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Internetanbieter wechseln: billiger, schneller und die richtige Technik

19.04.2021 | 08:01 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Mit einem neuen Vertrag für Internet und Festnetztelefonie zu Hause sparen Sie 400 bis 500 Euro – bei gleicher Leistung und Bandbreite. Wir vergleichen Vor- und Nachteile von DSL, Kabel, Glasfaser und Internet per LTE und zeigen, wie der Wechsel problemlos klappt.

Never change a running system! Funktioniert der Internetzugang zu Hause einwandfrei, spricht manches dafür, alles so zu belassen. Andererseits gibt auch gute Gründe, sich für einen neuen Provider zu entscheiden. Das beginnt beim Geld, denn die diversen Wechselgutschriften und -boni summieren sich meist auf mehrere hundert Euro. Ein weiteres Argument ist die Bandbreite, die sich abhängig von der Wohnadresse, von der Zugangstechnik – also DSL, TV-Kabel, Glasfaser oder Mobilfunk – und vom Anbieter unterscheiden. Die Abbildung auf der nächsten Seite oben rechts zeigt dies für eine Adresse in München: Weil der lokale Provider M-Net das Haus noch nicht an die Glasfaserleitung in der Straße angeschlossen hat, liefert er nur 100 MBit/s. Die Telekom schafft per DSL-Telefonleitung dank Supervectoring 250 MBit/s. Über das Kabelnetz, also die „Fernsehdose“, erhält man sogar 400 MBit/s.

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Marktübersicht: In unserem Tarifrechner finden Sie den idealen DSL-Tarif

Auch die Platzierung der Zugangsdose kann den Ausschlag für die eine oder andere Anschlussart geben. Gerade in älteren Häusern und Wohnungen liegt der Telefonanschluss oft im Flur, während der Fernsehanschluss in mehreren Räumen verfügbar ist. Auch der umgekehrte Fall ist möglich. Sinnvoll kann ein Anbieterwechsel schließlich sein, wenn man neben Internet und Festnetztelefon das Fernsehsignal und/oder den Mobilfunkvertrag aus einer Hand haben möchte.

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Für den Providerwechsel spricht vieles – Probleme sind selten

Sollen Sie nun also beim bisherigen Provider bleiben oder sich einen neuen suchen? Wenn gute Gründe für den Wechsel sprechen, entscheiden Sie sich neu. Unsere langjährige Erfahrung und die Marktbeobachtung zeigen, dass der Wechsel in aller Regel problemlos läuft. Damit dies auch bei Ihnen der Fall ist, beschreiben wir, worauf Sie bei der Auswahl des neues Anbieters achten sollten, welche Fristen es zu beachten gibt, wie der Vertragsübergang in der Praxis abläuft und welche Rechte Sie als Verbraucher haben.

Am Beginn Ihrer Überlegungen stehen Fragen zu Anschlussart, Geschwindigkeit und zum gewünschten Provider – vor dem Hintergrund, was bei Ihnen tatsächlich zur Verfügung steht. Gleich ein ganze Reihe regulatorischer und gesetzlicher Vorgaben, privatrechtlicher Verträge und tatsächlicher Gegebenheiten vor Ort schränken die Auswahl erheblich ein. Den Kabelanbieter können Sie sich grundsätzlich nicht aussuchen, teilweise gilt das sogar für DSL, und ein Glasfaserzugang muss erst einmal vorhanden sein. Selbst bei Onlinetarifrechnern, die die Verfügbarkeit aufgrund der eingegebenen Adresse anzeigen, müssen Sie immer damit rechnen, dass da etwas nicht stimmt. Das gilt insbesondere, wenn zwei Kabelprovider zur Wahl stehen. Bei Zweifeln kontrollieren Sie die Verfügbarkeit bitte nochmals direkt beim Internetanbieter selbst. Vergleichsweise zuverlässig arbeiten Tarifrechner von PC-WELT/Verivox  und Check 24 .

Ein Hinweis darf an dieser Stelle nicht fehlen: Mancher Provider bewirbt seine Leitungen als „Glasfaser“, obwohl die Lichtwellenleiter nicht bis zum Kunden, sondern nur bis zur Straße reichen. Mehr zu den Unterschieden zwischen FTTB (Fiber to the Building/Basement), FTTC (Fiber to the Curb/Cabinet) und FTTH (Fibre to the Home) lesen Sie im Einzelnen hier .

Gleiche Adresse in München, drei Provider: M-Net (Glasfaser an der Straße, oben) liefert 100 MBit/s, die Telekom 250 MBit/s (DSL-Supervectoring, Mitte) und PYUR (TV-Kabel) sogar 400 MBit/s.
Vergrößern Gleiche Adresse in München, drei Provider: M-Net (Glasfaser an der Straße, oben) liefert 100 MBit/s, die Telekom 250 MBit/s (DSL-Supervectoring, Mitte) und PYUR (TV-Kabel) sogar 400 MBit/s.

So viel kosten Anschlüsse für Internet und Telefon tatsächlich

Eine Anmerkung vorweg: Sofern nicht anders angegeben, bezeichnen alle der folgenden Preisangaben die monatlichen Gebühren für einen kombinierten Internet- und Telefonanschluss zu Hause mit unlimitiertem Datenvolumen und Gesprächen ins deutsche Festnetz. Dauerhaft am günstigsten sind in der Regel die Kabelanschlüsse, die es mit einer Download-Bandbreite von 20 oder 50 MBit/s schon ab 20 Euro gibt. Weil man sich den Kabelanbieter wie erwähnt nicht aussuchen kann, ist derjenige vor Ort unter Umständen teurer. Zudem ist der Upload dieser Anschlüsse meist auf ein bis vier MBit/s begrenzt. Die anderen Übertragungstechniken bieten hier mehr, was unter anderem für Videokonferenzen im Homeoffice wichtig ist.

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DSL-Anschlüsse kosten bei einer Bandbreite von 16 MBit/s meistens ab 30 Euro, solche mit 50 MBit/s ab 35 Euro. 100 oder 250 MBit/s über die Kupferleitung sind unwesentlich teurer. Bei monatlich rund 40 Euro starten die Glasfaseranschlüsse, die tatsächlichen Kosten aber hängen vom Provider ab. Internet über Mobilfunk ohne Volumenbegrenzung und einer Bandbreite von mehr als zehn MBit/s schlagen mit mindestens 50 Euro zu Buche. So viel kostete zuletzt der O2-Tarif „Free Unlimited Max“ im Telefonica-Netz.

Eine Ausnahme stellt das Angebot Freenet Funk  ebenfalls im Telefonica-Netz für knapp 30 Euro dar. Allerdings funktioniert Freenet Funk nur über die Smartphone-App und den Hotspot des Mobiltelefon, nicht mit einem normalen LTE-Router. Überprüfen Sie vor Abschluss eines LTE- oder 5G-Vertrags zur stationären Nutzung die Versorgung im gewählten Netz über die Karte der Bundesnetzagentur .

Wichtig ist für den Preisvergleich schließlich, ob der genannte Preis bereits einen Router inkludiert. Falls nicht, müssen Sie nochmals drei bis fünf Euro pro Monat für die Miete kalkulieren oder ein eigenes Gerät kaufen beziehungsweise haben.

Während diverse Tarifrechner für unsere Beispielsadresse einen Kabelanschluss von Vodafone offerieren, zeigt der Check beim Provider, dass er Internet nur per LTE liefert („GigaCube“).
Vergrößern Während diverse Tarifrechner für unsere Beispielsadresse einen Kabelanschluss von Vodafone offerieren, zeigt der Check beim Provider, dass er Internet nur per LTE liefert („GigaCube“).

Beim Blick in die Tarifrechner wundern Sie sich nun vermutlich, denn dort werden selbst 50- oder 100-MBit-Verträge schon ab 20 Euro angeboten. Die genannten Preise stimmen tatsächlich, weil sie – den Abschluss eines 2-Jahresvertrags vorausgesetzt – sämtliche Kosten abzüglich der anfangs reduzierten Gebühren, Cashback-Aktionen und anderer Boni auf die gesamte Laufzeit von 24 Monaten umrechnen. Insgesamt summiert sich diese Ersparnis oft auf 400 bis 500 Euro.

Ab dem 25. Monat zahlt man dann den regulären Preis – es sei denn, man wechselt erneut. Das alles lohnt sich allerdings nur dann wirklich, wenn Sie den Bonus auch tatsächlich einlösen und die Prämie nicht nach Ablauf der gesetzten Frist verfallen lassen.

Tipp: Die wichtigsten Informationen zu Leistung, Bandbreite, Vertragslaufzeit, Kosten und Hardware muss jeder Provider zu allen Tarifen im sogenannten „Produktinformationsblatt“ zur Verfügung stellen, das meist als PDF-Datei verfügbar ist.

Ein solches „Produktinformationsblatt“ zu jedem Tarif ist gesetzlich vorgeschrieben: Es fasst die wichtigsten Informationen zu Leistung, Bandbreite, Vertragslaufzeit, Kündigungsfrist und Kosten zusammen.
Vergrößern Ein solches „Produktinformationsblatt“ zu jedem Tarif ist gesetzlich vorgeschrieben: Es fasst die wichtigsten Informationen zu Leistung, Bandbreite, Vertragslaufzeit, Kündigungsfrist und Kosten zusammen.

So funktioniert der Wechsel des Internetproviders in der Praxis

In der Regel nutzt man das Internet ja bereits, hat also bereits einen laufenden Vertrag. Weil sich dieser bei vielen Providern automatisch um jeweils ein Jahr verlängert und die Kündigungsfrist üblicherweise drei Monate beträgt, ermitteln Sie zunächst den Vertragszeitraum. Dazu sehen Sie entweder nach dem Einloggen beim Provider in Ihrem Kontobereich oder in Ihren Unterlagen nach. Idealerweise schließen Sie den neuen Vertrag drei bis vier Wochen vor Ablauf der Kündigungsfrist ab. Vorher macht der Tarifvergleich wenig Sinn, danach wird es zeitlich knapp.

Um mögliche Komplikationen zu vermeiden, kündigen Sie den Vertrag beim bisherigen Provider nicht (!) selbst, sondern schließen den Neuvertrag entweder direkt beim Anbieter Ihrer Wahl oder über eines der Vergleichsportale wie die von PC-WELT/Verivox, Check 24 & Co. ab.

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Dieses Prozedere leitet Sie durch alle relevanten Schritte, zu denen auch Ihre Kündigungsermächtigung des bisherigen Vertrages durch den neuen Provider und die Rufnummernportierung gehören. Diese sorgt dafür, dass Sie Ihre Festnetznummer nach dem Wechsel weiter nutzen können. Da die Prüfung aller Angaben und das Zusenden des Portierungsauftrag zum Unterschreiben einige Tage in Anspruch nehmen, haben Sie selbst bei drei Wochen Vorlauf noch genügend Zeitpuffer. In der Praxis schickt Ihnen der neue Provider beziehungsweise das Wechselportal eine Auftragsbestätigung und informiert Sie über den jeweils aktuellen Status sowie eventuell anstehende Schritte. Gewöhnlich läuft alles glatt, dann passiert wochenlang nichts mehr.

Einige Provider stellen ihren Internetkunden Router ohne Aufpreis zur Verfügung, andere berechnen eine Monatsmiete bis zu fünf Euro. Alternativ kann man natürlich auch seinen eigenen Router verwenden.
Vergrößern Einige Provider stellen ihren Internetkunden Router ohne Aufpreis zur Verfügung, andere berechnen eine Monatsmiete bis zu fünf Euro. Alternativ kann man natürlich auch seinen eigenen Router verwenden.
© Fritz

Der große Tag: Alles für den Umschalttermin vorbereiten

Erst ein paar Tage vor der eigentlichen Umstellung erhalten Sie vom neuen Provider Ihre Zugangsdaten für das Onlinekonto und den Router. Falls ein Techniker erscheinen muss, teilt man Ihnen dafür einen Termin mit. Haben Sie einen Router bestellt, wird er Ihnen zugeschickt. Apropos Router: Hatten Sie zuvor Hardware gemietet oder zur Verfügung gestellt bekommen, schicken Sie sie unbedingt fristgerecht an den bisherigen Anbieter zurück. Anderenfalls stellt er Ihnen für das „Behalten“ schnell 150 oder 200 Euro in Rechnung. Am Tag des Umschaltens unterbricht der bisherige Provider die Verbindung. Anschließend dauert es meist ein paar Stunden, bis die neue Leitung betriebsbereit ist. Geben Sie dazu in Ihren Router die neuen Zugangsdaten ein, setzen ihn für den automatischen Verbindungsaufbau zurück oder schließen den neuen an. Was Sie tun können, wenn der Wechsel wider Erwarten nicht funktioniert, lesen Sie im Kasten unten auf dieser Seite.

Unser Rat: Schließen Sie den neuen Vertrag online ab, weil Sie im Internet in Ruhe Ihre Eingaben erledigen und Zusatzoptionen wie den Router oder eine Mobil-Flatrate auswählen, alle Angaben kontrollieren und Screenshots zur Dokumentation machen können. Am Telefon wird der Provider (fast) immer versuchen, zusätzliche Dienstleistungen zu verkaufen.

So bringen Sie das schnelle Internet zu Hause in alle Räume

Der neue Internetanschluss ist abhängig von der Wahl des Tarifs und der Anschlussart um ein Vielfaches schneller als der bisherige. Das bestehende WLAN oder die Powerline-Verbindungen gelangen bei schnellen Kabel- oder Glasfaserleitungen an ihre Grenzen, unsere zehn Tipps  sorgen für mehr WLAN-Tempo.

Ein Router wie die Fritzbox 7530ax, die den neuen WLAN-Standard Wi-Fi 6 (802.11ax) unterstützt, beschleunigt zudem die Parallelnutzung mehrerer Geräte. Viele Notebooks sowie neuere Desktoprechner lassen sich über den Einbau eines 11ax-WLAN-Moduls im Format M.2 einfach und günstig aufrüsten. Solche Karten gibt es unter der Bezeichnung AX200NGW für gut 20 Euro im Handel.

Tipp: Wie den Festnetzanschluss können Sie auch den Mobilfunkanbieter wechseln und dabei Ihre Rufnummer behalten. Die Gebühren für die Portierung hat die Bundesnetzagentur auf knapp sieben Euro gedeckelt .

Lesetipp: So berechnen Sie das mögliche WLAN-Tempo

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