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Lizenzfrage: Darf man Software in der VM verwenden?

06.09.2020 | 08:01 Uhr |

Rein rechtlich gesehen stellt eine virtuelle Maschine einen vollwertigen PC dar. Deshalb brauchen Sie für den Betrieb von Windows in der VM eine gültige Windows-Lizenz und auch für kommerzielle Software benötigen Sie entsprechende Lizenzen.

Ein Windows-Zweitsystem in einer virtuellen Maschine ist eine feine Sache, um etwa Software zu Testen  oder um eine isolierte Arbeitsumgebung aufzubauen . Für einen virtuellen PC mit Windows 10 brauchen Sie allerdings eine entsprechende Lizenz. Es sei denn, Sie möchten mit einer unaktivierten – und damit eingeschränkt nutzbaren – Windows-Version arbeiten.

In Bezug auf den Einsatz in virtuellen Umgebungen regelt Microsoft die Nutzung von Windows 10 in seinen Lizenzbedingungen sehr eindeutig: „Diese Lizenz erlaubt Ihnen die Installation von lediglich einer Instanz der Software zur Verwendung auf einem Gerät, unabhängig davon, ob es sich bei diesem Gerät um ein physisches oder virtuelles Gerät handelt. Wenn Sie die Software auf mehreren virtuellen Geräten verwenden möchten, müssen Sie eine separate Lizenz für jede Instanz erwerben.“

Vorhandene Lizenzen nutzen

Die Aktivierung von Windows 10 ist auch mit einem gültigen Produktschlüssel für Windows 7, Windows 8 oder Windows 8.1 möglich – sofern er nicht noch zum Einsatz kommt. Wenn Sie also noch ein altes Notebook haben, das Sie nicht mehr verwenden, sollten Sie einen Blick auf die Gehäuseunterseite werfen. Oftmals finden Sie dort einen Aufkleber mit einer Lizenznummer für Windows 7 oder 8. Mit dieser lässt sich Windows 10 dann entweder direkt bei der Installation oder nachträglich unter „Einstellungen –› Update und Sicherheit –› Aktivierung“ aktivieren. Ältere Windows-Produktschlüssel sind nämlich nicht an eine bestimmte Hardware gebunden und können daher auch noch Jahre später auf einem neuen Rechner oder eben in einer virtuellen Maschine genutzt werden.

Tipp: Sie haben noch ein älteres Windows auf einem ausrangierten PC installiert, kennen den Lizenzschlüssel aber nicht? Kein Problem: Starten Sie Windows auf dem alten PC und installieren Sie die Freeware License Crawler : Nach einer Analyse des bisherigen Windows-Systems werden die Lizenzschlüssel und Seriennummern der gefundenen Programme angezeigt. Die gesammelten Infos lassen sich anschließend über „Daten –› Speichern“ als Textdatei sichern.

Windows-Lizenz günstig kaufen 

Für die aktuelle Windows-10-Version verlangt Microsoft für Windows 10 Home als Vollversion im eigenen Online-Shop satte 145 Euro. Die Pro-Ausgabe ist mit 259 Euro deutlich teurer. Machen Sie sich auf die Suche nach Online-Shops für Windows 10, finden Sie häufig die Pro-Version für knapp über 10 Euro. Allerdings müssen Sie auch hier darauf achten, dass es sich um einen seriösen Shop handelt. Achten Sie beim Kauf exakt auf die Produktbeschreibung und kaufen Sie idealerweise nur da, wo Sie einen Käuferschutz haben und es Rezensionen gibt. Bei Amazon und eBay gibt es häufig sehr günstige Keys von Windows 10 Pro. Suchen Sie etwa bei Amazon nach Windows 10 und lesen Sie sich die Rezensionen durch. In vielen Fällen erhalten Sie nur den Product-Key von Windows 10. Mit diesem können Sie aber die Installationsdateien direkt bei Microsoft herunterladen.

Der Händler Lizengo  verkauft ausschließlich neue Einzelplatz-Lizenzen zu vergleichsweise günstigen Preisen und ist ein zertifizierter eTrusted-Shop. Windows 10 Pro ist hier bei Lizengo als Produktschlüssel für 39,99 Euro erhältlich. Ebenfalls günstig erhältlich sind Lizenzen für Windows 10 Home oder Windows 10 Enterprise. Weitere Windows-10-Angebote bei Lizengo finden Sie auf der Übersichtsseite www.lizengo.de/microsoft/windows-10-betriebssystem .

Anwendungs-Software in der VM 

Bei einer Adobe-CC-Lizenz können Sie die Programme wechselweise auf dem Host-PC und in der VM nutzen. Sie müssen sich nur an- beziehungsweise abmelden.
Vergrößern Bei einer Adobe-CC-Lizenz können Sie die Programme wechselweise auf dem Host-PC und in der VM nutzen. Sie müssen sich nur an- beziehungsweise abmelden.

Viele Programme gibt es von Haus aus mit Lizenzen für mehrere Rechner. Hier ist dann auch gleich die virtuelle Maschine mit abgedeckt. Ist die Nutzung hingegen auf einen PC beschränkt, ist der Kauf einer zweiten Lizenz erforderlich – zumindest in der Theorie. Einige Programme erkennen die Mehrfachnutzung, sofern der virtuelle PC mit dem Internet verbunden ist. Andere Programme erkennen die Mehrfachnutzung hingegen nicht. Sie sollten das also im Zweifelsfall zuerst ausprobieren und dann entscheiden, ob Sie eine weitere Lizenz kaufen wollen oder nicht.

Tipp: Für viele Kauf-Software gibt es auch gute kostenlose Alternativen, die für die gelegentliche Nutzung in einer VM meist vollkommen ausreichen. Ansonsten können Sie auch eine zeitlich limitierte Testversion nutzen .

Ein Sonderfall stellen Cloud-Lizenzen dar, etwa die Creative Cloud von Adobe: Laut den Lizenzbestimmungen von Adobe dürfen Sie Ihre Applikationen auf mehreren Computern installieren und auf zwei PCs aktivieren, jedoch nur auf jeweils einem Computer verwenden. Wollen Sie in der VM etwa Photoshop nutzen, ist die Deaktivierung der Lizenz auf dem Host-PC erforderlich. Das gilt übrigens auch, wenn Sie Ihr Home-Office in die VM verlagern . Öffnen Sie auf dem Host die Adobe-Anwendung, die Sie deaktivieren möchten. Gehen Sie dann zum Hilfemenü, und klicken Sie auf „Abmelden“. Bestätigen Sie das Hinweisfenster. In der VM installieren Sie die gewünschte Adobe-Software und aktivieren die Lizenz im Hilfemenü. Wollen Sie wieder tauschen? Dann nehmen Sie einfach den umgekehrten Weg. 

Relevant:  Neue Versionen von Windows 10 testen

Server-Virtualisierung: Verschiedene Lizenzmodelle beachten

Mit dem Verlagern existierender Server und Applikationen in eine virtuelle Umgebung ergeben sich häufig sowohl bei Betriebssystemen als auch bei der Anwendungssoftware zusätzliche Lizenzkosten oder zumindest geänderte Lizenzbedingungen. Hier tappen unbedarfte Virtualisierungs-Einsteiger unter Umständen in die Kosten-, zumindest aber in die Compliance-Falle.

Zwei Lizenzierungsmodelle sind in der Softwarewelt weit verbreitet: Die Ermittlung der Kosten nach Anzahl der Prozessoren sowie die Koppelung der Lizenz an einen bestimmten Rechner. Beide Ansätze sind auf virtuellen Systemen oftmals obsolet. Denn in aller Regel werden im virtuellen Server mehrere Prozessoren oder Kerne genutzt. Zum anderen ist gerade ein Nutzenaspekt der Server-Virtualisierung die Fähigkeit, VMs nach Bedarf zwischen einzelnen Servern hin und her verschieben zu können, sei es zur Lastverteilung oder um ungestört anstehenden Wartungsaufgaben nachgehen zu können.

Dessen ungeachtet kann es sein, dass sich mehrere virtuelle Maschinen einen einzigen Prozessor teilen und der Anwender trotzdem die volle Gebühr je Prozessor entrichten muss. Oder aber eine VM ist nur zu bestimmten Zeiten aktiv und läuft in der übrigen Zeit nicht. Am Markt hat sich bislang noch kein einheitliches, auf Virtualisierung abgestimmtes und für den Anwender faires Modell durchgesetzt. Die Softwarebranche versucht sich derzeit noch an unterschiedlichen Ansätzen, etwa der Abrechnung nach tatsächlicher Nutzung („pay per use“).

Passendes Lizenzmodell finden 

Wichtig für IT-Verantwortliche ist, den Skalierungseffekt im Auge zu behalten: Steigt die Anzahl virtueller Maschinen im Laufe der Zeit an, wachsen die Kosten linear, falls für jede VM die volle Lizenz bezahlt werden muss. Günstig ist es dann, wenn man ein Lizenzmodell findet, bei dem eine größere oder gar unbegrenzte Anzahl von Instanzen eines Systems auf einem Server laufen darf. So kann es sich beispielsweise lohnen, statt viermal einen Windows Server zu kaufen, nur einmal die Enterprise-Version zu erstehen, da diese in bis zu vier virtuellen Maschinen zugleich benutzt werden darf. Die Datacenter-Version erlaubt eine unlimitierte Anzahl Instanzen des Betriebssystems in virtuellen Umgebungen.

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