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Thunderbird im Griff: Hilfreiche Tricks zum Mailen

Mozilla Thunderbird ist eines der meist verwendeten Mailprogramme. Die Software kann aber wesentlich mehr, als offensichtlich ist, und die Konfigurationsmöglichkeiten sind nicht immer selbsterklärend.

Wollen Sie bei Mozilla Thunderbird ein neues Mailkonto einrichten, dann hilft Ihnen ein recht guter Assistent beim ersten Start. Haben Sie mehrere E-Mail-Konten, wird die Sache schon etwas komplizierter: An Mailkonten nachträglich Änderungen vornehmen, fühlt sich zuweilen wie die Suche nach Ostereiern an. Dieser Grundlagenartikel soll die wichtigsten Funktionen von Mozilla Thunderbird erklären und allgemeine Praxistipps geben.

Assistent nach dem ersten Start

Starten Sie Thunderbird zum ersten Mal, öffnet sich ein Einrichtungsassistent. Er bietet an, eine kostenlose Mailadresse via gandi.net einzurichten. Die meisten Anwender haben aber eine bereits eine Adresse und wollen diese in Thunderbird weiterverwenden. Klicken Sie in diesem Fall auf die Schaltfläche „Überspringen und meine existierende Email-Adresse verwenden“.

Im nächsten Schritt richten Sie das Konto ein. Tragen Sie Ihren Namen, E-Mail-Adresse und das Passwort für das Konto ein. Klicken Sie nun auf „Weiter“, kontaktiert Thunderbird seine ISP-Datenbank und versucht, die Einstellungen für Eingangs-und Ausgangsserver automatisch zu konfigurieren. Verwenden Sie Google, GMX, Yahoo, Hotmail oder andere prominente Dienste, wird die Konfiguration zum Kinderspiel. Der Assistent bietet zum Beispiel bei einer Google-Adresse gleich IMAP oder POP3 als Protokoll für den Posteingangsserver. Passen die automatischen Einstellungen von Thunderbird nicht, müssen Sie über die Schaltfläche „Manuell bearbeiten“ nachbessern.

Haben Sie eine eigene Domain und müssen die Einstellungen manuell vornehmen, brauchen Sie die Informationen für IMAP oder POP3 beziehungsweise SMTP von Ihrem Provider. Ist die Einrichtung erfolgreich, öffnet sich Thunderbird und in der linken Spalte sehen Sie Ihr neues Konto und eine Rubrik „Lokale Ordner“. Verwenden Sie wie wir IMAP, dann sind „Lokale Ordner“ kaum relevant. Klicken Sie auf den Hauptpfad eines Kontos oder auf „Lokale Ordner“, finden Sie die Sektionen „E-Mail“, „Konten“ und „Erweiterte Funktionen“, die der nächste Abschnitt erklärt.

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„Konten“ und „Erweiterte Funktionen“

Bei großen Mailanbietern wie Google konfiguriert Thunderbird Posteingangs-und Postausgangsserver automatisch. Sie wählen lediglich zwischen IMAP und POP3.
Vergrößern Bei großen Mailanbietern wie Google konfiguriert Thunderbird Posteingangs-und Postausgangsserver automatisch. Sie wählen lediglich zwischen IMAP und POP3.

Klicken Sie unter „Konten“ auf „Neues Konto erstellen -> E-Mail“, dann öffnet sich der schon bekannte Installations-Assistent. Haben Sie mehr als ein Konto konfiguriert, dann müssen Sie beim Verfassen einer neuen Nachricht auswählen, mit welchem Konto sie versandt werden soll. Das Standardkonto legen Sie fest, indem Sie in diesem Fenster über „Konten -> Konten-Einstellungen bearbeiten“ und weiter unter „Konten-Aktionen“ ein Konto markieren und „Als Standard festlegen“. Bei Antworten auf eine Mailnachricht nutzt Thunderbird unabhängig vom Standardkonto das Mailkonto, das diese Mail empfangen hat.

Thunderbird kann nicht nur als E-Mail-Client, sondern auch als Chatprogramm und Newsreader dienen. Als Chatoption steht etwa Google Talk zur Verfügung. Außerdem lässt sich auf die gleiche Weise der eigene Twitter-Feed in Thunderbird einbinden. Die Einrichtung ist sehr einfach und Sie müssen lediglich den Anweisungen folgen. Wir fokussieren uns hier auf Mail, Kalender und Adressbuch.

Wir haben ein IMAP-Konto eingerichtet und klicken unter „Erweiterte Funktionen“ zunächst auf „Offline-Einstellungen bearbeiten“. Auch dies führt wieder zum Fenster „Konten-Einstellungen“. Darüber verwalten Sie unter anderem „Synchronisation & Speicherplatz“. Ganz oben bestimmen Sie, ob überhaupt Nachrichten lokal abgelegt werden. Im Abschnitt „Speicherplatz“ konfigurieren Sie die Kriterien, um Nachrichten herunterzuladen. Aus Platzgründen wollen Sie vielleicht nur die Nachrichten der letzten 30 Tage lokal auf dem Rechner haben –auf dem IMAP-Server bleiben alle E-Mails erhalten. Mit den Optionen zum automatischen Löschen von Nachrichten sollten Sie vorsichtig sein, denn sie werden sowohl auf dem Server als auch lokal entfernt.

Bei einem IMAP-Konto finden Sie unter „Erweiterte Funktionen“ die Option „IMAP-Ordner abonnieren“. Im Unterschied zu den „Offline-Einstellungen“ legt diese Option keine lokalen Kopien an. Hier geht es nur um die Ordner auf dem Server, die Sie in Thunderbird sehen wollen. Eventuell gibt es alte Mailarchive, die Sie zwar am Server erhalten wollen, aber nicht tagtäglich vor Augen haben müssen. Das sind Kandidaten, die Sie der Übersicht halber nicht abonnieren.

Das Fenster „Konten-Einstellungen“

Klicken Sie in der Navigationsspalte auf ein Konto, dann erreichen Sie alle Einstellungen und die Suchfunktion, Filter-und Abonnementregeln unter ?Erweiterte Funktionen.?
Vergrößern Klicken Sie in der Navigationsspalte auf ein Konto, dann erreichen Sie alle Einstellungen und die Suchfunktion, Filter-und Abonnementregeln unter ?Erweiterte Funktionen.?

Zu den Einstellungen der Konten gelangen Sie über das alte Hauptmenü (Alt-Taste) mit „Extras -> Konteneinstellungen“, im neuen Hauptmenü mit „Einstellungen -> Konten-Einstellungen“. Unter den „Server-Einstellungen“ können Sie den Posteingangsserver konfigurieren, in welchen Zeitabständen auf neue E-Mails geprüft, ob der Papierkorb automatisch geleert werden soll und so weiter.

Eigenartigerweise finden Sie an dieser Stelle nichts über den Postausgangsserver. Die Informationen zu(m) Postausgangsserver(n) (SMTP) gibt es ganz unten in den „Konten-Einstellungen“. Diese Sektion wird separat behandelt, da Sie vielleicht mehrere Postausgangsserver konfiguriert haben, aber nur einen zum Senden benutzen. Einer ist auf jeden Fall als „Standard“ eingestellt.

Den Postausgangsserver für jedes individuelle Konto stellen Sie im Feld über den Haupteinstellungen ein, in denen Sie auch Namen und E-Mail-Adresse sowie den Text oder Anhang für die Signatur hinterlegen.

Die Bereiche „Kopien & Ordner“ und „Verfassen & Adressieren“ erklären sich von selbst. Unter „Junk-Filter“ bestimmen Sie das Verhalten bei unerwünschten Spamnachrichten. Sie müssen Thunderbird allerdings erst trainieren. Dazu markieren Sie jede Nachricht als Junk, die Sie als solche einstufen. Markiert Thunderbird eine Nachricht fälschlich als Spam, sollten Sie das korrigieren („Kein Junk“). Die Option, Junkmails automatisch zu löschen, ist problematisch, da Thunderbird wie jede Software gelegentlich irrt und somit eventuell eine wichtige Mail verloren geht.

Die Einstellung für den Postausgangsserver finden Sie nicht in den Servereinstellungen eines Kontos, sondern gesondert im Hauptbereich der Kontoeinstellungen.
Vergrößern Die Einstellung für den Postausgangsserver finden Sie nicht in den Servereinstellungen eines Kontos, sondern gesondert im Hauptbereich der Kontoeinstellungen.

Wollen Sie ein Konto entfernen, markieren Sie es und klicken unten links auf „Konten-Aktionen -> Konto entfernen“. In diesem Drop-Down-Menü befindet sich auch die Option, ein Konto als Standard festzulegen.

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Die Thunderbird-Einstellungen

Unter „Extras -> Einstellungen“ (altes Menü) oder „Einstellungen -> Einstellungen“ (neues Menü) gelangen Sie zu den Thunderbird-Einstellungen. Dort finden Sie allgemeine und globale Einstellungen für Thunderbird.

Auf der Registerkarte „Verfassen“ finden Sie wichtige Schreibhilfen wie die Prüfung auf fehlende Anhänge (immer nützlich), die automatische Speicherung beim Verfassen und die Rechtschreibprüfung beim Schreiben oder vor dem Versenden. Ein echter Zeitsparer ist die Registerkarte „Anhänge“, sofern Sie häufig Mailanhänge erhalten. Bei den meisten Dateitypen wird dort „Jedes Mal nachfragen“ eingetragen sein. Wenn Sie stattdessen „Datei speichern“ angeben und einen festen Zielordner, geht der Anhang automatisch seinen Weg. Weiterhin sollten Sie die Registerkarte „Datenschutz“ überprüfen. Per Standard ist die Option „Websites mitteilen, meine Aktivitäten nicht zu verfolgen“ („Do Not Track“) nicht aktiviert. Ebenso konfigurieren Sie hier, wie die Software mit Cookies umgehen soll.

Thunderbird hat einen eingebauten Junk-oder Spamfilter an Bord. Sie müssen ihn aber erst trainieren und entsprechende Nachrichten als unerwünscht markieren.
Vergrößern Thunderbird hat einen eingebauten Junk-oder Spamfilter an Bord. Sie müssen ihn aber erst trainieren und entsprechende Nachrichten als unerwünscht markieren.

Unter „Sicherheit“ verwalten Sie die globalen Einstellungen für Junknachrichten, wobei Sie unter „Betrugsversuche“ bestimmen, ob die Software Nachrichten automatisch auf Phishing untersuchen und dann warnen soll. Hinter „Passwörter“ finden Sie (oder jeder, der an das System kommt) alle gespeicherten Mailkennwörter. Bei mobilen Notebooks legen Sie am besten ein Masterpasswort fest, das Ihre Kennwörter verschlüsselt. Das Masterpasswort müssen Sie einmal pro Thunderbird-Sitzung eingeben.

Adressbuch, Add-ons und Kalender

Ein Adressbuch ist bei Thunderbird Standard. Es ist so eingestellt, dass Mailadressen von Empfängern beim Senden einer Nachricht automatisch unter „Gesammelte Adressen“ abgelegt wird. Wollen Sie das nicht, finden Sie die Einstellung in den Thunderbird-Einstellungen unter „Verfassen -> Adressieren“. Sie können so viele Adressbücher wie gewünscht einrichten, wobei sowohl lokale Quellen als auch LDAP-Verzeichnisse möglich sind. Für letztere brauchen Sie aber die richtige Adresse vom Serveradministrator oder Provider.

Möchten Sie die Google-Kontakte mit Thunderbird synchronisieren, hilft ein Add-on. Klicken Sie in der Menüleiste auf „Extras -> Add-ons“ und Sie gelangen zum Add-ons-Manager. Rechts oben können Sie nach bestimmten Erweiterungen suchen – im Fall der Google-Kontakte das Add-on Gcontactsync. Der Add-ons-Manager greift genau genommen auf https://addons.mozilla.org/de/thunderbird/ zu. Sie könnten die Erweiterungen dort auch direkt herunterladen und dann manuell installieren. Nach einem Download erhalten Sie eine Datei im xpi-Format. Klicken Sie im Add-ons-Manager auf das Rädchen neben dem Suchfeld und danach auf „Add-on aus Datei installieren“. Diese Methode benötigen Sie zum Beispiel, wenn Sie den Sogo Connector installieren. Damit rüsten Sie Thunderbird zu einem Card-DAV-Client auf. Auf diese Weise können Sie ein Remoteadressbuch anlegen, das sich mit einem Card-DAV-Server wie Owncloud, Nextcloud oder Radicale synchronisiert.

Sie können Add-ons auch direkt herunterladen und manuell installieren. Das ist zum Beispiel beim Sogo Connector für Remoteadressbücher notwendig.
Vergrößern Sie können Add-ons auch direkt herunterladen und manuell installieren. Das ist zum Beispiel beim Sogo Connector für Remoteadressbücher notwendig.

Seit Thunderbird 38 wird sichergestellt, dass es immer eine kompatible Version des Kalender-Add-ons Lightning gibt. Suchen Sie danach und installieren sie die Erweiterung über den Add-ons-Manager. Sie rufen den Kalender über die Menüleiste oder mit der Tastenkombination Strg-Umschalt-C auf. Links in der Seitenleiste sehen Sie den Standardkalender „Privat“, der sich lokal auf dem Rechner befindet. Mit einem Rechtsklick darunter auf einen freien Bereich können Sie weitere Kalender anlegen. Es öffnet sich ein Fenster und Sie haben die Wahl „Auf meinem Computer“ oder „Im Netzwerk“. Im Gegensatz zum Adressbuch braucht Lightning kein Add-on, um Cal-DAV-Funktionen zu nutzen und den Kalender mit einem Server abzugleichen. Lightning bietet nicht nur eine Kalender-, sondern auch eine Aufgabenfunktion. Sie öffnen die Aufgaben über die Menüleiste oder mit Strg-Umschalt-D.

Tipp: Card DAV und Cal DAV sind nicht nur Thunderbird vorbehalten, es gibt auch Apps für Android. Somit lassen sich Kalender, Aufgaben und Kontakte über mehrere Geräte synchronisieren, die Zugriff auf den gleichen Server haben.

Dies sind die Schritte, um unter Thunderbird einen Cal-DAV-Kalender einzubinden: Cal DAV wird unter anderem von den Open-Source-Projekten Owncloud, Nextcloud und Radicale unterstützt.
Vergrößern Dies sind die Schritte, um unter Thunderbird einen Cal-DAV-Kalender einzubinden: Cal DAV wird unter anderem von den Open-Source-Projekten Owncloud, Nextcloud und Radicale unterstützt.

Allgemeine Tipps und Backup

Sie sollten die Pfade für das Thunderbird-Profil im Hinterkopf behalten. Für Linux, Mac-OS X und Windows sind sie etwas unterschiedlich – unter Linux meist „~/.thunderbird/[xxxxxxxx].default“, wobei die acht „x“-Zeichen zufällig generiert werden. Weitere Infos dazu gibt es in der Thunderbird-Dokumentation . Im Profil sind alle Einstellungen und E-Mails gespeichert. Um die komplette Thunderbird-Umgebung auf einen anderen Rechner umzuziehen oder dort zu klonen, kopieren Sie den gesamten Profilordner in das richtige Verzeichnis auf einem anderen Computer. Haben Sie mehrere E-Mail-Konten, möchten Sie vielleicht einen gemeinsamen Posteingang nutzen. Das geht über das alte Menü, das Sie mit Alt-Taste einblenden, über „Ansicht -> Ordner -> Gruppiert“. Nun sind alle Posteingänge vereint.

IMAP, POP3, SMTP und Ports

IMAP, POP3 und SMTP sind die typischen Protokolle zur Übertragung von Mails. SMTP behandelt das Versenden von Mails, wird also beim Postausgangsserver verwendet. IMAP und POP3 sind Protokolle für den Posteingangsserver. Bei POP3 werden die Mails immer auf das lokale Gerät heruntergeladen. Dabei können Sie noch einstellen, ob die Nachrichten sofort vom Server gelöscht werden sollen oder erst beim Löschen auf dem Client. Eine direkte Synchronisation zwischen Client und Server findet nicht statt. Wenn Sie Ihre E-Mails bereits auf einem anderen Gerät mittels POP3 heruntergeladen haben, sehen Sie nicht, welche E-Mails schon gelesen oder beantwortet wurden.

Bei IMAP arbeiten Sie direkt auf dem Server. Somit ist es egal, ob Sie eine Weboberfläche oder verschiedene Mailprogramme auf verschiedenen Rechnern verwenden. Sie sehen immer alle Nachrichten. Die meisten Clients erlauben eine Offlinesynchronisation, damit Sie auch ohne Verbindung zum Internet Zugriff auf die älteren Mails haben. Gibt es zum Beispiel einen Festplattenausfall, dann sind Sie mit IMAP in der Regel schneller wieder einsatzbereit. Bei der Verwendung von IMAP sollten Sie aber den Platz auf dem Server im Auge behalten. Wird IMAP angeboten, halten wir das bei heutigen Internetbandbreiten für die bessere Option. In der Regel müssen Sie sich dann auch nicht um das Backup der E-Mails kümmern. Sie liegen ja auf dem Server. Gesendete Mails legt das Programm dann ebenfalls im entsprechenden Ordner auf dem Server und nicht lokal ab.

Die Ports für IMAP, POP3 und SMTP sind bei vielen Providern gleich, Abweichungen sind aber möglich. Gibt es beim Verbindungsaufbau einen Fehler, dann könnte es an den Ports liegen. Die richtigen Einstellungen erfahren Sie normalerweise vom Provider. Sehr häufig sind die Parameter in den FAQs („Häufig gestellte Fragen“) zu finden. Beachten Sie, dass manche Provider einen unverschlüsselten Zugriff nicht mehr zulassen. Deswegen funktionieren die Standardports von früher vielleicht nicht mehr. Das waren 110 für POP3, 143 für IMAP und 25 für SMTP. Die gebräuchlichen Standardports für verschlüsseltes SSL/TLS sind heute 995 für POP3, 993 für IMAP und 465 oder 587 für SMTP.

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