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Lieber bequem als sicher: Deutsche wählen Komfort vor Datenschutz

19.12.2019 | 15:01 Uhr | Stefan Wehrhahn

Autofahren ohne Führerschein und Versicherung? Was im Straßenverkehr undenkbar erscheint, ist im Netz keine Seltenheit.

Im Rahmen einer Studie, die Bullguard in Auftrag gegeben hatte, wurden 5.000 Verbraucher zum Datenschutz befragt, davon 2.000 in den USA, 2.000 in Großbritannien und 1.000 in Deutschland. Die Umfrage kam zum Ergebnis, dass eine erhebliche Lücke zwischen Datenschutzbedenken und tatsächlichem Verhalten im Netz besteht: Rund jeder Zweite macht sich zwar Sorgen um den Schutz seiner persönlichen Daten. Entsprechende Maßnahmen werden aber nicht ergriffen: Sieben Prozent der Deutschen, 19 Prozent der US-Bürger und zwölf Prozent der Briten verlassen sich allein auf die Schutzfunktionen ihres Computers oder Smartphones.

Sorge um Sicherheit und Datenschutz

Wenn sie ein öffentliches WLAN nutzen, machen sich 62 Prozent der Deutschen, 53 Prozent der Amerikaner und 48 Prozent der Briten Sorgen um ihre persönlichen Daten. Die Länder sind sich dabei einig: Finanzauskünfte sind besonders kritisch. Rund zwei Drittel aller Befragten haben Angst, dass diese Informationen bei einem Hack gestohlen werden könnten. An zweiter Stelle stehen Passwörter. Rang 3 belegt für Amerikaner und Briten die Sorge um E-Mail-Inhalte und für die Deutschen die Angst um Bilder und Videos.

Gleichzeitig ist den Studienteilnehmern aus allen drei Ländern bewusst, welche Unternehmen und Organisationen zu den Datensammlern gehören. Hier das Ranking der deutschen Befragten, wer ihrer Meinung nach ihre Online-Aktivitäten verfolgt:

1. Suchmaschinen wie Google (71 Prozent der Deutschen)

2. Social-Media-Plattformen und Messenger, z.B. Facebook und Whatsapp (65 Prozent)

3. Online-Händler wie Amazon (61 Prozent)

4. Internet-Browser (57 Prozent)

5. Internetanbieter (44 Prozent)

Leider sind diese Sorgen nicht unberechtigt: Hacker fangen gezielt Informationen ab, indem sie zum Beispiel eigene WLAN-Netzwerke mit glaubwürdigen Bezeichnungen wie „Free Airport Wi-Fi“ einrichten. Sie erhalten so Zugriff auf Benutzernamen, Passwörter, Kreditkartendaten oder Bankkontoinformationen.

Komfort überwiegt Bedenken

Schutz vor solchen Szenarien würde ein virtuelles privates Netzwerk bieten, ein sogenanntes VPN (Virtual Private Network) . Es überträgt Daten verschlüsselt, wird aber kaum genutzt: 86 Prozent der Deutschen nutzen beim Surfen im öffentlichen WLAN kein VPN . Gleiches gilt für 74 Prozent der US-Bürger und für 80 Prozent der Briten. Nutzer entscheiden sich also für Komfort statt Sicherheit bei der Nutzung von öffentlichem WLAN. Sie ignorieren ihre Bedenken, um möglichst einfach und schnell ins Internet zu kommen.

Ähnliches gilt für den Internetzugang daheim: Dort verzichten vor allem Nutzer in den USA komplett auf zusätzlichen Schutz ihrer Daten. 19 Prozent der Amerikaner, zwölf Prozent der Briten und sieben Prozent der Deutschen setzen allein auf die Standardeinstellungen ihres Browsers oder Internet-Providers.

Immerhin nutzen 69 Prozent der Deutschen, 48 Prozent der Amerikaner und 62 Prozent der Briten zur Absicherung eine Antivirensoftware . Diese schützt Nutzer zwar effektiv vor Malware. Sie verbirgt jedoch weder die IP-Adresse, noch verhindert sie, dass die Online-Aktivitäten von Dritten überwacht werden.

Die Studie zeigt damit auch, dass in vielen Köpfen noch Sicherheit und Datenschutz gleichgesetzt werden. Damit bedeutet Sicherheit eben nicht unbedingt, dass wir keine Daten von uns preisgeben.

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