip.
Vergrößern Der Jondo-Browser basiert auf dem Tor-Prinzip.

Einen technisch vergleichbaren Ansatz zum Tor-Netzwerk wählt Jondo , das in Deutschland entwickelt wurde . Die Datenpakete werden hier ebenfalls über eine Kaskade von Knoten weitergeleitet, wobei auch die IP-Adresse des Empfängers verschlüsselt wird. Um das Netzwerk gegen das Risiko zu schützen, setzt Jondo auf zertifizierte Teilnehmer im eigenen Netzwerk. Den Jondo-Browser können Sie gratis nutzen, müssen dann aber mit einem eingeschränkten Tempo von 30 bis 50 KBit/s leben. Wer mehr Geschwindigkeit wünscht, benötigt das kostenpflichtige Premiumpaket. Das günstigste Flat-Angebot für 8,33 Euro pro Monat ist auf zwei GB Datenvolumen limitiert.

Die Themen in Tech-up Weekly #160:

► Gaming-Studie: PC nur noch auf Platz 3 in Deutschland: www.pcwelt.de/news/Gaming-Studie-PC-nur-noch-auf-Platz-3-in-Deutschland-10629793.html

► Faceapp: Macher reagieren auf Datenschutz-Bedenken: www.pcwelt.de/news/Faceapp-Macher-reagieren-auf-Datenschutz-Bedenken-10631280.html

► Hacker entwickeln gefährliche Android-App: www.pcwelt.de/news/Hacker-entwickeln-Android-App-die-Menschen-toeten-kann-10630982.html

Quick-News:

► Uplay+: Ubisoft-Spieleflat startet mit 108 Spielen: www.pcwelt.de/news/Uplay-Ubisoft-Spieleflat-startet-mit-108-Spielen-10630556.html

► DAZN kauft Bundesliga-Rechte von Eurosport: www.pcwelt.de/news/DAZN-kauft-Bundesliga-Rechte-von-Eurosport-10631516.html

► 1,5 Millionen Facebook-Nutzer wollen Area 51 stürmen: www.pcwelt.de/news/1-5-Millionen-Facebook-Nutzer-wollen-Area-51-stuermen-10631268.html

► iTAN-Verfahren wird Mitte September eingestellt: www.pcwelt.de/news/iTAN-Verfahren-wird-Mitte-September-eingestellt-10630013.html

► Nintendo: Neues Switch-Modell mit größerem Akku: www.pcwelt.de/news/Nintendo-Neues-Switch-Modell-mit-groesserem-Akku-10631241.html

► Urteil: Telekom muss "StreamOn"-Angebot ändern: www.pcwelt.de/news/Urteil-Telekom-muss-StreamOn-Angebot-stoppen-10629014.html

Fail der Woche:

► E-Scooter-Vergehen sollen härter bestraft werden: www.pcwelt.de/news/E-Scooter-Vergehen-sollen-haerter-bestraft-werden-10630580.html

► Zum PC-WELT T-Shirt-Shop:
www.pcwelt.de/fan

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