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Emby statt Kodi? Ein junger Medienserver muss sich im Praxisalltag beweisen

12.04.2016 | 11:00 Uhr |

Brauchen wir ein weiteres Medien-Center neben Kodi, iTunes & Co? Eventuell ja – dann nämlich, wenn es taugt, große Mediensammlungen robust und attraktiv zu verwalten. Ob das auf das junge Emby zutrifft, lesen Sie hier.

Trotz mancher Angebote bleibt Software rar, die mit Mediensammlungen klarkommt, die diesen Namen aufgrund ihres Umfangs verdienen: Wer nur 20 Filme und ein paar Hundert Songtitel herumliegen hat, braucht kein Mediencenter. Kodi und iTunes kommen mit großen Datenmengen am besten zurecht, wobei iTunes, wenn überhaupt, zumindestunter Linux (mit Wine) keine echte Alternative ist. Kodi ist ausgereift, aber in der Bedienung durchaus gewöhnungsbedürftig. Nun haben wir den recht neuen Emby-Server auf unsere Medien losgelassen – mit zwiespältigem Erfolg.

Die Verwaltungsansich: Die Hauptpunkte der Emby-Administration sind übersichtlich.
Vergrößern Die Verwaltungsansich: Die Hauptpunkte der Emby-Administration sind übersichtlich.

Installation und Erstkonfiguration des Medienserver Emby

Die Homepage von Emby lautet https://emby.media/ , und unter „Download“ erhalten Sie entweder eine Setup-Binary oder einer Installationsanleitung. Eine eigene Linux-Distribution für Emby gibt es bislang nicht, aber dafür Softwareversionen für Windows, Linux, NAS, MAC, Free BSD und einige NASBetriebssysteme. Neben der kostenlosen Version bietet „Emby Premiere“ zusätzlich Cloudbackup, Synchronisierung mit Mobilgeräten und kostenlose Client-Apps für Android und iOS.

Emby für Linux: Da Emby in den Standardpaketquellen der Distributionen bislang fehlt, muss die externe Quelle hinzugefügt werden. Genaue Terminalanleitungen für alle wichtigen Linux-Distributionen liefert die Downloadseite . Wir haben das Mediencenter auf Basis dieser Anleitung ohne Hindernis auf Ubuntu 14.04.3 LTS installiert. Mindestens heikel als Systembasis scheinen derzeit noch einige NAS-Betriebssysteme wie Open Media Vault. Nach dem Einbinden des externen Repositories ist Emby mit

sudo apt-get update
sudo apt-get install emby-server

zu installieren. Dabei müssen Sie lediglich den Standarduser definieren oder diesen auf „emby“ belassen. Die Zugriffsrechte von Emby auf die Medien sind unter Ubuntu am einfachsten, wenn Sie den primären Ubuntu-Systembenutzer eintragen, der standardmäßig auch sudo-Berechtigungen besitzt. Danach starten Sie den Server sudo service emby-server start erstmals manuell. Künftig geschieht das automatisch beim Systemstart.

Die weitere Konfiguration erfolgt dann bereits an der Weboberfläche im Browser – entweder mit „localhost: 8096“ am lokalen Gerät oder mit „[IP]:8096“ von einem entfernten Rechner. Sofern noch nicht der Fall, sollte der Server umgehend eine feste IP erhalten, damit er von allen Geräten über ein konstantes Lesezeichen zu erreichen ist. Dies kann im Router geschehen oder im System über den Netzwerkindikator unter „Verbindungen bearbeiten -> Bearbeiten -> IPv4-Einstellungen“.

Es startet automatisch ein Wizard, der nach einigen Grundeinstellungen (Sprache, Benutzer) bereits die Einrichtung der Medienbibliotheken vorsieht. Dabei bestimmen Sie den „Inhalte-Typ“ wie etwa „Filme“ oder „Musik“ sowie den Bibliotheksnamen und dann über „Verzeichnisse“ die Quelle. Über „/home“ oder das Wurzelverzeichnis „/“ kommen Sie an alle eingehängten Medien.

Netzwerkquellen findet Emby nicht selbständig, was Sie durch Einhängen („mount -t cifs…“) ins Dateisystem umgehen können. Achten Sie aber darauf, dabei immer auf Mountpunkte zu verweisen, die nachhaltige Gültigkeit haben.

Emby im Browser: Ob als Client übers Netz oder direkt am lokalen Server: Emby ist auf allen Geräten konsistent im Browser zu bedienen, für Android und iOS gibt es zusätzliche, zum Teil kostenpflichtige Client-Apps. Die Oberfläche ist übersichtlich und zeigt oben die verfügbaren Medienbibliotheken und Online-Plug-ins („Meine Medien“); mit Mouseover auf „Home“ (links oben) wird die Navigationsleiste eingeblendet, die unter „Medien“ ihrerseits die Bibliotheken anbietet, unter „Admin“ die Serververwaltung. Ein Klick hier auf „Admin -> Konfiguriere Server“ ändert die Oberflächenansicht grundlegend: In der Verwaltungsansicht erledigen Sie Basiseinstellungen für DLNA-Streaming, Live-TV, Plugins, Bibliotheken, Wiedergabeoptionen oder Benutzer. Emby ist im Unterschied zu anderen Medienzentralen ein Multiuser-System mit differenzierten Rechten, die etwa das Löschen von Daten, den Mediendownload oder die Serververwaltung verbieten können.

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Diese Standardfunktion kann fehlende Metadaten und Bildinfos aus dem Internet nachladen.
Vergrößern Diese Standardfunktion kann fehlende Metadaten und Bildinfos aus dem Internet nachladen.

Der Emby-Server in der Praxis

Mit seiner recht übersichtlichen Weboberfläche kann Emby ebenso punkten wie bei der Multiuser-Verwaltung. Aber es gibt auch Gegenanzeigen:

Hardwareanforderungen: Emby benötigt die plattformunabhängige Laufzeitumgebung Mono, um die .Net-Anwendung auf Linux zu bringen. Dafür sind beträchtliche Ressourcen erforderlich. Ist dann noch eine umfangreiche Mediensammlung zu verwalten, sind schnell zwei GB allein für Emby notwendig, hinzu kommt noch die Konfigurationsoberfläche im Browser mit einigen Hundert MB. Daher sollte man bei Emby unter vier GB Speicher nicht anfangen. Eine Zweikern-CPU jenseits der Zwei-GHz-Marke oder eine Quadcore-ARM-CPU jenseits der 1,5-GHz-Marke sollte ebenfalls her. Diese doch beträchtlichen Voraussetzungen disqualifizieren praktisch alle Platinenrechner als Hardware für dieses Mediacenter. Als Netzwerkhardware ist mindestens Fast Ethernet (100 MBit/s) oder stabiles WLAN 802.11n zu empfehlen.

Erweiterbarkeit und Anpassung: Die Ausbaufähigkeit lässt zu diesem frühen Zeitpunkt noch einige Wünsche offen. Anders als bei Kodi ist über diese Software derzeit keine einzige der öffentlichen Mediatheken zu integrieren. Die Plug-ins für den Emby-Server („Plugins -> Katalog -> Server“) sind generell noch recht überschaubar. Bei der Darstellung muss sich der Nutzer damit anfreunden, was Emby vorgibt: Das ist zwar durchdacht und übersichtlich, könnte aber doch ein paar Peronalisierungsfunktionen vertragen.

Leistung und die Responsivität: Richtig schnell und zuverlässig ist die Mediensuche über das Suchsymbol rechts oben, solange man sich auf einen Suchbegriff beschränkt. Eine Und-Verknüpfung mehrere Suchbegriffe scheint nicht vorgesehen. Das Einlesen neuer Quellen inklusive der Metadaten dauert verglichen mit Kodi eher lange, ohne höhere Genauigkeit zu erreichen. Die Weboberfläche reagiert auf eine geänderte Konfiguration (neues Plug-in, neue Bibliothek) meist erst nach einem Seitenrefresh im Browser (F5) oder einem Neustart der Serveradresse. Auch der vorbildlich einfach realisierte Service, fehlende Bildinformationen wie Cover aus dem Web nachzuladen, leidet an der fehlenden Reaktion der Oberfläche.

Die leidigen Metadaten: Emby ist wie alle vergleichbaren Medienserver auf korrekte Metadaten in den Medien angewiesen. Der „Metadaten Manager“ von Emby in der linken Hauptleiste kann da auch nur bedingt helfen, wenn Infos fehlen oder falsch sind. Wenn dann ein Video „Michael Jackson, Bad“ und der Kinderfilm „Der Räuber Hotzenplotz“ in Nachbarschaft von „Sin City“ unter „Crime“ angezeigt werden, entbehrt das nicht ganz der Logik, liegt aber doch hübsch daneben.

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