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King Arthur Knight’s Tale gespielt: Age of Empires 4 als RPG

25.02.2021 | 08:02 Uhr |

King Arthur Knight’s Tale ist eine sehr spannende Mischung aus Rollenspiel und militärischer Wirtschaftssimulation im Stil von Age of Empires 4. In der wir Camelot neu aufbauen, Verteidigungslinien hochziehen, Ressourcen-Abbau vorantreiben, aber auch Steuern eintreiben. Dabei können wir ein moralisch guter Herrscher im Sinne von König Arthus sein. Oder ein Tyrann. King Arthur Knight’s Tale im Hands-On-Test.

Camelot brennt. Die Horden des Bösen überrennen die Reihen der Armeen der Menschen und der Ritter der Tafelrunde. Grausige Monster, wie in der Herr der Ringe, stürmen zu Tausenden auf Camelot zu, welches sich einer Belagerung ausgesetzt sieht, ganz ähnlich wie einst Minas Tirith. Tausende Katapulte schleudern ihre brennende Last gegen die stolzen Mauern, Hexer grillen Soldaten mit Blitzen, Orks schlachten sich durch die Reihen von Camelots Soldaten. Armeen der Toten stapfen auf die Stadt zu, fliegendes Ungetier, riesige Dämonen. Und unser Job ist es, Camelot wieder aufzubauen – seine Verteidigungsanlagen, Türme und Kasernen. Die stolze Stadt zu rüsten für die Schlacht. Die Produktion von Waffen und Ressourcen wieder anzuwerfen. Neue Ritter für die Tafelrunde zu rekrutieren und Camelot um jeden Preis zu verteidigen in diesem Werk, dass sich irgendwo zwischen Age of Empires 4 und den rundenbasierten Kämpfen eines XCOM im Fantasy-Mittelalter ansiedelt.

Camelot als Setting ist schon mal spannend, nicht häufig wurde die Arthus-Saga in Videospielen aufgegriffen. Vor allem weil sich die Macher der Thematik von einer Seite nähern, die man nicht erwarten würde: Wir spielen Mordred, den Schlächter von König Arthus. Einst führte er seine Armeen gegen das Königreich und stürzte es in die Dunkelheit. Jetzt bekommt er von der Lady of the Lake die Möglichkeit, vom Verräter zum Held zu avancieren. Oder seinen Kurs beizubehalten. Wir haben die volle Kontrolle über Mordreds Bogen und können entscheiden, ob wir ihn büßen und nach Erlösung suchen lassen sollen – ob er sich auf den Pfad des Lichts begeben soll. Oder weiter nach Macht dürsten, als Fürst der Dunkelheit. Interessanterweise gibt es hier kein Richtig oder Falsch, sondern unterschiedliche Wege, die unterschiedliche Questreihen eröffnen und uns andere Charaktere vorstellen. Der eine versucht, Camelots zu befestigen, die Ritter der Tafelrunde neu aufzustellen, seinem Volk Mut zu machen und ein guter Herrscher zu sein. Wir können aber auch, als schwarzer Ritter, die Angst und unsere Macht nutzen, um Camelots Bürger zu unterwerfen, höhere Steuern zu erpressen und so die Kriegsmaschinerie schneller in Gang zu bringen.

Entwickler Neocore kommt von Warhammer 40K, das spürt man direkt – dieser Boss hier kämpft mit einem Kettensägen-Schwert.
Vergrößern Entwickler Neocore kommt von Warhammer 40K, das spürt man direkt – dieser Boss hier kämpft mit einem Kettensägen-Schwert.

Diese moralische Komponente wird über unsere Entscheidungen ausgespielt, ähnlich wie etwa in einem The Witcher 3. Hat aber auch direkte und indirekte Auswirkungen auf das Gameplay – die Ritter der Tafelrunde und Zauberer Merlin werden sich nur einem guten König anschließen. Ein schwarzer Ritter zieht andere Mitstreiter an. Wie in Age of Empires bauen wir unsere Verteidigung aus, installieren Magiertürme, Kasernen, Bogenhöfe, Schmieden etc., heben jedoch keine Truppen aus, sondern ziehen mit einer kleinen Gruppe von Helden los, die über diese Gebäude ihre Boni beziehen – Zauberer Merlin etwa kann in seinem Turm neue Elixiere mischen, Bogenschützen die Waffe ihrer Wahl auf mehr Durchschlagskraft oder schnelleres Abschießen von Pfeilen optimieren. Es gibt ein Hospital, in dem wir Verwundete versorgen, aber auch einen Friedhof, in dem wir dafür sorgen müssen, dass Tote lieber nicht als Feinde wieder auferstehen. Sie erinnern sich an die Belagerung Winterfells in der letzten Staffel von Game of Thrones und wie Leichen schnell zur Gefahr werden können.

Werden Helden verwundet, müssen sie in unserer Festung versorgt werden. Dafür benötigen wir eine Art Krankentrakt, den wir stark upgraden können. Zauberer können zudem Flüche beseitigen.
Vergrößern Werden Helden verwundet, müssen sie in unserer Festung versorgt werden. Dafür benötigen wir eine Art Krankentrakt, den wir stark upgraden können. Zauberer können zudem Flüche beseitigen.

Innovativ an dieser Idee: Entscheiden wir uns dafür, einen guten Ritter zu spielen, müssen wir der Tafelrunde auch gerecht werden. Die 30 Helden, die wir rekrutieren, können sich durchaus gegen uns stellen, wenn ihnen unsere Entscheidungen nicht gefallen und damit unsere Armee schwächen. Es gibt etwa eine Quest, in der wir einen Drachen-Dungeon einnehmen und entscheiden können, diesen Drachenkopf als neuen Thron in unserer Festung zu installieren – edle Ritter der Tafelrunde würden das als wenig königlich ansehen. Spannend ist auch die Steuer-Komponente, die uns an Anno oder auch Stronghold erinnert: Um schnell voranschreiten zu können, können wir hohe Steuern von unseren Landsleuten erpressen. Weigern sie sich diese zu zahlen, können wir sie enteignen. Auch hier spielt also diese moralische Komponente ein: Ein guter Herrscher strebt faire Abgaben an und erlässt Gesetze, die etwa freien Handel ermöglichen. Ein Tyrann arbeitet mehr wie ein Diktator, der alle Kontrolle auf sich übergehen lässt.

Die 30 Helden können sich gegen uns stellen, wenn wir nicht ihren Werten entsprechen

King Arthur: Knight’s Tale überrascht uns weniger mit seinen Klassen, durchaus aber, wie wichtig die moralische Geschichte hier reinspielt.
Vergrößern King Arthur: Knight’s Tale überrascht uns weniger mit seinen Klassen, durchaus aber, wie wichtig die moralische Geschichte hier reinspielt.

Rekrutieren können wir Helden unterschiedlicher Klassen, etwa Defenders, die besonders schwere Rüstungen tragen und mit ihrem Schwert viel Schaden anrichten, ihre Angriffe aber eher langsam einleiten. Sie fungieren quasi als Tanks. Die Damage Dealer werden Champions genannt, die ihre Axt mit zwei Händen führen, schnell und hart zuschlagen, ohne Schild aber deutlich weniger Schutz haben als ein Defender. Arcanists sind offensive Zauberer, die Feuerwälle beschwören können, Feuerbälle schleudern und Gegner infizieren. Wird einer unserer eigenen Helden mit einem Zauber verwunschen, muss er zurück in die Basis gebracht werden, dort auskurieren und fällt für einige Runden aus. Jeder dieser Recken ist kein 0815-Soldat, sondern hat seinen Platz in der Story – Lady Dindraine etwa ist die Schwester von Parzival und spielt eine entscheidende Rolle in der Geschichte des Grals. Sie ist ein Schützin, die sich durch Fernkampfangriffe auszeichnet und massiv Schaden verursacht. Jedoch schnell verwundet wird, wenn ihr der Feind zu nah kommt.

Kommt es zur Schlacht, wechseln wir aus der Iso-Perspektive in eine, die eher an XCOM erinnert, uns gewisse Aktionspunkte pro Runde gibt und rundenbasiert kämpfen lässt. Nach jeder Schlacht, können wir in die Festung zurückkehren, dort neue Waffen schmieden lassen, Upgrades freischalten oder etwa neue Zaubersprüche erforschen. Zwei Äxte symbolisieren dabei, ob wir eher zum Guten oder Bösen neigen, was wiederum unterschiedliche Quests freischaltet. Morgan Le Fay etwa wird sich uns nur anschließen, wenn wir christlich handeln – und ja, das Spiel versteht unter Christlichkeit den Pfad des Guten und lässt dabei aus, dass es Christen waren, die im Laufe der Kreuzzüge den Orient überfallen und tausende Sarazenen niedergemetzelt haben – für einen Kelch, von dem man sich ewiges Leben versprach. Aber nun. All diese Helden wollen bei Laune gehalten werden, nicht nur mit Quests, die Ruhm versprechen. Sondern auch ehrbaren Taten: Ist etwa ein ganzes Dorf mit einem Fluch verbunden und wir brennen es nieder, werden einige unsere Gruppe verlassen. Ignorieren wir das Problem, könnten sich die Bewohner uns schon bald in Skelett-Gestalt entgegenstellen oder zur Gefahr für unsere Bewohner werden. Doch mit Merlin an unserer Seite gibt es ja vielleicht auch eine andere Möglichkeit, einen Fluch zu brechen, ohne Blut zu vergießen.

Das Spiel hat viele innovative Ideen. Wir können etwa diesen Drachen-Dungeon zu unserem neuen Regierungssitz machen, was natürlich die Ritter der Tafelrunde abschrecken würde. Die bevorzugen uns Camelot als guter König zu führen.
Vergrößern Das Spiel hat viele innovative Ideen. Wir können etwa diesen Drachen-Dungeon zu unserem neuen Regierungssitz machen, was natürlich die Ritter der Tafelrunde abschrecken würde. Die bevorzugen uns Camelot als guter König zu führen.

Erstes Fazit: Kreativer Mix aus Age of Empires 4 und High-Fantasy-XCOM

King Arthur: Knight’s Tale hat viele spannende Ideen, die eine interessante Melange ergeben. So wird etwa die Rüstung unserer Helden mit der Zeit schwächer, wenn sie in Kämpfen Schaden erleiden. Wir sollten sie dann pausieren lassen oder bereits vorher eine bessere Rüstung bei unserem Schmied in der Festung in Auftrag geben. Begleiter können sterben, wenn sie wegen ihrer Verletzungen nicht richtig behandelt werden. Verletzungen und Krankheiten brauchen Zeit, um zu heilen. Was nach simplem Hack & Slash im Diablo-Stil aussieht, avanciert recht schnell zu einer interessanten Mischung aus Action und Wirtschaftssimulation, da wir auch Steuern erheben und dabei unser Volk ausbluten können, wie es Mordred normalerweise tun würde. Oder aber den guten Herrscher mimen, wie es die Lady of the Lake von uns verlangt. Das hat durchaus eine humorige Note, weil Mordred eigentlich keiner ist, der anderen hilft und gerne mal sagt: „Lohnt es sich, für diese zu sterben? Ist doch nur der Pöbel.“ Unsere Helden werden mit Waffen ausgestattet, die wiederum mit dutzenden Runen veredelt werden, und es warten krude Kreaturen sowie Völker in Avalon. Die Formorians etwa, deren König Balor an den Balrog aus Der Herr der Ringe erinnert, nur ohne Flammen. Und merkwürdige Aliens, die auch aus Starcraft kommen könnten wie die Tuatha De Danann, die goldene Schreine auf dem Kopf tragen und Beef mit den Formorianern haben. Und dann gibt’s auch noch drei Meter hohe Mutanten mit Kettensägenschwertern. Es ist also ganz schön was los in diesem Avalon.

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