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Künstliche Intelligenz ist der neue Mozart: Willkommen in der Welt unendlicher Musik

08.05.2019 | 15:00 Uhr | Prof. Francisco Tigre Moura

Sie haben wahrscheinlich schon folgendes Argument für KI gehört: Die Künstliche Intelligenz übernimmt unattraktive Routine-Aufgaben, die der Mensch nicht ausführen möchte. Dafür kann der Mensch dann seine Zeit mit kreativen Dingen verbringen, etwa zum Komponieren von Musik oder Kunst. Richtig? Denken Sie noch einmal darüber nach.

Seit Ende der siebziger Jahre haben Forscher Algorithmen entwickelt, mit denen man außergewöhnliche Musik komponieren kann. Einer der Pioniere war David Cope , Professor für Musik an der University of California (Santa Cruz, USA). David war für die Entwicklung der Software EMI - Experimental Musical Intelligence - verantwortlich, eines der ersten Programme, das in drei objektiven Schritten Originalmusik komponieren konnte:

  • Entschlüsselung früherer Kompositionen

  • Verarbeitung von Daten, die aus den vorherigen Songs gesammelt wurden, um musikalische Muster zu identifizieren

  • und schließlich die tatsächliche Komposition neuer Lieder, basierend auf den zuvor identifizierten musikalischen Mustern

Auf diese Weise komponierte EMI über 11.000 Originallieder, die oft den Werken berühmter Komponisten wie Bach, Mozart, Beethoven und anderen ähnelten. Viele dieser Kompositionen sind auf Youtube, Spotify und anderen digitalen Plattformen verfügbar.

So ist Musik ein weiteres Beispiel (wie Fotografie, Datanalyse, Transport), bei dem Algorithmen einen Prozess beherrschen, der einst auf den Menschen beschränkt war.

Algorithmen werden verwendet, um Lieder in verschiedenen Formen zu komponieren, zum Beispiel durch Analyse der beliebtesten Songs eines bestimmten Genres, eines bestimmten Künstlers, eines einzelnen Albums oder der Karrierephase eines Künstlers.

Es gibt jedoch keine Garantie dafür, dass die Zuhörer künstlich komponierte Songs ansprechend finden. Wir brauchen immer noch menschliches Feedback, um dem Algorithmus mitzuteilen, ob das Lied gut ist oder nicht. Je mehr Algorithmen durch Menschen bewertet werden, desto besser werden sie, denn sie werden keine Muster wiederholen, die als unangenehm empfunden wurden. Abgesehen von elektronischer Musik müssen von KI komponierte Songs immer noch von Menschen aufgenommen werden. Dies wird immer einen menschlichen Einfluss auf die künstlichen Kompositionen gewährleisten.

Gegenwärtig gibt es eine außerordentlich große Anzahl von Stakeholdern, die in KI investieren wie AIVA (Start-up aus Luxemburg, das emotionale Kompositionen für Soundtracks und Werbespots schafft), Flow Machines (Sony CSL-Science Lab), Humtap, IBM Watson Music, Jukedeck, Chordpunch, Amper Music, Magenta (Google Brain), Brain, FM, Melodrive, Popgun und The Echo Nest.

Alle diese Unternehmen widmen sich vollständig der Entwicklung und Verbesserung von Algorithmen, um Musik künstlich für verschiedene Kontexte zu komponieren und außergewöhnliche Ergebnisse zu erzielen. Angesichts der exponentiellen Entwicklung von Technologie wird auch die künstlich komponierte Musik besser werden.

In den Studien , die ich zusammen mit meinen Studenten an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften IUBH (Bad Honnef, Deutschland) für Musicstats.org durchgeführt habe, sind die Forschungsergebnisse ziemlich klar.

Insgesamt haben die Befragten eine negative Wahrnehmung in Bezug auf von KI komponierte Musik vor allem dort, wo es vor allem um die Musik geht (beispielsweise bei Singer-Songwritern, akustischer Musik und Bands).
In Kontexten, wo Musik eine eher untergeordnete Rolle spielt (etwa in Werbespots, als Soundtracks in Videos und in öffentlichen Räumen), ist die Akzeptanz für KI-Kompositionen weitaus größer.

Nachdem ich diese Wahrnehmung mit Hilfe von Experimenten genauer untersucht hatte, waren die Ergebnisse jedoch ganz anders: Sobald den Teilnehmern gefiel, was sie gehört hatten, war es unerheblich, ob das Lied künstlich komponiert wurde. Darüber hinaus hatte die Art und Weise, wie das Lied komponiert wurde, keinen Einfluss darauf, wie die Teilnehmer das Produkt oder die Marke wahrgenommen haben.

Mit anderen Worten:

Für Unternehmen ist es durchaus interessant, künstlich komponierte Musik in der Werbung einzusetzen und von der Kostenersparnis zu profitieren. 

Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis KI-komponierte Musik auch dort mehr und mehr akzepiert wird, wo es hauptsächlich um die Musik an sich geht. 

Wie wird KI die Zukunft der Musikindustrie beeinflussen?

Das kommt darauf an, aus welchem Blickwinkel man das betrachtet.

Vom Standpunkt des Komponisten aus scheint die Zukunft düster zu sein. Bislang gibt es keine klaren Antworten auf die Urheberschaft von künstlich komponierter Musik, und im Wesentlichen wird jeder, der ein elektronisches Gerät besitzt, zum Komponisten. Sobald eine Technologie einen Prozess beherrscht, wird eine Aufgabe oder Arbeit abgewertet, da die Technologie für jeden zugänglich ist.

Ich glaube, dass sich für die Künstler nicht viel ändern wird. Menschen werden immer andere Menschen bewundern. Die Identifikation und Bewunderung menschlicher Führer und Alpha-Charaktere ist in unserer Evolution verankert. Wir werden weiterhin von jemandem beeindruckt sein, der auf einer Bühne auftritt.

Da jedoch jedermann in der Lage sein wird, Originalkompositionen zu erstellen, ist davon auszugehen, dass die Zahl der Interpreten erheblich zunimmt. Und so werden wir in den Charts künftig noch mehr "Musiksensationen" finden mit ansprechenden Bildern und eingängigen Beat, die durch Algorithmen entstanden sind.

Schließlich werden wir aus der Perspektive der Zuhörer in einer Welt unendlicher Musik leben. Neue Apps, Websites und Software ermöglichen neue Formen musikalischer Erfahrungen und maßgeschneiderte Kompositionen für Menschen und Momente.

Es ist für jeden einfacher als je zuvor, Sounds und Songs zu hören, die eine gewünschte emotionale Reaktion auslösen können. Wie sagte es schon Bob Dylan: “The Times They are A-Changin’”.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt.

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