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Linux: Film und Musik konvertieren

10.08.2019 | 09:41 Uhr |

Linux ist bei der Wiedergabe von Film und Musik flexibel und spielt dank eines breiten Softwareangebots eigentlich alles. Mobile Geräte und Smart TVs lassen hingegen manche Lücke. Konvertieren Sie dann einfach in das gewünschte Zielformat.

Ein Film aus der eigenen Videosammlung auf Smartphone oder Tablet vertreibt unterwegs die Zeit auf langen Bahnfahrten. In den eigenen vier Wänden kann ein Medienserver das Ausgangsmaterial während der Wiedergabe in das passende Format für Android oder Apple umwandeln. Solches Transcoding fällt unterwegs natürlich aus. Einfach die Datei auf das Endgerät zu kopieren, scheitert allzu häufig: Die Versuche zur Wiedergabe werden dann mit einem Fehler quittiert. Passend konvertiert klappt es dann aber.

Die dahinterliegende Problematik erwächst daraus, dass während der Umwandlung der Audio- und Bildsignale in das digitale Format für den Computer ein Encoder verwendet wird. Bei der Wiedergabe erfolgt nun der umgekehrte Schritt. Der Decoder wandelt die Daten wieder in Musik und Bild zurück. Encoder und Decoder müssen zueinander passen, sonst bleibt der Bildschirm dunkel. Die nachfolgend vorgestellten Anwendungen sind das richtige Werkzeug für verschiedene Situationen und Ansprüche. Damit können Sie multimediale Elemente nach Wunsch für andere Geräte vorbereiten.

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Handbrake: Filme für mobile Geräte aufbereiten

Handbrake hat sich in den vergangenen Jahren als feste Größe unter den Konvertierungsprogrammen etabliert, wenn es darum geht, Filme für iOS und Android umzuwandeln. Profis, die sich intensiv mit verschiedenen Codecs und deren Eigenschaften beschäftigt haben, werden die überschaubare Anzahl an Encodern für die Umwandlung bemängeln. Für normale Filmkonsumenten sollte der Vorrat aber ausreichen.

Handbrake ist in den Paketquellen der meisten Distribution enthalten. Auf der Projektseite (https://handbrake.fr) wird Handbrake nur für Ubuntu wahlweise als deb-Paket oder als Flatpak-Container angeboten. Die Bedienung ist sehr einfach. Mittels „Open Source“ navigieren Sie zur Videodatei, die umgewandelt werden soll. Wenn Sie lediglich einen Teil des Materials konvertieren wollen, legen Sie dies über „Range“ fest. Je nach Ausgangsmaterial können hier gezielt einzelne Kapitel ausgewählt werden, sofern der Film eine Kapiteleinteilung vorsieht. Alternativ lässt sich auch eine Zeiteinheit definieren. Über „Preset“ legen Sie das Zielformat fest. Unter „Devices“ finden Sie zahlreiche Zielplattformen – von Apple-Geräten über Android-Varianten bis zu Plattformen wie Fire-TV oder der Playstation. Es stehen aber auch Formate für Onlineplattformen unter „Web“ zur Auswahl. Über das Listenfeld am unteren Rand des Registers „Zusammenfassung“ teilen Sie Handbrake noch mit, wo die finalen Dateien abgelegt werden. Mit „Start Encoding“ beginnen Sie dann die Konvertierung.

Wer etwas mehr Einfluss auf den Prozess nehmen will, findet in den verschiedenen Registern die Gelegenheit dazu. So kann unter „Dimensions“ auch gezielt auf die Geometrie des Bildes eingegriffen werden. Handbrake beherrscht auch die Stapelverarbeitung. Dazu öffnen Sie erst die Quelle, legen die Parameter fest und klicken dann auf „Add to Queue“. Danach öffnen Sie eine weitere Quelle und fügen dieser der Warteschlange hinzu. Erst wenn alle Quelldateien aufgenommen sind, klicken Sie auf „Start Encoding“.

Sound Converter: Musikformate umwandeln

Smartphone, Smartwatch und jedes Betriebssystem sind inzwischen in der Lage, MP3-Dateien abzuspielen. Musikenthusiasten werden indes ihre Audiodateien aus guten Gründen in anderen Formaten digitalisiert haben. Die schönste Sammlung im verlustfreien Flac-Format hilft aber nichts, wenn sie vom Gerät und der der dortigen Zielanwendung nicht verstanden wird. Als nützlich erweisen sich dann Apps, die komplette Ordner in Form einer Stapelverarbeitung in ein anderes Format umwandeln.

Der Sound Converter ist ein schlankes Programm, das für einfache Ansprüche optimiert wurde. Die Oberfläche ist übersichtlich gehalten und verzichtet auf komplizierte Optionen, in denen man sich verlieren könnte. Wer aus einem Wust an Audiodateien verschiedener Quellen eine geordnete Sammlung produzieren will, braucht im Zweifel eine Reihe von zusätzlichen Funktionen, etwa eine automatische Titelerkennung und einen Editor für Metadateien. Das kann der Sound Converter nicht bieten: Über die „Einstellungen“ legen Sie zunächst die Einstellungen für die Konvertierung fest. Der wichtigste Schalter ist sicherlich das „Zielformat“. Hier wählen Sie eines der angebotenen Formate wie MP3, Flac, OGG oder auch das unkomprimierte WAV-Format. Um die Ressourcen des Rechners zu schonen, können Sie die Zahl der parallelen Konvertierungen begrenzen. Das hat natürlich zur Folge, dass die Bearbeitung der Dateien entsprechend länger dauert.

Über die Voreinstellungen im Sound Converter legen Sie das Zielformat für die Audiodateien fest.
Vergrößern Über die Voreinstellungen im Sound Converter legen Sie das Zielformat für die Audiodateien fest.

Ebenfalls wichtig ist die Wahl des Speicherorts. Voreingestellt ist als Ziel der Ausgangsordner des Materials. Auf Wunsch werden die Dateien mit einem neuen Namen versehen. Nach der Anpassung der Optionen klicken Sie auf „Datei hinzufügen“, um die Ausgangsdateien auszuwählen. Dieser Weg bietet sich an, wenn es um einzelne Dateien geht, die vielleicht auch noch an verschiedenen Stellen des Dateisystems gespeichert sind. Wollen Sie hingegen ein ganzes Album konvertieren, nutzen Sie besser die Option „Ordner hinzufügen“. Mit einem Klick auf „Umwandeln“ wird die Konvertierung gestartet, deren Fortschritt Sie innerhalb des Programmfensters verfolgen können.

Ein Hinweis zur Vorsicht: Der Sound Converter nutzt viele Gnome-Bibliotheken und Hilfsfunktionen. Um sicherzugehen, dass die Dateien auch korrekt konvertiert werden, ist es unter KDE sehr zu empfehlen, die Anwendung beim ersten Mal in einem Terminal zu starten und aufmerksam die Ausgaben zu lesen. Denn nur dort meckert die Software beispielsweise über eine nicht vorhandene Bibliothek, die Sie dann manuell nachinstallieren müssten.

Stapelverarbeitung des Sound Converters.
Vergrößern Stapelverarbeitung des Sound Converters.

Avidemux: Konvertiert und schneidet Werbung

Wer eine Sendung aus dem Fernsehen aufzeichnen will, braucht heute nicht mehr zwangsläufig einen Videorecorder. Angebote aus der Cloud erledigen die Aufgabe mindestens ebenso gut. Allerdings gibt es Filme mit herausgeschnittener Werbung nur gegen Aufpreis, wenn sie denn überhaupt angeboten werden. Und hier bietet sich Avidemux als Problemlöser an: Avidemux ist ein gelungenes Werkzeug für einfache Schnittarbeiten und die Konvertierung von Videos.

Avidemux beherrscht den sogenannten linearen Videoschnitt. Videokünstler werden damit also weniger anfangen können und gleich zu Kdenlive greifen, das ja in der Lage ist, aus vielen verschiedenen Quellen neue Filme zu produzieren. Beim linearen Schnitt entfernen Sie hingegen einfach überflüssige Szenen und der Rest des Filmes rückt dann in der Zeitachse auf. Der kurze Moment sieht dann beim Abspielen nicht immer hübsch aus, die Aktion spart aber deutlich Platz auf der Festplatte und Sie sparen sich das Vorspulen während der Wiedergabe. Zur Installation sehen Sie am besten einmal nach, ob sich Avidemux nicht ohnehin in den Paketquellen Ihrer Distribution befindet. Ansonsten besuchen Sie die Downloadseite des Projekts (http://avidemux.sourceforge.net/) und suchen dort nach einer passenden Binärdatei.

Mit Avidemux können Sie überflüssige Szenen und Werbung aus dem Filmmaterial entfernen.
Vergrößern Mit Avidemux können Sie überflüssige Szenen und Werbung aus dem Filmmaterial entfernen.

Über „Datei, Öffnen“ wählen Sie in Avidemux zunächst das Ausgangsmaterial aus. Jetzt können Sie bereits an den Schnitt gehen. Um einen Werbeblock schneller zu finden, navigieren Sie mittels der Cursortasten. Praktisch und bewährt ist die Funktion, nach einem sogenannten „schwarzen Frame“ zu suchen. Diese entstehen häufig beim Schnitt, sind aber auch meist Indikatoren für einen unmittelbar nachfolgenden Werbeblock. Ist der Beginn der Werbung gefunden, klicken Sie auf den Schalter „A“, um einen Anfangspunkt zu setzen. „Spulen“ Sie jetzt im Film weiter, bis das Ende des Blocks erreicht ist. Dort klicken Sie auf den Schalter „B“, um den Endpunkt des Schnitts zu bestimmen. In der kleinen Zeitleiste am unteren Rand des Programmfensters wird der Block nun farbig markiert. Mit einem einfachen Druck auf die Taste Entf löschen Sie jetzt die unliebsame Unterbrechung. Das wiederholen Sie mit allen weiteren überflüssigen Blöcken.

Das Herausschneiden der Werbung ist natürlich nur optional. Avidemux kann unter der sehr übersichtlichen Oberfläche Filme auch einfach nur umwandeln. Wählen Sie dazu unter „Ausgabeformat“ das gewünschte Zielmedium. Im Menü „Auto“ finden Sie auch einige voreingestellte Profile, etwa zum Anlegen des Materials für eine DVD. Mittels „Datei, Speichern“ legen Sie das Zielverzeichnis und den Dateinamen fest. In Abhängigkeit der verwendeten Hardware und der Länge des Clips dauert der Vorgang eine ganze Weile. Da ist es nützlich, die Anwendung in den Tray minimieren zu können.

Nachdem die gewünschten Parameter für die Umwandlung definiert sind, beginnt Avidemux mit der Konvertierung.
Vergrößern Nachdem die gewünschten Parameter für die Umwandlung definiert sind, beginnt Avidemux mit der Konvertierung.

Multi Converter: Die große Freiheit

Für das Linux-Ökosystem gibt es mit Ffmpeg ein seit fast zwei Jahrzehnten entwickeltes Paket aus Programmen und Bibliotheken, um Audio- und Videoformate aufzunehmen, zu konvertieren und zu streamen. Der Name suggeriert dabei zwar, dass es sich nur um MPEG-Videos handelt, aber diese Verengung ist längst vergangene Geschichte. Ffmpeg ist vielseitig und flexibel und damit das ideale Werkzeug, wenn es um Konvertierungsaufgaben geht. Allerdings werden die Werkzeuge ausschließlich über die Kommandozeile mit einer Vielzahl an Optionen und Schaltern bedient. Und daran hat bekanntlich nicht jeder Spaß – zumal selbst erfahrene Nutzer beim Setzen der Schalter auch einen Fehler machen können.

Das in Python geschriebene Programm FF Multi Converter (https://sites.google.com/site/ffmulticonverter/) ist ein Front-End: Es benutzt die von Ffmpeg zur Verfügung gestellten Funktionen, legt aber darüber eine eigene grafische Oberfläche, um die Bedienung zu vereinfachen. Gerade weil der Unterbau so vielseitig ist, konvertieren Sie damit bei Bedarf wirklich alles. Allerdings erfordert die Einrichtung etwas Mehrarbeit. Als Lohn der Mühe lassen sich dann aber auch eher exotische Formate wie WMA oder WEBM produzieren. Der Multi Converter bietet unter allen genannten Werkzeugen die größte Flexibilität beim Konvertieren.

Unter Ubuntu und dessen Derivaten können Sie das externe PPA des Entwicklers hinzufügen und das Tool auf diesem Weg installieren:

sudo add-apt-repository ppa:cteehayder/ffmulticonverter
sudo apt update
sudo apt install ffmulticonverter

Nutzer anderer Distributionen müssen die Anwendung eventuell aus dem Quelltext kompilieren. Nähere Installationshinweise liefert die Launchpadseite des Projekts (https://launchpad.net/ffmulticonverter/+packages). Da der Konverter aber auf Ffmpeg aufsetzt, muss auch das Paket „ffmpeg“ mit allen Codecs auf dem System installiert sein.

Wer sich mit Multimedia-Codecs und Ffmpeg gut auskennt, kann die Voreinstellungen des Multi Converters über die Ffmpeg-Parameter individuell anpassen.
Vergrößern Wer sich mit Multimedia-Codecs und Ffmpeg gut auskennt, kann die Voreinstellungen des Multi Converters über die Ffmpeg-Parameter individuell anpassen.

Danach ist das vielseitige Werkzeug einsatzbereit. Die Oberfläche ist eher schlicht. Mit dem Schalter „Hinzufügen“ wählen Sie eine oder mehrere Dateien aus, die konvertiert werden sollen. Auch das Konvertieren von Bilddateien ist möglich. Die Optionen dazu finden Sie im Register „Bilder“. Der große Vorzug der Anwendung liegt darin, dass Sie die leistungsstarken Funktionen von Ffmpeg nutzen, ohne sich mit Kommandoparametern des Programms beschäftigen müssen. Um die Dateien zu konvertieren, legen Sie im unteren Bereich des Programmfensters einen Ausgabeordner fest. Einsteiger klicken danach am besten auf den Schalter „Voreinstellung“. Darüber erreichen Sie einen Dialog, der Zugriff auf die verschiedenen Presets bietet. In der sehr stattlichen Liste finden Sie viele Ausgabeformate und Geräte, etwa mobile Geräte oder auch die klassische DVD im PAL-Format. Sobald Sie eine Auswahl getroffen haben, werden die dahinter liegenden Parameter in die Zeile „Kommando“ übernommen. Wer jetzt noch ein paar Feineinstellungen vornehmen will, kann das nach einem Klick auf „Mehr“. Darüber erweitert sich der Dialog um zusätzliche Felder, über die beispielsweise die Dimensionen des Videos verändert werden. Mit einem Klick auf „Konvertiere“ starten Sie danach die Umwandlung. Da die Bearbeitung eine ganze Weile dauern kann, besteht die Option, das System automatisch am Ende der Aktion herunterfahren zu lassen.

Wer sich etwas intensiver mit dem Thema Multimedia beschäftigt hat, weiß natürlich, dass Dateiendungen in diesem Umfeld eher der Beschreibung eines Inhaltscontainers gleichen. Entscheidender für die Fähigkeit eines Endgeräts, die Datei wiederzugeben, ist die Verwendung eines passenden Codecs für Video und Audio.

Jedem Dateiformat sind im Multi Converter Standardeinstellungen zugeordnet, getrennt nach Video und Audio. Diese werden dann genutzt, wenn für die Umwandlung lediglich die Dateiendung eines bekannten Formats, zum Beispiel „mov“ für die Apple-Welt, aus dem Listenfeld „Konvertiere zu“ ausgewählt wird. Über die beiden Listenfelder „Video codec“ und „Audio codec“ kann der Nutzer dann aber auch eine abweichende Entscheidung treffen. Das sollten aber nur fortgeschrittene Anwender tun, die sicher sind, dass das Zielsystem dann mit dem Ergebnis auch etwas anfangen kann.

Absolute Experten, die an den Optionen des Konverters ein Feintuning vornehmen wollen, können dies, indem Sie aus dem Menü „Voreinstellungen“ das Kommando „Voreinstellungen bearbeiten“ wählen. Im nachfolgenden Dialog wählen Sie dann das gewünschte Preset aus, um dann die Parameter für den Funktionsaufruf zu verändern.

Für die schnelle Konvertierung genügt es, eine Dateiendung auszuwählen und die Audio- und Videoeinstellungen bei den Vorgaben zu belassen.
Vergrößern Für die schnelle Konvertierung genügt es, eine Dateiendung auszuwählen und die Audio- und Videoeinstellungen bei den Vorgaben zu belassen.

Konvertieren mit dem VLC

Wer den VLC-Player nicht kennt, hat definitiv etwas verpasst. Dieses erstaunliche Stück Software spielt eigentlich alles. Internetstreams, Musik und Video jeglichen Formats sind für den cleveren VLC kein Problem. Und das Programm kann sogar Dateien konvertieren: Dazu nutzen Sie das Kommando „Konvertieren/Speichern“ aus dem Menü „Medien“. Im Register „Datei“ wählen Sie mittels „Hinzufügen“ die Quelldatei aus. Klicken Sie anschließend auf „Konvertieren/Speichern“. Im Abschnitt „Konvertieren“ wählen Sie dann aus dem Listenfeld „Profil“ das Zielformat.

Legen Sie anschließend über den Schalter „Durchsuchen“ den Zielort fest und vergeben Sie einen Dateinamen. Mit „Start“ beginnen Sie dann den Vorgang. Das Programm erledigt dann im Hintergrund seine Arbeit. Über die voreingestellten Profile haben Sie eine Reihe von gängigen Formaten an der Hand, um Medien für mobile Geräte oder TV-Geräte zu optimieren.

Auch der VLC-Player konvertiert. Dazu streamt der Player das Ausgangsmaterial in eine Zieldatei neuen Formats.
Vergrößern Auch der VLC-Player konvertiert. Dazu streamt der Player das Ausgangsmaterial in eine Zieldatei neuen Formats.

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