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Linux: Probleme mit externen USB-Geräten lösen

30.04.2021 | 08:02 Uhr | Thorsten Eggeling

Der USB-Port ist der Standard für den Anschluss weiterer Hardware an PCs und Notebooks. Die meisten dort angeschlossenen Geräte laufen unter Linux wie erwartet, es gibt aber auch Ausnahmen und Einschränkungen.

Für den USB-Port gibt es nicht nur Datenträger, sondern WLAN- und Ethernet-Adapter, Bluetooth- und TV-Adapter, Drucker, Scanner und Multifunktionsgeräte. Die Unterstützung durch Linux ist in der Regel gut, wenn es sich um weitverbreitete Geräte handelt. Wie bei anderer Hardware auch, werden sehr neue Geräte jedoch manchmal nicht erkannt und benötigen aktuellere Kernel. Teilweise stellen Hersteller auch eigene Treiber zur Verfügung.

1. USB-Geräte und Linux-Unterstützung

Externe Festplatten und USB-Sticks sind weitestgehend standardisiert und bereiten unter keinem Betriebssystem Probleme. Für Drucker, Scanner und Multifunktionsgeräte gibt es Unterstützung, wenn die Geräte von einem bekannten Hersteller stammen und weitverbreitet sind. Von besonders preisgünstigen Geräten vom Discounter um die Ecke ist jedoch abzuraten. Auf jeden Fall sollte man vor einem Neukauf Informationen zur Linux-Tauglichkeit einholen.

WLAN- und TV-Adapter gehören eher in die Kategorie der problematischen Geräte. Oft werden innerhalb einer Modellserie unterschiedliche Chips verbaut und die Hersteller führen spezielle Anpassungen durch. Selbst wenn der Chipsatz im Prinzip von Linux unterstützt wird, funktioniert das Gerät dann trotzdem nicht. Manchmal fehlt nur die nötige Firmwaredatei, was sich dann einfach beheben lässt. Einige Geräte lassen sich aber trotz aller Bemühungen nicht unter Linux verwenden. Auch hier gilt: Informieren Sie sich vor dem Kauf über die Erfahrungen anderer Benutzer unter Linux. Selbst bei Geräten, die der Hersteller mit Linux-Unterstützung bewirbt, ist Vorsicht geboten.

Taucht „Linux“ bei den Voraussetzungen in der Liste der Systeme auf, ist oft nicht klar, was damit genau gemeint ist. Oft gibt es den Quellcode eines Treibers, den man selbst kompilieren muss. Das funktioniert dann jedoch nur ab oder bis zu einer bestimmten Kernel-Version.

2. Angeschlossene USB-Geräte analysieren

Hardwareerkennung: Die Ausgabe von dmesg zeigt, dass der Treiber mt76x0u für den AVM WLAN-Stick AC 430 zwar geladen wird, dabei aber Fehler auftreten.
Vergrößern Hardwareerkennung: Die Ausgabe von dmesg zeigt, dass der Treiber mt76x0u für den AVM WLAN-Stick AC 430 zwar geladen wird, dabei aber Fehler auftreten.

Sobald ein USB-Gerät mit dem PC verbunden wird, versucht der Kernel, es zu erkennen und den passenden Treiber zu laden. Was genau vor sich geht, erfährt man über einen Befehl im Terminal (Strg-Alt-T): 

sudo dmesg -wH

Das Fenster füllt sich mit den Kernel-Meldungen und die letzten Zeilen enthalten Infos zum neu verbundenen Gerät. War das Gerät bereits verbunden, stecken Sie es ab und dann wieder an. Scrollen Sie im Fenster nach oben, um ältere Meldungen zu sehen. Mit Strg-C brechen Sie die Ausgabe ab. Die relevanten Meldungen beginnen mit „New USB device found“, danach folgen Zeilen, die auf den neu geladenen Treiber hinweisen, etwa „registered new driver interface [Treiber]“ oder ähnlich. Bei einer USB-Festplatte sehen Sie Meldungen wie „USB Mass Storage device detected“ und „sd 8:0:0:0: [sdb] Attached SCSI disk“. „Direct firmware load [...] failed“ deutet auf eine fehlende Firmwaredatei. In der Regel steht in der Nähe der Zeile auch, wie die Firmwaredatei heißt. Suchen Sie über https://packages.ubuntu.com („Durchsuchen des Inhalts von Paketen“), ob die Datei in einem Paket der Distribution enthalten ist. Wenn nicht, suchen Sie über eine Internet-Suchmaschine danach.

3. Treiber für Linux finden

Wenn dmesg Fehlermeldungen liefert oder es keinen Hinweis auf einen geladenen Treiber gibt, dann unterstützt der Kernel das Gerät nicht. Im Terminal ermitteln Sie mit 

sudo lsusb

die angeschlossenen USB-Geräte und mit 

modprobe -c | grep -i "[Hersteller- ID].*[Product-ID]" 

finden Sie heraus, ob tatsächlich kein Treiber geladen wurde. Suchen Sie im Internet nach der USB-ID, um weitere Informationen zu erhalten.

Unter https://wiki.ubuntuusers.de/WLAN/Karten finden Sie eine Liste mit WLAN-Sticks vieler bekannter Hersteller. Suchen Sie auf der Seite nach der USB-ID oder der Modellbezeichnung. Es gibt Hinweise, ab welcher Ubuntu-Version ein Adapter direkt unterstützt wird, ob eine neuerer Kernel erforderlich ist (siehe Artikel ab Seite 96) oder ein Treiber manuell installiert werden muss.

Die Anleitungen sind jedoch nicht immer ganz aktuell oder passen trotz identischer USB-ID nicht zu jedem Gerät. Der WLAN-Stick AC 430 von AVM (057c:8502) beispielsweise, sollt laut https://wiki.ubuntuusers.de vom Mainline-Kernel 5.3rc3 unterstützt werden. Bei unserem Testgerät war das nicht der Fall, möglicherweise aufgrund von Änderungen während des Produktionszeitraums. An dieser Stelle sollte man sich überlegen, ob sich weiterer Zeitaufwand lohnt oder ob man nicht besser einen unterstützten WLAN-Adapter für 20 Euro erwirbt.

Für TV-Karten und TV-USB-Adapter gibt es weiterführende Informationen unter https://wiki.ubuntuusers.de/TV-Karten und inuxtv.org . Oft ist eine zusätzliche Firmwaredatei erforderlich, manchmal gibt es auch Treiber direkt von Hersteller, beispielsweise für den USB-Adapter TBS-5520 SE und ähnliche Modelle .

4. Drucker und Scanner

Drucken ohne Probleme: Ubuntu erkennt Drucker meist automatisch und richtet die nötige Software ein. Nur in Einzelfällen muss man Drucker manuell hinzufügen und Treiber installieren.
Vergrößern Drucken ohne Probleme: Ubuntu erkennt Drucker meist automatisch und richtet die nötige Software ein. Nur in Einzelfällen muss man Drucker manuell hinzufügen und Treiber installieren.

Ubuntu und Linux Mint machen es den Benutzern einfach. Sobald Sie den Drucker per USB-Kabel mit dem PC verbinden, beginnt die Suche nach dem passenden Treiber automatisch. Bereits über das WLAN angemeldete Drucker werden ebenfalls automatisch gefunden.

Wenn nicht, gehen Sie bei Ubuntu 20.04 in den „Einstellungen“ auf „Drucker“, unter Linux Mint im Menü auf „Systemverwaltung–› Drucker“ und fügen einen neuen Drucker hinzu.

Sollte kein Standardtreiber vorhanden, aber der Download möglich sein, erscheint ein Dialog, in dem Sie Download und Installation bestätigen.

Einige Hersteller bieten eigene Treiberpakete und Software für Linux an. Bei HP beispielsweise finden Sie über https://www.developers.hp.com/hp-linux-imaging-and-printing eine Liste mit unterstützten Geräten und Funktionen sowie der nötigen Treiberversion. Das Softwarepaket „HP Linux Imaging and Printing“ (HPLIP) richten Ubuntu und Linux Mint automatisch ein. Auf der HP-Website gibt es aber meist eine etwas aktuellere Version für neuere Geräte. Auch Brother, Canon und Epson bieten gute Unterstützung für Linux. Hier finden Sie Treiber jeweils über den Supportbereich.

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