2451722

Linux-Umzug von Bios auf Uefi - so klappt's

03.09.2019 | 14:02 Uhr | Thorsten Eggeling

Das bisherige Linux läuft auf einem Bios-PC, soll aber auf einem neuen PC im Uefi-Modus booten. Durch eine Grub-Neuinstallation lässt sich ein solcher Umzug schnell bewältigen.

Die Uefi-Firmware ist flexibel und ermöglicht über ein Kompatibilitätsmodul auch den Systemstart im herkömmlichen Bios/MBR-Modus. Befinden sich zwei Festplatten im PC, kann man von einer im Uefi-Modus und von der anderen im Bios-Modus booten. Bei nur einer Festplatte muss man sich für eine der Methoden entscheiden. Soll ein im Bios-Modus installiertes Linux von einem alten auf einen neuen Computer umziehen und dort im Uefi-Modus booten, sind einige Umbauten erforderlich.

Service: Alle Befehlszeilen aus diesem Artikel lassen sich über https://github.com/Myria-de/ubuntu-uefi im Browser abrufen.

Bios und Uefi: Die wichtigsten Funktionen enträtselt

Voraussetzung und Vorbereitungen 

Je nach Situation auf Ihrem PC gibt es mehrere mögliche Szenarien: 

  • Auf dem neuen PC ist Windows installiert. Sie wollen oder können nur eine Festplatte verwenden. Linux muss von der alten auf die neue Festplatte umziehen und für den Uefi-Modus angepasst werden.

  • Sie bauen die alte Festplatte mit dem Bios/ MBR-Linux als weitere Festplatte in den PC ein. Linux sowie Windows sollen sich über Grub im Uefi-Modus starten lassen.

  • Sie haben einen neuen PC ohne Betriebssystem gekauft. Das bisherige Linux soll auf die neue Festplatte umziehen und im Uefi-Modus starten. Eventuell soll später auch Windows installiert werden.

In der Regel wird auf dem neuen PC Windows im Uefi-Modus installiert sein. Kontrollieren Sie im Bios/Firmware-Setup, welche Bootoptionen eingestellt sind.

In der Regel sollte in einem Menü wie „Boot“ oder „Boot Order“ als Option beispielsweise „Uefi“ oder „Uefi only“ eingestellt sein. „Uefi and Legacy“ oder „CSM“ sind auch möglich und sorgen dafür, dass der PC sowohl im Uefi- als auch im Bios-Modus booten kann.

Grub aktualisieren: Nach dem Linux-Umzug wird Grub mit update-grub neu eingerichtet.
Vergrößern Grub aktualisieren: Nach dem Linux-Umzug wird Grub mit update-grub neu eingerichtet.

Deaktivieren Sie außerdem Secure Boot. Die Einstellung finden Sie meist unter einem Menü wie „Bios Features“, „Security“ oder ähnlich. Die Funktion soll die Bootumgebung vor Schadsoftware schützen, indem sie nur digital signierte Software erlaubt. Linux-Distributionen wie Ubuntu stellen zwar einen signierten Kernel zur Verfügung, zusätzliche Treiber, etwa für Grafikchips von Nvidia, sind jedoch nicht signiert und lassen sich bei aktiviertem Secure Boot nicht laden.

Livesystem bereitlegen: Alle beschriebenen Arbeiten müssen über ein Zweitsystem erfolgen. Sie können etwa  Ubuntu 19.04  verwenden, das Sie für den Uefi-Modus auf einen USB-Stick kopieren (mit dd unter Linux oder Win 32 Disk Imager unter Windows).

Siehe auch:  So klappt der Multiboot mit Windows & Linux

Linux mit Uefi neben Windows einrichten 

Verbinden Sie die Festplatte mit dem alten Linux-System mit dem neuen PC. Sollte kein freier SATA-Anschluss vorhanden sein, verwenden Sie einen SATA/USB-Adapter. Starten Sie das Linux-Livesystem im Uefi-Modus. Er ist am englischsprachigen Grub-Menu auf schwarzem Untergrund zu erkennen. Das Uefi-Livesystem startet mit einer englischsprachigen Tastaturbelegung. Wenn Sie auf die deutsche Belegung umstellen möchten, drücken Sie die Taste E. Gehen Sie auf die Zeile, die mit „linux“ beginnt, und tragen Sie hinter „splash“ gefolgt von einem Leerzeichen diese Werte ein: 

console-setup/layoutcode?=de 

Auch im Grub-Editor gilt das englischsprachige Tastaturlayout (siehe Tabelle unten). Drücken Sie die F10-Taste, um das Livesystem zu starten.

Schritt 1: Ist bereits Windows installiert, müssen Sie zuerst Platz für Linux schaffen. Dazu starten Sie Gparted, verkleinern die Windows-Partition und erstellen eine Ext4- Partition für Linux .

Schritt 2: Öffnen Sie ein Terminalfenster und verschaffen Sie sich mit 

sudo -i 

die root-Rechte. Mit 

blkid 

ermitteln Sie, welche Partitionen vorhanden sind. „/dev/sda5“ ist beispielsweise die neue Ext4-Partition, „/dev/sda2“ ist die EFI-Partition und über „/dev/sdb1“ ist die Bios-Installation auf der zweiten Festplatte zu erreichen. Führen Sie diese drei Befehle aus: 

mkdir /mnt/neu /mnt/alt 
mount /dev/sda5 /mnt/neu 
mount /dev/sdb1 /mnt/alt 

Passen Sie die Laufwerkspfade für Ihr System entsprechend an.

Schritt 3: Kopieren Sie das alte System auf die neue Festplatte. Beachten Sie den Schrägstrich „/“ jeweils am Ende der Pfade:

rsync --stats --progress --numericids -axAhHSP /mnt/alt/ /mnt/neu/ 

Schritt 4: Binden Sie die EFI-Partition ein, die Windows erstellt hat: 

mkdir /mnt/neu/boot/efi 
mount /dev/sda2 /mnt/neu/boot/efi 

Schritt 5: Führen Sie die folgenden zwei Befehlszeilen aus:

for dir in /dev /dev/pts /proc /sys /run; do sudo mount --bind $dir /mnt/neu/$dir; done 
chroot /mnt/neu /bin/bash 

Damit binden Sie einige Pfade des laufenden Livesystems ein und starten eine chroot-Umgebung. Sie arbeiten darin, als ob Sie den Rechner mit diesem System gestartet hätten.

Schritt 6: Entfernen Sie die installierten Grub-Pakete: 

apt-get purge grub-common grub-pc os-prober 

Danach installieren Sie Grub für den Uefi- Modus: 

apt-get install grub-common grub-efi-amd64 os-prober 
grub-install 
update-grub 
exit 

„update-grub“ gibt alle gefundenen Betriebssysteme aus, neben Ubuntu auch das installierte Windows. Mit „exit“ in der letzten Zeile verlassen Sie die chroot-Umgebung. 

Partitionen einbinden.
Vergrößern Partitionen einbinden.

Schritt 7: Sie müssen jetzt nur noch die Einbindung der Partitionen anpassen: 

gedit /mnt/neu/etc/fstab 

Hinter „UUID=“ ersetzen Sie die ID der vorherigen Partition durch die neue, die Sie über blkid ermitteln. Ergänzen Sie darunter die Einbindung der EFI-Partition. Ein Beispiel sehen Sie in der Abbildung. Starten Sie den PC neu. Es begrüßt Sie das Grub-Menü, in dem Sie zwischen Linux und Windows wählen können.

Leere Festplatte oder alte weiterverwenden

Soll Linux neben Windows von der alten Festplatte gestartet oder auf eine bisher leere Festplatte transportiert werden, sind die Schritte ähnlich wie zuvor beschrieben. Im ersten Fall starten Sie bei Schritt 2 und lassen Schritt 3 aus. Binden Sie die Linux-Partition als „/mnt/neu“ ein und folgen Sie den Schritten 4 bis 6. In Schritt 7 müssen Sie nur die Zeile für die EFI-Partition ergänzen, da die bisherige UUID sich nicht ändert.

Soll Linux auf ein neues, bisher leeres Laufwerk umziehen, ist es unterm Strich am einfachsten, das gleiche System im Uefi-Modus neu zu installieren. Danach löschen Sie über ein Livesystem die Dateien der Neuinstallation, kopieren mit rsync (Schritt 3) das bisherige System auf die neue Partition und folgen dann den weiteren Schritten, um die Installation anzupassen. Windows lässt sich später auf einer freien Partition oder zweiten Festplatte installieren. Danach müssen Sie wahrscheinlich Grub reparieren. Gehen Sie dabei sinngemäß so vor wie in den Schritten 2 und 4 bis 6 beschrieben.

Englische Tastaturbelegung für Grub und Live-Systeme

Zeichen

Auf deutscher Tastatur

=

Umschalt-` (Links neben der Rücktaste)

?

Umschalt-Minus (neben Umschalt rechts)

/ (Slash)

Minus-Taste (neben Umschalt rechts)

- (Bindestrich/Minus)

ß

/ (Slash)

– (neben Umschalt rechts)

\ (Backslash) und | (Pipe)

# und Umschalt-#

: (Doppelpunkt)

Umschalt-ö

_ (Unterstrich)

Umschalt-ß

" und ' (doppelte/einfache Anf.-Zeichen)

ä und Umschalt-ä

z und y

y und z

Die Themen in Tech-up Weekly #163:

► Bericht: Microsoft-Dienstleister belauschen intime Skype-Gespräche: www.pcwelt.de/news/Bericht-Microsoft-Dienstleister-belauschen-intime-Skype-Gespraeche-10643395.html

► Tausende Amazon-Mitarbeiter hören Alexa-Mitschnitte ab: www.pcwelt.de/news/Tausende-Amazon-Mitarbeiter-hoeren-Alexa-Mitschnitte-ab-10573982.html

► Google Assistant: Mitarbeiter belauschen Gespräche: www.pcwelt.de/news/Google-Assistant-Mitarbeiter-belauschen-Gespraeche-10627132.html

► Apple will Siri-Aufnahmen nur noch mit Einwilligung auswerten: www.macwelt.de/news/Apple-will-Siri-Aufnahmen-nur-noch-mit-Einwilligung-auszuwerten-10640695.html


► Gamescom-Tickets gewinnen: www.pcwelt.de/news/Preise-fuer-8000-Euro-abgreifen-Die-HMX-2-Team-Hoelle-auf-der-Gamescom-2019-10636572.html (unten auf der Seite)

► Intel: Neue 56-Kern-CPU im ersten Halbjahr 2020: www.pcwelt.de/news/Intel-Neue-56-Kern-CPU-im-ersten-Halbjahr-2020-10642604.html

Quick-News:

► Facebook benennt WhatsApp und Instagram um:
www.pcwelt.de/news/Facebook-benennt-Whatsapp-und-Instagram-um-10641012.html

► Roblox hat jetzt mehr Spieler als Minecraft: www.pcwelt.de/news/Roblox-hat-jetzt-mehr-Spieler-als-Minecraft-10641294.html

► Frech: Google will mit EU-Entscheidung Geld verdienen: www.pcwelt.de/news/Frech-Google-will-mit-EU-Entscheidung-Geld-verdienen-10641021.html

► Microsoft stopft heimlich neue Spectre-Lücke in CPUs: www.pcwelt.de/news/Microsoft-stopft-heimlich-neue-Spectre-Luecke-in-CPUs-10642457.html

► Xiaomi plant Smartphone mit 108 Megapixel Kamera: www.pcwelt.de/news/Xiaomi-plant-Smartphone-mit-108-Megapixel-Kamera-10642839.html

► Galaxy Book S: Windows 10 Laptop mit 23 Stunden Akku-Laufzeit: www.pcwelt.de/news/Galaxy-Book-S-Windows-10-Laptop-mit-23-Stunden-Akku-10643356.html

Kommentar der Woche:

► Unser Hands-on zum Galaxy Note 10/10+
www.youtube.com/watch?v=0MUcrI8YSyU

► Dennis & Simon im Sparmag-Video: www.youtube.com/watch?v=1_5atf_0vQY&t=8m0s

Fail der Woche:

► Speedtest-Ranking: Deutschland nur auf Platz 33: www.pcwelt.de/news/Speedtest-Ranking-Deutschland-nur-auf-Platz-33-10642127.html

► Zum PC-WELT T-Shirt-Shop:
www.pcwelt.de/fan

2451722