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Internet über TV-Kabel und Glasfaser

01.09.2012 | 10:15 Uhr |

Internet via TV-Kabel: 100 MBit/s und mehr


Die Technik: Die gut abgeschirmten Koaxialkabel von Kabelanschlüssen sind technisch in der Lage, mehrere GBit/s an Internetdaten parallel zum TV-Signal zu übertragen – und das über deutlich weitere Entfernungen als die ungeschirmte Kupfer-Doppelader des Telefonanschlusses.

Fernsehen, Radio und Turbo-Internet mit über 100 MBit/s: Der Kabelanschluss ist weitaus leistungsfähiger als DSL.
Vergrößern Fernsehen, Radio und Turbo-Internet mit über 100 MBit/s: Der Kabelanschluss ist weitaus leistungsfähiger als DSL.
© Kabel Deutschland

Die Probleme: Historisch bedingt verlaufen die meisten TV-Kabelnetze baumartig. Von einem Kabelstamm pro Straße, Ortsteil oder Ort zweigen also mehrere Äste zu den Häusern ab. Und vom Hausanschluss gibt es (bei Mehrfamilienhäusern) wiederum einen langen Strang, von dem die Kabel zu den einzelnen Wohnungen abzweigen. Im Klartext heißt das: Alle Benutzer, die an dem gleichen Hauptstrang hängen, teilen sich die verfügbare Gesamtbandbreite. Dem begegnen die Kabelanschluss-Anbieter damit, dass sie ihre Netze teilweise auf eine Sternstruktur umrüsten, bei der jeder Teilnehmer oder zumindest jedes Haus oder jeder Straßenzug direkt an den Hauptknoten angeschlossen ist. Dieser verfügt dann über eine schnelle Glasfaseranbindung ans Internet.

Diese Umrüstung ist teuer und aufwendig. Daher hat es viele Jahre gedauert, bis Kabel Deutschland, Kabel BW, Unitymedia & Co. die Netze in Tausenden von Städten und Gemeinden so weit gebracht haben, dass sie jetzt pro Benutzer bis zu 150 MBit/s liefern. Und der Ausbau ist noch lange nicht abgeschlossen: Zum einen werden Zug um Zug weitere Städte Highspeed-tauglich gemacht. Zum anderen wird die Geschwindigkeit in Bereiche von bis zu 400 MBit/s vordringen. Vor allen Dingen dadurch, dass mittelfristig immer mehr analoge Fernsehkanäle abgeschaltet werden. Der Upload ist allerdings nach dem heutigen Stand der Technik auf 6 MBit/s beschränkt.

Die DSL- und Kabelanbieter mit dem besten Service

Die schnellen Kabel-TV-Internetanschlüsse sind – wie gesagt – schon vielerorts verfügbar. Eine Verfügbarkeitsanfrage auf der Website des Kabelfernseh-Anbieters, von dem Ihr Hausanschluss stammt – in der Regel sind das Kabel Deutschland, Kabel BW, Primacom oder Telecolumbus – ergibt oft ein positives Resultat. Einziges Hindernis könnten dann bei Mietwohnungen und/oder Mehrfamilienhäusern noch der oder die Eigentümer sein. Denn die müssen zustimmen, dass der Anbieter einen zusätzlichen Verstärker im Keller montieren oder das Kabelnetz modernisieren darf, wenn es zu alt ist. Wie hoch die Bandbreite vor Ort tatsächlich ist, hängt wie beschrieben maßgeblich von der Straßen- und Hausverkabelung ab. Manche Kabel-TV-Benutzer schwärmen von gleichbleibend hohen Datenraten, die der beworbenen sehr nahe kommen, andere liegen 20 bis 40 Prozent unter den Versprechungen.

Glasfaser: 200 MBit/s heute, 10 GBit/s morgen

Die Technik: Anders als bei DSL- oder Kabelanschlüssen werden Daten bei Glasfaserverbindungen nicht mittels Strom übertragen, sondern durch Lichtimpulse. Die Bandbreite von Licht ist – naturgegeben durch das breite Farbspektrum – sehr hoch. Entsprechend schnell fließen die Daten. Die Übertragung per Lichtwellenleiter ist auch weniger störanfällig. Anders als bei Kupferkabeln beeinflussen sich die Signale von nebeneinanderliegenden Glasfasern nicht. Darüber hinaus sind sie unempfindlich gegen elektromagnetische Störfelder. Nicht zuletzt sind Lichtwellenleiter sehr reichweitenstark, da die Signalabschwächung bezogen auf die Leitungslänge sehr gering ist: Je nach Übertragungsverfahren lassen sich Distanzen von über 100 Kilometern ohne Zwischenverstärkung überbrücken. Aus diesen Gründen sind Glasfaserverbindungen im professionellen Umfeld auch schon längst zum Standard geworden. Gängige Übertragungsraten sind hier 1 bis 10 Gigabit pro Sekunde. Forschern ist es sogar schon gelungen, 32 Terabit pro Sekunde zu übermitteln.

In den meisten Teilen Deutschlands noch Zukunftsmusik: Glasfaserleitungen, die bis in die Wohnung gelegt werden, liefern aktuell bis zu 200 MBit/s – technisch wären noch deutlich höhere Bandbreiten möglich.
Vergrößern In den meisten Teilen Deutschlands noch Zukunftsmusik: Glasfaserleitungen, die bis in die Wohnung gelegt werden, liefern aktuell bis zu 200 MBit/s – technisch wären noch deutlich höhere Bandbreiten möglich.
© Vodafone Deutschland

Die Probleme: Um Glasfaserleitungen innerhalb von Städten zu verlegen, müssen vielerorts die Straßen aufgerissen werden. Das kostet Zeit und Geld. Oft warten die Telekommunikationsunternehmen daher, bis in einer Stadt ohnehin Arbeiten am Gas-, Wasser- oder Stromnetz vorgenommen werden, und verlegen die Leitungen in diesem Zusammenhang. Davon, dass die Glasfaser unter der Staßendecke liegt, hat der Endkunde allerdings zunächst einmal nichts. Auf diese Weise ließe sich höchstens VDSL realisieren – jedoch auch nur unter der Voraussetzung, dass der Besitzer der Glasfaser entweder die Telekom selbst ist oder dass er Kapazitäten im Kabelverzweiger an der Straße von der Telekom anmietet oder einen eigenen Kabelverzweiger mit VDSL-Gegenstellen (Outdoor-DSLAMs) aufstellt. Dieses Verfahren nennt sich FTTC (Fiber to the Curb – Glasfaser bis zur Bordsteinkante).

Ultraschnelles Internet einrichten - so geht's

Um hohe Bandbreiten von mehreren hundert MBit/s zu erreichen, muss die Glasfaser allerdings noch näher zum Kunden heran. Entweder bis in den Keller, von wo aus die Daten dann mit einer VDSL-ähnlichen Technik über die bestehenden Kupfertelefonleitungen mit bis zu 400 MBit/s in die Wohnungen übertragen werden. Dieses Verfahren nennt sich FTTB (Fiber to the Building – Glasfaser bis zum Gebäude). Oder man wählt den Weg über FTTH (Fiber to the Home – also Glasfaser bis in die Wohnung), um bis in die Gigabit-Gefilde vorzudringen. Das klingt einfacher, als es ist. Denn sowohl für FTTB als auch für FTTH müssen der oder die Besitzer des Hauses mitspielen und eine Genehmigung zur Verlegung der Kabel erteilen. Darüber hinaus ist FTTH ziemlich aufwendig und damit teuer, da die Leitungen ja einzeln in jede Wohnung eingezogen werden müssen.

Aber selbst in den wenigen Gebieten, in denen bereits Glasfaserleitungen in den Wohnungen vorhanden sind, können Privatkunden von Geschwindigkeiten im Gigabit-Bereich vorerst nur träumen. Beispiel Telekom: Die bei „Call & Surf IP Fiber“ aktuell maximal angebotene Bandbreite beträgt 200 MBit/s im Download und 100 MBit/s im Upload. Dazu kommt: Wie bei VDSL hat die Telekom auch bei den Glasfaseranschlüssen offenbar Angst, dass einige Benutzer in einen Highspeed-Rausch verfallen und durch zu intensive Nutzung die Infrastruktur überlasten oder die Telekom-internen Übertragungskosten in die Höhe treiben. Daher erfolgt bei Call & Surf IP Fiber 100 ab einem Datenvolumen von 300 GB und bei Call & Surf IP Fiber 200 ab 400 GB eine Drosselung auf extrem niedrige 0,4 MBit/s (384 KBit/s). Weitere Informationen zu den Glasfaseranschlüssen der Telekom gibt es unter telekom.de/glasfaser . Auch einige lokale Stadtnetzbetreiber sind bereits eifrig dabei, die schnellen Leitungen zu verlegen, beispielsweise M-Net .

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