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Linux Mint: So klappt die Grundeinrichtung

27.04.2019 | 09:33 Uhr | Hermann Apfelböck

Nach einer Neuinstallation sind einige fundamentale Einstellungen unverzichtbar. Dieser Beitrag bespricht keine optionalen Nettigkeiten an der Oberfläche, sondern wirklich entscheidende Einrichtungspflichten.

Ein betriebsbereites Linux Mint , das Sie nach Anmeldung auf die Bedienoberfläche befördert, ist noch nicht komplett eingerichtet. Der Alltag kann erst beginnen, wenn die nachfolgenden Pflichten abgearbeitet sind. Dieser Beitrag bespricht fundamentale Systempflege und keine Desktopanpassungen.

Linux Mint: Darum ist die Distribution so erfolgreich

Systempflege gemäß „Willkommen“-Dialog

Die wichtigsten Schritte nach der Installation zeigt der „Willkommen“-Bildschirm (mintwelcome) unter „Erste Schritte“ vorbildlich an. Es sind insgesamt fünf Punkte: Systemschnappschüsse, Treiberverwaltung, Aktualisierungsverwaltung, Systemeinstellungen und Anwendungsverwaltung. Die beiden letzten Punkte sind wichtig, aber nicht vordringlich und bleiben hier außen vor.

Aktualisierungsverwaltung: Das Wichtigste ist zunächst ein Besuch in den Paketquellen, da es seit Erscheinen von Version 19 schon wieder eine Reihe neuer Updates gibt. Daher gehen Sie in die „Aktualisierungsverwaltung“ und klicken auf „Auffrischen“ und danach auf „Aktualisierungen installieren“. Gleichbedeutend dazu sind die Befehle

sudo apt update
sudo apt upgrade  

im Terminal. Ab sofort ist dann auch die Installation zusätzlicher Software möglich. Über „Bearbeiten –› Anwendungspaketquellen“ können später die erlaubten Quellen erweitert werden. Eine frühe Aktion an dieser Stelle, die sich gleich nach der Installation lohnt, ist die Auswahl optimaler „Spiegelserver“: Spiegelserver sind die beiden Webserver mit Mint- und Ubuntu-Paketen, woher Ihr Rechner die Software konkret bezieht.

Software und Updates beziehen.
Vergrößern Software und Updates beziehen.

Beim Klick auf die voreingestellten Server startet automatisch ein Geschwindigkeitstest, der Ihnen die besten Server anzeigt. Es empfiehlt sich ein deutscher Server. Im weiteren Alltag sorgt die Aktualisierungsverwaltung (mintupdate) dann automatisch dafür, dass die Updates regelmäßig eingepflegt werden.

Treiberverwaltung: Der nächste Weg geht nach „Systemverwaltung –› Treiberverwaltung“, um proprietäre Herstellertreiber zu installieren – in der Regel Grafiktreiber. Die Treibersuche erfolgt automatisch: Wenn keine Herstellertreiber angeboten werden, wiederholen Sie die Suche zu einem späteren Zeitpunkt.

Timeshift: Nach dem Start mit „Systemverwaltung –› Timeshift“ und Eingabe des sudo-Kennworts wird der „Schnappschusstyp“ abgefragt. Übernehmen Sie das voreingestellte „RSYNC“, sofern Sie Linux Mint mit Ext4-Dateisystem installiert haben (Standard). Im nächsten Schritt geht es um den „Schnappschussort“, also um den Zieldatenträger der Sicherung. Timeshift bietet alle Partitionen mit Linux-Dateisystem an. Standardziel, wenn nur eine Festplatte vorliegt, ist das Wurzelverzeichnis, wo der zusätzliche Ordner „timeshift“ entsteht. Optimal ist ein unabhängiger zweiter Datenträger als Ziel, allerdings muss dieser immer zur Verfügung stehen, wenn Sie einen automatisierten Zeitplan verwenden.

Im letzten Schritt definieren Sie optional einen Zeitplan und die Menge der gespeicherten Systempunkte. Die automatische Sicherung ist nicht zwingend: Schnappschüsse lassen sich jederzeit manuell über „Erstellen“ im Timeshift-Fenster auslösen. Timeshift zeigt alle Snapshots nach Alter geordnet an.

Mit „Wiederherstellen“ schreiben Sie bei Bedarf einen markierten Sicherungspunkt wieder zurück.

Linux Mint: Die wichtigsten Praxistipps für den Alltag

Sprache, Monitor und Netzwerk

Sprachunterstützung: Bei der Installation legen Sie zwar die Sprache „Deutsch“ an, was jedoch noch kein konsequent deutschsprachiges System ergibt. Nach der Installation ist es daher notwendig, unter „Systemeinstellungen –› Sprachen“ die Sprachpakete zu komplettieren. Beim Aufruf dieses Unterpunkts erscheint automatisch der Hinweis, dass noch Sprachpakete fehlen und nachgeladen werden können. Nachdem Sie dem zugestimmt haben, setzen Sie „Deutsch“ global mit „Systemweit anwenden“. Um die Aktion abzuschließen, ist eine Neuanmeldung erforderlich.

Monitoreinstellungen: Linux Mint erkennt die optimale Bildschirmauflösung automatisch. Trotzdem gibt es Anlässe, die Einstellungen nachzujustieren: Bei einem Betrieb mit zwei Monitoren ist es immer notwendig, den primären Bildschirm und die optimale Anordnung der Monitore unter „Systemeinstellungen –› Bildschirm“ festzulegen. Hier arrangieren Sie die gewünschte Dual-Monitor-Anordnung einfach mit der Maus.

Ein oft übersehener Punkt für optimale Monitordarstellung ist der Punkt „Systemeinstellungen –› Schriften –› Skalierungsfaktor der Schrift“. Der steht standardmäßig auf „1,0“ und lässt sich in Zehntelschritten verkleinern oder vergrößern.

Netzwerkadapter: Mit Kabelverbindung ist Linux Mint sofort im Netz und Internet. Mit WLAN-Adaptern besteht die übliche Pflicht, sich am eigenen WLAN anzumelden. Dies funktioniert über das Netzwerksymbol in der Systemleiste (Network-Manager). Wenn der WLAN-Adapter hardwaretechnisch nicht erkannt wird, fehlen dort die Option „Funknetzwerk aktivieren“ sowie die Anzeige der nahen Funknetze. Dann hilft eventuell eine vorübergehende Kabelverbindung und das Nachladen des proprietären Treibers (wie unter „Grafiktreiber installieren“). Es gibt allerdings USBWLAN-Dongles, die unter Mint (und Linux generell) nicht funktionieren.

Benutzer und Konten

Benutzer einrichten mit Verschlüsselungsoption.
Vergrößern Benutzer einrichten mit Verschlüsselungsoption.

Nach der Installation gibt es nur das Benutzerkonto, das Sie beim Setup im Dialog „Wer sind Sie?“ angelegt haben. Dieses Erstbenutzerkonto ist „Systemverwalter“ und hat sudo-Berechtigungen. Unter „Systemeinstellungen –› Benutzer und Gruppen“ können Sie Benutzerkonten einsehen, Kennwörter und Kontotyp ändern sowie neue Konten anlegen. Konten vom Typ „Systemverwalter“ erhalten automatisch sudo-Recht.

Beachten Sie, dass die Home-Verzeichnisse unabhängig vom Kontotyp gegenseitig offenstehen für lesenden Zugriff aller Benutzer. Dieser großzügige Standard ist leicht abzustellen. Dazu gehen Sie mit dem Dateimanager in das übergeordnete Verzeichnis „/home“ und markieren Ihren eigenen Ordner. Nach Rechtsklick und „Eigenschaften –› Zugriffsrechte“ setzen Sie für „Andere“ die Rechte auf „Keine“. Der Dateimanager Nemo unter Cinnamon zeigt den Bereich für die „anderen“ Konten leider nicht explizit an: Es handelt sich um den dritten, untersten Abschnitt, wo Sie „Ordnerzugriff“ und „Dateizugriff“ jeweils auf „Keine“ setzen. Beachten Sie, dass Konten mit sudo-Recht weiterhin überall zugreifen können.

Home-Verzeichnis verschlüsseln: Neue Konten können Sie wahlweise mit oder ohne Home-Verschlüsselung einrichten. Das ist ein interessanter Aspekt auch für den Fall, dass Sie die Home-Verschlüsselung bei der Installation für Ihr eigenes Konto übersehen oder für unnötig erachtet hatten. Die Mate- und XFCE-Edition bieten die Option „Persönlichen Ordner verschlüsseln…“ in der grafischen Benutzerverwaltung an, wenn Sie ein neues Konto einrichten. Ausgerechnet die Cinnamon-Hauptedition lässt die Option vermissen. Das ist inkonsequent, aber kein ernstes Problem, denn es genügt dieser alternative Terminalbefehl:

sudo adduser --encrypt-home [name]  

Anschließend geben Sie das Passwort für das Konto ein und bestätigen alle Abfragen mit der Eingabetaste.

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