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So schaffen Sie Ordnung in Ihrer Fotosammlung

02.08.2018 | 08:30 Uhr |

Der schnelle Weg zu vorzeigbaren Fotos: Mit den richtigen Tools verwalten Sie ohne viel Mühe Ihre Fotosammlung und optimieren mit wenig Aufwand Ihre Aufnahmen.

Vielleicht kennen Sie das auch: Die guten Vorsätze sind da – eigentlich will man nach der letzten Urlaubsreise die Fotos gleich von der Digitalkamera auf den Rechner kopieren und dabei auch in Ruhe durchsehen. Aber dann fehlt die Zeit, der interne Speicher droht knapp zu werden. Am Ende landen mit einem beherzten „Alles markieren“ und „Verschieben“ die Bilder doch wieder unbesehen auf der Festplatte. Und wenn sich einige Tausend Bilder angesammelt haben, wird es schwer, genau die Fotos zu finden, nach denen man gesucht hat. Ganz ohne Zeitinvestition bekommt man keine Ordnung in sein Chaos, aber mit dem richtigen Werkzeug bleibt der Aufwand moderat.

Organisieren mit sprechenden Dateinamen

Es sind gerade die Cloudanbieter wie Apple oder Google, die den Anwendern versprechen, dass es eigentlich gar nicht mehr nötig sei, Zeit mit dem Sortieren von Fotos zu verbringen. Oder gar mit so etwas Altmodischem wie Dateinamen zu hantieren. Damit die Fotos hübsch ansehnlich auf einer Landkarte positioniert werden oder auf einem Zeitstrahl erscheinen, werten die Dienste die in einem Bild versteckten Metainformationen aus. Das klappt natürlich nur dann, wenn die Informationen korrekt sind. Stimmen in der Kamera also weder Zeit und werden gar keine Informationen zum Standort ermittelt, funktioniert das automatische Sortieren natürlich nicht.

Fotoverwaltungsprogramme für das eigene System greifen auf die gleichen Metainformationen zu, haben also im Falle von falschen oder fehlenden Informationen das gleiche Problem. Ohne die dahinterstehende Datenbank bleiben die Erinnerungen einfach Bilddateien mit Namen wie „dsc1234.jpg“. Mal eben die externe Festplatte mit den Fotos mitnehmen und anderswo zeigen? Dann muss man auch die Verwaltungssoftware dabeihaben, um gezielt die gewünschten Aufnahmen zu präsentieren. Und im Falle eines Systemwechsels funktioniert möglicherweise der Fotoverwalter nicht mehr.

Thunar kann ganz einfach die Fotos nach dem Aufnahmedatum umbenennen.
Vergrößern Thunar kann ganz einfach die Fotos nach dem Aufnahmedatum umbenennen.

Werden die Fotos nach einem einheitlichen Schema benannt, lassen sich auch umfangreiche Bestände ordentlich organisieren – im Prinzip ganz ohne Bildverwaltung. Größere Mengen an Dateien rasch umzubenennen ist für Linuxsysteme kein Problem. Mit Batchprogrammierung lösen fortgeschrittene Nutzer eine solche Aufgabe rasch und unkompliziert. Wer es lieber grafisch mag, nutzt am besten die Funktionen eines Dateimanagers. Thunar , der aus dem XFCE-Desktop stammt, besitzt eine übersichtliche Oberfläche für mächtigen Bearbeitungsfunktionen. Thunar funktioniert auch auf anderen Gnome-affinen Desktops sowie auch unter KDE. Um lediglich den Dateimanager ohne den vollständigen XFCE-Desktop zu installieren, verwenden Sie im Terminal diesen Befehl:

sudo apt install –no-install-recommends thunar

Möchten Sie das Programm nur zur Bearbeitung von Fotos nutzen, genügt dies schon. Falls Sie vorhaben, später auch Musikdateien auf die gleiche Weise zu bearbeiten, komplettieren Sie den Dateimanager mit den passenden Plug-ins:

sudo apt install thunar-media-tagsplugin

Nach dem Start des Dateimanagers markieren Sie die Fotos mit der Maus und wählen das Menü „Bearbeiten –› Umbenennen“. Im nachfolgenden Dialog markieren Sie aus dem Listenfeld den Eintrag „Datum / Uhrzeit einfügen“. Damit öffnen sich weitere Optionen am unteren Bildschirmrand. Markieren Sie „Aufnahmedatum“ aus der Liste unter „Zeit einfügen“. Um das Datum in der Reihenfolge Tag und Uhrzeit einzufügen, tragen Sie in das Feld „Format“ Folgendes ein:

%d-%m-%Y-%H-%M

Damit wird der bestehende Dateiname um die Zeitangabe „20-07-2017-15-34“ ergänzt. Die Parameter, die Sie hier nutzen können, leiten sich vom Terminalkommando „date“ ab. Wenn Sie also andere Angaben oder Formate wünschen, schauen Sie sich am besten die Manpage des date-Kommandos an.

Funktionen zum entfernen von alten Dateinamen und ergänzen von Nummerierungen und Motivbeschreibungen.
Vergrößern Funktionen zum entfernen von alten Dateinamen und ergänzen von Nummerierungen und Motivbeschreibungen.

Mit „Datei umbenennen“ starten Sie den Vorgang. Damit ist im Dateinamen schon einmal das Aufnahmedatum verewigt. Jetzt könnten Sie den alten Dateinamen entfernen. Da es aber nicht ausgeschlossen werden kann, dass Sie zum gleichen Zeitpunkt mehrere Fotos aufgenommen haben, fügen Sie am besten zunächst einen Zähler ein. Die Dateien sind in Thunar noch markiert. Rufen Sie also erneut das Werkzeug zum Umbenennen auf und nutzen Sie jetzt das Kommando „Nummerieren“. Wählen Sie ein Zahlenformat aus und ergänzen Sie über die kleine Maske am unteren Rand ein Trennzeichen. Das erleichtert den letzten Schritt. Diesmal entscheiden Sie sich für die Aktion „Zeichen entfernen“ und legen anschließend über die Position von links und rechts den Bereich fest, der gelöscht werden soll. Mittels der Option „Einfügen“ können Sie jetzt noch einen ergänzenden Ausdruck in den Namen aufnehmen, zum Beispiel „Urlaub“. Mit nur wenigen Arbeitsschritten erreichen Sie eine große Wirkung.

Duplikate in der Bildersammlung

Jede größere Fotosammlung enthält Duplikate. Wenn Fotos vom Smartphone auf den Rechner kopiert werden, aber auf dem Handy verbleiben, hat man einige Wochen später das erste Kopieren vergessen und die Fotos gehen den Weg ein zweites Mal. Es gibt ein Programm für die Kommandozeile, das recht flott arbeitet und die Mehrzahl der Duplikate recht zuverlässig ermittelt. Die Chancen stehen gut, dass das Tool findimagedupes in den Paketquellen Ihrer Distribution zur Verfügung steht. Probieren Sie es einfach im Terminal mit

sudo apt install findimagedupes

aus. Kann das Paket nicht gefunden werden, besuchen Sie die Homepages des Projekts unter https://github.com/opennota/findimagedupes, um sich über die weiteren Schritte für die Installation zu informieren. Die ist zwar nicht sonderlich schwer, nimmt dann aber etwas mehr Zeit in Anspruch.

Das installierte Tool starten Sie im Terminal mit findimagedupes. Die Steuerung erfolgt über einzelne Schalter. „R“ („Recurse“) definiert, dass auch Unterverzeichnisse durchsucht werden. Mit „t“ und einem nachfolgenden Zahlenwert wird der Schwellenwert definiert, ab dem das Programm ein Bild als ähnlich interpretiert. Bei „0“ sind dies exakt identische Bilder, und mit „63“ stuft das Tool alle Bilder als ähnlich ein. Erfahrungsgemäß bringt ein mittlerer Wert von 30 die besten Ergebnisse. Schließlich müssen Sie noch festlegen, wie die Dubletten ausgegeben werden. Im nachfolgenden Beispiel

findimagedupes -R -t 30 -p feh ~/Bilder

landen diese beim Bildbetrachter feh, der für die Kommandozeile gut geeignet ist. Möglicherweise müssen Sie diesen auch erst auf Ihrem System nachinstallieren.

Der Digikam-Assistent führt durch die Einrichtung.
Vergrößern Der Digikam-Assistent führt durch die Einrichtung.

Elaborierte Fotoverwaltung mit Digikam

Sie wollen Fotos auch bewerten, zu einer „Diashow“ zusammenstellen oder mit Stichwörtern arbeiten? Dann benötigen Sie eine ausgewachsene Fotoverwaltung. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Programmen, mit denen Sie auch umfangreiche Sammlungen übersichtlich organisieren und die darin gespeicherten Bilder schnell betrachten können. Darktable ist derzeit die Software, die in Hinblick auf die Unterstützung des professionellen RAW-Formats und mit ihren Bearbeitungsfunktionen den besten Ruf genießt. Wer seine Fotos nicht nur organisieren, sondern direkt die Rohdaten aus der Kamera verwenden will, um Korrekturen vorzunehmen, findet in Darktable das passende Werkzeug. Allerdings sind die Einstiegshürden trotz aller Assistenten und Hilfsfunktionen doch recht hoch.

Wenn es lediglich um die Organisation und eventuelle kleinere Korrekturen geht, bietet sich Digikam an. Es ist eigentlich für den KDE-Desktop entwickelt, funktioniert aber auch unter Gnome-affinen Umgebungen. Digikam bietet alle wesentlichen Funktionen für die Bearbeitung und Verwaltung von Fotos. Außerdem macht es Digikam leicht, Bilddateien auch auf externe Datenträger auszulagern – ein gewichtiges Argument, wenn der Platz auf den internen Festplatten knapp zu werden droht.

Die Digikam bietet alles, was Sie zur Organisation auch umfangreicher Fotosammlungen benötigen.
Vergrößern Die Digikam bietet alles, was Sie zur Organisation auch umfangreicher Fotosammlungen benötigen.

Wer eine Distribution einsetzt, die den KDE-Desktop als Standard nutzt, dürfte bereits eine lauffähige Version von Digikam auf dem Rechner haben. Ansonsten ist es in den Paketquellen aller aktuellen Linux-Varianten zu finden. Nach dem ersten Aufruf der Software startet zunächst ein Assistent, der bei der Einrichtung des Programms hilft. Im ersten Schritt definieren Sie ein Verzeichnis, in das die Fotos abgelegt werden. Das kann der vorgeschlagene Ordner des Systems sein, aber auch eine Netzwerkfreigabe auf einem NAS oder einem anderen Rechner. Anschließend muss der Speicherort für die Datenbanken sowie deren Format festgelegt werden. Digikam speichert Informationen zu den Fotos, aber auch Miniaturen in verschiedenen Datenbanken. Entscheiden Sie sich am besten für das robuste und ausgereifte Sqlite-Format. Wer ohnehin nur vorhat, die Fotos von Kamera oder Smartphone rasch zu importieren, kann die Optionen zum Rohformat einfach bei den voreingestellten Werten belassen.

Wichtiger ist da die nächste Frage des Assistenten: Mit der Fotoverwaltung weisen Sie den Bildern auf Wunsch weitere Eigenschaften zu, zum Beispiel Informationen zum Ort der Aufnahme oder Personennamen. Digikam kann diese Informationen direkt in die Bilddatei als Metainformation schreiben. Das bietet den Vorteil, dass die Informationen auch beim Import in einer anderen Fotoverwaltung gelesen werden können und auch beim Kopieren auf andere Datenträger erhalten bleiben. Eingebettete Metadaten machen allerdings die Arbeit mit dem Programm etwas langsamer. Wägen Sie ab und entscheiden Sie sich im Zweifel dafür, den Voreinstellungen zu folgen.

Lesetipp Die 10 besten Tipps zur Bildverwaltungssoftware Irfanview

Schließlich legen Sie noch fest, wie die Vorschaubilder in der Bildübersicht, dem Leuchttisch, dargestellt werden. Im Zusammenhang damit haben Sie die Wahl, Bilder vom Leuchttisch in der Vorschau zu öffnen oder direkt in einem Editor. Praktisch ist es, sich die Kurzinfos anzeigen zu lassen, wenn mit der Maus auf ein Bild in der Übersicht gezeigt wird.

Damit ist der Einrichtungsassistent absolviert. Mit „Abschließen“ verlassen Sie die Einrichtung. Jetzt startet Digikam zum ersten Mal und liest die Bilder aus dem Verzeichnis ein, das Sie während der Einrichtung als Speicherort definiert haben.

Die Digikam-Optionen zur Gesichtserkennung sind sehr übersichtlich und einfach.
Vergrößern Die Digikam-Optionen zur Gesichtserkennung sind sehr übersichtlich und einfach.

Fotos in Digikam-Alben organisieren

Daran hat auch die Digitalfotografie nichts geändert: Fotos werden am besten in Alben sortiert. Digikam besitzt bereits einige eingebaute Funktionen, um schneller zum gesuchten Foto zu gelangen. Darauf haben Sie über die linke Seitenleiste Zugriff. Mit „Daten“ werden die Fotos nach Aufnahmedatum gruppiert, „Karte“ platziert sie anhand im Bild gespeicherter Geotags auf der Weltkugel. Der Klassiker sind aber schlicht Alben. Ein Album in Digikam entspricht auch einem Ordner auf der Festplatte. Besonders schnell legen Sie ein Album direkt aus der Übersicht heraus an. Markieren Sie die gewünschten Fotos und klicken Sie mit der rechten Maustaste. Wählen Sie im Kontextmenü „In Album verschieben“. Im nachfolgenden Dialog können Sie ein bereits bestehendes Album verwenden oder mit „Neues Album“ eine neue Sammlung anlegen. Praktischerweise können Sie das Album auch gleich zeitlich einordnen. Unter „Datum des Albums“ haben Sie die Wahl, den Zeitstempel der ältesten oder neuesten Aufnahme zu verwenden oder den Durchschnitt aus allen Bildern der Auswahl zu nutzen.

Nach der Erkennung von Gesichtern kommt die Bestimmung.
Vergrößern Nach der Erkennung von Gesichtern kommt die Bestimmung.

Mit Digikam Personen suchen und erkennen

Eine praktische Funktion, um die Fotos nach Personen zu ordnen, ist die automatische (experimentelle) Gesichtserkennung. Rufen Sie dazu den Bereich „Personen“ entweder über die Seitenleiste oder das Menü „Durchsuchen“ auf. Klicken Sie auf „Sammlung nach Gesichtern durchsuchen“. Entscheiden Sie sich danach für „Gesichter finden“. Der Vorgang dauert eine Weile, je nach Menge der Fotos. Digikam präsentiert Ihnen danach übersichtlich alle gefundenen Gesichter. Zeigen Sie mit der Maus auf ein Foto, können Sie jetzt den Namen der betreffenden Person eingeben. Über die Funktion „Gesichter erkennen“ können Sie später den Datenbestand dann nach bereits bekannten Personen durchsuchen. Der Name der Person wird automatisch zu einem Schlagwort in der Personenansicht. So finden Sie später jederzeit die passenden Aufnahmen wieder.

Bei der Anlage eines neuen Albums kann das Aufnahmedatum ausgewertet werden.
Vergrößern Bei der Anlage eines neuen Albums kann das Aufnahmedatum ausgewertet werden.

Mit Digikam Schlagwörter vergeben

Schlagwörter sind eine gute Ergänzung, um noch mehr Ordnung in die Fotosammlung zu bekommen. Damit werden dann auch Aufnahmen wiedergefunden, die über mehrere Ereignisse oder Alben hinweg interessant sind – etwa Orte oder abstrakte Begriffe wie „Architektur“ oder „Fahrzeug“. Das geht in Digikam ebenfalls am schnellsten über das Kontextmenü gewählter Einträge. Nach dem Rechtsklick finden Sie im unteren Bereich des Menüs das Kommando „Stichwort zuweisen“. Anschließend können Sie aus den Stichwörtern wählen, die Sie vor kurzem erst genutzt haben. Oder Sie nutzen „Neues Stichwort hinzufügen“, um ein neues Stichwort anzulegen. Mit solchen Stichwörtern verleihen Sie der Sammlung den Feinschliff. Sie dürfen ruhig eng gewählt sein. Liegen die Aufnahmen etwa im Ordner „Hamburg Urlaub 2017“, dann könnten Sie mit den Stichwörtern auf Motivebene mehr Ordnung schaffen, wenn Sie etwa die Sehenswürdigkeiten auf dem Bild mit weiteren Stichwörtern versehen.

Wenn die Kipi-Plug-ins installiert sind, dann lassen sich Fotos auch mit diversen anderen Plattformen teilen.
Vergrößern Wenn die Kipi-Plug-ins installiert sind, dann lassen sich Fotos auch mit diversen anderen Plattformen teilen.

Fotos betrachten und weitergeben

Natürlich dient Digikam nicht nur zur Verwaltung Ihrer Aufnahmen. Sie können direkt aus der Software heraus Diashows und Präsentationen gestalten. Diese Funktionen finden Sie im Menü „Ansicht“. Dazu wählen Sie zunächst die Alben oder Bilder aus, die Sie verwenden wollen, und legen danach Übergänge fest oder fügen auch Beschriftungen ein. Über „Extras“ produzieren Sie Galerien im HTML-Format oder gestalten einen individuellen Kalender. Dank zahlreicher Plug-ins können Sie Fotos auch mit externen Plattformen teilen. Dazu müssen Sie in der Paketverwaltung die sogenannten Kipi-Plugi-ns nachinstallieren.

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