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Linux-Distributionen im Browser ausprobieren

30.04.2022 | 07:15 Uhr | David Wolski

Wie macht sich eine bestimmte Linux-Distribution im Betrieb? Virtuelle Maschinen auf dem eigenen Rechner sind nicht die einzige Testmöglichkeit. Die Webseite https://distrotest.net lädt zum unverbindlichen Test vieler Systeme ein.

Ein Linux-System ist dank unkomplizierter Installer flott in virtuellen Maschinen zu Testzwecken eingerichtet. Um einen Blick auf ein bestimmtes System zu werfen, gibt es aber einen noch viel schnelleren Weg: distrotest.net bietet einen zeitlich begrenzten Test von über 300 Linux-Distributionen in insgesamt 800 Varianten über einen Webbrowser wie Firefox, Chrome und Chromium – völlig kostenlos. Die Verbindung wird über eine Browser-Schnittstelle per Javascript und HTML5 hergestellt. Dazu vorweg ein Hinweis auf die Einschränkungen: Dauerhafte Anpassungen sind nicht möglich und die Nutzungszeit ist auf 30 Minuten begrenzt. Außerdem gibt keine Netzwerkschnittstelle ins Internet. Zur Installation weiterer Software ist bei vielen Distributionen aber das Installationsmedium als virtuelles DVD-Laufwerk eingebunden. Für einen ersten Blick auf Distributionen ist das kostenlose Angebot aber eine clevere Zeitersparnis, das nicht mal eine Registrierung per E-Mail voraussetzt.

Der technische Hintergrund

Das Angebot von distrotest.net besteht schon seit 2017 und wird regelmäßig mit neuen Systemen ausgestattet. Die Server stellt mittlerweile ein Sponsor (Netcup GmbH). Allerdings laufen nicht alle der angebotenen Systeme immer sofort. Auf der Einstiegsseite finden sich unter „Server usage“ ein Balken der Auslastung des Back-Ends und die gegenwärtige Wartezeit.

Im Hintergrund setzen die virtuellen Systeme auf der Kernel Virtual Machine (KVM) und dem Hardwareemulator Qemu auf – eine Kombination, auf die auch Libvirt und der Virt-Manager auf dem Linux-Desktop setzen. Die Darstellung der laufenden virtuellen Maschinen erfolgt über ein separat geöffnetes Browserfenster mit Hilfe der Javascript-Bibliothek No VNC. Ein VNC-Programm für den Zugriff auf Remotedesktops ist also nicht nötig, kann aber auf Wunsch statt dem Browser genutzt werden. In beiden Fällen muss es möglich sein, die ausgehenden Ports 5700 bis 5999 aus dem eigenen Netzwerk heraus zu nutzen.

System auswählen und starten

Unter „Home“ und „System list“ findet sich eine alphabetische Auflistung aller angebotenen Linux-Distributionen. Die neu hinzugefügten Eintrage kann auch der Punkt „New systems“ nach Datum geordnet zeigen. In diesen Listen zeigt ein Klick auf „Details“ jeweils die Ausstattung mit virtueller Hardware an sowie die Benutzer- und root-Passwörter. Mit „Start“ wird das gewählte System initialisiert und ein weiteres Browserfenster der Ansicht der gestarteten virtuellen Maschine geöffnet. Ein weiterer Button steht zum manuellen Öffnen bereit, sollte ein Pop-up-Blocker das Fenster unterbinden.

Es klappt aber auch mit einem VNC-Client. Dieser bringt gegenüber dem Browser Vorteile bei der Skalierung des Remotedesktops und bei der Abstimmung der Übertragungsqualität des Remotedesktops bei langsamen Internetverbindungen. Die Verbindungsdaten zeigt die Übersichtseite des gestarteten Systems an.

Aus dem Browser: Zusätzliche Dateien hochladen

Übersichtsseite zu einer laufenden VM: Wenn ein anderer VNC-Betrachter verwendet werden soll, finden sich hier die Verbindungsdaten. Hier gibt es auch ein Feld zum Dateiupload.
Vergrößern Übersichtsseite zu einer laufenden VM: Wenn ein anderer VNC-Betrachter verwendet werden soll, finden sich hier die Verbindungsdaten. Hier gibt es auch ein Feld zum Dateiupload.

Die fehlende Internetverbindung der bereitgestellten virtuellen Maschinen ist eine der herben Einschränkungen. Schließlich geht es bei Tests auf weniger bekannten Linux-Distributionen oft darum, ob ein bestimmtes Programm läuft oder ein gebautes Paket installierbar ist.

Aber auf einzelne Uploads von Dateien muss man bei distrotest.net nicht grundsätzlich verzichten. Denn für das laufende System gibt es auf der Übersichtsseite unten mit „Datei auswählen“ die Möglichkeit, einzelne Dateien beziehungsweise Archive bis zu einer Größe von zehn MB hochzuladen.

Diese Datei erscheint dann auf einer separaten Partition, meist „/dev/sdb2“, die dann mit dem jeweiligen Dateimanager eingehängt werden kann. Nach einem Umkopieren ins Home-Verzeichnis und dem Aushängen lassen sich auf diese Weise auch nacheinander mehr als die vorgegebenen zehn MB ins System hochladen.

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