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Jessica Nigri: Die Königin des Cosplay über sexy Outfits und ihre Liebe zu Spielen

20.02.2020 | 08:04 Uhr |

Jessica Nigri ist der größte Superstar im Cosplay: Wenn die Australierin im sexy, kreativen Mandalorian-Outfit im Death Valley oder als Overwatchs Tracer im Pool posiert, liken das 3,9 Millionen Instagram-Fans . Jessica hat sich auf erotisch angehauchte Interpretationen von Videospiel-Charakteren spezialisiert und erzählt uns, wie alles begann – in Tokio, mit Lollipop Chainsaw.

Es ist der 09. April 2012, Jessicas Smartphone klingelt. Ihr Chef ist dran: „Du bist zu spät für Deine 6-Uhr-Schicht. Kommst du noch?“. Jessica Nigri arbeitete damals bei Trader Joes, einer großen amerikanischen Supermarktkette. Sie antwortet etwas verschlafen, schließlich ist sie gerade in Tokio. „Das war mir sehr peinlich, ich rief eine Kollegin an, ob sie meine Schicht übernehmen würde, wenn ich ihr noch ein bisschen Geld draufzahle. Ich bin eigentlich sehr zuverlässig“, erzählt Jessica Nigri, als wir sie treffen. Warner Bros. hatte sie nach Tokio geflogen, um Promotion zu machen und Interviews zu geben für ein Spiel namens Lollipop Chainsaw. Jessica liebt Games, entwirft das perfekte Kostüm für Juliet Starling – die Protagonistin dieses völlig abgedrehten Werks von Suda 51s Studio Grasshoper Manufacture.

In Tokio ist sie nicht nur für Interviews und Meetings mit dem Design-Team, sondern auch den Foto-Shoot für die weltweite Kampagne, in der sie im sexy Cheerleader-Outfit mit Zombies posiert. Es ist ihr Durchbruch – schon vorher war Jessica Nigri bekannt, doch Lollipop Chainsaw macht sie zum Superstar der Cosplay-Szene. Acht Jahre, 3000 Fotos und 3,9 Millionen Instagram-Abonnenten später gibt es nur wenige Gaming-Persönlichkeiten, die eine passioniertere Fanbase haben. Das ist nicht verwunderlich – Jessica Nigri kombiniert die Präsenz und das Sexappeal eines Victoria-Secret-Models mit der Lässigkeit von Emilia Clarke (Game of Thrones) – sie redet wie ein Wasserfall, lacht viel, reißt Gags und wirkt mehr wie der beste Kumpel als ein Star, deren Fotos absurde 221.000 Like-Herzchen ernten. Das ist die Story von Jessica Nigri. 

Im Rahmen unseres Portrait-Formats treffen wir einflussreiche Persönlichkeiten der Gaming- & eSports-Szene, um ihre Geschichte zu erzählen:

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Die Anfänge: durch Zufall auf der Comic Con entdeckt

Der große Durchbruch kam mit Lollipop Chainsaw. 2012 traf PC Welts Gaming-Experte Benjamin Jessica zum ersten Mal auf der E3.
Vergrößern Der große Durchbruch kam mit Lollipop Chainsaw. 2012 traf PC Welts Gaming-Experte Benjamin Jessica zum ersten Mal auf der E3.
© Benjamin Kratsch

Eine Freundin lud mich 2009 zur Comic Con in San Diego ein. Das Nerd-Mekka, ein Traum. Es gibt Panels von Hollywood-Filmen, neue Spiele werden gezeigt, es gibt ohne Ende Merchandise. Ich schaute mir ein paar Fotos an, dachte mir „Hmm, die meisten scheinen verkleidet zu gehen. Ich hatte keine Ahnung von Cosplay, aber ich liebe Pokémon und besonders Pikachu – ergo zog ich einen gelben BH von Victoria Secret an, ein Röckchen, bastelte ein Schwänzchen, ein paar Ohren – es war nicht besonders professionell, eher wie beim Karneval.“

Ein Fotograf der Comic Con lichtet sie ab, sie geht als „Sexy Pikachu“ viral und „na ja, sagen wir einfach, dass ich mein Namensbadge getragen habe, weshalb mich plötzlich tausende von Leuten auf MySpace adden wollten – ja, da gab’s noch MySpace“ – sie lacht. 

Geboren in den USA – in Reno Nevada, wächst sie in Neuseeland auf, der Heimat ihrer Mutter Jacqueline. Mit 12 Jahren zieht sie mit ihrer Familie nach Arizona, zurück in die USA. „Ich habe extrem viele Games mit meinem Vater gespielt, er hat mir diese Welt eröffnet. Er ist eine der passioniertesten Gamer, die ich kenne - noch heute schreit er durch das Haus, wenn er in World of Tanks ein besonders gutes Match abliefert. Er ist der Hammer. Wo für ihn das Gameplay und die Spieltiefe im Vordergrund stand, galt meine Faszination den Charakteren – World of Warcraft, Borderlands, Gears of War, Overwatch - ich zeichnete sie nach, stellte mir vor, wie ich wohl in diesen Werken aussehen könnte. Ich studierte jedes einzelne Detail.“ 

Jessica möchte eigentlich Spieleredakteurin werden, studiert Journalismus an der University of Arizona, und in der Tat ist es ein Spielemagazin, welches sie bekannt machte – IGN veranstaltete zusammen mit Warner einen riesigen Contest, um die echte Juliet Starling – die Protagonistin von Lollipop Chainsaw zu finden. „Eine unglaublich wichtige Rolle für mich, weil ich dort alles lernte – Moderation, Kampagnen zu shooten, Interviews zu geben.“ Hilfreich ist auch, dass hinter ihren Social-Media-Kanälen jetzt ein globales Marketing-Team von Warner Bros und ein Millionen-Budget stehen. Genau so geht es für Jessica weiter: Für Microsoft promotet sie Gears of War, für Ubisoft mimt sie die sexy Version des Edward Kenway in Assassin’s Creed Black Flag.

Cosplay ist harte Arbeit, oft frustig und weniger glamourös als die meisten denken“

Jessica kann posen, ist exzellent in Interviews und weiß wie man moderiert - das perfekte Testimonial für Triple-A-Titel wie Assassin’s Creed.
Vergrößern Jessica kann posen, ist exzellent in Interviews und weiß wie man moderiert - das perfekte Testimonial für Triple-A-Titel wie Assassin’s Creed.
© Jessica Nigri

Ähnlich wie die Fashion-Industrie ist Cosplay harte Arbeit. Wo bei den großen Fashion-Shows in letzter Minute gerne mal die Designs geändert werden, was für viel Stress für die Models hinter den Kulissen sorgt, besteht Jessicas Job nicht nur aus professionellen Foto-Shoots, sondern vor allem dem Anfertigen von Kostümen. Eine Detailarbeit, die sie nicht selten den letzten Nerv kostet, „weil Fans ihre Charaktere lieben. Sie erkennen den kleinsten Fehler. Und natürlich möchtest Du nichts falsch machen“, erzählt Jessica Nigri mit großen Augen. Mal mache das großen Spaß, „wenn alles glatt läuft, was verdammt selten der Fall ist.“ Etwa, als sie mit ihrem Team um 4:30 an exakt jener Stelle einer Salzplatte im Death Valley steht, wo auch eine der legendären Szenen von Star Wars: The Mandalorian gedreht wurden. „Kein Photoshop der Welt kann dieses warme, weiche Licht ersetzen. Jeder Photoshoot ist eine Herausforderung, vielleicht ein bisschen vergleichbar mit einem Filmset – du hast nur einen kurzen Zeitraum, in dem das Licht perfekt steht und dann muss alles klappen.“

Mal lässt es sie daran zweifeln, warum sie das alles überhaupt macht. Etwa als kurz vor der BlizzCon ein Outfit-Wechsel her muss, weil das eigentliche einen Schaden davon getragen hat. Generell sind wir überrascht, wie viel Jessica selbst macht. Sie hat zwar ein Fotografen-Team rund um Martin Wong, ihre Cosplay-Kostüme fertigt sie allerdings noch immer selbst. „Du musst Dir überlegen, was für ein Material sich eignet, welches so funkelt wie der Rubin auf einer Rüstung. Wie Du eine Waffe so designst, dass sich das Gold echt anfühlt. Dass Stahl nicht wirkt, als wäre es eine Legierung, sondern als wäre es wirklich Stahl.“ Jessicas Tag besteht in erster Linie daraus, sich mit 3D-Printing zu beschäftigen, Stoffe und Werkstoffe zu studieren, extrem viel zu experimentieren – „und die ein oder andere Träne zu verdrücken, wenn etwas kaputt geht, woran du tagelang gearbeitet hast. Nur um Dich dann wieder aufzuraffen, weiter geht’s. Das Ding muss ja fertig werden.“ Cosplay sei auch deshalb so herausfordernd, weil alles ein Gewicht haben müsse, was man für eine Messe auch wirklich tragen kann. Viele dieser speziellen Stoffe, Hartgummi-Teile und Accessoires sind daher nicht sonderlich widerstandsfähig und können durchaus kaputt gehen. 

Trotz ihres großen Erfolgs, schneidert Jessica ihre Outfits noch selber - Cosplay sei harte Arbeit, gerade wenn hinterher hunderttausende deine Arbeit bewerten.
Vergrößern Trotz ihres großen Erfolgs, schneidert Jessica ihre Outfits noch selber - Cosplay sei harte Arbeit, gerade wenn hinterher hunderttausende deine Arbeit bewerten.
© Jessica Nigri, North Photography

Einer der Gründe, warum Jessica jeden einzelnen Schritt mit einer Spiegelreflexkamera über ihrem Kopf filmt – „geht mal etwas schief und das ist oft der Fall, habe ich zumindest die Chance, die Schritte nachvollziehen zu können. Denn Du baust ja nicht nach Anleitung, Cosplay ist eher wie das Bauen von Props für Filmsets – nicht wie LEGO“ – sie grinst. Und dann muss natürlich alles auch transportiert werden, wofür es spezielle Koffer gibt, aber auch ein Cosplay-Superstar muss bei internationalen Reisen durch den Zoll. „Erklär mal einem Zollbeamten, warum Du ein Meter langes Schwert in deinem Koffer hast, auch wenn es nur aus Hartgummi besteht.“ Und auch nach mittlerweile acht Jahren im Geschäft spürt Jessica den Druck der Fans – denn auf Instagram gibt es nicht nur Herzchen und nette Kommentare, sondern immer auch harte Kritik. Wobei tatsächlich die positive Fanliebe überwiegt: „Sie sind die Süßesten – ich bekomme wirklich so viele Geschenke, die mein Herz erfreuen. Selbstgebastelte Sachen, in denen ich als Figur in Spieleszenen eingebaut werde oder auch Cosplay-Utensilien, die mich inspirieren sollen.“ Sie packt diese Geschenke meist auf ihrem Youtube-Channel aus – und das live:

Wir schneiden recht wenig und ja, manche Geschenke sind etwas too much. Kleiner Tipp an die Jungs da draußen: Es ist eher komisch, einer Frau Sex Boys zu schenken, die man nur aus dem Internet kennt.“

Jessica ist groß auf Patreon, gut 20.000 US-Dollar sollen hier laut Schätzungen pro Monat zusammenkommen, also satte 240.000 pro Jahr, was die Cosplayerin auch mal mit einem Live-Stream nur in Dessous belohnt. Mit einem Vermögen von geschätzt 2 Millionen US-Dollar laut diverser Websites ist Jessica auch die erfolgreichste Cosplayerin, zumindest im westlichen Raum. Mehr Geld verdienen nur ihre asiatischen Kolleginnen.

Ich verstehe die Kritik teilweise, aber jede TV-Serie zeigt mehr Busen als ich“

232.000 Likes auf das letzte Foto - Jessicas sexy Interpretation von The Mandalorian. Das sind Herz-Raten, wie sie sonst nur Hollywood-Stars haben.
Vergrößern 232.000 Likes auf das letzte Foto - Jessicas sexy Interpretation von The Mandalorian. Das sind Herz-Raten, wie sie sonst nur Hollywood-Stars haben.
© Jessica Nigri

Bereits seit Beginn ihrer Karriere muss Jessica gerade auch von der US-Presse harte Kritik einstecken, weil sie „zu sexy“ sei und „ein unrealistisches Frauenbild vermittle, was andere Frauen unnötig unter Druck setzen würde.“ Jessica kann das teils nachvollziehen, sagt aber auch: „Body Positivity finde ich super wichtig. Ich möchte, dass Cosplay für jeden da ist – völlig unabhängig was für eine Figur du hast. Das heißt aber auch, dass Du Deinen Körper lieben solltest – wer sich sexy zeigen möchte, der soll das auch machen. Also mal abgesehen davon, dass mein Busen ziemlich groß ist – ich kann den nicht beliebig für Fotos ein- und ausfahren, was scheinbar manche Leute glauben“ – sie lacht.

Zudem ist es auch ihr Markenzeichen geworden – für den Mandalorian-Shoot hat sie mehrere Bilder hochgeladen, u.a. auch in voller Rüstung, mit süßem Baby-Yoda – die sexy Variante im Mandalorian-Bikini hat aber 100.000 Likes mehr. Noch erfolgreicher ist ein Nacktfoto von ihr im Whirlpool – „Ganz ehrlich, ich frage mich manchmal, warum wir darum so einen Wirbel machen. Wenn Jungs sich im Whirlpool fotografieren, ist das völlig cool. Wenn ein Mädchen das macht – und ich zeige wirklich nur ein bisschen Po und halt den Rücken, ist es ein Problem. Wir sollten alle ein bisschen entspannter sein.“ Da würden wir ihr Recht geben - jede Episode Game of Thrones hat mehr Sex und Nacktheit als der Instagram-Kanal der Königin des Cosplays.

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